Tag 11 – mach mal einer das Licht aus…..

Der heutige Tag war ganz ähnlich dem gestrigen Tag. Einziger, gut spürbarer Unterschied: Noch weniger Nebenwirkungen. Es geht also tatsächlich deutlich zurück, was die angenehmen Seiten verstärkt.

Die vorerst (weiß ja nicht, was noch so kommt ;)) angenehmste Seite vom Baclofen ist die deutlich bessere Schlafqualität, die ich verspüre. Und zwar fast seit der ersten Nacht. Das bringt mich zu einer Theorie, die ich schon seit Jahren habe und durch die Berichte, die ich über Baclofen gehört habe und nun auch schon selbst erlebe, deutlich gestärkt wird.

Meine These: Schlafprobleme können Angststörungen ermöglichen.

Klingt salopp und lächerlich zugleich, oder? Andere sagen vielleicht: ja, klar weiß doch jeder! Ok, Telefonnummer her…

Nein im Ernst; ich will aus meinem eigenen Krankheitsverlauf etwas dazu schreiben: Mit ca. 17, also genau zu Beginn meiner Angststörungen (und leider nein, ich kann tatsächlich nicht mehr exakt sagen, ob vor oder hinter der ersten Angstattacke) hatte ich für mehrere Monate ganz massive Schlafstörungen. Diese äussersten sich nicht darin, dass ich schlecht einschlafen konnte, oder dass ich hier und da mal aufgewacht bin, nein: Ich konnte garnicht schlafen. Über einen sehr langen Zeitraum. Sicher wäre ich schon tod, wenn nicht hier und da Sekunden und Minuten des Schlafs dazwischen gewesen währen, aber es kann nich viel gewesen sein. Meine Symptome gingen bis zu Halluzinationen – visuelle wie akustische – absinken meiner Körpertemperatur ständigem Hunger (ich habe VIER mal am Tag warm gegessen, weil ich mindestens genauso oft auf dem Topf war und ich alles ‚verlor‘, was ich oben reingesteckt hatte). Trotz des vielen Essens habe ich einige Kilos abgenommen in der Zeit, sprich mein Stoffwechsel war auf hochtouren. Ich habe ausgesehen wie der laufende Sensenmann und fühlte mich auch so. Nachts im Bett habe ich dann gelegen und stundenlang die Decke angeschaut, die Augenlider zugeniffen, mich hin und hergewälzt, die Uhr beim ändern Ihrer Zahl beobachtet usw. Dann bin ich wieder aufgesprungen, hab Radio angemacht (einige werden es nicht glauben: damals hörten die Fernsehstationen irgendwann auf und machten bis Morgens eine Sendepause 😉 ) und aus dem Fenster geschaut (da war nie was zu sehen) bis ich mal wieder versucht habe mich ins Bett zu legen. Dann ging wieder alles von vorne los.

Ich habe es irgendwann mit einer Hypnose-Kassette (Kassette? Kennt wieder keiner mehr? Scheisse, ich hab doch nicht Schellack-Platte gesagt. Schaut bei Wikipedia, da steht bestimmt was…) versucht und tatsächlich: Die ersten Nächte habe ich die so oft gehört, bis ich mitreden konnte, aber in der dritten oder vierten Nacht knackte ich nach einigen Durchgängen weg. Ich schlief plötzlich für mehr als nur Minuten oder Sekunden.

Ich habe mich jedoch seither nie wieder (und glaubt mir, 25 Jahre sind eine verdammt lange Zeit) erholt gefühlt, wenn ich Morgens aufgewacht bin. Ich bin nie wieder mit einer gewissen Müdigkeit ins Bett gegangen und konnte nie wieder ‚einfach‘ einschlafen, wie ich es als Kind oder junger Jugendlicher konnte.

Natürlich habe ich über die Jahre auch immer wieder was zum Schlafen bekommen, vom niedlichen Baldrian bis Zolpidem, alles was dabei. NICHTS brachte den Schlaf wieder, denn ich als Kind noch kannte und den z.B. meine Frau auch heute noch jeden Tag hat. Und den fast alle haben, die ich danach gefragt habe. Jeder auf seine Weise, aber so eine Geschichte, wie ich damals erlebt hatte, kannte keiner.

Ich würde mich aber nicht wundern, wenn der damalige Schlafmangel und die danach nie wieder erlangte Schlafqualität sehrwohl etwas mit meiner Angststörung zu tun hat. Und an dieser Stelle würde mir auch der mögliche Zusammenhang zwischen weniger Angst und Baclofen wieder auffallen: Nicht nur ich fühle mich nach so vielen Jahren wieder zum ersten Mal frisch und erholt, wenn ich nun morgens Aufwache. Man finde diese Veränderung des Schlafes bei ganz vielen, die über Baclofen berichten. Auch von einer Dankbarkeit über eine abendliche Müdigkeit liest man in diesem Zusammenhang. All dies könnte es bestätigen.

Was noch für mich dafür spricht, dass Baclofen über den Schlaf auf die innere Ruhe und das lösen der Angst wirkt, ist dass Baclofen nicht nur die wenigen Stunden auf den Körper wirkt, die es im Blut ist (Halbwertzeit ca. 2 Stunden), sondern ganz augenscheinlich auch noch viel länger. Hat jemand Kenntnis über die Metaboliten von Baclofen? Für welchen Wirkmechanismus die bekannt sind und wie lange deren Halbwertzeit ist? Ich würde mich nicht wundern, wenn hier der eigentliche Wirkmechanismus liegt und deshalb auch a) die relativ kurze Halbwerzeit von Baclofen irrelevant ist und b) ein Muskelrelaxant solche weitreichende Wirkungen hat.

Was mich wirklich interessiert – und deshalb BITTE ICH UM KOMMENTARE HIER – wie sieht es bei anderen ‚Angsthasen‘ aus. Habt Ihr eine ähnliche Problematik bzgl. Schlaf? Und was ist mit denen, die Baclofen nehmen: hatte Ihr früher Schlafprobleme und sind die unter Baclofen verschwunden, während die Angst auch verschwandt?

Also, ich bin mal wieder so weit, dass ich – obwohl üüüüüüberhaupt noch nicht meine Zeit – tierisch schläfrig werde (und auf eine total angenehme Weise!), so dass ich nun mal aufhören werde, um fein zu schlummern.

Schreibt mir Eure Erfahrungen bzgl. Schlaf und Angst in einem Zusammenhang. Passierte da was in den gleichen Phasen? Folgte das eine dem anderen?

Ich bin gespannt! Und ich mach das Licht jetzt selbst aus 😉

Das erste Mal….

…läuft nicht immer so, wie man es sich wünscht. Vor allem nicht, wenn es garnicht um Sex geht. Da gibt es auch Dinge, die wünscht man sich überhaupt nicht, die sind nämlich vollkommen out of Order, da ist es egal, wie es läuft. So auch die erste Panikattacke in meinem Leben:

Mittlerweile liegt diese rund 25 Jahren zurück und war der Beginn meines eigenen Gefängnisses. Gab es Anzeichen? Hmm, nein. Außer, dass vielleicht das krasse Gegenteil das Anzeichen war. Zu dieser Zeit – ich war jugendliche 17 Jahre alt – ging es nur um Party, Alkohol und Mädels. Wo immer gerade die Sau rausgelassen wurde: Ich war schon da und habe als Erster das Gatter geöffnet. Im Schnitt war ich 7 Tage die Woche besoffen (jaja, manchmal kam es mir vor wie 8 Tage….). Da es keinen Kumpel gab, der es in dieser Menge mitmachte, hatte ich meine beiden besten Freunde im Wechsel als Begleitung – oder manchmal wurde sich auch zu Hause besoffen und man brauchte garnicht aus dem Haus, weil sonst nirgendwo Party war.

Das ganze war ziemlich aufreibend, ganz nebenbei noch das Abitur gemacht und sich aber eigentlich nicht dafür interessiert, und ständig was um die Ohren. Im Grunde war man nur erschöpft und wäre froh gewesen mal zu ‚chillen‘, wie es heute so schön heißt. Das war für mich jedoch tabu.

Ich glaube mich zu erinnern, das es wohl ein Sonntag war – nach zwei Nächten Dauersaufen sind wir (ein Kumpel und ich) von einem Bistro aus dem ‚Szeneviertel‘ unserer Stadt nach Hause gefahren und mir wurde plötzlich ganz anders. Irgendwas, was ich nicht einordnen konnte. Schwindel, Schweissausbruch und Beklemmung. Mein Herz schlug mir bis zum Hals und ich dachte mir platzt gleich die Brust. Ich bat meinen Kumpel sofort anzuhalten und ich riss noch während der Fahrt die Autotür auf.

Als der Wagen zum stehen kam (und zwar an einer Stelle, wo ein Auto nicht stehen darf…), war nicht lange Zeit nachzudenken. Aussteigen oder Weiterfahren – das Hupkonzert hinter uns begann bereits.

Ich weiß nicht, ob das Aussteigen meine Geschichte besiegelte, oder ob es sonst einige Tage oder Wochen später angefangen hätte, aber das ist auch egal. Es hatte angefangen.

Was ich heute noch als das wohl schlimmste an der Entwicklung meiner Krankheitsgeschichte empfinde ist, das es einige Jahre und viele Ärzte brauchte, bis mir endlich mal ein Arzt nicht sowas sagte wie: ‚Sie sind gesund, alles ist gut‘ – nur weil er nichts gefunden hatte. Erst nach so langer Zeit sagte ein Arzt zu mir: ‚Das sind Panikattacken, Sie haben eine Angststörung.‘

Diese Information hatte mir wirklich gefehlt. Denn erst von diesem Moment an wusste ich, womit ich es zu tun hatte. Es fühlte sich fast gut an zu wissen, man sei nicht vollkommen bescheuert, sondern es gibt wenigstens einen Namen für die eigene Klapse. Mehr gab es aber auch nicht.

Die erste Therapie (Verhaltenstherapie), war wohl auf Grund von zwei wesentlichen Faktoren von (wenigstens kurzzeitigem) Erfolg gekrönt: Ich litt erst wenige Jahre darunter und alleine das Verstehen und Erkennen der eigenen Symptome als Teil einer bekannten Krankheit und nicht einer noch unentdeckten, ominösen Spezialkrankheit, das waren die Faktoren die es später nie wieder so gab. Ich lebte ca. 1-2 Jahre halbwegs Symptomfrei bzw. konnte diese ausreichend ausgleichen. Dann reichte es leider nicht mehr. Es nahm seinen Lauf.