Nächste Runde. Diesmal? L-Tryptophan 1. Tag

Die Substitution mit Cortisol tut gut. Es nimmt einem nicht die Angst – jedenfalls nicht mir – aber es gibt einem offensichtlich eine deutliche Portion Energie, wenn man ein entsprechendes Defizit hat. So soll es laut den Messungen bei mir ja auch sein.

Ich habe vor kurzem mit jemandem zum Thema Cortisol gesprochen, der es selbst aus ähnlichen Gründen für einige Zeit genommen hat – ich glaube gut 2 Jahre – er ist damals auch davon ausgegangen, dass es evtl. die Quelle seiner Probleme ist, jedoch ist er später einen anderen Weg gegangen da eine ausgelaugte Nebenniere vielleicht doch nur das Ergebnis von ständigem Stress ist. Und den kann man sich auf verschiedenste Weise geben.

Wie auch immer, ich nehme es vorerst noch weiter, da es mir gut tut und man auch nicht so plötzlich damit aufhören soll. Die arme Nebenniere gewöhnt sich wohl zu schnell an die Zugabe von Cortisol und da heisst es irgendwann fein ausschleichen.

 

Jedoch gräbt das Cortisol nicht wirklich an meinen Ängsten und dem schlechten Grundgefühl. Ich habe vor wenigen Tagen mal so überlegt, wann ich das letzte mal in meinem Leben eigentlich wirklich entspannt war, mich nicht gehetzt und gleichzeitig erschöpft gefühlt habe. Es ist wohl auch mindestens 25 Jahre her – eigentlich seitdem ich diese Ängste habe fühle ich mich entsprechend gehetzt und kaputt. Auch wenn ich nicht gerade in eine Angstsituation soll oder muss. Das frisst einen schon auf.

Alles geht also primär ums Wohlfühlen. Deshalb gibt man ja so gerne SSRIs oder SNRIs, die primär das vorhandene Serotonin verlängert im Körper (insb. im Köpfchen) zur Verfügung halten. Aber was ist, wenn überhaupt zu wenig hergestellt wird? Sicher wird auch in einem solchen Fall die relative Menge des Serotonin erhöht, jedoch haben wir zig Regelmechanismen, bei denen es mich nicht wundern würde, das es auch möglich ist, das unser System selbst dann noch sagt: ok, dann produzier ich noch weniger Serotonin. Ist ja noch viel mehr da als sonst….. 😉

Da oben in der Birne haben wir unter anderem die Tryptophan-Hydroxylase, die freundlicher Weise durch ein hohes Substratangebot in seiner Aktivität stimulierbar ist (Fernstrom und Wurtman 1972, Heuther et al. 1992). Sprich, viel Futter, gibt mehr Produkt. In diesem Fall das 5-Hydroxytryptophan (5-HTP), welches wiederum die direkte Vorstufe des Serotonins selbst ist.

Jetzt könnte man fragen: Warum nicht gleich das 5-HTP futtern? Gibt’s doch auch? Ja, und es wirkt wunderbar auf Magendarm (dort gibt es deutlich nämlich mehr Serotonin und entsprechende Rezeptoren dafür als im Gehirn). Also fein Käckerchen machen und weiterhin die gleichen Probleme 😉 Ist also keine so tolle Option, es sei denn man nimmt noch das verschreibungspflichtige Carbidopa (ein Decarboxylase-Hemmer) ein, um die Wirkung in der Peripherie zu dämpfen. Übelkeit etc. soll der häufigste Grund für einen Abbruch einer 5-HTP Therapie sein.

Warum gibt man dann nicht schon ewig und ständig L-Tryptophan statt SSRIs, SNRIs, Serotonin Modulatoren usw.? Reflexartig würde ich ‚böse Pharmaindustrie!‘ rufen, aber das Ganze hat noch wenigstens einen weiteren Haken: Es gibt noch zwei weitere Enzyme zum Thema L-Tryptophan (sicher noch mehr), die Tryptophan-Dioxygenase und Indolamin-2,3-Dihydrooxygenase sind die beiden wichtigsten Enzyme zum Abbau von L-Tryptophan. Und auch die werden immer aktiver, je mehr freies L-Tryptophan zur Verfügung steht. Es jeden Tag zu sich zu nehmen führt also durch diese Mechanismen wieder zu einer, Reduktion des freien L-Tryptophan, was wieder das eigentliche Ziel versaut.

Darin liegt sicher ein wichtiger Grund, warum die Therapie mit L-Tryptophan nicht zur ersten Wahl bei Depression und Angst gehört, denn ein möglicher Erfolg würde nach Tagen oder wenigen Wochen voraussichtlich wieder schwinden. Dann noch eine Prise Pharmaindustrie und schon weiß man, warum es nicht Therapie der Wahl ist. Im Übrigen wurde in den 60igern und 70igern (vor den SSRIs) sehr wohl mit L-Tryptophan therapiert – keine Ahnung mit welchem Erfolg 🙂

Trägt man diese und andere Infos zusammen, so muss man die Therapie etwas „verkomplizieren“, damit die besagten Umstände entschärft werden. Alles in allem ist es vielleicht etwas anstrengender, also jeden morgen eine einzige Pille einzunehmen, aber ich glaube dass es sicherlich besser ist einen Stoff einzunehmen, der natürlich ist und dem Körper bekannt, statt irgendeinen Stoff der (auch?) nur zweifelhaft wirkt und dann sicher noch Leber etc. belastet. Also einen Versuch mit L-Tryptophan ist es wert.

 

L-Tryptophan, Tag 1.

Heute Morgen habe ich 1.5g nüchtern eingenommen und erst ca. 2 Stunden später gefrühstückt (so hat das L-Tryptophan weniger ‚Konkurrenz‘ anderer Aminosäuren an der Blut-Liquer Schranke). Der einzige Unterschied im Laufe des Tages war – wenn überhaupt – das ich erst deutlich später Appetit (es ist schon eher böser Hunger, den ich da immer verspüre, auch wenn ich weiß, dass ich sicher nicht hungere…..) hatte, als sonst. Aber das war’s wohl schon 😉

Wenn ich so die einen oder anderen Artikel zur Therapie mit L-Tryptophan lese, dauert es einige Tage, bis man etwas merkt (falls man darauf anspricht), aber es soll tatsächlich schneller gehen als bei SSRIs. Sprich nach zwei Wochen, soll man eine Besserung spüren. Ich bin also gespannt (wie immer :p) und werde berichten.

 

Serotonin, Noradrenalin, Dopamin, usw. – Wir bauen uns einen Menschen…..

Da gibt es noch mehr: Adrenalin, Cortisol, DHEA(S), dann rüber zur Schilddrüse: TSH, T3, T4 und blabla. Noch so einiges mehr an Hormonen regelt unser Mensch sein. Viele, sehr viele spielen dabei eine deutlich verbundene Rolle. Z.B. über ein sog. negatives Feedback (wie z.B. Insulin / Glucagon) aber auch schlicht durch Beteiligung an Entstehungsprozessen – z.B. T3 aus T4 usw,

Das könnten wir hier den ganzen Tag spielen und unser selbstgebauter Mensch wäre noch kein halber Frankenstein. Ich denke, dass ist a) der Grund, warum man bei vielen Krankheiten ‚probieren‘ muss und b) viele Zusammenhänge (noch) schlicht unbekannt sind.

Das mit dem ‚probieren‘ könnten böse Zungen als mein ‚Hobby‘ bezeichnen, aber ich versuche das schlicht zu ignorieren. Ich habe mir vor kurzem ein neues Hängeregister für meinen Papierkram angelegt, da steht drauf: „Ich bin nicht bekloppt. Ich bin nur krank…“ 😉

Wenn ich mir die meisten der oben genannten menschlichen ‚Bauteile‘ so anschaue, dann fällt mir eines auf (naja, nicht erst jetzt aber immer wieder), dass bei vielen Prozessen ganz wesentlich beteiligt ist, bzw. die Grundlage zum ‚Funktionieren‘ bildet: Das Cortisol.

Es wird z.B. benötigt um aus T4 T3 zu machen, es wird bei Entzündungen gebraucht, Allergien zu hemmen, es ‚wandelt‘ Eiweisse zu Zucker (zählt nicht umsonst zu den Glukocortikoiden) usw. Im Grunde ist es an so vielen Prozessen mit einer solchen Umfänglichkeit beteiligt, dass es schlicht zum Tode führt, wenn es fehlt.

Dieser Zustand (also der kurz bevor man tod ist…. :p ) gilt als Morbus Addison in der Schulmedizin.

Aber es gibt doch viele Hinweise darauf, dass es neben dem nicht reversiblen Ausfall der Nebenniere, also dem Morbus Addison, noch eine ‚Schwäche‘ der Nebenniere zu geben scheint, die in den Symptomen ganz ähnlich, aber vor allem unbehandelt nicht letal ist (sonst wäre es schon wieder Morbus Addison….). Zwischen ’sich wohl fühlen‘ und dem Tod gibt es aber einen weiten Spielraum. Und im unteren Drittel fühlt man sich ganz bestimmt nicht ‚wohl‘ – ich sag‘ das mal so 😉

Nun gut, man kann Cortisol und andere Hormone seit einigen Jahren ganz einfach im Speichel messen und auch ein sog. Tagesprofil durch mehrere Messungen am Tage erstellen, da die aktive Cortisolmenge im Verlauf eines Tages einem typischen Verlauf folgen sollte (morgens nach dem Aufstehen am höchsten, dann bis in den Abend fallend). Im Gegensatz zum alten, schulmedizinischen Verfahren nur den morgenlichen Blutwert Cortisol oder den 24h Urinwert Cortisol zu messen, kann man hier z.B. einen ‚falschen‘ Anstieg im Tagesverlauf oder einen viel zu schnellen Abfall am Vormittag feststellen. Wer Angst hat, das man sowas doch nicht mit ‚Spucke‘ testen kann, dem sei gesagt, dass selbst die WHO die Messung diverser Hormone usw. per Speicheltest empfiehlt, gerade weil hier solche Verläufe auch ausserhalb einer Praxis gemessen werden können und offensichtlich die tatsächlich ‚verfügbaren‘ Mengen gemessen werden. Das nur am Rande.

Ich habe einen solchen Test vor gut drei Jahren gemacht, mit dem Ergebnis, dass mein morgendlicher Wert im unteren Drittel der  Norm war und alle nachfolgenden Werte nur knapp über der unteren Normgrenze lagen. Also kurz vor den Werten, die man Morbus Addison zuordnet. Aber halt noch in der Norm.

Das Labor sprach von einer deutlichen Schwäche der Nebenniere und empfahl eine Substitution mit Cortisol. Mein Arzt sagte, ich könnte ja mal etwas von der frei verkäuflichen Kortisonsalbe benutzen – das könne ja nicht schaden……

Jedenfalls hat mir das mit der Salbe natürlich nichts gebracht – wie auch. Ich sollte die ja nicht essen. Also bin ich wieder davon abgekommen.

Anfang Februar diesen Jahres bin ich aber wieder zu diesem Thema gekommen und ich habe wieder einen solchen Test gemacht. Diesmal übrigens bei einem anderen Labor – man weiß ja nie, dachte ich mir. Faszinierender Weise sind fast die gleichen Werte dabei herausgekommen. Auch vom DHEA, das damals auch mitgemessen wurde. In jedem Fall, war es damals also nicht ein ’schlechter Tag‘ oder sowas, der zu diesen Cortisolwerten geführt hat. Ein Gespräch mit einem der Laborärzte, bei dem ich auch die Werte aus 2010 zitierte führte blitzschnell zur eindringlichen Empfehlung kurzfristig einen Arzt aufzusuchen. Aha?!??

Nun gut, solche Werte über einen längeren Zeitraum zu haben, gefiel dem Mann also gar nicht. Und ja, ich bin natürlich zu einem Arzt – aber aus einem anderen Grund 😉 Einen Tag, nachdem ich diesen Test gemacht habe (und nicht vergessen, man nimmt nichts ein, man gibt Spucke in ein Röhrchen…..), habe ich am ganzen Körper einen Ausschlag und Juckreiz bekommen, wie vor über 25 Jahren das letzte mal, als ich noch aktive Neurodermitis hatte. Ich glaube zu wissen, was ich wohl ‚falsch‘ gegessen habe, aber es war schon faszinierend, wie schnell einen der Körper am Arsch haben kann, obwohl man kein Interesse daran hat.

Also noch bevor ich mit den Laborärzten über das Ergebnis reden konnte (ich hatte es ja gerade erst abgeschickt), bin ich zum Arzt und habe laut nach Kortison gerufen, da ich diesen Scheiss so schnell wie möglich wieder loswerden wollte. Ich brauchte nur meine Haut vorzeigen und wurde mit Kortison (Prednisolon) beworfen. Und ich kann sagen: das war auch gut so.

Ich habe für eine systemische Allergie eine ziemlich kleine Dosis genommen (20mg/d), aber es reichte absolut aus, warum also mehr nehmen. Nach zwei Tagen merkte man deutlich, wie alle Ausschläge und Schwellungen wieder rückläufig waren. Und: ich fühlte mich irgendwie…. GUT! Ich war nicht mehr dauernd platt, müde. Ich bin sogar seit Jaaaaahren wieder morgens frisch aus dem Bett rausgekommen. Ein wundersames Gefühl. Ich war nicht aufgeputscht, aber einfach ‚da‘.

Zusammen mit den dann eingetrudelten Werten meines Cortisolspiegels passte alles ziemlich gut ins Bild, so fand ich jedenfalls.

Mein Hausarzt hat mir mittlerweile Hydrocortison (dem Cortisol am ähnlichsten) verschrieben und ich taste mich an eine Wohlfühldosis unterhalb möglicher Überdosierungsnebenwirkungen heran. Die will auch kein Schwein. Es fühlt sich teilweise sehr schwankend an, da die eigene Cortisolproduktion unter Einnahme künstlichen Cortisols unterdrückt wird und man sich wohl erst einspielen muss, aber es gibt auch wirklich sehr gute Phasen. Bisher habe ich den Eindruck, vor allem wenn es wirklich ‚etwas mehr‘ ist. Ich habe nächste Woche einen Termin bei einem Arzt, der von sich selbst sagt, dass Hormone (was gerne zum Anti-Aging gezählt wird) sowas wie sein ‚Steckenpferd‘ sind. Na, Hurra, dann schauen wir mal wie er sich in seinem Hobby so auskennt 😉

Ich bin jedenfalls gespannt, ob es mit der Psyche noch weitere Verbesserungen geben kann, wenn man den Cortisolhaushalt in bessere Bereiche der ‚Norm‘ bringt. Ich posaune es dann wie üblich hier aus :p

LG

Petrocelli