Tag 1 ;)

So, der erste Tag ist also ‚geschafft‘.

Im Grunde lief alles sehr unspektakulär und ’normal‘ – sprich keine starken Nebenwirkungen. Das einzige, was ich am Nachmittag deutlich gespürt hatte war eine Müdigkeit, die mich auch gleich zu einem zweistündigen Nickerchen bewegt hat 😉 Mach ich sonst eigentlich nicht, aber heute sollte es so sein. Und das obwohl es keine unangenehme Müdigkeit im Sinne von betäubt gewesen ist. Eine weitere ‚Besonderheit‘, die mir aufgefallen ist, sind Schmerzen (oder eher Zwicken, kleine Krämpfe?) in den Beinen – hauptsächlich um die Knie herum. Das klingt für mich aber so absurd als Nebenwirkung, dass ich das mal als Dummsinn und zu genaue Betrachtung meines Körpers eintüte 😉

Ansonsten – nix; kein Schwindel, keine Benommenheit, keine Magen/Darm Probleme, usw. Also eigentlich nichts von dem, was ich sonst von SSRIs oder triziklischen Antidepressiva kenne, wenn man beginnt. Tja, Baclofen gehört halt nicht zu diesen Arzneigruppen.

Das finde ich schon mal richtig gut, denn wie im – ich glaube vorletzten – Blogeintrag zu lesen war, habe ich sehr gerne Angst vor Medikamenten und deren Nebenwirkungen ;). Das ist natürlich kontraproduktiv, wenn man irgendwie etwas davon haben will.

Ich habe das Glück persönlichen Kontakt zu zwei Personen zu haben, die schon einige Monate Baclofen einnehmen. Einer seit gut einem Jahr und der andere 7-8 Monate. Beide sagten mir, dass ich am Anfang mit hoher Wahrscheinlichkeit sowieso nichts merken werde, also auch keine Nebenwirkungen. Die Müdigkeit vergeht wieder, wenn man Baclofen länger nimmt – so die einhellige Meinung. Soweit passt es erstmal.

Tja, und nun? Ich weiß es nicht. Im Moment bin ich müde und werde wohl gleich den Kasten hier ausmachen ;).

Was ich allerdings ‚witzig‘ finde und worauf ich wirklich sehr gespannt bin, da ich nach wie vor große Hoffnung in Baclofen habe: Die Depressionen, die auch ich öfter mal verspüre, selbst wenn die Angst immer mein größtes Problem ist, die sollen zuerst verschwinden. Und das sogar innerhalb überschaubarer Tage. Da bin ich wirklich gespannt, wie ich mit Müdigkeit eine Depression verdrängen kann. Vielleicht schlaf ich die platt? :>

Das alleine wäre ja eigentlich eine Sensation, denn viele Menschen leiden unter Depressionen und brauch lange Medikamente, bis sich wirklich was ‚tut‘. Und SSRIs, die gerne gegen Depressionen eingesetzt werden, fangen bei vielen an nach einigen Wochen/Monaten nicht mehr so gut zu wirken, wie am Anfang. Es hört nicht auf zu helfen, aber wer gerne eine noch stärkere Unterstützung durch das Medikament erhofft hatte, wird dann gerne durch eine Verringerung der Wirkung zusätzlich enttäuscht.
Hier bei Baclofen bin ich wirklich gespannt, in wie weit das auf mich wirkt. Ich vermute es ist, wenn es dann auch positiv auf die Angst wirkt, eh nicht mehr zu trennen, denn wenn die Angst weniger werden würde, wäre ich sofort weniger Depressiv.

Ich bin jedenfalls schon mal froh, den ersten Tag so ’stressfrei‘ hinter mich gebracht zu haben und bin guter Dinge für die nächsten. Ich bin gespannt!

Der Zahnarzteffekt…

haha – am heutigen Morgen würde ich sagen: Ach, quatsch. Das Balcofen nehm ich garnicht. Könnte höchstens weh tun und eigentlich, naja eigentlich habe ich ja garnichts. Die letzten 25 Jahre Angststörung meint ihr? Papperlapapp. Das war doch nix. Geht mir doch gerade gut, was soll ich da ändern 😉

Das kennen die meisten vom Zahnarzt, oder wenigstens so ähnlich, gelle? 🙂 Naja, der Tag ist noch lang und das Haltbarkeitsdatum vom Baclofen ist längst nicht abgelaufen. Wir werden sehen, was der Tag so bringt.

Baclofen ist da, und nun?

Tja, ich wäre wohl keiner mit einer Angststörung, wenn diese Frage so leicht zu beantworten wäre 😉
In all den Jahren, in denen ich Psychopharmaka genommen habe, hatte ich es mir eigentlich zur Regel gemacht, nicht in irgendwelche Beipackzettel zu schauen. Jedenfalls nicht zu Beginn oder gar vorher!

Mein erster psychiatrischer Arzt, der mir z.B. Stangyl verschrieb, hatte ein wirkliches Talent die Sorgen um Nebenwirkungen auszutreiben. Er verteilte eine Ruhe, die man solange aufbrauchen konnte, bis man selbst merkte, dass man keine Angst vor dem Medikament zu haben brauchte. Und siehe da, ich empfand vor allem, was mir half und nicht was Negatives hinzugekommen ist. Das war sehr gut.

In den Jahren hat sich inzwischen einiges verändert: Der besagte Arzt hat leider seine Praxis aufgegeben und ich musste irgendwann anfangen selbst nach alternativen Medikamenten zu suchen, da die ‚Standards‘ nicht anschlugen und der nachfolgende Neurologe sich nicht wirklich für eine Medikation interessierte. Sein alleiniges Heilmittel sieht er darin, dass ich es ‚einfach mal mache‘. Tja, das ist sicher gut – aber dieser Abflusskanal ist bei mir leider verstopft….

Wenn ich heute ein neues Medikament ausprobiere, habe ich mich bereits länger damit befasst. Ich gehe wenig unvorbereitet darauf los und das hat nicht nur gute Seiten. Ich habe zusätzliche Angst vor, ja wovor eigentlich?

Ich versuche die Optionen mal aufzulisten, denn da ist mehr:

a) Was ist mit böööösen Nebenwirkungen? Kann ja sein, hab auch schon welche gehabt, die nicht witzig waren und nicht eingebildet (ja, man kann sich z.B. eine zu niedrige Blutgerinnung mit allen Folgen nicht einbilden…)

b) Was ist, wenn es ganz einfach nicht hilft? War es nicht meine letzte Chance? Ist dann alles vorbei?

c) Was ist WENN es hilft?! Was macht meine Psyche dann mit mir? Kann ich es überhaupt ertragen, wenn ich plötzlich wieder alles machen kann? Nach 25 Jahren Knast dreht so mancher Knacki wieder ein Ding und lässt sich mit Absicht erwischen….

Das sind für mich so die offensichtlichen Probleme, seit dem ich nicht mehr so ganz ‚blauäugig‘ an Medikamente heran gehe. Ich male mir also noch welche dazu – denn Probleme finde ich wohl toll.

Fangen wir mal mit Punkt c) an: Angst davor keine Angst mehr zu haben? Klingt absurd? Ja, das klingt es, aber da ist was Wahres dran. Diese Befürchtung beschleicht einen. Aber beim genauen hinsehen entpuppt es sich für mich schon als Befürchtung vor einer letztendlichen Enttäuschung – nach dem Motto: einige Wochen Schwebe ich im siebten Himmel, weil alles so toll ist und dann ‚BOOOM‘, hört die Wirkung wieder auf. Alles vorbei. Ich glaube diese Angst geht in so eine Richtung – weil es nach all diesen Jahren wirklich unglaublich wäre, wenn es wirklich hilft.
Meine Frau sagte heute zu genau diesem Punkt: „Wenn Du willst, können wir dann ja hier und da mal Angsterkrankung ’spielen‘. Dann bleiben wir zu Hause, machen alles nur zusammen usw.“
Und was habe ich geantwortet? „Ja super!“ 😉

So, dann. Zu Punkt b): Das ist doch wohl eine plausible Angst, oder? Nur bedingt, werden die Psychotherapeuten unter euch rufen! Ihr werdet noch viel mehr zu meinem Blog rufen, aber an diesem Punkt kommt Euch der so viel beschrieene ‚Gewinn der Angst‘ in den Sinn.
Tja, und ihr könnt euch auch wieder setzen – ich leugne ja garnicht. Irgendwann hat es den bestimmt gegeben. Man konnte vermeiden, das eine oder andere zu tun. Bestimmt. Aber reicht dieser Gewinn so lange? Über so viele Jahre mit Verlust? Ich glaube nicht. Irgendwann verselbstständigt sich so etwas (wenn man überhaupt an den Gewinn glaubt) oder für einige war es schon immer ein ‚Selbstläufer‘. Und in jedem Fall wäre es zum jetzigen Zeitpunkt ein Tiefschlag. Ein nicht enden wollendes Ende. Reines Schwarz. Das macht mir Sorgen und nach all den enttäuschten Hoffnungen, die ich über die Jahre hatte, sicher nicht grundlos.

Dann bleibt noch Punkt a): Ja und das ist der Grund, warum ich eigentlich am liebsten nicht diese Tabletten nehmen würde. Der direkteste Grund, den ich mir so herhalten kann: Man kann ja sooooo viele, schlimme Dinge als Nebenwirkungen kriegen. Teuflisch! Der Beipackzettel ist zwar nur halb so lang wie der von den ’normalen‘ Medikamenten, die ich über die Jahre und sehr lange eingenommen habe, aber da war es ja ‚offiziell‘! (Korrekt, diesen Satz bitte unter Sarkasmus speichern – ich bin nur angstgestört, nicht bekloppt!). Ich merke also immerhin, das diese Gedanken sinnfrei sind und wenig Grundlage haben, aber – und das ist halt ein wesentlicher Teil der Angststörung – ich sitze hier, seit dem der Postmann da war und mach mir diese verfickten Gedanken! Das nervt total! Warum muss ich immer glauben, das jeder Scheiss irgendwie gefährlich ist. Ich hoffe nur, die wenigsten von Euch da draußen wissen zu gut wovon ich rede….

Tja, also. Ich wollte also nur mal das Wichtigste der letzten X Tage mitteilen, denn das sind diese Gedanken für mich. Der Schritt in welche Zukunft? Ich weiß es nicht.
Ich werde etwas twittern oder hier schreiben, sobald ich weiß wie es weiter geht.

Warten auf Godot….

So ist das mit Dingen, von denen man glaubt zu wissen wie sie sind. Man stellt irgendwann fest, das man vielleicht garnichts weiß. Ich glaube so geht es mir manchmal; ich glaube zu wissen, wie das so mit meiner Angststörung ist, wie ich wann reagiere, wo ich vermeide usw. Und plötzlich: Peng! Alles im Arsch.

Ich habe ich den letzten Jahren schon öfter auf Medikamente ‚gewartet‘. Und – da hat meine liebe Frau sicher recht – bevor ich dann ‚tatsächlich‘ das jeweilige Medikament einnehme und auf die ersehnte Heilung hoffe, mache ich einige Rückschritte. Das müsste man eigentlich so hinnehmen und sich entspannen. Sich deswegen wenigstens nicht tagelang schlechtere fühlen. Ärgern kann man sich immer noch, wenn das neue Medikament mal wieder nichts bringt. Doch ich wäre nicht ich, wenn ich es mir so leicht machen würde. Wo bliebe da der Spass für den Angstgestörten?

Also mache ich es mir die letzten Tage schwerer als ‚gewohnt‘ – natürlich ’sehe‘ ich dabei NICHT die Theorie meiner Frau als Ursache. Wo käme ich denn da hin, wenn ich so eine Wink mit dem Zaunpfahl verstehen würde. Wäre ich da geheilt? Ich weiß es nicht. Ich kann es hören, wiederholen, es in meinem Blog schreiben und sogar mit dem Kopf verstehen. Aber es kommt einfach nicht im Bauch an. Da wo sich die unangenehmen Gefühle entwickeln und ihren verdammten Siegeszug durch den Körper beginnen.

An solchen Punkten frage ich mich wirklich, ob ich noch alle Lampen am Schirm habe…. Jeder andere würde diesen Mechanismus doch auch erkennen und entsprechend reagieren, oder? Der Witz ist ja noch, wenn ich das von einem Freund erzählt bekommen würde, so würde ich ihm noch sagen, er sollte mal klar kommen und nicht so einen Quatsch veranstalten.

Tja, aber wie ich es drehe und wende – ich fühle mich in diesen Tagen (ja, in denen ich auf Baclofen warte) mächtig beschissen. Und was ich bisher eigentlich nie kannte, ich fühle mich nichtmal mehr zu Hause richtig sicher. Und gewohnte Strecken, die ich mit meiner Frau immer gut schaffen konnte, werden im Moment zur Qual.

Also, was lerne ich daraus? Wahrscheinlich nichts, denn mit dem Lernen bzgl. meiner Angsterkrankung habe ich es trotz langjähriger Erfahrung offensichtlich nicht wirklich. Ich werde es also bis zu dem Moment aushalten müssen, in dem ich Baclofen erhalte. Der spanische Versender sprach von 4-6 Tagen ( Ich würde ja sooooo gerne bei ihm nachfragen, ob er das Wochenende mitrechnet oder nicht 😉 ). Ansonsten gibt es noch den nächsten Termin mit meiner Ärztin, aber ich muss gestehen, wenn ich das letzte Gespräch so revue passieren lasse, dann bin ich mir garnicht mehr so sicher, ob sie es mir überhaupt geben wird. Aber das ist mir zum Glück egal.

Vielleicht sollte ich mir so einen kleinen ‚Auskreuzkalender‘ basteln, wie wir es in langweiligen Urlauben als Kinder gemacht haben: Erst wird ein Kalender gemalt – mit richtig grooooßen Kästchen für jeden Tag – dann wird jeden Tag der entsprechende Kasten schwarz gekritzelt. Bis der ganze Kalender aus einem großen Gekritzel besteht.

Tja, ich glaube ich hole mir gleich mal ein großes Blatt Papier……..

Das erste Mal….

…läuft nicht immer so, wie man es sich wünscht. Vor allem nicht, wenn es garnicht um Sex geht. Da gibt es auch Dinge, die wünscht man sich überhaupt nicht, die sind nämlich vollkommen out of Order, da ist es egal, wie es läuft. So auch die erste Panikattacke in meinem Leben:

Mittlerweile liegt diese rund 25 Jahren zurück und war der Beginn meines eigenen Gefängnisses. Gab es Anzeichen? Hmm, nein. Außer, dass vielleicht das krasse Gegenteil das Anzeichen war. Zu dieser Zeit – ich war jugendliche 17 Jahre alt – ging es nur um Party, Alkohol und Mädels. Wo immer gerade die Sau rausgelassen wurde: Ich war schon da und habe als Erster das Gatter geöffnet. Im Schnitt war ich 7 Tage die Woche besoffen (jaja, manchmal kam es mir vor wie 8 Tage….). Da es keinen Kumpel gab, der es in dieser Menge mitmachte, hatte ich meine beiden besten Freunde im Wechsel als Begleitung – oder manchmal wurde sich auch zu Hause besoffen und man brauchte garnicht aus dem Haus, weil sonst nirgendwo Party war.

Das ganze war ziemlich aufreibend, ganz nebenbei noch das Abitur gemacht und sich aber eigentlich nicht dafür interessiert, und ständig was um die Ohren. Im Grunde war man nur erschöpft und wäre froh gewesen mal zu ‚chillen‘, wie es heute so schön heißt. Das war für mich jedoch tabu.

Ich glaube mich zu erinnern, das es wohl ein Sonntag war – nach zwei Nächten Dauersaufen sind wir (ein Kumpel und ich) von einem Bistro aus dem ‚Szeneviertel‘ unserer Stadt nach Hause gefahren und mir wurde plötzlich ganz anders. Irgendwas, was ich nicht einordnen konnte. Schwindel, Schweissausbruch und Beklemmung. Mein Herz schlug mir bis zum Hals und ich dachte mir platzt gleich die Brust. Ich bat meinen Kumpel sofort anzuhalten und ich riss noch während der Fahrt die Autotür auf.

Als der Wagen zum stehen kam (und zwar an einer Stelle, wo ein Auto nicht stehen darf…), war nicht lange Zeit nachzudenken. Aussteigen oder Weiterfahren – das Hupkonzert hinter uns begann bereits.

Ich weiß nicht, ob das Aussteigen meine Geschichte besiegelte, oder ob es sonst einige Tage oder Wochen später angefangen hätte, aber das ist auch egal. Es hatte angefangen.

Was ich heute noch als das wohl schlimmste an der Entwicklung meiner Krankheitsgeschichte empfinde ist, das es einige Jahre und viele Ärzte brauchte, bis mir endlich mal ein Arzt nicht sowas sagte wie: ‚Sie sind gesund, alles ist gut‘ – nur weil er nichts gefunden hatte. Erst nach so langer Zeit sagte ein Arzt zu mir: ‚Das sind Panikattacken, Sie haben eine Angststörung.‘

Diese Information hatte mir wirklich gefehlt. Denn erst von diesem Moment an wusste ich, womit ich es zu tun hatte. Es fühlte sich fast gut an zu wissen, man sei nicht vollkommen bescheuert, sondern es gibt wenigstens einen Namen für die eigene Klapse. Mehr gab es aber auch nicht.

Die erste Therapie (Verhaltenstherapie), war wohl auf Grund von zwei wesentlichen Faktoren von (wenigstens kurzzeitigem) Erfolg gekrönt: Ich litt erst wenige Jahre darunter und alleine das Verstehen und Erkennen der eigenen Symptome als Teil einer bekannten Krankheit und nicht einer noch unentdeckten, ominösen Spezialkrankheit, das waren die Faktoren die es später nie wieder so gab. Ich lebte ca. 1-2 Jahre halbwegs Symptomfrei bzw. konnte diese ausreichend ausgleichen. Dann reichte es leider nicht mehr. Es nahm seinen Lauf.

Paroxetin

http://de.wikipedia.org/wiki/Paroxetin

Paroxetin war das zweite Medikament, dass ich gegen meine Ängste bekommen habe. Mittlerweile einige Jahre her, aber die wichtigsten Dinge weiß ich wohl noch (wobei tatsächlich ein nicht unerheblicher Gedächtnisverlust teil der Nebenwirkungen für mich war).

Nachdem ich mit Stangyl (Trimipramin) ‚herunter‘ gefahren wurde, begann ich Paroxetin einzuschleichen. Zu dieser Zeit machte ich bereits seit Monaten eine Expositionstherapie, die aber wiederum seit Wochen stagnierte. Nach ca. 3-4 Wochen merkte ich tatsächlich einen Zuwachs an positiver Motivation und einen Rückgang der Gedanken um mögliche Ängste, die durch das ausgelöst werden könnten, was ich da gerade tue. Ursprünglich waren meine Ängste wohl unter einer Agoraphobie einzuorden, was sie mittlerweile definitiv nicht mehr sind. Am Fortschritt der besagten Expositionstherapie konnte man die Wirkung von Paroxetin am besten sehen. Und hier tat sich wirklich einiges. Vieles was jahrelang unmöglich erschien, war nun möglich. Ich war nicht entspannter, aber ich war auf eine positive Weise aktiver. Aber auch diese Entwicklung hatte klare Grenzen. Ich wäre nie mit dem Auto in eine andere Stadt gefahren oder ähnliches, es war aber für jemanden, der vorher nur Zuhause war und auch dort nie alleine sein konnte, ein echter Fortschritt mal in einen anderen Stadtteil zu fahren, um einen Freund zu besuchen oder morgens einfach Brötchen zu holen.

Es stellte sich aber nie ein Gefühl echter Angstfreiheit oder Entspannung ein – manchmal im Gegentail. Es war besser als ohne Tabletten, aber nichts, was man Heilung oder Ähnliches nennen wollte.

Die offensichtlichen Nebenwirkungen, wie starkes Schwitzen, Potenzstörungen und leichter Durfall, gingen im Laufe der Zeit zurück, aber verschwanden nie. Der ständige Gedächtnisverlust (der sicher auch half die Angst zu vergessen) war für mich selbst schon sehr anstrengend, aber für mein Umfeld fast noch mehr. Bedeutend schlimmer war aber, dass ich in dieser Zeit zu einem echten Egoisten geworden bin, was vor allem manische Züge annahm. Ich vermute eine gewisse Vorbelastung, das dies bei mir verstärkt auftrat (ist eine der Gegenanzeigen, wenn manische Episoden bekannt sind). Obwohl solche ‚manischen Episoden‘ bei mir vorher nicht bekannt waren und übrigens unter anderen SSRIs, die ich später auch genommen habe, nicht aufgetreten sind.

Einen Anstieg von Ängsten, wie einige Patienten berichten, hatte ich garnicht. Aber die Theorie, dass ein angetriebener Geist vor lauter Ativität nur ‚gut drauf‘ ist, könnte vielleicht bei Depressionen gut funktionieren, aber bei Ängsten…. Tja, für mich ist die Vorstellung, wie ich mich irgendwann fühlen möchte eine andere. Dennoch: Paroxetin war eines der ‚besseren‘ Medikamente bzgl. der Wirkung, also in meinen Augen immer einen Versuch wert. Die Nebenwirkungen wären jedoch für mich heute nicht mehr akzeptabel, aber da reagiert jeder anders – das muss man einfach ausprobieren, so platt es klingt.

Lampions laufen…

gehörte schon zu den Dingen, die ich als Kind besonders geliebt habe. Alle Kinder liefen hintereinander, starrten auf Ihre Lampions und waren solange vollkommen abgelenkt, bis das erste Kind es geschafft hatte, dass so ein Lampion in Flammen aufging. Das Geschrei unter den Ältern war mindestens so laut wie das der Kinder und bevor wieder alles ruhig wurde, brannten in jedem Fall noch zwei oder drei weitere ab 😉 Einfach herrlich!

Warum ich das erzähle? Fragt meinen Therapeuten! Es war einfach nur ein schöner Gedanke an eine Zeit, in der ich mich nicht ( wenigstens nicht bewusst ) an tägliche Ängste erinnern kann.

Der Grund warum ich heute darauf komme ist wohl, dass ich heute zwar kein Glück bei meiner Ärztin bzgl. Baclofen hatte, mich aber nach nur kurzem Überlegen dazu entschlossen habe es mir im Zweifel auch ohne Arzt über das Internet zu besorgen, Und genau das habe ich heute direkt gemacht.

Für mich zeigt es einfach, dass ich diesen bereit gedanklich eingeschlagenen Weg nun gehen muss. Ich gehe ihn sogar gerne, selbst mit etwas wackelnden Beinen. Aber im Grunde würde ich es mir nie verzeihen, diese Chance nicht genutzt zu haben. Und, wer weiß, vielleicht hat deswegen der liebe Gott dafür gesorgt, dass Baclofen in Spanien rezeptfrei erhältlich ist 😉

Nicht, dass ich nun mit meiner Ärztin diese Sache nicht angehen will, oder ich plötzlich anfange mir noch andere bunte Pillen aus dem Netz zu bestellen. Sicher nicht! Aber ich gehe den Weg zur Not alleine, wenn es denn so sein muss. Das habe ich heute für mich festgestellt.

Auch hatte ich heute ein schönes, langes Gespräch mit jemandem, der seit über einem Jahr Baclofen nimmt und sich mit dem Thema sehr intensiv beschäftigt. Mir wurde nochmals vieles klarer und er war mir gegenüber von dem möglichen Erfolg von Baclofen so überzeugt, dass ich immer wieder sagen musste: Es wäre zu schön, wenn das stimmen könnte. Das hört sich so ‚echt‘ an, wie Du es sagst. „Tja.“, erwiderte er einfach „Weil es nunmal so ist, was soll ich da anderes sagen?“

Ich bleibe skeptisch aber mit dem großen Wunsch, das es wirklich so sein könnte. In wenigen Tagen werde ich Baclofen bekommen – ob nun mit oder ohne Ärztin. Aber das ich in unseren Land darüber so nachdenken muss, weil mich mein Leidensdruck dazu bringt ein Risiko mit verpanschten Medikamenten einzugehen ist schon fragwürdig. Aber was nicht in eine Statisitk passt, ist halt oftmals nicht legal. In der Medizin offensichtlich öfter – kein Platz für Einzelentscheidungen.

Apropos Statistik : Mein Lampion ist übrigens nie abgebrannt…..

Morgen ist (irgend)ein großer Tag!

Ding-Dong! Der Nächste bitte!

Ok, ok, das ist etwas übertrieben. Bei meiner Ärztin geht es noch sehr persönlich zu. Wir schmeissen uns auch mal flapsige Sprüche an den Kopf oder philosophieren über Bücher aus den frühen Siebzigern, die die Achtundsechziger verpasst haben :p Es macht jedenfalls Spass, wenn man merkt, da ist jemand, der versucht nicht nur seine Krankenkassen-Massnahmen durchzuziehen, sondern auch nach dem Patienten und dessen befinden schaut. Das ist nicht leicht, in Zeiten in denen ein Patient gerne auch mal seinen Arzt verklagt. Nicht das ich das nicht gutheissen würde, jedoch bitte nicht wundern, wenn die Ärzte dann auch keinen Spielraum mehr haben.

Baclofen braucht den Spielraum und deshalb unterschreibe ich meiner Ärztin auch eine entsprechende Haftungsfreistellung. Mein Risiko – Sie begleitet es mit Ihrem Fachwissen soweit Sie kann (und das hat nicht nur mit Kompetenz zu tun!). Baclofen ist für Ängste nicht zugelassen, auch wenn es off-Label des öfteren verschrieben wird und es von einer Menge positiver Erfahrungen zu lesen gibt.

Aber was ist mit mir? Hilft es denn gerade mir? Sind alle Berichte über positive Wirkungen von der ‚Baclofen-Mafia‘ lanciert und diese ist auf Angstpatientenfang? Tja……. – wer weiß? Ich werde es herausfinden. Als wäre ich ein mutiger Mensch. Aber es war schon immer meine Meinung, das jemand wie ich, der schon bei einer fünfminütigen Fahrt vom Haus weg soviel Angst verspürt wie ein Fallschirmspringer, der ist der eigentliche Adrenalin-Junkie. Ein Gefahrensucher und womöglich mutiger als alle Anderen! Wer springt schon 3-5 mal am Tag aus dem Flugzeug?

Aber vielleicht lege ich das Gewand des Adrenalin-Power-Users bald ab und werde ein entspannter Mensch. Der ganz verrückte Sachen macht wie: Alleine Einkaufen, Freunde besuchen oder gar alleine mit dem Hund spazieren gehen?!?! Fallschirmspringen langweilt mich :p

Nein, im Ernst. Wenn alles gut gelaufen ist und sich meine Ärztin das Buch von Olivier Ameisen angelesen hat und womöglich ein bisschen im Internet über Baclofen recherchiert hat, dann erhalte ich vielleicht Morgen mein erstes Rezept für Baclofen. Dann werden wir sehen, was folgt. Vielleicht wird Baclofen für mich genauso in die Liste der durchschnittlichen Psychopharmaka eingereiht wie alle Anderen, die ich zuvor genommen habe. Oder vielleicht wird es eine solche Änderung in meinem Leben geben, wie bei z.B. Olivier Ameisen, für den Alkohol fast das Ende seines Lebens bedeutet hätte und der heute – dank Baclofen – ein ganz neues Leben führt. Und das seit Jahren! Ich bin kein Alkoholiker – fast hätte ich natürlich gesagt – jedoch liegt unter so manchem Alkoholismus eine Angstkrankheit. So z.B. auch bei besagtem Autor. Ich habe auch von anderen gelesen und teilweise persönlich mit ihnen Kontakt aufgenommen, die von genau dieser Wirkung bei Baclofen sprechen. Dies klingt ungemein erstaunlich. Fast unglaublich.

Aber was habe ich zu verlieren? Korrekt – ausser ein paar Tabletten einzuwerfen, die als ein verlässliches Medikament ohne gravierende Nebenwirkungen (in den angemessenen Dosen!) gelten – nicht viel Schlechtes. Da habe ich schon anderes Zeug genommen – und auch massive Nebenwirkungen erlebt, wie innere Blutungen und allgemeine Blutungsneigung (ohne Vorbelastung!), wie massiver Drehschwindel bis zum Erbrechen oder manische Episoden mit Gendächtnisverlust.

Auch wenn diese Medikamente eine Zulassung für Angststörungen hatten, haben sie bei mir nicht gewirkt sondern im Gegenteil mehr geschadet. Einige der Medikamente, die so auf mich gewirkt haben, gibt es nur wenige Jahre (teilweise habe ich direkt nach der Zulassung ‚zugegriffen‘). Keiner weiß, was da noch bei einigen Patienten auftaucht. Baclofen ist mit 30 Jahren in der Praxis wirklich nicht der Kandidat für die große Sorge vor dem Unbekanntem.

Ich denke, wenn es Morgen tatsächlich schon ’so weit‘ sein sollte, dann werde ich in regelmäßigen Abständen mein Blutbild untersuchen lassen und dann wird man verfolgen, was passiert. Im Kopf, wie im Blut.

Stangyl (Trimipramin)

http://de.wikipedia.org/wiki/Trimipramin

Stangyl war das erste Psychopharmaka, dass ich in meinem Leben eingenommen habe. Das ist ungefähr acht bis neun Jahre her. Nicht, dass ich es nicht vorher nicht schon ‚angeboten‘ bekommen hätte, aber da ich auch einer von denen bin, die sogar vor Tabletten und deren ‚unbekannten‘ Wirkungen Angst haben, wurde halt vorher nichts daraus 😉

Zu dieser Zeit – bevor ich es nahm – war ich vollständig fahrig, immer in Unruhe. Es gab nie ‚Pause‘. Deshalb auch der Ansatz des Neurologen, erstmal ‚heruntergefahren‘ zu werden, bevor man mit einer SSRI Behandlung anfängt. Ich hatte zu dieser Zeit keine Ahnung von Psychopharmaka und mich mit der Entscheidung überhaupt etwas zu nehmen eigentlich schon dem ’sicheren Tod‘ hingegeben. Alles schien richtig zu sein, was der Arzt vorschlug und wenn nicht, war es mir tatsächlich egal. Ich sprang also ins kalte Wasser und schaute was passiert.

Im Grunde machte es genau das, was es sollte: es fuhr mich runter. Und mein Gewicht rauf (>25 Kilo Zunahme, die ich übrigens bis heute nicht mehr verloren habe….). Tatsächlich habe ich fast den ganzen Tag geschlafen, oder im Bett gedöst und mir dabei zugeschaut wie ich mir zuschaue. Meine Dosis war 75mg in 3 Teilen gleichmäßig verteilt. Viele erhalten es nur (oder den größten Teil) zur Nacht, da es halt so müde macht. Trimipramin hat eine Halbwertszeit von ca. 23 Stunden, so dass sich die Wirkung einer Nachtdosis auch lange in den Tag verteilt. Vielleicht wäre ich weniger müde gewesen, wenn man da etwas geändert hätte – aber dass ist mir heute mindestens so egal wie damals 😉

Die Angst? Tja, wer schläft und schnarcht während ihm der Sabber aus dem Mund läuft – also der hat auch wenig Angst. Aber auch von allem anderen wenig…. Wie übrigens auch von den Nebenwirkungen: hier hatte ich wirklich nur die Schläfrigkeit und extreme Gewichtszunahme. Darf man dann wirklich von ’nur‘ sprechen? Ich weiß es nicht. In der damaligen Zeit war ich tatsächlich ziemlich dankbar über die Wirkung. Ich konnte sogar hier und da am Computer arbeiten. Wenn ich mal nicht geschlafen haben, versteht sich.

Ich habe Stangyl ca. 2-3 Monate genommen. Hätte ich es länger genommen, wäre ich womöglich ins das Guinness-Buch der Rekorde gekommen – aber nur wegen meinem Gewichtszuwachs.

Der Wirkstoff Trimipramin wird hauptsächlich für solche Zwecke eingesetzt (nein, ich meine nicht das ‚Dick werden‘), da er – im Gegensatz zu anderen tryziklischen Arzneien – wenig Antidepressiv wirkt. Auch ich hatte keinerlei antidepressive Wirkung verspürt. Die anxiolitische Wirkung rührt meiner bescheidenen Meinung vor allem von der starken Sedierung her. Aber ich wünsche mir natürlich eine Angstfreiheit ohne ständig stoned zu sein 😉

Das Absetzen von Stangyl war ohne große Nebenwirkungen oder Entzugserscheinungen von statten gegangen. Ich habe aber auch ganz ‚ordentlich‘ ausgeschlichen, während ich direkt danach mit Paroxetin angefangen habe. Mehr dazu in einem entsprechenden Post.

Eine Chance, die Angst macht?

Gestern, war nur bedingt gut. Heute ist es klar schlechter.
Schon am Morgen fühlte ich mir grundsätzlich unsicher. Wie wird der Tag? Wird er besser, oder womöglich schlechter? Alleine darüber nachzudenken, ist ein Fehler, aber ich kann es mir offensichtlich nicht aussuchen. Leicht gesagt? Würde ein Therapeut wieder sagen: ja er macht es sich leicht, er sieht es als nicht beeinflussbar und nimmt sich somit aus der Schuld!

Ja, nur das ich mich damit auch aus dem Leben befördere. Und nicht, dass ich mich ’nur‘ töte. Nein, das wäre zu einfach – ich quäle mich auch noch schön. Naja, wahrscheinlich stimmt, es und ich mache es mir nur leicht. Ganz ehrlich? Dann wüsste ich zu gerne, wie es ist, wenn ich es mir schwer mache!

Wieso der Titel? Naja, ich habe mich ja nun schon länger mit Baclofen beschäftigt und eine offensichtliche Fähigkeit (in diesem Fall die eigentliche Indikation von Baclofen) ist ja die Eigenschaft entkrampfend zu wirken. Da sehe ich mehr als eine Chance, denn – so fühlt es sich gerade in den letzten Tagen an – ist das Zittern ein wesentlicher Teil meiner Angstempfindung – und zwar als Auslöser, wie auch als Symptom. Genau das, finde ich im Moment extrem spannend. Denn das kann ich wiederholbar durch wohlige und gute Wärme stoppen und in etwas angenehmes umkehren – hilft manchmal sogar bei deutlich anders induzierten Ängsten. Da ist es mir nur so noch nicht aufgefallen, da ich mehr auf den Auslöser fixiert war.

Es macht mir tatsächlich eine deutliche Hoffnung, denn eine andere Hilfe für eine (so nenne ich es einfach mal) durch Zittern induzierte Angst wäre ja Baclofen weil das Zittern doch nichts anderes ist als viele kleine Verkrampfungen, oder?

Und da ich weiß, dass mir die Wärme auch bei Ängsten gut tut, die nichts mit Kälte zu tun haben, finde ich das ein starkes Indiz für eine mögliche Hilfe bei Angststörungen durch Baclofen!

Jetzt, wo es kälter wird, empfinde ich es deutlicher als Zittern, wenn ich in Angst gerate. Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, dass ich zu wärmeren Zeiten auch zittere, es nur nicht so deutlich wie z.Zt. merke.

Tja, also es wird wirklich spannend – sogar im positiven Sinne.