Wieder Tage zählen?

Nun ja. Auch wenn es mich sogar schon selbst ermüdet, will ich doch versuchen möglichst genau zu beschreiben, was bei mir z.Zt. ‚läuft‘ – falls ich das alles auf’n Faden kriege.

Also, die Angst ist definitiv nicht weg. Warum ich das so betone? Naja, ganz offensichtlich muss ich doch erkennen, dass ich es selbst wohl ganz tief drinnen so gehofft hatte. Irgendwie ist es doch auch zu verlockend, wenn es möglich wäre, oder? Einfach mit allem Scheiss abschliessen.
Aber nix da.
Bleibe wir erstmal beim negativen: ich spüre vor allem Morgens, dass nichts mehr von dem Zeug ‚drin‘ ist. Dann kreisen wieder zig negative Gedanken in meinem Kopf. Auch während der Zeit mit positiver Wirkung spüre ich hier und da die Anflüge der Angst, aber es hört wesentlich schneller auf. Ich würde sagen, ich kreise nicht so intensiv um die negativen Dinge. Das könnte man sehrwohl als positiv bezeichnen.

Ich glaube, dass ist auch ein Punkt, der mir bei aller Frustration doch ein bischen Hoffnung macht. Vielleicht stellt sich eine positive Wirkung auf die Angst ja dadurch ein, dass die vielen negativen Gedanken, die ich sonst den ganzen Tag habe, einfach nicht mehr einen solchen ‚Raum‘ erhalten. Ich mich einfach nicht mehr da hinein steigere. Denn ich glaube, das ist ein wesentlicher Nährboden der Angst bei mir: wenn ich nur lange genug die negativen Möglichkeiten einer Situation durchkaue, dann wird es schon in die Hose gehen. Oder noch besser: ich mache es mir so madig, dass ich die Situation am Ende komplett vermeide.

Ich denke auf diese Weise konnte die Angst ja auch dieses riesige Gewicht in meinem Leben erhalten – ich wurde als Kind schon seit jeher darauf trainiert meinen Körper zu beobachten, ob da ‚irgendwas‘ nicht in Ordnung ist. Naja, und ich denke genau das mache ich halt seit Jahren: ich schaue so lange auf die negativen Sachen, bis diese so gross sind, dass es mir Angst macht.

An diesem Punkt könnte MPH womöglich helfen. Ich bin konzentrierter und was schon deutlicher als eine bessere Konzentration ist, ist das ‚Fehlen‘ der vielen, ständig springenden Gedanken, die allesamt negativ sind. Betrachtet man also das mögliche Ursache/Wirkung System bei mir, so könnte das verringern der Ursache die Förderung der Angst verhindern. Also nicht durch eine ‚angstlösende‘ Wirkung wie bei einem Benzodiazepam, sondern durch das Fehlen des Provozierens der Angst.

Momentan ist es schon ein Wechselbad der Gefühle, aber womöglich ist die Chance garnicht so klein. Fehlt die ‚Ursache‘ so könnte man ja hoffen, dass die Wirkung auch irgendwann ausbleibt. Sicher nicht so schnell wie mit einem Benzo, aber vielleicht ja nachhaltig? Immer vorausgesetzt, die Theorie greift, dass dieses Rumgedenke auch eine Art Ursache ist – aber das würde auch die Frage beantworten, warum ich nie aus zig Verhaltenstherapie ‚gelernt‘ habe. Durch das ADHS wurde das Positive, was ich aus den Übungen und positiven Erlebnissen hätte lernen sollen, halt ‚kaputt gedacht‘.

Nun ja, es bleibt abzuwarten. Momentan hoffe ich erstmal die nächste Zeit durchzuhalten, denn die Angst ist schlicht nicht weg. Um zu erfahren, ob es mit MPH besser wird, wird es noch etwas Zeit brauchen. Ich würde z.Zt. sehr gerne sowas wie Cymbalta oder auch ein SSRI nehmen, da ich diese doch wenigstens als ’stützend‘ empfunden habe, wenn ich diese früher genommen hatte. Insbesondere fühle ich mich zusätzlich depressiv und dagegen half das Zeug gut. Das Problem ist natürlich, dass der Doc aus der Ambulanz es gerne hätte, dass in nächster Zeit nur MPH wirkt und man die Dosis entsprechend gut einstellen kann. Tja, das Argument kann ich so richtig nicht entkräften.

So, das wäre also der aktuelle Stand für heute. 😉

LG Petrocelli

Methylphenidat. Zu gut um wahr zu sein?

Ich wollte nur ein kleines update vom ersten Tag unter mph geben. Und der Titel hier deutet es schon an. In jedem Fall war nichts von irgendwelchen negativen Nebenwirkungen zu spüren. Im Gegenteil. Nach der zweiten Dosis am Mittag und noch deutlicher nach der letzten Dosis am Nachmittag spürte ich eine lange nicht mehr erlebte ‚Sortierung‘ im Kopf. Das ist ganz schwer zu beschreiben und war auch nicht so ausgeprägt, dass ich ‚hui‘ rufen müsste. Aber sie war (und ist zum Teil noch) so deutlich da, dass ich schon beeindruckt bin. Ein wenig so, als würde man angenehm eingenordet werden. Das ständige springen zwischen unterschiedlichsten Gedanken, das dauernde Gefühl man kann das, was man gerade macht, eigentlich nicht machen, weil noch so viele andere Dinge zu tun sind – all das ging deutlich in den Hintergrund. Nicht weg, aber weniger spürbar als sonst. Wenn man bedenkt, dass ich aber auch nur eine echte Minidosis vom Methylphenidat nehme, dann wäre eine stärkere Wirkung wohl kaum zu erklären.

Als mir der Doc sagte, ich würde als erstes wohl merken, dass ich mich besser konzentrieren könnte, war meine Vorstellung eine andere. Konzentration verbinde ich immer mit Stress, Anstregung. Nicht, dass ich das nicht könnte, aber ich bin dann auf 150% Leistung. Und hinterher fühle ich mich dann auch so. Kann kaum runterkommen. Was ich aber heute erlebte, war eine deutliche Reduktion sämtlicher Störfaktoren. Angenehm und beeindruckend. Natürlich noch nicht so, wie ich es mir im idealfall wünsche, bzw. wie ich mich an seltene Zeiten aus meiner Jugend bzw. unter Trevilor erinnern kann. Aber in jedem Fall habe ich heute Gefühle und Eindrücke gehabt, wie schon ewig (wenn überhaupt) nicht mehr.

Was kommt nun? Im Moment spüre ich schon, dass etwas mehr Gedanken ‚dazwischen‘ kommen, als heute Nachmittag. Aber der Stoff ist ja auch körperlich auf dem Rückzug. Im bin jedenfalls sehr gespannt, wie es sich entwickelt und was passiert, wenn ich dann höher dosiere. Habe natürlich große Sorge davor, dass es sich noch dreht und in eine negative Richtung marschiert. Aber gut, dass werde ich wohl erstmal nicht abschalten können.

Und ich freue mich tatsächlich auf den heutigen Schlaf, da ich sehr gespannt bin wie ich unter mph schlafe – ich habe solches und solches gehört. Nachdem ich aber wohl von mpg eher beruhigt als agitiert werde, bin ich guter Dinge. Und ich bin schon positiv gespannt auf Morgen. Hoffentlich bleibt das 😉

 

LG Petrocelli

Nu isses amtlich: ADHS. Und die erste Medikinet ist auch schon drin….

Tja, womit fange ich an? Das ich vor 15 Minuten die erste Medikinet/Ritalin/MPH genommen habe? Jo, da ich es schon geschrieben habe, ist es ein guter Anfang 🙂 Jedenfalls in kleinster Dosis, da alte Herren bei Kinderkrankheiten ja ‚aufpassen‘ müssen :p

Aber im Ernst – da ich ja vor allem unter den Ängsten leide, soll ich das langsam angehen. Sonst kriege ich zuviel Gelegenheiten mir wieder was an Nebenwirkungen einzubilden. Ich schaue jetzt mal und ziehe die Dosis in den nächsten Wochen höher, wenn ich merke, wie/ob es funktioniert.

Jetzt aber zum gestrigen Tag. Da es der 1.4. war, habe ich es mir absichtlich gespart es als möglichen Aprilscherz auflaufen zu lassen. Wenn ich überlege, dass es am letzten Termin hieß ‚das können wir heute nicht mehr machen, dass muss umfangreich besprochen werden‘, so musste ich gestern doch innerlich mehr als grinsen, als ich merkte, dass  mir eigentlich nix erklärt wird. Mein Hausarzt kriegt einen ‚Arztbrief‘ und ich kriege Ritalin 😉

Naja, ganz so knapp war es auch nicht, aber er resümierte halt, es sei eine klare, starke Angststörung (hui, gut beobachtet Herr Doktor!) und dann halt eine eindeutig diagnostizierte ADHS. Wobei er meinte, dass die Angststörung so massiv sei, dass sie evtl. nicht davon weggeht wenn man das ADHS behandelt. Aber auf Grund der vielen Therapien und Medikamente, die ich in meinem Leben so durchgezogen habe, schätzt er die Chance sehr hoch ein, dass nach erfolgreicher Behandlung des ADHS, auch eine erfolgreiche Behandlung der Angst stattfinden könnte.

Also schauen wir mal, ob sich das ADHS ‚erfolgreich‘ behandeln lässt 😉 Es gibt ja mehrere Ansätze, dem Dopaminmangel entgegen zu wirken. Der Klassiker ist aber Methylphenidat (Ritalin, Medikinet usw.), weshalb er auch sagte: ‚Wenn wir das ADHS behandeln, dann gleich mit dem Mittel der Wahl‘, sprich Methylphenidat. Wir fangen also von gaaanz unten an und tasten uns hoch. Nicht nur weil ich als Angstfuzzi meine speziellen Ecken und Kanten habe, sondern auch weil die Dosen, die für gewöhnlich bei Kindern gegeben werden, bei Erwachsenen meist viel zu hoch sind. Das hat wohl damit zu tun, dass die Menge der Dopamintransporter  in den entscheidenden Gehirnregionen im Laufe der Zeit abnehmen. Das erklärt im Übrigen auch, warum viele ADHSler im Erwachsenenalter entweder keine oder nur wenige Probleme haben. Bei vielen reguliert es sich chemisch und dann ‚lernen‘ wir als Erwachsene auch uns besser zusammen zu nehmen 😉

Ich und mein Medikinet werden uns jedenfalls ein bischen auf die Terasse setzen und dem Treiben da zuschauen. Mal sehen, wie sich das anfühlt.

Stay tuned und LG

Petrocelli