Tag 27 – Tiefe Wasser sind still….

Ich will meinem einmonatigen Baclofen-Jubiläum eigentlich nicht vorgreifen, aber es kommt mir in jedem Fall schon wie ein Monat vor 😉

Nun aber zu den Wahrheiten: Heute hatte ich ein Erlebnis, das mir leider zeigte, wieviel ich mich eigentlich in diesem Monat bewegt habe. Bisher hatte ich mir in negativen Momenten immer hergeholt, dass ich ja eigentlich nichts auszustehen habe und einfach viel zu sehr auf alle möglichen Symptome achte – ganz wie es mein ’style‘ ist.

Heute hatte ich etwas auszustehen. Vielleicht nichts besonderes für andere, aber rege mich sehr schnell und stark auf, wenn Dinge in meinen Augen ungerecht und unfair sind. Früher bin ich in solchen Situation abgehauen oder habe mich sofort geprügelt. Das war nicht immer witzig. Geprügelt habe ich mich nun jahrelang nicht mehr und das abhauen gelingt nicht, wenn man in seinem eigenen Haus in eine solche Situation gerät. Details sind eigentlich nicht nötig, aber ich habe heute ein ‚abschliessendes‘ Gespräch mit einem Handwerker gehabt, um über Mängelbeseitigung zu sprechen. Als kleiner Hintergrund: Wir haben einen grossen Kamin (wirklich groß….) eingebaut bekommen, der leider nicht mal das Zimmer heizt in dem er steht. Der Inhaber der Firma kam mit 2 weiteren Personen aus dem Unternehmen (von denen übrigens keiner am Bau beteiligt war….) und erklärte mir minutenlang wie ‚ordnungsgemäß‘ das alles ausgeführt wurde.

Das ich hätte platzen können begann schon damit, das 3 Leute dämlich in meinem (kalten) Wohnzimmer standen, obwohl keiner von denen beim Bau des Kamins dabei war. Warum drei? Hat einer von den anderen am Bau gesagt: der ist groß und breit. Geh da bloss nicht alleine hin, wenn Du was verkackt hast! Dann faselt der minutenlang von den tollen Reglern am Kaminfenster und schön man alles einstellen kann und ich hatte das Gefühl der möchte mir das Teil direkt nochmal verkaufen. Als ich ihn dann (wirklich noch freundlich – wenn vielleicht auch etwas zickig) fragte, was der Vortrag der letzten Minuten denn mit meinem Problem zu tun hätte, drehte der sich allen ernstes zu seinen Kollegen um und fragte: „Welches Problem haben Sie denn?“

An diesem Punkt war ich auf Tausend! Mein Problem? Ich habe einen 13.000 Watt Kamin in einem 60qm Raum. Das sind über 200Watt/qm (alle zuhörenden Heizungsbauer wissen, dass 100W/qm ausreichen um die Bude warm zu machen) und der scheiss Raum ist auch nach 4 Stunden dauerheizen noch kalt (irgenwas bei 17°C). Mein Schornsteinfeger hatte mir bereits bei der vorhergegangenen Abnahme erklärt, warum das nicht warm wird und welchen Fehler die Ofenbauer gemacht haben. Übrigens nichts was nicht mehr zu korrigieren wäre.

Da stand ich also mit diesen 3 Schiessbudenfiguren und dachte mir platzt die Halsschlagader. Mein Fehler war sicherlich, dass ich diesen Gruppenauftritt schon als ‚Angriff‘ in meinen eigenen vier Wänden interpretiert hatte. Wenn aber der Pappa-Schlumpf der Truppe (ohne scheiss, der sah wirklich so aus!), drei Sekunden im Raum ist und vollmundig rumplappert wie geil das eigentlich ist und KEINE Sau überhaupt sowas sagt wie: „Oh, Herr Petrocelli, es tut uns Leid, dass Sie nicht zufrieden sind. Vielen Dank nochmal, das Sie uns so freundlich per Fax auf dieses Problem hingewiesen haben. Wir schauen uns das jetzt mal zusammen an und stellen mal fest, warum Ihr Zimmer den so garnicht auftauen will….“, tja, dann pisst mich das wirklich an. Und ich frage mich, ob er seine Gründe hat, warum er mit mir das nicht alleine klären kann? Aber es verdichtete sich der Eindruck, das es für ihn nichts zu klären gab.

Nachdem ich ihn auf die vom Schornsteinfeger erkannten Ursachen für die geringe Heizleistung ansprach, sagte er nur, das sie alles besonders toll und ordnungsgemäß ausgeführt hätten. Eigentlich war von den Herren noch eine ‚Probefeuerung‘ angedacht (Wie lange wollten die bei mir bleiben? Hatten die was zu Essen mit?), aber nach dieser Ansage habe ich Papaschlumpf mitgeteilt, dass – wenn das hier sein finale Meinung ist – er seine beiden Hilfsschlümpfe wieder mitnehmen kann und das Kaminfest hiermit beendet ist.

Nach aussen hin habe ich das wohl so kommuniziert, dass die 3 wohl im Grunde froh waren mit dem Leben davongekommen zu sein. Obwohl keiner von denen Verstand, was da gerade abgelaufen ist und warum ich nicht freudestrahlend mit Ihnen das ‚dieser Kamin ist toll‘-Lied gesungen habe. Meinen abschliessenden Kommentar über die dreidimensionale Fototapete, die da an meiner Wand steht hat auch keiner verstanden. Ich für meinen Teil war jedenfalls komplett im Arsch. Ich hatte das Gefühl, falls mein Herz nicht gleich einfach ‚Plopp‘ macht und stehenbleibt, würden sich sicher gleich Teile meiner Halsschlagader aufreissen und einige Liter Blut auf den schönen Putz des Kamins verteilen (dann wäre er wenigstens ein bisschen warm geworden). Alles an und in mir zitterte und ich habe mich einfach nach draussen verpisst, während die Ihren wichtigen Kamin-Untersuchungs-Koffer wieder einpackten. Bei uns ist momentan das ganze Haus Baustellte und deshalb war es ziemlich egal, ob ich die Herren hinausgeleitet hätte oder nicht. Momentan laufen so viele Handwerker da ein und aus, dass ich mich manchmal frage, ob die alle zu uns gehören….

Ich habe draussen noch einige Minuten gebraucht, bis ich wieder runter kam. Eigentlich erst, als ich mitbekommen habe, dass die Spacken vom Grundstück gefahren sind. Bis dahin entwickelte sich das Gezitter zu regelrechten Krämpfen, was mich unter Baclofen zusätzlich mehr als nervös machte. Baclofen <> Krämpfe – war da nicht was?

Das Ende von diesem endlosen Lied ist also (und ich hatte mir wirklich vorgenommen mich kurz zu fassen bzgl. des Urpsrungs meines Ärgers – wirklich, ich schwör!), dass ich nun weiß, dass ich mich nicht nur in relativ stressfreien oder ’normalen‘ Situationen nicht wirklich besser fühle unter Baclofen, sondern, dass ich in einer richtigen Stress- und Paniksituation keine Hilfe von Baclofen erfahre. Es sei denn, man nimmt an, ich wäre ohne Baclofen heute tot vor meinem verfickten Kamin aufgefunden worden.

Waum ich nicht alles hinschmeisse, Baclofen ab heute nurnoch doof finde und damit aufhöre?

Ich weiß es nicht. Weil ich irgendwo da drinne es einfach nicht wahr haben will? Mich bloss weigere einfach meinen letzten Strohhalm wegzuwerfen? Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung – wie denn auch? Aber ich denke, ich weigere mich wirklich hinzunehmen, dass ich von so vielen guten Erfolgen von Baclofen bei Angst gehört habe und ich derjenige sein soll, bei dem es ‚mal wieder‘ nicht wirkt. Aber es gibt so wenig ‚Statistik‘ zu Baclofen und Angst. Keiner kann mir wirklich sagen, ob es vor allem durch zeitliche Summierung irgendwann hilft oder nur oder in Kombination mit der richtigen, hohen Dosis? Die vor allem auch wieder keiner bezeichnen kann, da bei jedem Bericht von positiven Erfolgen hast jedesmal eine andere Dosis genannt wird.

Es wird ständig von der ‚persönlichen‘ Dosis gesprochen und – wenigstens manchmal – auch von nicht unerheblichen Zeiten bis es ‚richtig‘ gewirkt hat. Aber leider auch so oft von ‚…am dritten Tag war die Angst wie weggeblasen…‘ – leider, weil es mich natürlich befürchten lässt, dass es dann bei mir wohl nicht helfen soll.

Tja, wie auch immer. Die Nebenwirkungen sind mittlerweile – nach einigen Tagen 30mg/d – gering. Leichter Schwindel und das auch nicht ständig. Ich könnte mir tatsächlich vorstellen, dass dieser nach einigen Wochen ohne Dosisänderung verschwinden würde. Deshalb denke ich, dass ich evtl. am Wochenende mit 3x15mg beginne. Dazu muss ich leider sagen, dass ich hier und da schon manchmal Angst habe, ich könnte spontan und unverhofft mit dem Atmen aufhören, wenn ich weiter hoch gehe, aber naja, das ist realistisch gesehen wohl eher unwarscheinlich. (jaja, dieses fiieeese Restrisiko – das macht uns Hypochondern schon richtig zu schaffen 😉 ).

Wie auch immer. Ich bitte um Kommentare, falls mir überhaupt noch einer zuhört 😉 . Natürlich freue ich mich auch über alle Durchalteparolen, die Euch so einfallen. Ich glaube, ich könnte sie gebrauchen. Und, ok Herr Lehmann, Du darfst auch wieder was dichten. Ich werde es aushalten 🙂

In diesem Sinne. Gute Nacht!

Tag 25 – zwischen wollen und können

Heute versuche ich mal weniger über meine täglichen Für und Wieder zu sprechen (irgendwo hörte ich, ich würde mit der Angst ‚kokettieren‘ – Hallo Invorio;)), sondern etwas über den status quo meiner gesamten Situation zu berichten. Einfach nur, um vielleicht ein besseres Bild über meine Ausgangsbasis in diesem ‚Versuch‘ zu liefern.

Nach den ersten Jahren veränderte sich die Angst vor bestimmten Situation, zu einer Angst – ich denke mittlerweile seit gut 15 Jahren – die mich dazu bringt, das ich seither nicht mehr alleine oder mit weniger vertrauten Personen das Haus verlasse noch alleine zu Hause sein kann (sei ca. 10 Jahren). Die Abhängigkeit, das Minderwertigkeitsgefühl und der ständige Lebensüberdruss, welche so ein krankhaftes Vermeidungsverhalten mit sich bringt, ist nur für wenige arme Schweine nachvollziehbar und jeder, der ‚meint‘ er wüsste, wie das ist, ohne selbst so zu Leben, möge darüber nochmals nachdenken.

Ich habe in vielen Therapien darüber nachgedacht, habe Tipps erhalten usw., denn es ist nicht so, dass mir die ’normalen‘ therapeutischen Ansätze unbekannt wären. Aber wenn dies einem immer wieder als etwas erscheint, dass nur Fremde betrifft und nur bei einem selbst nicht funktioniert und zeitgleich genau solche ‚Erklärungen‘ als Muster bekannt sind, dann fühlt sich das frustrierend an. Man erkennt ein falsches Muster und ist aber nicht in der Lage, daran etwas zu drehen, da die körperlichen Symptome so massiv sind, dass sie einem mächtiger als man selbst vorkommt. So echt, dass nur die Theorie falsch sein kann. Ich sage dann immer gerne: wie soll ich mächtiger als ich selbst sein??

Ich darf also behaupten, ja, ich kokettiere mit der Angst. Manchmal frötzel und singe ich sogar mit ihr. Denn würde ich das nicht tun, dann könnte ich mich nur noch aufhängen oder vollends am letzten bisschen Verstand zweifeln, dass mir vielleicht geblieben ist. Selbstverständlich, lieber Invorio, erwähne ich das hier nicht umsonst zwölf mal. Es beschäftigt mich, da ich natürlich immer wieder versuche zu hinterfragen, was denn in meinem Oberstübchen so garnicht stimmt. Und was ich womöglich dagegen tun kann und auch will!

Ich traue mich nicht, ist sicher korrekt. Aber warum? Was habe ich wirklich zu verlieren? Worauf warte ich denn? Wieso riskiere ich nicht einfach, das Risiko des Todes einzugehen? Ich könnte doch einfach losgehen und einfach mal Brötchen beim Bäcker holen. Sind von hier 8km. Mehr nicht.

So ,ich habe es nicht nur geschrieben, ich kann es auch lesen. Das einzige was fehlt ist ’nur‘ die Umsetzung. Die Bereitschaft einfach zu sterben, wobei ich aus reichlichster Literatur natürlich auch weiß (solange ich nicht wirklich losgehe), das die eine unrealistische Angst ist und ich es nach aller Wahrscheinlichkeit überleben würde.
Ok gut. Habt Ihr eine Idee, was ich sagen will? Ich will sagen, ich verstehe mich selbst nicht. Ich sehe, wie meine Hand in Flammen aufgeht, aber ich fühle es nicht. Ich weiss, dass diese Ängste ungefährlich sind, nur fühlen sie sich tödlich an, sobald ich nur in die Nähe meiner Grundstücksgrenze gehe, oder gar meine Frau das Haus verlassen will ohne mich mitzunehmen.

Ich kann also mein Wissen ganz schlicht nicht mit meinen körperlichen Gefühlen koppeln. Und wenn die Symptome beginnen, geht mein Gehirn zum Sandkasten und lässt mich alleine. Dann weiß ich von aller Theorie gar nichts mehr. Nur Minuten später kann ich das schon alles nicht mehr glauben. Weitere Sekunden später befürchte ich aber, dass es gleich genauso weitergeht.

An dieser Stelle treten Sarkasmus und Baclofen in Konkurrenz. Der Sarkasmus um wenigstens irgendeine Form zu haben, damit umzugehen, wenn ich es schon nicht erfolgreich bekämpfen kann. Baclofen hingegen ist meine Hoffnung auf die entscheidende Unterdrückung dieser frei galoppierenden Angst auf ‚chemischer‘ Ebene. Und wenn es dann mal ein wenig schief geht und ich hier etwas negativer daher plappere, dann versteht ihr jetzt vielleicht ein wenig mehr warum das so ist. Damit würdet ihr wirklich weiter sein als ich.

Tag 23 – gib mir mehr, gib mir mehr!

Da sage nochmal einer ich wäre einfach zufrieden zu stellen (nicht das sich das jemals einer trauen würde, der mich kennt!), aber wenn man selbst nicht mehr weiß, was man so will, dann wird es anstrengend!

Das schöne als Irrer ist, man hat eine gewisse Narrenfreiheit und diese sollte man auch ausnutzen. Wozu sonst all der Ärger? Worüber rede ich also? Über die offensichtliche ‚Kurve‘, die ich mit Baclofen fahre. Ich versuche das mal zu beschreiben:

Zum Beginn einer Dosiserhöhung: Müdigkeit, leichte Benommenheit, Drehschwindel  usw. – dafür eine gewisse Dankbarkeit, da die Benommenheit in keinem Fall als unabgenehm zu bezeichnen wäre. Jetzt bloss nicht Autofahren, die eigene Karre wäre gefährdet und Gummibäume werden ja wohl nur gerüchteweise aufgestellt.

Tag 2-4 nach einer Dosiserhöhung: Müdigkeit usw. nehmen ab, verschwinden aber nicht. Es wird aber klar, dass die Müdigkeit/Benommenheit keine vorrangig angstlösende Wirkung hat (jedenfalls noch nicht).

Tag 5 nach einer Dosiserhöhung: Fast schlagartig verschwindet die Tagesmüdigkeit und Benommenheit. Nur ganz leicht – und witziger Weise nur in Phasen über den Tag verteilt – tauchen diese Nebenwirkungen manchmal stark abgeschwächt auf. Selbst ein Profiselbstbeobachter wie ich, muss genau hinschauen.

Diese Kurve, die sich bisher bei allen (vier) Dosiserhöhungen wiederholt hat, scheint nicht wirklich weit von dem entfernt zu sein, was man bei vielen anderen bzgl. Baclofen lesen kann. Ich als ‚Schau Dir in den Körper, Kleiner‘-Spezialist brauche offensichtlich deshalb 5 und nicht 2 Tage, weil ich halt wesentlich stärker auch nach negativen Effekten suche. Dass muss selbst ich mir mittlerweile bei all der Skepsis eingestehen, die da so innewohnt in mir.

Faszinierend finde ich aber, dass ich heute, am 6. Tag mit 30mg Baclofen, wie schon bei den Stufen vorher schon einige Momente hatte, in denen ich mir so gedacht habe, dass es sich womöglich ‚besser‘ anfühlen würde, wenn ich spontan mal noch eine Tablette einwerfe, um die Dosis zu steigern. Sprich: mein Köpfchen meint, es könnte weitergehen, obwohl ich auf der anderen Seite ja ständig darauf bedacht bin, bloss nicht das Risiko für Nebenwirkungen zu erhöhen. Paradox? Selbstverständlich! Fühlt sich aber so an. Und noch ein Effekt, der mir auch schon öfter aufgefallen ist, den ich aber nicht wirklich verifizieren kann, da hier warscheinlich das meiste mit feinster Einbildung dahergeht: Gerade dann, wenn der Spiegel von Baclofen abfällt (also wenige Stunden nach Einnahme) glaubte ich hier und da schon, dass die Nebenwirkungen höher sind, als einige Minuten nach der Einnahme, wenn der Wirkstoff mit maximaler Stärke durch die Adern saust. Wenn ich dann z.B. Mittags die zweite Tablette nehme, dann werden die Nebenwirkungen nach einer knappen Stunde – ich sage mal – angenehmer.

Ich will garnicht behaupten, dass diese Beobachtung direkt aus meinem kranken Köpfchen entspring und jeglicher Grundlage entbehrt, aber der Gedanke kam mir jetzt schon so oft, dass es schon auffällig ist.

Also an alle Lehmänner und Goldfinger da draussen: kommt Euch sowas irgendwie bekannt vor, oder galoppieren die kleinen Klappsepferdchen mit mir davon? Ich glaube jedenfalls, ich sollte die 3x15mg in Angriff nehmen in den nächsten Tagen. Auch hier bin ich an Meinungen und Erfahrungen interessiert. Passiert irgendwas auffälliges bei der ‚richtigen‘ Dosis, das ich nicht übersehen kann oder marschiere ich dumm dran vorbei und latsche ich direkt in komatöse Dosen, die mich nurnoch sabbernd in der Ecke liegen lassen?

Jaja, ich bin berühmt für meine sinnigen Fragen 😉

Tag 22 – darf ich mal durch ihre Brille schauen?

Klingt philosophisch, ist es aber womöglich garnicht. Da komme ich aber gleich zu 😉

Heute St der 5. Tag mit 3x10mg Baclofen und der erste, seit dem ‚upgrade‘ der Dosis ohne wirkliche Nebenwirkungen. Sie sind nicht ganz weg (noch leichter Schwindel), aber z.B. die hier und da angenehme Tagesmüdigkeit ist seit heute Mittag vollkommen weg. Ich hatte vorhin sogar beim Film schauen für ein, zwei Minuten sogar das leichte Kribbeln und Zittern, mit dem bei mir gerne die Angst beginnt. Davon war die letzten Tage nicht mal im Anflug was zu merken.

Es reicht zwar nicht um länger präsent zu sein oder gar wirklich zu einer Angst zu werden, aber es war schon auffällig, das es überhaupt so auftauchte. Das bringt mich auf Folgendes: a) es ist also gut und gerne anzunehmen, dass die Nebenwirkungen nach dem Aufdosieren wirklich verschwinden – so war es bisher ja auch. Es scheint bei mir aber halt 5 Tage oder sowas zu dauern und nicht 2, wie man es bei anderen manchmal gelesen hat. Das wäre absolut akzeptabel. Zumal – und nun komme ich zum Titel – ich vor 3 oder 4 Tagen meine bisherige Brille terminiert habe und seither meine Ersatzbrille trage. Die Stärke der Brille ist ok, jedoch bildet jede Brille durch andere Glasformen und leichte Unterschiede im Augenabstand usw. etwas anders ab, was gerne für einige Tage zu leichtem Schwindel führen kann. Täräääh! Also bin ich wohl ungerecht gesen, was 😉
Und b) (jaja, oben war irgendwo ein a) ! ) frage ich mich als geübter Angsthase nun: verschwindet die positive Wirkung, die Entspannung mit den Nebenwirkungen?? Bin ich dann ‚voll auf’m Stoff‘ und habe trotzdem Angst? Wie geil wäre das denn: Petrocelli, Du hast den Hauptpreis gezogen! Hurra!

Naja, ok, ich denke das wird kaum so kommen, aber warum bin ich denn Angsthase, wenn ich mir nicht mal solche Überlegungen erlauben dürfte 😉

Aber mal im Ernst, versuchen wir doch mal ein wenig die positiven Dinge vom Baclofen in diesen 3 Wochen aufzulisten (Federico hat dasmnicht umsonst empfohlen!):

1. Die spontanen Ängste – die, die mit dem oben genannten Frieren so ätzend daherschleichen – sind immerhin 3 Wochen vollkommen weg gewesen. Das heute ignorieren wir mal….
2. Ich bin definitiv entspannter. So generell. Noch nicht, wie ich es mir wünsche, aber besser als sonst.
3. Ich kann mich besser konzentrieren. Ist sehr auffällig, da meine Probleme diesbezüglich über die Jahre immer schlimmer wurden. Hierzu muss ich aber auch sagen, dass ich das Cipralex – welches ich noch immer genommen hatte – vor ca. 2 Wochen ausgeschlichen habe und SSRIs haben mich seit Paroxetin reichlich ‚dumm‘ gemacht. Kann also ein Effekt durch das absetzen sein.
4. Wo wir gerade dabei sind: Das Absetzen von SSRIs geht sonst so leicht nicht von der Hand – kann man Baclofen evtl. auch zuschreiben.
5. Trotz Schwindel in den letzten Tagen, bin ich in Situationen wie Einkaufen usw. wesentlich ruhiger geblieben als früher. Noch im Sommer wäre ich beim Einkaufen mit solchem Schwindel ausgeflippt. Mit Baclofen finde ich es noch immer nicht toll, aber kann zu starke Panik ganz klar unterdrücken.
6. Der Schlaf ist wirklich besser. Es gab schlechtere Tage dazwischen, aber wenn ich es mit dem Status der letzten Jahre (Jahrzente bis Vierteljahrhundert – boah, wie scheiße klingt das eigentlich… ) vergleiche, dann ist es ein Traum! Im besten Sinne des Wortes.

Tja, alles in allem muss man also schon gestehen, dass Baclofen schon in den ersten 3 Wochen positive Wirkungen gezeigt hat. Bei allen Nebenwirkungen, die ich als professioneller Selbstbeobachter intensiv beäuge und wohl größer mache, als erlaubt, darf man das Positive einfach nicht vergessen.

Das Einzige, was bei mir nicht ganz so passt, im Vergleich mit den Berichten derer, mit denen ich in Kontakt stehe, oder von denen ich gelesen habe, ist das mit dem schnellen Verschwinden der Nebenwirkungen und vor allem mit dem schnellen positiven Wirkungseintritt.
Hierzu habe aber auch gleich eine Theorie parat (wer hätte das vermutet!): das mit den Nebenwirkungen ist leicht erklärt – ich bin halt auch ein Hypochonder. Das mit dem nicht ganz so schnellen Wirkungseintritt? Tja, da denke ich an mehrere Komponenten: Die lange Zeit von nunmehr 25 Jahren konditioniert einen nicht unerheblich. Ich glaube, eine Änderung, die nachhaltig wirkt und auch IM KOPF ankommt ist nicht innerhalb von Tagen zu schaffen. Es könnte ein Prozess sein, bis ich wieder lerne, dass das eine oder andere gar keine Angst mehr auslöst. Und ich muss gestehen, dass ich mir z.Zt. noch schlichtweg nicht trauen würde, etwas wirklich zu ‚riskieren‘. Und ich glaube, dass wird aber nötig sein. Doch ich glaube auch, ich darf mir hier ruhig etwas Zeit lassen. Hauptsache ich bin mit mir selbst nicht zu ungeduldig.

Die Tendenz ist die Richtige würde ich sagen. Und wenn das Meiste bei mir genauso ist, wie bei denen, die Erfolg mit Baclofen hatten, dann könnte bei mir ja auch das Erreichen einer bestimmten Dosis, den eigentlichen, positiven Fortschritt auslösen? Und da bin ich einfach noch nicht. Aber, wer weiss – wenn es noch ein, zwei Tage wieder gut läuft, dann steigere ich die Dosis weiter und wir werden dann feststellen, wie es mit den höheren Dosen funktioniert!

Tag 20 – the art of Angst…

Das Schöne an so einer Angststörung ist ja, dass man gemeinhin ‚weiß‘, dass es sich um eingebildete Gefühle handelt und sie einem nichts anhaben kann. Es sei denn, man bekommt gerade so einen Angstschub. Und da liegt ja die Krux, dann fliegt einem das eben noch genutzte Gehirn direkt aus dem Hintern in die planetare Umlaufbahn und alles was man eben noch gewusst hat, ist urplötzlich verschwunden – auch das mit der Erkenntnis über die Gefährlichkeit eines Angstanfalls. Schon steht man als Erwachsener da und scheißt sich wegen etwas ins Hemd, was technisch nicht zum Erschrecken von normal entwickelten Drittklässlern reicht.

Ich bin ein großes Kerlchen und für gewöhnlich reicht auch meine laute Stimme, dass man einen gewissen Respekt vor mir zeigt. Wenn man dann noch meine langjährige Zeit in der Jugend als aktiven Kampfsportler hinzuzählt, kann man schon mal das Kopfschütteln bekommen, wie so einer sich soweit selbst eintinten kann, dass er fluchtartig ein Geschäft verlassen will, weil ‚es sich gerade so anfühlt‘.

Das ist übrigens einer der wesentlichen Punkte in meiner Angststörung, mit der ich mich in all meinen Therapien immer ‚im Kreis‘ gedreht habe: Gerade, wenn ich mal wieder gemeint habe, es geht bergauf und ich denke, dass ich mich eigentlich ganz wohl fühle, passiert wieder so ein besonders lächerlicher ‚Anfall‘ und ich sitze danach kopfschüttelnd irgendwo rum und frage mich, wie es immer wieder dazu kommen kann, das ich offensichtlich der Einzige bin, der sich nicht ganz einfach entspannen kann und vielleicht sogar mal etwas interessiert oder erfreut an dem ist, was ihn gerade umgibt. So ein Geschäft kann auch interessant sein; da gibt es viele lustige Dinge für die man sich interessieren könnte. Hätte man nicht gerade ein Gefühl am Arsch, das einem mit dem Ende der Welt bedroht.

Aber es fühlt sich gleichzeitig lächerlich und doch so verdammt echt an. Wie etwas, was ganz klar NICHT eingebildet sein kann. Es fühlt sich genauso echt an, wie ein 2,5 kg Hammer, der einem aus der Hand auf die beiden kleinsten Zehen des rechten Fusses fällt. Da wurde auch jeder sagen: Wow schade um die beiden Zehen, die passten so gut zu dir. Aber bei der Angst schaut dich jeder an und sagt: Mensch ich verstehe das nicht. Man merkt dir das überhaupt nicht an (ganz klar mein Lieblingssatz…).

Und ja, ich glaube sogar, dass man mir das nicht mal ansieht, wenn man mich nicht genau kennt.

Heute, nach fast 3 Wochen, habe ich noch immer erhebliche Schwindelgefühle, die ich zu Hause zwar gut ignorieren kann, aber als wir heute Katzenfutter eingekauft hatten, gab es wieder eine Situation in einem wirklich gut bekannten Tierfuttergeschäft, bei der ich plötzlich das Buch, was mich eben noch sehr interessiert hatte, ins Regal schmeißen musste und schnell in Richtung Ausgang eierte, während sich alles um mich herum drehte. Da ich wenigstens manchmal noch daran denke in so einer Situation den Ablauf zu unterbrechen, weil es das beste ist, was man da machen kann, bin ich wenigstens nicht voll aus der Tür gestürmt ( oder vielleicht zur Krönung noch schön dämlich vor die gläserne Automatiktür gelaufen 😉 )

Aber es ist schon frustrierend, wenn man diesen Schwindel stärker merkt als es einem lieb ist und er noch eine solche beängstigende Wirkung auf einen hat. Ich frage mich wirklich, ob und wann es denn aufhört.

Bei all der Skepsis bin ich nicht immer unzufrieden mit der Wirkung von baclofen. Aber mit fortschreitender Zeit macht es mir schon Sorgen, wann wird es denn deutlich besser werden? Nicht immer nur so kleine Mikroerfolge hier und da. Bin ich zu ungeduldig? Ich weiß es bald nicht mehr. Bei den ‚Anderen‘, die erzählen wie gut Baclofen hilft, klingt das nie so, dass sie nach 3 Wochen noch so rumgeeiert haben wie ich :(.

Tag 18 – redlich ernährt sich das Eichhörnchen

Ich wollte eigentlich Abends keine Einträge mehr schreiben, da ich ganz klar sagen kann, dass ich Abends – nicht zuletzt durch die stärkeren Magenprobleme am Abend – irgendwie schlechter drauf bin als tagsüber. Es könnte also ohne weiteres sein, dass ich vielleicht eine klitzekleines bisschen zu unfair gegenüber Baclofen bin, wenn ich Abends nurnoch angefressen im Bett liege und gerne schlafen möchte, der Magen mich aber nicht lässt.

Tja, nun ist es aber schon wieder Abend geworden 😉 Ich versuche mich also mal an den Tag zu erinnern. Heute war ich zum letzten Mal (wenigstens für diesen einen Zahn) beim Zahnarzt und von den anfänglichen Angstgefühlen bei der Hinfahrt mal abgesehen, war ich schon sehr gechilled beim Zahnarzt. Das lief sogar darauf hinaus, dass ich dem Mann fast eingeschlafen wäre auf dem Behandlungsstuhl. Ich war nicht betäubt oder sowas, sondern einfach so entspannt und auch im Bauch problemfrei, dass ich wohl ein wenig Schlaf von gestern nachholen wollte. Und wo kann man das besser als auf diesen wunderbar geformten Zahnarztstühlen? Das mit dem Bohrer wird gemeinhin stark überbewertet 🙂

Es gibt Leute mit denen ich in meinem Beruf zu tun habe, die gehen mir wesentlich mehr auf die Nerven. Da wurde mir doch heute vorgehalten, ich wäre einem Mitbewerber gegenüber ‚ausfallend‘ geworden! Oho! Aber ganz ehrlich: ich habe nicht einmal ‚Arschloch‘ oder sowas bösartiges zu dem gesagt. Vielleicht hätte ich nicht sagen sollen, dass ich ihm das ganze nochmal wie bei der Sendung mit der Maus erkläre… Aber ‚ausfallend‘ – na, ich bitte doch – das ist ne Kindersendung. Was ist daran ausfallend? Nur weil es Erwachsene gibt, die davon auch mal eine Lektion brauchen? Der Zahnarztstuhl ist also im Grunde garnicht schlimm, wenn man nur die richtigen Vergleiche heranzieht.

Und bei all den Magenproblemen, die ich so mit mir herumtrage, kann man aber ganz klar sagen, dass es sehrwohl auch positive Wirkungen geben muss. Sonst würde ich kaum solche Erlebnisse beim Zahnarzt haben? Zugegeben ist der Zahnarzt ein langjährig bekannter, fast befreundeter Mann, aber weh tut er mir schon – in solchen Momenten ist es egal, wie nett er sonst ist.

Die Nebenwirkungen sind nun, am 2. Tag mit 3x10mg fast wieder so wie noch vor einigen Tagen, als ich schon länger auf 3x5mg war. Und ich bin mir (mal vom Magen abgesehen) ziemlich sicher, dass die restlichen Nebenwirkungen, wie der leichte Schwindel etc., auch tatsächlich ganz auf Null gehen können. Nur ein wenig Zeit ist wohl nötig.

Und wenn ich mir dann so überlege, dass die Nebenwirkungen verschwinden können, die Magenproblematik evtl. auch mit anderen Mitteln zu behandeln sind, dann gefällt mir das schon wieder ziemlich gut, für ’18‘ Tage. Und ich glaube ja wirklich, dass ein nicht unwesentlicher Teil der psychischen Wirkung über den guten Schlaf zu erreichen ist. Und der ist ja leicht eingeschränkt, durch den Magen. Wenn also der Magen wieder auf seine Spur zurück kommt, dann habe ich gute Hoffnungen.

Ich weiß noch nicht, wie dann vielleicht spätere Fortschritte aussehen könnten, aber egal. Ich werde es feststellen, weil die Nebenwirkungen bisher nicht so schlimm sind, dass ich bald aufhören möchte. Wie schon gesagt eher im Gegenteil.

Ok, ich werde murrig und möchte es nicht ‚am Blog auslassen‘. Ich werde einfach mal schauen, in wie weit mit Famotidin das ganze hier verbessert werden kann. Die Nacht wird es zeigen.

Tag 17 – die 73 Fragezeichen…

Der siebzehnte Tag ist schon eine ganze Menge. Finde ich jetzt einfach mal so. Zumal sich nicht wirklich viel tut – von den kaum erträglichen Magenschmerzen, die einfach nicht mehr weggehen wollen, mal abgesehen…..

Das Motilium hilft auch nur bedingt, was mich noch genervter werden lässt, um nicht zu sagen, dass es mir Angst macht (na klar, ich habe eine Angststörung…). Vor vielen Jahren hatte ich auch ständig diese Symptome der Magenschmerzen, oder eigentlich viel besser liesse es sich mit einem gigantisch aufgeblähten Bauch beschreiben. Der Schmerz ist nicht das Schlimmste; viel mehr diese mächtig aufgeblähte Bauch, der so garnicht verschwinden will und mich gefühlt am Atmen hindert. Was ich eigentlich sagen wollte: vor vielen Jahren hatte ich auch immer diesen tierisch aufgeblähten Bauch und bevor die Diagnose Helicobactor Pylorie kam, wurde ich mit Pepdul und Propulsin behandelt.

Propulsin ist im Grunde sowas wie Motilium: ein Mittel zur Steigerung der Darmtätigkeit, damit das Futter aus dem Magenn verschwindet und nicht rumnervt. Propulsin hat leider den einen oder anderen dahingerafft, so dass es kurz nach der Jahrtausendwende irgendwann vom Markt genommen wurde.
Was aber damals am meisten half, war Pepdul. Ein Histamin-H2 Blocker, der die Produktion von Magensäure unterdrückt. Mittlerweile gibt es Pepdul, bzw. dessen Wirkstoff Famotidin auch rezeptfrei, nur in einer etwas geringeren Dosis (Aber ich kann ja mehr nehmen 😉 ).

Ich habe es sogar hier, muss aber sagen, dass es mir nicht wirklich passt, dass auch noch zu nehmen. Diese Chemicoctail-Fresserei macht mich als Angstfreak schon ein bisschen nervös. Wenn’s aber hilft? Das wäre gut, zumal ich bei dem tierisch aufgeblähten Bauch im stehen nicht mal meine Füsse sehen kann – und wer weiß, vielleicht sind die dreckig und ich sollte die mal waschen!?

Ach, und was ich am Rande ganz ‚vergessen‘ habe: ich habe heute den ersten Tag 3x10mg genommen und – bis auf den Bauch – das Ganze auch ganz ordentlich vertragen. Der Schwindel wird weniger und meldet sich noch ein bisschen. Wenn ich nicht gleich wieder höher dosiere, dann geht das auch bestimmt bald wieder vorbei. Hoffe ich 😉

Tja, aber wenn ich das so betrachte: 17 Tage, 30mg und die Wirkung irgendwie noch im Bananenstadium. Da bin ich etwas angefressen.

Hatte Goldfinger nicht in einem Kommentar geschrieben er nimmt Bac genau einen Monat und ihm geht es richtig gut. Da treibt es Mr Pippi in die Augen und ich denke dann gleich wieder, dass sich daraus ableiten ließe, dass Baclofen deswegen wohl bei mir nicht hilft. Tja, mir wurde schon oft, dass man das nicht so annehmen darf, jedoch bin ich da wohl etwas anders gepolt.

Nun gut, ich werde nicht gleich aufhören. Aber das mit dem Magen muss ich noch in den Griff kriegen. Sonst geht es nicht weiter.

Tag 15 – warten um zu gehen?

Die gestrige Nacht war wieder sehr gut. Endlich, um erhlich zu sein. Mir wurde von Federico zwar gesagt, Baclofen würde dem Magen nicht zusetzen, aber – Federico ahnt es schon längst – ich bin mir da leider nicht sicher. Im alkohol-und-baclofen-forum.de finde ich auch verschiedene Bericht von Baclofen-Usern, die mit Ihrer Gastritis mehr zu tun haben, wenn sie Bac nehmen. Ob Baclofen das verursacht will ich ja garnicht meinen, aber ich denke es verstärkt die Magenprobleme bei denen, die eh damit zu tun haben. Der zeitliche Zusammenhang ist schon deutlich.

Das Ganze ist aber auch nicht kriegsentscheidend, denn ich werde einfach mit Motilium und Famotidin gegensteuern, dann wird das schon wieder. Seit gestern nehme ich ja wieder Motilium und die Nacht hat ja schon gezeigt, dass es besser wird.

Aber nun zu meinem Titel: heute kann ich sagen, dass ich kaum noch Nebenwirkungen merke. Also denke ich, dass ich vielleicht Morgen auf 3x10mg gehe. Die Nebenwirkungen schwinden, aber die Angst vor der Angst ist noch fast unvermindert da. Und natürlich frage ich mich, ob es irgendwann ‚klick‘ macht, und ich dann spüre, das die Angst nicht kommen würde, wenn ich etwas mache, was ich schon lange vermeide? Oder MUSS ich erst losrennen, irgendwas machen, wovor ich bisher immer Angst hatte, Amir ich merke, da die Angst garnicht mehr ausbricht?
Was passiert aber, wenn ich etwas ausprobiere und dann bricht die Angst aus. Verstecke ich mich dann total und würde ich es dann nicht mehr mitbekommen, wenn es dann doch ginge? Ich bin vor zwei Tagen – als aber auch die Magenprobleme sehr stark waren, unter denen ich mich immer noch kleiner mache – in ein kleines Einkaufszentrum und wollte etwas Bargeld aus einem Automaten holen. Meine Frau wartete im Auto. Und für mich war es eine Tortour: Der scheiß Automat war besetzt und der Typ sah aus, also würde er bei einem Telespiel den Highscore knacken wollen und nicht wie jemand, der einfach nur Geld abheben will. Und es schien mir, es dauerte ewig, bis der Highscore geknackt war….
Während ich selbst auf mein Geld wartete (ich glaube ja manchmal, die drucken das Geld da drin….), drehte sich alles wie in ‚alten Zeiten‘ und meine Blicke suchten den Ausgang, noch bevor ich wenigstens meine dämliche Karte aus dem Automaten raus hatte.

Tja, also dafür, dass das Tag 13 mit Baclofen war, ziemlich kacke. Und das frustriert mich nicht nur, sondern bringt halt immer wieder zu der Frage, welche Reihenfolge ist die richtige? Und wenn es nur über denn Weg des ausprobierens geht – wann geht es los? Ich habe nämlich keinen Bock mehr auf diese Geldautomatenerlebnisse. Klar, hab‘ ich ja überlebt, aber nur weil ich weiß, ich überlebe das immer, macht es das Ganze nicht ein bisschen besser. Den Zahnarzt überlebt man im allgemeinen auch immer – und? Wer will sich das jeden Tag immer wieder reintun? Also nicht vergessen: ohne was davon zu lernen! (jeden Tag zum Zahnarzt dürfte die meisten nach einiger Zeit auch nicht mehr tangieren, soviel Zähne hat keiner 😉 )
Denn da liegt ja wieder das Angsthasenproblem: zu wissen, dass es einen nicht umbringt, macht die Quälerei nicht wirklich besser, denn in den Momenten der Angst, weiß man davon schlicht nichts. In diesen Momenten fühlt man sich mit dem schlichten Tod bedroht.

Also, die Tipps mit ‚Hey, dann musst Du los, es ausprobieren!‘ sind ganz toll, aber wenn ich das zwei, drei mal mache und jedes mal auf die Fresse bekomme, dann versuche ich es das vierte mal nicht mehr. Dannn gehe ich davon aus, Baclofen ist halt nichts für mich und aus die Maus. Genau deswegen, sitze ich also hier und warte ab, was passiert. Ich kenne Gefühle (z.B. von der raten Zeit Trevilor oder und ausreichender Dosis Alprazolam), die sind da, ohne das ich was ‚teste‘ und ich weiß, wenn ich jetzt losgehen würde, passiert nichts. Alles wäre gut. Und genau auf das Gefühl warte ich eigentlich, habe aber mittlerweile ein wenig Angst, das Gefühl kommt nicht. Vieleicht ist das auch ein unrealistischer Punkt, auf so ein Gefühl zu warten, ohne ‚was tun zu wollen‘. Ich weiß es nicht.

Bei vielen Erfahrungsberichten, von Leuten, die Baclofen gegen Ihre Ängste genommen haben, klang es für mich oft so, dass es tatsächlich irgendwann einfach Klick gemacht hat, und sie hatten keine Angst mehr. Und bei vielen nicht erst nach Wochen, sondern schon nach wenigen Tagen. Das klang für mich immer unrealistisch, aber dafür haben es zu viele geschrieben. Naja, und ich befürchte halt, da falle ich mal wieder aus dem Schema.

Nun gut, ich werde mal ein wenig schlafen und dann warten wir mal ab. Ich dosiere ja auch viel langsamer hoch, als die meisten, die ich oben gemeint habe. Also vielleicht ist das ja schon der Grund, warum es bei mir noch nicht losgegangen ist 😉

Magenprobleme verstärken sich…

Diese Nacht hatte ich leider nicht den gestern Abend gewünschten Erfolg. Im Gegenteil, es war mir unmöglich bis ca. 3h einzuschlafen. Obwohl ich hundemüde war.

Ich hatte es schon angesprochen, dass ich seit kindesbeinen mit meinem Magen zu tun habe. Wenn es mir schlecht geht, sei’s aus Stress oder wenn vielleicht etwas ‚falsches‘ gegessen, dann bläht sich mein Bauch auf wie ein Medizinball und im Ergebnis kann ich schlecht atmen. Soweit reine Physik, aber als Angsthase und Hypochonder steigert man sich da rein, achtet nurnoch auf die erschwerte Atmung und durch den Versuch bewusst zu atmen, macht man alles nurnoch schlimmer. Eine leichte Hyperventilation beginnt und am Ende geht garnichts mehr.

Baclofen ‚geht auf den Magen‘ wenn man Pech hat. So ist es öfter zu lesen und ich meine auch im Beipackzettel steht da was (mein spanisch ist ja leider zu mangelhaft 😉 ).  Was genau da vielleicht verschlechtert wird, weiß ich nicht wirklich, ist mir auch egal, wenn es sich so anfühlt.

Seit Jahren nehme ich in solchen Phasen – die ich natürlich auch OHNE Baclofen sehr gut kenne – immer ein Medikament mit dem Namen Motilium. Ein Medikament, dass die Darmtätigkeit verbessert und damit schneller dafür sorgt, dass das Essen aus dem Magen weiterverarbeitet wird usw. Das würde ich jetzt auch am liebsten nehmen, da es das einzige Mittel ist, was mir Erfahrungsgemäß bei solchen Problemen hilft.

Aber wie alle fleißigen Leser meines Blogs wissen, nehme ich Baclofen ohne ärztliche Verordnung und bin nun ein bischen unsicher, ob diese beiden Mittel nicht beissen. Womöglich könnte ich meinen Arzt fragen, der mir Motilium verschrieben hat (ja, ich hole mir nicht alles aus dem bösen Internet!), aber an so einem Wochenende ist das schlecht 😉 Vielleicht nerve ich die Damen und Herren in meiner Lieblingsapotheke mal ein bisschen mit solchen Fragen. Schließlich heisst es doch immer:

Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker!

Tag 13 – Eine kleine Dickmadam zog sich eine Hose an…

… die Hose krachte, Dickmadam lachte, zog sie wieder aus und du bist raus.

Das schöne an so einem Abzählreim ist, dass man auch Glück haben kann 😉

Da wir Angstgestörten aber wenig an unser Glück glauben, müssen wir halt auch mal nachhelfen. So habe ich heute die Dosierung auf 3×7,5mg erhöht, um möglichst nicht wieder Stress mit Nebenwirkungen bei der Hochdosierung zu bekommen. Und siehe da: es fühlt sich kaum anders an, nur ein wenig entspannter vielleicht. Und das an einem Tag, der irgendwie garnicht entspannend war.

Friedrich (siehe Kommentare) gab mir den guten Tipp einfach mal die negativen und positiven Sachen in dieser Zeit auf eine Liste zu setzen und nach einigen Tagen pro und kontra zu vergleichen. Ich muss gestehen, dass mir sowas extrem schwer fällt. Aber was ich definitiv als die bisher stärkste und eindeutigste, positive Wirkung von Baclofen benennen kann ist die unglaubliche Verbesserung der Schlafqualität. Wie man im Blog lesen konnte habe ich die letzten 25 Jahre nicht nur unter Ängsten und Depressionen gelitten, sondern auch sehr stark unter äusserst schlechtem Schlaf. Seit dem ich Baclofen nehme (eigentlich seit der ersten Nacht danach) schlafe ich wie in meiner Jugend das letzte mal. Ich bin Morgens wach und klar. Bisher war ich Morgens stundelang zerschlagen und völlig müde. Wenn ich nicht wirklich etwas wichtiges vor hatte, oder meine Frau mich nicht ‚aus dem Bett geworfen‘ hat, dann habe ich auch ohne Probleme noch einige Stunden drangehängt, so dass ich erst gegen Nachmittag irgendwann aus dem Bett gerollt bin. Dann fühlte ich mich zwar etwas besser, aber war trotzdem noch nicht fit.

Sollte Baclofen also nicht in meiner Zukunft als das Mittel in meine eigene Geschichte eingehen, dass mich von meiner Angst befreit hat, dann aber ganz sicher von meinen Schlafstörungen! Und da ich glaube, dass Schlafmangel stark etwas mit Angst und Depressionen zu tun hat, bin ich noch sehr guter Hoffnung 😉

Ich denke also, dass ich die 3 x 7,5mg Baclofen noch einige Tage nehmen werde und dann schluffig auf die 3 x 10mg klettere. Auf diese Weise glaube ich weiteren Nebenwirkungen von Baclofen weitestgehend zu entgehen. Der heutige Tag (die nur minimal – wenn überhaupt – verstärkten Nebenwirkungen) macht mir Mut, dass es so klappen könnte. Wir werden es sehen.

Ich werde nun lecker noch eine Folge Breaking Bad anschauen und dann gepflegt schlafen gehen. Morgen werden ich mal schauen, ob der Schlaf sich wieder verbessert, denn heute Nacht war ich seit langer Zeit mal wieder etwas unruhig. Ich kann nicht genau sagen, warum und weshalb, aber ich hatte genau das als Anlass genommen heute mit einer höheren Dosis weiter zu machen. Mal sehen, ob es die gewünschte Wirkung hat und die nächste Nacht wieder so wunderbar wie die vorherigen wird.

In diesem Sinne: Eene meene Mütze,zehn Pfund Grütze. Eene meene muh,müd bist du….