ADHS Testung – Teil 2

So, nur ein kurzes Update: Morgen gibt es den zweiten Termin in der Klinik. Der Erste, in dem ich wohl tonnenweise Zettel mit Multiple-Choice-Fragen beantworten muss. Keine wirkliche Ahnung, welche Fragen das sein werden, aber Morgen gegen 11:00h geht es los.

Ich werde mal sehen, wieviele Fragen ich mir so merken kann 😉

LG Petrocelli

ADHS und andere Kinderkrankheiten

Sooo – ich hatte ja schon ‚angedroht‘, dass ich nicht ohne weiteres locker lasse 😉

Heute war also mein erster (und wichtigster?) Termin zur ADHS-Diagnose bei Erwachsenen. Wieso das so explizit (nicht nur hier) genannt wird? Tja, es gibt tatsächlich Ärzte, die meinen das es sich um eine Kinderkrankheit handelt, die auswächst, verblasst oder mit dem ersten Sex explodiert und in die weiten des Alls katapultiert wird. Nun gut. Manchmal ist es sinnvoll sich eine Erklärung für etwas zu suchen, sei sie noch so abwägig. Und wer trotz Unwissen eine Erklärung braucht, der greift gerne zur Ignoranz bevor er sein Unwissen zugibt.

Wie auch immer. Also nur mal angenommen, das ADHS nicht einfach so ‚verschwindet‘, dann darf man evtl. mal nach Verbindungen schauen. Und wenn ich das tue (natürlich tue ich das), dann finde ich Depression und Angst als die häufigsten Komorbiditäten bei ADHS. Macht irgendwie auch Sinn, wenn man sich das mal so überlegt: Einer der ständig unter Strom steht, auf Tischen tanzt (ich hatte für gewöhnlich einen Regenschirm dabei, weil es interessanter aussah…) und Dinge machen muss, die anderen nur ein Kopfschütteln entlockt, der hat ein Problem damit, wenn es irgendwann nicht mehr ‚altersgerecht‘ entschuldigt werden kann. Ich für meinen Teil war immer der extrem hyperaktive Typ. Irgendwann schickte es sich aber nicht mehr so zu sein. COOOOL musste man sein (allein wegen den Mädels). Und dieses innere Gefühl, dass mich ständig antrieb, wollte aber nicht aufhören.

Meine ‚Theorie‘ wäre hierzu: irgendwo muss das hin. Und gibst Du keinen Raum, dann  holt es sich seinen Raum. Und so eine Angstattacke ist gross genug für einen Sack voll Energie. Ich meine die wirklich großen Säcke.

Nun gut. Kommen wir doch zu dem Termin, den ich heute hatte. Also die Herrschaften dort sind tatsächlich auf ADHS bei Erwachsenen spezialisiert. Sozusagen eine Ambulanz für Masern oder Mumps bei Erwachsenen ;). Ich war jedenfalls schon aufgedreht wie ein Hühnchen kurz vorm Eierlegen. Die letzten zwei Tage war ich nicht zu gebrauchen. Ich meine, da fährt nen Bekloppter in die Klapse und hat trotzdem noch Angst. An welchem Ort der Welt ist ein Angstler besser aufgehoben als in einer psychatrischen Klinik? Nun gut – meine Erklärung für sowas habe ich ja immer dabei: ich bin nicht ganz richtig im Kopf..

Während des Termins wurde im Grunde alles abgefrühstückt, was so zu meiner Historie gehört. Ich hatte sogar auf Wunsch Zeugnisse aus der ersten und zweiten Klasse mit. Mein liebstes ist der Kommentar meiner Lehrerin in der zweiten Klasse ‚Petrocelli kann sehr aufmerksam sein, wenn ihn etwas interessiert. Dann formuliert er auch sehr geflissentlich!‘ Tja – da stand aber nichts darüber, was ich so mache, wenn es mich NICHT interessiert….

Im Gespräch wurde noch nichts ‚bewertet‘, dafür müssen noch zwei weitere ‚Tests‘ gemacht werden – kilometerlanges Formulare ausfüllen heisst es. Aber da ich heute zwei Herren als Gegenüber hatte, konnten die nicht immer Ihren Eindruck verstecken. Es wurde auch direkt kommentiert – insbesondere wie es sein kann, das mein Arzt die Option ADHS als nicht existent ignoriert, obwohl er seit Jahren verfolgt wie ich therapieresistent durch seine Praxis marschiere und Medikamententestboy spiele. Das heisst sicher nicht, ‚Herr Petrocelli, die Lage ist klar, sie haben ADHS‘ – aber ich bin mindestens ein Wackelkandiat. Dieser erste Termin ist zum aussortieren. So war auch die Ankündigung – Termin 2,3 und 4 gibt es nur bei begründetem Verdacht.

Gab es Highlights? Naja, ich habe gequasselt was das Zeug hielt, ständig den Faden verloren und alte Fäden anderer Leute wieder aufgenommen. Ich war aufgeregt, fühlte mich aber nicht unwohl. Die beiden Herren waren ja auch ganz nett. Frustrierend fand ich aber, dass die Psychater langsam meine Altersgrenze unterschreiten. Ich muss mich sputen, sonst behandeln mich bald Kinder. Und wenn ich Herrn Doktor dann den Popo versohle, da er was nicht richtig gemacht hat, dann wird es befremdlich :p

Ok, nochmal Highlights: Irgendwann fragte mich einer der beiden, ob ich auch ‚andere‘ Krankheiten hätte. Ich fragte dann ‚was meinen Sie damit?‘ Er war wohl für einen Moment verwirrt und reagierte nicht sofort. Dann schob er nach: ‚Ja, sowas wie vielleicht Diabetis?‘. Das war einfach eine Steilvorlage und ich fragte: ‚Sie meinen, ob ich auch eine richtige Krankheit habe? Nein, damit kann ich nicht dienen.‘ Die beiden Herren konnten einfach nicht anders und prusteten sofort los. War auch echt gemein 😉 Der eine hielt sich für einige Zeit die Hand vor den Mund und der mit dem Stift und dem Zettel fing sich beachtlich schnell wieder ein und fügte hinzu: ‚Allein aus beruflichen Gründen würde ich sowas nie sagen!‘ Im ernst. Die beiden waren wirklich nett. Ist auch ne schwierige Situation.

Irgendwann kamen wir noch auf  Strukturen, Ordnung usw. Ich musste dann von meinem Lieblingsfoto von meinem Arbeitsplatz erzählen: „Finde die Katze“. Sie sitzt mitten auf meinem sehr großen Schreibtisch, aber es ist wirklich schwer sie zu finden. Die beiden baten mich dieses Foto unbedingt beim nächsten Mal mitzubringen – es würde in jedem Fall mit ärztlicher Verschwiegenheit behandelt werden…

Ist das noch ärztliche Verschwiegenheit, wenn so ein Foto in der Kantine eine Klinik aufgehängt wird? Ich meine so in der privaten Ecke, nur für Ärzte? 🙂 Ich werde es mitbringen – hätte ja auch nicht drüber reden brauchen.

Was ich aber noch sehr interessant gefunden habe, war das Thema Medikamente. Ich habe meine Pallette von Medikamente aufgezählt, weil man mich danach gefragt hatte (ich hätte es auch bestimmt ungefragt getan…). Und ich berichtete natürlich auch von den unterschiedlichen Wirkungen auf mich, da die beiden Herren extra gefragt hatten. Als ich am Ende von der Wirkung durch Trevilor auf mich erzählte (siehe http://www.angst-nein-danke.de/2011/01/04/herr-kern-besitzt-nen-pudel/ ) fragte mich der Herr mit dem Stift und Zettel allen ernstes: ‚ Haben sie auch schon Elontril‘ genommen?

Wow – ich habe gedacht jetzt kommt hier irgendwie die versteckte Kamera aus der Decke gefahren! Liest der Mann meinen Blog? Ich konnte nur nein sagen und ihm erzählen, dass ich es zwar zu Hause habe, aber mich noch nicht ‚getraut‘ hatte. Ich war verdattert und er fuhr irgendwie mit den Fragen fort. Ich bin ja nicht der Typ, dem die Worte fehlen, aber da schon.

Im Ernst – könnte es wirklich sein, dass ich mit meiner kleinen Spackentheorie garnicht so falsch liege? Ich meine, das ist kein Grund zu glauben, dass er es auch so sieht, aber ich fand es schon irritierend. Natürlich habe ich bereits den ganzen Tag darüber nachgedacht, aber was soll’s das tue ich ja sowieso. Antworten kommen erst viel später.

Wie ist also der kommende Ablauf? ich habe Ende Februar/Anfang März Termin 2+3. Und dann, 3-4 Wochen später ein abschliessendes Gespräch mit Diagnose. Also noch ca. 6 Wochen bis zur nächsten Erkenntnis. Ein Wimpernschlag in interstellarer Zeitrechnung. Und ne Menge Luft für viel hin und hergedenke für mich 😉 Da kann ich noch tonnenweise dumme Theorien entwickeln!

Ich habe schon oft gedacht: ‚Das ist es!‘. Und naja, ich sitze noch immer hier rum, statt mutig in der Welt rumzuspazieren. Aber wer weiß – vielleicht ist es ja mal ein Treffer. Und besser als krank und nur resigniert zu sein ist es allemal.

Wer mag, der kommt bald wieder und schaut was der Petrocelli dann so plappert. Bis dahin ->

LG Petrocelli