Die letzte Versuchung

Seien wir mal ehrlich. Wenn ich jetzt alleine die Jahre betrachte, in denen ich meine Experimente hier im Blog verbreite, ist es schon mühselig mit anzuschauen, geschweige denn es mitzumachen (nur falls jemand glaubt, mir mache das Spass….).

Jetzt – mit der genetischen Grundlage – scheint es selbst mir auch irgendwann gut zu sein. Natürlich kenne ich genug Bücher, Artikel und gut gemeinte Ratschläge, mich ’nicht anzustellen‘, mich ‚zusammen zu reißen‘, mich ‚mal was zu trauen‘, mich ‚mal wirklich therapieren zu lassen‘. Letzterer ist übrigens mit ‚mich zusammen zu reißen‘ mein absoluter Favorit. Ich hab‘ sicher selbst schuld und meine bisherigen Therapien nicht ‚ordentlich‘ gemacht. Oder die Therapeuten waren allesamt Idioten (ok, sollte man wenigstens als Option offen lassen…).

Aber am Ende bleibt dieses Gefühl, dass ich einfach nicht ignorieren kann und will. Und die Erfahrung, die ich vor nun mehr 10 Jahren mit Trevilor gemacht habe. Und da hatte ich den scheiß nun auch schon fast 20 Jahre. Selbst in meiner Jugend war ich sicher nie der klassische Starfighter-Pilot, auch wenn ich mich dort deutlich besser durchs Leben bewegt habe, aber etwas ‚Angst‘ schwebte immer mit. Ich konnte es nur besser wegdrücken.

Da höre ich doch schon all‘ die Therapeuten juchzen, dass wäre der Beweis, es hat nichts mit Chemie zu tun. Ja klar, wir wissen ja alle, dass sich die Chemie des Körpers so gar nicht in der Kindheit und vor allem Pubertät verändert. Also Mund halten und wieder hinsetzen. Vielleicht seid Ihr später noch mal dran.

Das Erlebnis mit Trevilor (das sich zugegebener massen nicht wiederholen lies) sitzt noch immer tief und ist der Grund, warum ich glaube es ist was mit ‚Chemie‘ bei mir. Auch wenn es nicht erklärbar zu sein scheint. Aber das Gefüge in der Birne ist sicher veränderlich. Man liest immer wieder von Adaptionseffekten usw. Auch kenn man die mengenmäßige Veränderung von Rezeptoren unter der Behandlung von SSRIs usw. Das ist ein weites Feld.

Wie auch immer. Ich habe das Moclobemid nun hier und werde morgen damit anfangen, selbst wenn ich trotz aller positiven Hinweise erheblichen schiss vor dem Zeug habe. Ich nehme seit einiger Zeit gar nichts an Medikamenten und in den letzten 2-3 Monaten sowieso nur Vorstufen wie L-Tryptophan und 5-HTP. Da der Gentest nun gezeigt hat, dass ich alles was ich an Serotonin zur Verfügung habe nicht nur schneller transportiere sondern auch gleich vernichte, ist es wenig verwunderlich, dass ich mit den Vorstufen keine große Nummer gelandet habe. Jedenfalls könnte das ein Grund sein.

Die SSRIs – vor allem das Fluvoxamin, dass ich zuletzt genommen hatte – hatte schon seine Wirkung. Ich war nicht ständig ängstlich, kam nicht bei allem sofort in Panik. Jetzt einige Monate ohne sowas, stehe ich schon wieder ziemlich doof auf dem Parkett. So dass ich halt auch Angst vor zuviel Antrieb/Agitation habe, dass gerade zu Beginn unter Moclobemid auftreten kann. Ich beginne aber mit der Hälfte der üblichen Einstiegsdosis (die 2 x 150mg/d ist), um hier langsam rein zu kommen. Auf der anderen Seite ist es relativ unwahrscheinlich, dass ich mit einer nachgewiesenen zu hohen MAO-A Aktivität darunter ‚leiden‘ sollte, wenn diese normalisiert wird. Ich denke MAO-A Hemmer wurden auch tausenden von Menschen verschrieben, die normale MAO-A Aktivität haben und da ist es sicher wahrscheinlicher, dass es bei denen zu einem Ungleichgewicht kommt, welches dann auch die eine oder andere unerwünschte Wirkung hat.

Nun gut, ich laber mich wieder fusselig. So ist das halt, wenn sich ein Angsthase Angst macht 😉 Morgen sehe wir mehr. Ich hoffe ich nehme das Zeug und bilde mir nicht gleich einen Sack von nicht vorhandenen Nebenwirkungen ein….

LG Petrocelli

One thought on “Die letzte Versuchung”

  1. Hallo,
    die Beiträge hier sind schon etwas älter. Ich bin auch von einem überaktiven MAO betroffen und dadurch mit niedrigem Serotonin. Nehme schon lange Moclobemid auf 75. Sobald Stress kommt scheint die Dosis nicht zu reichen. Nehme zusätzlich 5HTP. Wie geht es Dir/Euch inzwischen? Würde mich über Austausch freuen.

    LG

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