Jeder fängt mal klein an….

Moclobemid 0-75mg/d. Tag 5-7.

Tag 5 war wieder eine Nullrunde. Ich habe keine Ahnung, ob mir bei der ’normalen‘ Einstiegsdosis von 2x150mg/d schlicht der Kopf explodiert wäre, oder ob es mir sogar schon besser gegangen wäre – ich kann’s nicht sagen. Mein Weg sieht jedenfalls etwas vorsichtiger aus, wie es scheint.

Ich hatte auch mit meiner Ärztin am 5. Tag gesprochen und gefragt ob es bei dieser gefühlt unangenehmen Reaktion überhaupt eine Chance darauf gibt, das Moclobemid bei mir irgendwann später doch passen sollte (zumal Messwerte und Genetik deutlich darauf hinweisen). Sie hatte ein nettes Beispiel, in dem Sie mich mit jemandem Verglich, der ein Bein hat, das deutlich kürzer ist als das andere. Dieser Mensch wird vermutlich über Jahre eine Fehlstellung entwickeln und wohl auch Rückenschmerzen haben. Wenn man diesem Patienten nach über 40 Jahren dann sofort die gesamten Höhendifferenz ausgleicht, wird dieser wahrscheinlich mehr Schmerzen haben als in den Jahren davor. Deshalb muss man eine solche Einlage über längere Zeit ‚erhöhen‘. Das fand ich ein Beispiel, dass Hoffnung machte.

Tag 6 und 7 waren jedenfalls sehr angenehm und fast angstfrei (Wir sprechen nicht von einem Gefühl, dass mich die Welt erobern lassen will – aber ich war immerhin zu Hause so was wie angstfrei). Wenn überhaupt, ist es jeweils der Morgen nach dem Aufstehen, der sich unangenehmer anfühlt als der Rest des Tages, so dass ich am 7. Tag bereits überlegt hatte Abends noch einmal 75mg Moclobemid zu nehmen. Zumal zweimal täglich ja die übliche ‚Aufteilung‘ laut Beipackzettel ist.

Nun gut, vielleicht am 8. Tag – ich finde es schon mal gut, dass ich mir vorstellen kann keine Nullrunden mehr einzulegen und es wirklich angenehme Momente gibt. Vor allem Nachmittags und Abends.

Beim Gedanken daran, jetzt Einkaufen zu fahren (natürlich sowieso nicht alleine….) geht mir sofort die Düse. Ich habe also noch einen längeren Weg vor mir, wie es scheint. Man darf aber nicht ganz vergessen, dass ich jetzt seit einigen Monaten ohne ‚richtigen‘ Stoff bin (ich meine SSRIs oder SNRIs, die bisher als einzige einen wenigsten erträglichen Zustand schaffen könnten, in denen ich halbwegs funktionierte) und in dieser Zeit die Angst so schlimm war, wie schon viele Jahre nicht mehr. Deshalb ist meine Ausgangsbasis auch ziemlich schwach und alle Ängste, die ich jetzt so in diesen Tagen mit Moclobemid erlebt habe, wären vielleicht auch anders aufgetaucht. Gefühlt würde ich es aber der Umstellung durch Moclobemid zuordnen, aber da selbst ich vom Placeboeffekt weiß, ist es schwer einzuordnen. 😉

Bis demnächst, Petrocelli

Devise: Durchhalten

Moclobemid. Tag 2-4. 0 – 75mg/Tag.

Eigentlich hatte ich ja gehofft, durch meinen genetischen Polymorphismus bzgl. des überaktiven MAO-A Enzyms hätte ich es leicht und mein Körper ruft: Hurra, darauf habe ich seit meiner Geburt gewartet!
Aber Fehlanzeige – so einfach kriege ich es nicht.

Es geht mir gelinde gesagt beschissen, und das bei Kindergartendosis. Ich hatte in der Nacht vom 1. auf den 2. Tag unter moclobemid massive Schlafstörungen mit Aufwachen und Panikgefühlen, das ich mich ernsthaft fragte, was jetzt los ist.
Darauf hatte ich am 2. Tag beschlossen, eine Nullrunde einzulegen. Der Tag verlief eigentlich genauso unauffällig wie der Erste.

Präventiv habe ich eine gaaaanz kleine Dosis Bromazepam genommen, da ich besser schlafen wollte und dachte, es hilft mir am nächsten Tag, wenn ich wieder moclobemid nehme. Die Nacht war gut. Am Tag 3 habe ich nur morgens die 75mg genommen. An dem Tag fühlte ich mich sehr aktiv und fast agitiert, was mich persönlich sehr besorgt, da ich dann zu schnell in Ängste rutsche. Ich hatte aber im Grunde auch richtig gute Phasen dazwischen, insbesondere Morgens und am Vormittag. Gegen Abend, fühlte es sich dann unangenehmer an. Als würde ich den Puls im Hals und der Brust spüren – das geht für einen Angsthasen natürlich garnicht :/ Also beschloss ich Abends keine zu nehmen.
Ich bin mir tatsächlich ziemlich sicher, die unangenehmen Gefühle sind nicht eingebildet, frage mich aber, ob es eher an der Wirkung liegt, oder am Nachlassen der eh schon niedrigen Dosis, so das ich mir mit dem Auslassen der Abenddosis so gar keinen Gefallen tue. Das ist wohl etwas, das ich eher nie erfahre, da ich es noch einige Zeit mit dieser kleinen, einmaligen Dosis versuchen will. Wenn einer von Euch da draussen Erfahrung mit dem Einstieg von Moclobemid hat, dann bitte ich um einen Kommentar hierzu würde mich freuen.

Jedenfalls nehme ich jetzt Abends Bromazepam und mindestens morgens das Moclobemid. Im Grunde soll es ja genauso sein: In der ersten Zeit (bis 2-3 Wochen) agitierend, ab Woche 4 langsam beruhigend, anxiolytisch. Also bin ich noch im Soll und ich hoffe, dass die niedrige Dosis die Nebenwirkungen schwächer machen, dann aber dennoch eine Kehrtwende erkennbar ist, wenn diese verschwinden und etwas Positives bleibt. Sicher ist eine Steigerung dann wieder mit Nebenwirkungen verbunden, ich hoffe aber dann a) weiss ich es geht in die richtige Richtung und b) es fällt etwas unauffälliger mit den Nebenwirkungen aus. Soweit mit meiner neuesten Theorie….

Heute, Tag 4, verlief ähnlich. Morgens noch etwas gerädert vom schwachem Schlaf und der ständigen Unruhe/Panik bei jedem Aufwachen. Dennoch ging es relativ gut, nur leichte Unruhe. Mittags waren wir was zu essen holen und ich fühlte mich trotz deutlicher Agitation fast gut und wenig ängstlich. Das machte mir tatsächlich Hoffnung darauf, dass es vielleicht doch noch besser wird. Der Nachmittag war noch unruhiger und manchmal mit Angst belegt, aber auch ganz wechselhaft mit etwas Ruhe.
Gegen Abend wurde es deutlich besser. Dennoch nehme ich heute Nacht sogar noch etwas mehr Bromazepam, da ich solche Nächte nicht mehr will.

Drei Sachen sind deutlich anders/besser als sonst: ich räume ständig auf und meine Konzentration ist etwas besser. Noch kein dramatischer Unterschied, aber irgendwas tut sich da. Die Ausdauer ist aber noch nicht wie früher. Die dritte Änderung ist ein deutlich geringerer Appetit. Nicht ständig dieses Gefühl mein Magen frisst sich selbst auf. Das finde ich sehr angenehm.

So, jetzt aber ins Bett. Die Bromazepam fängt an zu wirken 😉

Wie Sie sehen, sehen Sie nichts….

Moclobemid. 1.Tag, 75mg/75mg.

Was soll ich sagen – es ist nichts passiert 🙂
In den ersten ein, zwei Stunden etwas unruhig, aber das hatte sicher nichts mit dem Moclobemid zu tun. Schließlich hatte ich befürchtet, es könnte etwas Unangenehmes passieren. Da verselbstständig sich die Psyche genauso wie bei allen anderen Verrückten.

Wie im letzten Post geschrieben, bin ich 50% unter der üblichen Einstiegsdosis, aber ich wollte es halt extra ruhig angehen, um nicht wegen anfänglichen Nebenwirkungen die gute Chance zu versauen ein Medikament zu nehmen, dass exakt zu meinem MAO-A Polymorphismus passt.

Heute hatte ich sogar einige Zeit länger konzentriert gearbeitet, als sonst, aber das hatte wahrscheinlich nichts mit dem Moclobemid zu tun. Gegen Ende war mein inneres Zittern wieder so stark, dass ich die Wände hochgehen könnte. Aber gut, ich kenne das ja leider und habe es wenigstens nicht als Grund genommen es dem Medikament ‚anzuhängen‘.

Ich denke noch ein oder zwei Tage bleibe ich bei der niedrigen Dosis, dann geht es aber auch weiter mit der Dosierung.

Die letzte Versuchung

Seien wir mal ehrlich. Wenn ich jetzt alleine die Jahre betrachte, in denen ich meine Experimente hier im Blog verbreite, ist es schon mühselig mit anzuschauen, geschweige denn es mitzumachen (nur falls jemand glaubt, mir mache das Spass….).

Jetzt – mit der genetischen Grundlage – scheint es selbst mir auch irgendwann gut zu sein. Natürlich kenne ich genug Bücher, Artikel und gut gemeinte Ratschläge, mich ’nicht anzustellen‘, mich ‚zusammen zu reißen‘, mich ‚mal was zu trauen‘, mich ‚mal wirklich therapieren zu lassen‘. Letzterer ist übrigens mit ‚mich zusammen zu reißen‘ mein absoluter Favorit. Ich hab‘ sicher selbst schuld und meine bisherigen Therapien nicht ‚ordentlich‘ gemacht. Oder die Therapeuten waren allesamt Idioten (ok, sollte man wenigstens als Option offen lassen…).

Aber am Ende bleibt dieses Gefühl, dass ich einfach nicht ignorieren kann und will. Und die Erfahrung, die ich vor nun mehr 10 Jahren mit Trevilor gemacht habe. Und da hatte ich den scheiß nun auch schon fast 20 Jahre. Selbst in meiner Jugend war ich sicher nie der klassische Starfighter-Pilot, auch wenn ich mich dort deutlich besser durchs Leben bewegt habe, aber etwas ‚Angst‘ schwebte immer mit. Ich konnte es nur besser wegdrücken.

Da höre ich doch schon all‘ die Therapeuten juchzen, dass wäre der Beweis, es hat nichts mit Chemie zu tun. Ja klar, wir wissen ja alle, dass sich die Chemie des Körpers so gar nicht in der Kindheit und vor allem Pubertät verändert. Also Mund halten und wieder hinsetzen. Vielleicht seid Ihr später noch mal dran.

Das Erlebnis mit Trevilor (das sich zugegebener massen nicht wiederholen lies) sitzt noch immer tief und ist der Grund, warum ich glaube es ist was mit ‚Chemie‘ bei mir. Auch wenn es nicht erklärbar zu sein scheint. Aber das Gefüge in der Birne ist sicher veränderlich. Man liest immer wieder von Adaptionseffekten usw. Auch kenn man die mengenmäßige Veränderung von Rezeptoren unter der Behandlung von SSRIs usw. Das ist ein weites Feld.

Wie auch immer. Ich habe das Moclobemid nun hier und werde morgen damit anfangen, selbst wenn ich trotz aller positiven Hinweise erheblichen schiss vor dem Zeug habe. Ich nehme seit einiger Zeit gar nichts an Medikamenten und in den letzten 2-3 Monaten sowieso nur Vorstufen wie L-Tryptophan und 5-HTP. Da der Gentest nun gezeigt hat, dass ich alles was ich an Serotonin zur Verfügung habe nicht nur schneller transportiere sondern auch gleich vernichte, ist es wenig verwunderlich, dass ich mit den Vorstufen keine große Nummer gelandet habe. Jedenfalls könnte das ein Grund sein.

Die SSRIs – vor allem das Fluvoxamin, dass ich zuletzt genommen hatte – hatte schon seine Wirkung. Ich war nicht ständig ängstlich, kam nicht bei allem sofort in Panik. Jetzt einige Monate ohne sowas, stehe ich schon wieder ziemlich doof auf dem Parkett. So dass ich halt auch Angst vor zuviel Antrieb/Agitation habe, dass gerade zu Beginn unter Moclobemid auftreten kann. Ich beginne aber mit der Hälfte der üblichen Einstiegsdosis (die 2 x 150mg/d ist), um hier langsam rein zu kommen. Auf der anderen Seite ist es relativ unwahrscheinlich, dass ich mit einer nachgewiesenen zu hohen MAO-A Aktivität darunter ‚leiden‘ sollte, wenn diese normalisiert wird. Ich denke MAO-A Hemmer wurden auch tausenden von Menschen verschrieben, die normale MAO-A Aktivität haben und da ist es sicher wahrscheinlicher, dass es bei denen zu einem Ungleichgewicht kommt, welches dann auch die eine oder andere unerwünschte Wirkung hat.

Nun gut, ich laber mich wieder fusselig. So ist das halt, wenn sich ein Angsthase Angst macht 😉 Morgen sehe wir mehr. Ich hoffe ich nehme das Zeug und bilde mir nicht gleich einen Sack von nicht vorhandenen Nebenwirkungen ein….

LG Petrocelli

Genetischer Müll

Nachdem nun auch der Versuch mit L-Tryptophan so auffällig wirkungslos war, suchte ich (wie üblich) weiter. Noch immer daran glaubend, dass es ‚irgendwo‘ etwas geben muss, dass mir eine Gefühlsgrundlage schaffen muss, die mir wieder Leben ermöglichen kann.
Noch immer glaube ich an Chemie.

Das Thema L-Tryptophan brachte mich zu einem interessanten Artikel, der erklärte warum es Menschen geben kann, die so garnicht die Vor-Vorstufe des Serotonins (5-HTP) erstellen können. Es gibt hier eine Genvariation (Polymorphismus), die dafür sorgt, dass das geschwindigkeitssteuernde Enzym (Tryptophanhydroxylase) zu wenig vorhanden ist und dadurch kein 5-HTP im Gehirn zur Verfügung steht, auch wenn man sich mit L-Tryptophan zuknallt. Also dachte ich mir: kann man das nicht auch testen? Dann würde das immerhin erklären, warum mit L-Tryptophan nix passiert bei mir 😉

Um es gleich vorweg zu nehmen: DEN Polymorphismus (TPH-2) habe ich nicht…

Es hatte etwas gedauert, bis ich ein Labor gefunden habe (bitte per mail oder Kommentar mit mail anschreiben, ich schicke bei Interesse den Kontakt), dass auch diesen relativ neuen (also der ist sicher alt wie die Menschheit, aber es ist neu, dass man ihn kennt 😉 ) Polymorphismus untersucht. Bei weitem nicht alle Labore, die Genuntersuchungen machen, bieten das an.

Am Ende habe ich mich für 8 Genuntersuchungen entschieden, die allesamt zum Thema Depression und/oder Angststörungen als relevant diskutiert werden. Es gibt kein ‚Angstgen‘ im singulären Sinn, aber viele ‚Verdächtige‘ – der eine offensichtlicher als der andere 🙂

Das ich mich hier nicht umsonst als Klappsenkalli oute, habe ich nun aus’m Labor bestätigt: Von den 8 Genen habe ich stolze 5, die nicht dem sog. ‚Wildtype‘ entsprechen, also in der Gattung kaukasischer Mensch (Jungs und Mädels in Europa) ’normal‘ vorkommen. Bei 3 dieser Polymorphismen (5HTR2A, 5HTT und BDNF) weiß man, dass diese mit Angststörungen korrelieren und teilweise auch die Wirkung von SSRIs vermindern – das hatte ich ja über Jahre ausprobieren dürfen 😉

Ein weiterer ‚meiner‘ Polymorphismen (GAD2) wird auch in Verbindung mit Angststörungen gebracht, bietet jedoch keinen zu guten therapeutischen Ansatz und eine Messung von GABA im Urin war völlig in Ordnung bei mir.

Was aber gar nicht in Ordnung war, sind meine Werte des Serotonins und Noradrenalins. Leicht erniedrigt, aber noch im ordentlichen Rahmen, waren Adrenalin und Dopamin (da war doch was – siehe ältere Posts 😉 ). Und hierzu passt genau der Polymorphismus Nr. 5, den ich in der ’schöne scheisse‘ Variation habe (4.5 repeat). Diese ist nicht nur fein selten (<1% in unserer Gattung), sondern passt exakt zu meinen genannten Werten. Ich habe deutlich mehr – 10fach und mehr – des MAO-A Enzyms, als der Wildtype unserer Gattung, so dass bei mir Serotonin und Noradrenalin sehr stark und Adrenalin und Dopamin stärker abgebaut wird, als hätte ich diese Variation nicht. Passt faszinierender Weise genau zu den gemessenen Katecholaminwerten oben.

Was nun?

Im Grunde ist dies der ‚beste‘ Polymorphismus, den man sich wünschen kann, wenn man das überhaupt so sehen mag. Denn im Gegensatz zu den anderen gibt es hier seit ewigen Jahren Medikamente, die genau dieses MAO-A Enzym hemmen. Also dafür sorgen, dass nicht zuviel dieser netten Botenstoffe, die wir alle so brauchen, aufgefressen werden. Die anderen 4 Polymorphismen ‚ignoriere‘ ich einfach mal und freue mich darüber, dass es mich da auch noch schlechter hätte treffen können, da ich diese alle ’nur‘ heterozygot habe, so dass wenigstens die andere Hälfte der Erbinformation ’normal‘ ist. Es hätte also schlimmer kommen können. Womöglich. 😉

Etwas unangenehm ist, dass so ein MAO-A Hemmer unfreundliche bis tödliche Nebenwirkungen haben kann, wenn man das eine oder andere nicht beachtet. Aber ich bin ja äusserst achtsam und es wird schon nichts schief gehen.

Gespannt bin ich aber wirklich, ob es nun nach all den Jahren und mit dem Hintergrund der genetischen Befunde und dem hierzu passenden Status der Katecholamine bei mir mit dem neuen Medikament etwas wird. Ich glaube sonst bin ich wohl ziemlich am Arsch…. Dann gehen sogar mir die ‚Ausreden‘ aus.

Ich habe das Rezept für moclobemid (der MAO-A Hemmer) bereits da und werde wohl am Freitag oder Montag damit anfangen. Dann gibt es hier mal wieder ein Tagebuch.

In diesen Sinne: alles wird gut!

Petrocelli