Ich habe immer daran geglaubt und glaube auch jetzt noch daran – vielleicht besonders jetzt. Ich glaube, dass ich nicht ‘einfach’ nur bekloppt bin, sondern irgendwo da drin in meinem Körper etwas schief ist, das – wenigstens in großen Teilen – auch korrigiert werden kann.
Bisher war ich wohl vergebens auf der Suche nach dem, was mir helfen kann, aber ich glaubte seit meinem ‘Erlebnis’ mit Trevilor, daß ich es finden kann, denn ich hatte es ja ‘erlebt’.
Ich bin seit einem Artikel über den verspäteten Wirkungseintritt von SSRIs und SNRIs auf eine Erklärung gestoßen, warum Trevilor mir so sehr geholfen hat, obwohl der Wirkungseintritt doch erst nach ca. 4 Wochen kommen sollte.
Seit dem suche ich nach Krankheiten/Störungen im Dopaminhaushalt und deren Therapien. Spannender Weise wurde mir ja sogar ADHS diagnostiziert – die klassische Störung im Dopaminhaushalt, das unruhige ‘zappelige’ Menschen hervorruft. Jedoch brachte mir die Therapie nicht den erhofften Erfolg. Ritalin und Elontril brachten keinerlei Beruhigung.
Schon länger zuvor bin ich auf das sog. Restless Legs Syndrom gestoßen. Aber als ich die ersten Berichte/Beschreibungen darüber gelesen hatte, bin ich schnell davon abgekommen, es würde zu meiner Krankheit passen. Fast alles stimmte – nur waren die ‘Bewegungen’ nicht nur in meinen Beinen und vor allem wusste ich immer, das ICH diese Bewegungen mache. Und das ich nachts nicht unbewusst zappelte. Da glaubte ich noch, das gehört zum RLS dazu.
Vor kurzem habe ich erneut mehr über das RLS gelesen. Ich habe mir sogar (mal wieder) eine Doktorarbeit speziell über die Korrelation zwischen RLS und Depressionen/Angststörungen durchgelesen. Hier habe ich u.a. auch gelesen, dass die nächtlichen, unwillkürlichen Beinbewegungen NICHT zwangsläufig zum RLS gehören. Und das die Bewegungen des RLS nicht unwillkürlich sind, sondern vom Kranken als ‘Strategie’ eingesetzt werden, um die Missempfindungen in den Extremitäten zu unterdrücken. Das ständige Wippen, Hibbeln oder Zappeln mit den Beinen und (bei mir auch) Armen ist also typisch RLS.
Es gibt eine Methode das RLS über einen schlichten Test zu diagnostizieren. Ex juvantibus, wie es lateinisch so schön heißt. Man schmeißt sich das typische RLS Medikament (Levodopa) rein und wenn es RLS ist, dann verspürt man meist schon nach der ersten Einnahme eine Besserung der Symptome. So die Theorie.
Vor drei Tagen am 11.11.11 habe ich diesen Test begonnen. Es war für mich der ruhigste Abend seit Jahren. Eigentlich der ruhigste seit ich denken kann – mal von der besagten Trevilorzeit abgesehen. Es war noch lange nicht so perfekt wie damals, aber so deutlich besser als sonst, dass ich es kaum glauben wollte. Und ich weiß, das die Dosis, die ich für den Test bekommen habe, weit unter der therapeutischen Dosis war. Da ist also noch Spielraum.
Ich hoffe und glaube, dass ich womöglich die Quelle meiner Unruhe und damit auch Ängste gefunden habe. Wer über Jahre nicht richtig Schläfen kann und nie richtig zur Ruhe kommt, der darf meiner bescheidenen Meinung nach auch schneller in Stress geraten als andere. Die Doktorarbeit, die ich zu dem Thema gelesen habe zeigte auch genau diesen Zusammenhang auf. Wer unter RLS leidet, ist statistisch signifikant stärker gefährdet an einer Angststörungen zu erkranken als andere Menschen. Das klingt so nett harmlos, wenn man nicht selbst zu so einem statistischen Fall geworden ist.
Wie auch immer – ich bin gespannt, was meine Ärztin morgen zu meinen Empfindungen in den drei Tagen Levodopa-Test sagt. Und vor allem, was dann kommt. Wie sich eine höhere Dosis anfühlt usw. Ich bin jedenfalls sehr gespannt.
LG Petrocelli