Links, Rechts, Wechselschritt! – Guanfacin Tag 1

Verfolgt man diesen Blog, so ist mindestens der Verdacht zu erheben, ich hätte Spass daran möglichst ‚lustige‘ Medikamente zu testen. Vielleicht hätte ich eine große Karriere in der Pharmaindustrie als ‚Testkaninchen‘ haben können, aber dort würde ich wohl nur die Medikamente erhalten, die in den finanziellen Plan derer passt. Und im übrigen macht Geld keinen Sinn, wenn man nicht aus dem Haus kommt, um es auszugeben…

Mein medizinischer ‚Leitwolf‘ Prof. Dr. mult. Florian Holsboer, propagiert seit vielen Jahren (ich verfolge seine Veröffentlichungen seit Ende der 90er), dass klinisch ähnliche Depressionen und Angststörungen sehr wohl unterschiedliche Ursachen haben können und deshalb nur sehr unsinnig mit immer den gleichen Medikamenten therapiert werden.

Übrigens gilt er als der ‚Entdecker‘ des CRF-1/Rezeptors, das wiederum an der Steuerung unserer gesamten ‚Stressachse‘ (ACTH, Serotonin, Adrenalin, Noradrenalin, Cortisol, Dopamin, DHEA, etc.) schwer beteiligt ist. Im Moment gibt es jedoch noch keine zugelassenen Medikamente, die auf den CRF-1 Rezeptor zielen. Es sind aber einige Medikamente in der Entwicklung, wobei es noch keines durch das Phase-III Stadium geschafft hat, um in unsere ‚Nähe‘ zu kommen.

Ich für meinen Teil glaube jedenfalls noch immer (und gerade durch die Erfahrungen mit bestimmten Medikamenten), dass meine Angststörung Teil meines lebenslangen ADHS ist und ich mittlerweile schlicht ausgebrannt und kaputt bin, so dass es evtl. nicht mehr das ‚klassische‘ ADHS aus den Lehrbüchern ist. Aber die besseren Lehrbücher wissen bereits, dass es das ‚klassische‘ ADHS nicht gibt – hier kommt übrigens wieder Prof. Holsboer ins Spiel, der liebend gerne mehr mit Bio- und Genmarkern arbeiten würde, als mit den klinischen Bildern. So könnte man – würden Pharma und Ärzteschaft mitspielen – sicher schneller herausfinden, welchem Patienten welches Medikament ‚passt‘. Vorausgesetzt, es werden weitere Medikamente mit unterschiedlichen Ansätzen bereitgestellt…

Auch in den letzten 3 Jahren, in denen der Blog ‚ruhte‘ habe ich verschiedene Medikamente probiert, von denen ich sicher noch retrospektiv berichten werden. Am besten wirkten die Medikamente, die eher auf ADHS denn auf Ängste/Depressionen zielen. Als Erwachsener, der zu dem noch dick und unsportlich geworden ist (es war mal anders – ich schwöööre!), muss man aber leider manchmal hinnehmen, dass steigender Blutdruck, Puls etc. nicht bzgl. der Angstgefühle zuträglich ist, sondern ganz ‚echt‘ ein gesundheitliches Risiko darstellt.

Ein Medikament, dass hier ‚anders‘ ist, ist der Wirkstoff Guanfacin. Ursprünglich mal als Blutdrucksenker entwickelt (wie sein ‚Vorgänger‘ Clonidin) ist er in den USA schon seit einigen Jahren für ADHS zugelassen und soll dort auch häufig off-label für Angststörungen eingesetzt werden. DAS klinkt doch, als würde direkt mein Name drauf stehen! Aber naja, dass nicht alles, wo mein ‚Name‘ drauf stand, mir auch was gebracht hat, weiß ich mittlerweile ja auch 😉

Seit Anfang 2016 ist es auch in Europa als Retardformulierung unter dem Namen ‚Intuniv‘ für ADHS bei Kindern und Jugendlichen zugelassen.

Als Angstpatient, der natürlich auch ‚Schwindel‘ und gefühlte ‚Ohnmachtsanfälle‘ in seinem Repertoire hat, klingen Nebenwirkungen wie Hypotonie und/oder orthostatische Hypotonie deutlich ‚gefährlicher‘ als Bluthochdruck. Und bei einem Medikament, dass mal genau den Zweck hatte den Blutdruck zu senken, ist es nicht unwahrscheinlich, dass es das dann auch tun wird.

Deshalb liegt das Zeugs auch schon einige Tage hier rum, und ich überlege mir, wie ich es ‚am Besten‘ nehmen kann, ohne das es mich zwickt. Gestern Abend habe ich mich dann ‚endlich‘ getraut und die erste 1mg Tablette eingeworfen.

Freundlicher Weise konnte ich gut schlafen – Müdigkeit ist ja auch eine ‚Nebenwirkung‘ davon. In der Nacht bin ich einmal aufgestanden und ich fühlte mich tatsächlich etwas ‚matschiger‘ als sonst und ich merkte es ist gut, nicht gleich aufzuspringen, sondern etwas länger am Bettrand zu sitzen, bevor ich aufstand (meine Fresse, so opa-mäßig fühle ich mich ja sonst noch garnicht…).

Der Tag war im Grunde fast ’normal‘. Jedoch war eine gewisse Matschigkeit/Müdigkeit nicht von der Hand zu weisen – wenigstens in der ersten Tageshälfte. So ab 17-18h verschwand dieses (eigentlich wirklich leichte) Gefühl dann komplett.

Die tatsächliche ‚Wirkung‘ auf das ADHS und evtl. auf meine Ängste, die durch die ständige Unruhe angefacht werden, ist erst nach ein bis zwei Wochen zu erwarten. Ich wäre ja schon froh, wenn es nicht schlimmer wird 🙂

Einen angenehmen Punkt habe ich aber heute bereits erlebt. Und ich behaupte nicht, dass es von dem Guanfacin kommt, ich ‚bemerke‘ es hier aber einfach mal für die Akten. Ich habe am späten Nachmittag etwas in der Werkstatt angefangen und nach gut 2 Stunden auch erst aufgehört, als es fertig war. Währenddessen hatte ich weder die üblich kreisenden Gedanken, noch habe ich mich ständig selbst unterbrochen und andere Dinge ‚auf dem Schirm‘ gehabt. Ich war jetzt nicht irgendwie hyperfokussiert oder so, aber ich habe einfach die selbst gestellte Aufgabe relativ konzentriert durchgeführt und beendet.

Ich war nicht besonders entspannt oder sonstwas, aber es war ‚irgendwie anders‘. Ganz unauffällig, aber anders. Ich verbuche das erstmal unter Zufall und lasse es so stehen.

In den nächsten Tagen werde ich es nicht erneut nehmen, da ich die Nebenwirkung mit der Müdigkeit/Matschigkeit nicht gebrauchen kann, wenn es noch Termine ausser Haus gibt, die mir immer alles abfordern. Aber ich denke am WE werde ich es wieder nehmen und dann wohl über kurz oder lang einmal ‚richtig‘ nehmen und evtl. wöchentlich auftitrieren, wenn ich es weiter vertrage.

Die Nebenwirkungen bzgl. Müdigkeit und niedrigerem Blutdruck sollen bei längerer Einnahme vollkommen verschwinden. Das werde ich mal rausfinden 😉

 

 

Wieder Tage zählen?

Nun ja. Auch wenn es mich sogar schon selbst ermüdet, will ich doch versuchen möglichst genau zu beschreiben, was bei mir z.Zt. ‚läuft‘ – falls ich das alles auf’n Faden kriege.

Also, die Angst ist definitiv nicht weg. Warum ich das so betone? Naja, ganz offensichtlich muss ich doch erkennen, dass ich es selbst wohl ganz tief drinnen so gehofft hatte. Irgendwie ist es doch auch zu verlockend, wenn es möglich wäre, oder? Einfach mit allem Scheiss abschliessen.
Aber nix da.
Bleibe wir erstmal beim negativen: ich spüre vor allem Morgens, dass nichts mehr von dem Zeug ‚drin‘ ist. Dann kreisen wieder zig negative Gedanken in meinem Kopf. Auch während der Zeit mit positiver Wirkung spüre ich hier und da die Anflüge der Angst, aber es hört wesentlich schneller auf. Ich würde sagen, ich kreise nicht so intensiv um die negativen Dinge. Das könnte man sehrwohl als positiv bezeichnen.

Ich glaube, dass ist auch ein Punkt, der mir bei aller Frustration doch ein bischen Hoffnung macht. Vielleicht stellt sich eine positive Wirkung auf die Angst ja dadurch ein, dass die vielen negativen Gedanken, die ich sonst den ganzen Tag habe, einfach nicht mehr einen solchen ‚Raum‘ erhalten. Ich mich einfach nicht mehr da hinein steigere. Denn ich glaube, das ist ein wesentlicher Nährboden der Angst bei mir: wenn ich nur lange genug die negativen Möglichkeiten einer Situation durchkaue, dann wird es schon in die Hose gehen. Oder noch besser: ich mache es mir so madig, dass ich die Situation am Ende komplett vermeide.

Ich denke auf diese Weise konnte die Angst ja auch dieses riesige Gewicht in meinem Leben erhalten – ich wurde als Kind schon seit jeher darauf trainiert meinen Körper zu beobachten, ob da ‚irgendwas‘ nicht in Ordnung ist. Naja, und ich denke genau das mache ich halt seit Jahren: ich schaue so lange auf die negativen Sachen, bis diese so gross sind, dass es mir Angst macht.

An diesem Punkt könnte MPH womöglich helfen. Ich bin konzentrierter und was schon deutlicher als eine bessere Konzentration ist, ist das ‚Fehlen‘ der vielen, ständig springenden Gedanken, die allesamt negativ sind. Betrachtet man also das mögliche Ursache/Wirkung System bei mir, so könnte das verringern der Ursache die Förderung der Angst verhindern. Also nicht durch eine ‚angstlösende‘ Wirkung wie bei einem Benzodiazepam, sondern durch das Fehlen des Provozierens der Angst.

Momentan ist es schon ein Wechselbad der Gefühle, aber womöglich ist die Chance garnicht so klein. Fehlt die ‚Ursache‘ so könnte man ja hoffen, dass die Wirkung auch irgendwann ausbleibt. Sicher nicht so schnell wie mit einem Benzo, aber vielleicht ja nachhaltig? Immer vorausgesetzt, die Theorie greift, dass dieses Rumgedenke auch eine Art Ursache ist – aber das würde auch die Frage beantworten, warum ich nie aus zig Verhaltenstherapie ‚gelernt‘ habe. Durch das ADHS wurde das Positive, was ich aus den Übungen und positiven Erlebnissen hätte lernen sollen, halt ‚kaputt gedacht‘.

Nun ja, es bleibt abzuwarten. Momentan hoffe ich erstmal die nächste Zeit durchzuhalten, denn die Angst ist schlicht nicht weg. Um zu erfahren, ob es mit MPH besser wird, wird es noch etwas Zeit brauchen. Ich würde z.Zt. sehr gerne sowas wie Cymbalta oder auch ein SSRI nehmen, da ich diese doch wenigstens als ’stützend‘ empfunden habe, wenn ich diese früher genommen hatte. Insbesondere fühle ich mich zusätzlich depressiv und dagegen half das Zeug gut. Das Problem ist natürlich, dass der Doc aus der Ambulanz es gerne hätte, dass in nächster Zeit nur MPH wirkt und man die Dosis entsprechend gut einstellen kann. Tja, das Argument kann ich so richtig nicht entkräften.

So, das wäre also der aktuelle Stand für heute. 😉

LG Petrocelli

Methylphenidat. Zu gut um wahr zu sein?

Ich wollte nur ein kleines update vom ersten Tag unter mph geben. Und der Titel hier deutet es schon an. In jedem Fall war nichts von irgendwelchen negativen Nebenwirkungen zu spüren. Im Gegenteil. Nach der zweiten Dosis am Mittag und noch deutlicher nach der letzten Dosis am Nachmittag spürte ich eine lange nicht mehr erlebte ‚Sortierung‘ im Kopf. Das ist ganz schwer zu beschreiben und war auch nicht so ausgeprägt, dass ich ‚hui‘ rufen müsste. Aber sie war (und ist zum Teil noch) so deutlich da, dass ich schon beeindruckt bin. Ein wenig so, als würde man angenehm eingenordet werden. Das ständige springen zwischen unterschiedlichsten Gedanken, das dauernde Gefühl man kann das, was man gerade macht, eigentlich nicht machen, weil noch so viele andere Dinge zu tun sind – all das ging deutlich in den Hintergrund. Nicht weg, aber weniger spürbar als sonst. Wenn man bedenkt, dass ich aber auch nur eine echte Minidosis vom Methylphenidat nehme, dann wäre eine stärkere Wirkung wohl kaum zu erklären.

Als mir der Doc sagte, ich würde als erstes wohl merken, dass ich mich besser konzentrieren könnte, war meine Vorstellung eine andere. Konzentration verbinde ich immer mit Stress, Anstregung. Nicht, dass ich das nicht könnte, aber ich bin dann auf 150% Leistung. Und hinterher fühle ich mich dann auch so. Kann kaum runterkommen. Was ich aber heute erlebte, war eine deutliche Reduktion sämtlicher Störfaktoren. Angenehm und beeindruckend. Natürlich noch nicht so, wie ich es mir im idealfall wünsche, bzw. wie ich mich an seltene Zeiten aus meiner Jugend bzw. unter Trevilor erinnern kann. Aber in jedem Fall habe ich heute Gefühle und Eindrücke gehabt, wie schon ewig (wenn überhaupt) nicht mehr.

Was kommt nun? Im Moment spüre ich schon, dass etwas mehr Gedanken ‚dazwischen‘ kommen, als heute Nachmittag. Aber der Stoff ist ja auch körperlich auf dem Rückzug. Im bin jedenfalls sehr gespannt, wie es sich entwickelt und was passiert, wenn ich dann höher dosiere. Habe natürlich große Sorge davor, dass es sich noch dreht und in eine negative Richtung marschiert. Aber gut, dass werde ich wohl erstmal nicht abschalten können.

Und ich freue mich tatsächlich auf den heutigen Schlaf, da ich sehr gespannt bin wie ich unter mph schlafe – ich habe solches und solches gehört. Nachdem ich aber wohl von mpg eher beruhigt als agitiert werde, bin ich guter Dinge. Und ich bin schon positiv gespannt auf Morgen. Hoffentlich bleibt das 😉

 

LG Petrocelli

Nu isses amtlich: ADHS. Und die erste Medikinet ist auch schon drin….

Tja, womit fange ich an? Das ich vor 15 Minuten die erste Medikinet/Ritalin/MPH genommen habe? Jo, da ich es schon geschrieben habe, ist es ein guter Anfang 🙂 Jedenfalls in kleinster Dosis, da alte Herren bei Kinderkrankheiten ja ‚aufpassen‘ müssen :p

Aber im Ernst – da ich ja vor allem unter den Ängsten leide, soll ich das langsam angehen. Sonst kriege ich zuviel Gelegenheiten mir wieder was an Nebenwirkungen einzubilden. Ich schaue jetzt mal und ziehe die Dosis in den nächsten Wochen höher, wenn ich merke, wie/ob es funktioniert.

Jetzt aber zum gestrigen Tag. Da es der 1.4. war, habe ich es mir absichtlich gespart es als möglichen Aprilscherz auflaufen zu lassen. Wenn ich überlege, dass es am letzten Termin hieß ‚das können wir heute nicht mehr machen, dass muss umfangreich besprochen werden‘, so musste ich gestern doch innerlich mehr als grinsen, als ich merkte, dass  mir eigentlich nix erklärt wird. Mein Hausarzt kriegt einen ‚Arztbrief‘ und ich kriege Ritalin 😉

Naja, ganz so knapp war es auch nicht, aber er resümierte halt, es sei eine klare, starke Angststörung (hui, gut beobachtet Herr Doktor!) und dann halt eine eindeutig diagnostizierte ADHS. Wobei er meinte, dass die Angststörung so massiv sei, dass sie evtl. nicht davon weggeht wenn man das ADHS behandelt. Aber auf Grund der vielen Therapien und Medikamente, die ich in meinem Leben so durchgezogen habe, schätzt er die Chance sehr hoch ein, dass nach erfolgreicher Behandlung des ADHS, auch eine erfolgreiche Behandlung der Angst stattfinden könnte.

Also schauen wir mal, ob sich das ADHS ‚erfolgreich‘ behandeln lässt 😉 Es gibt ja mehrere Ansätze, dem Dopaminmangel entgegen zu wirken. Der Klassiker ist aber Methylphenidat (Ritalin, Medikinet usw.), weshalb er auch sagte: ‚Wenn wir das ADHS behandeln, dann gleich mit dem Mittel der Wahl‘, sprich Methylphenidat. Wir fangen also von gaaanz unten an und tasten uns hoch. Nicht nur weil ich als Angstfuzzi meine speziellen Ecken und Kanten habe, sondern auch weil die Dosen, die für gewöhnlich bei Kindern gegeben werden, bei Erwachsenen meist viel zu hoch sind. Das hat wohl damit zu tun, dass die Menge der Dopamintransporter  in den entscheidenden Gehirnregionen im Laufe der Zeit abnehmen. Das erklärt im Übrigen auch, warum viele ADHSler im Erwachsenenalter entweder keine oder nur wenige Probleme haben. Bei vielen reguliert es sich chemisch und dann ‚lernen‘ wir als Erwachsene auch uns besser zusammen zu nehmen 😉

Ich und mein Medikinet werden uns jedenfalls ein bischen auf die Terasse setzen und dem Treiben da zuschauen. Mal sehen, wie sich das anfühlt.

Stay tuned und LG

Petrocelli

Adieu Elontril – Hallo Ritalin…..

Tja, wenn das mal kein abgelutschter Titel ist 😉

Ok, wie für jeden zu sehen ist, schwächel ich ganz deutlich auch in meiner Schreiblust. Oder vielleicht besser in meinem Antrieb wenigstens hier am Ball zu bleiben. Ich mache das nicht nur, um anderen etwas zu schreiben, was sie nicht lesen wollen, sondern ja auch, um mir selbst etwas ‚mitzuteilen‘, mir einfach auch was von der Seele zu schreiben.

Die letzten Wochen und Tage waren halt besonders frustrierend. Mal wieder stelle ich fest, dass mir offensichtlich ’nicht zu helfen‘ ist. Am Ende muss ICH etwas ändern? An MIR? An dieser Stelle wird es für alle klar, nur für mich nicht. Jeder sagt mir: ‚Hey, reiss Dich doch mal zusammen! Da musst Du auch WIRKLICH anpacken wollen! Geh‘ doch mal nen Risiko ein!‘ – Naja,  gutgemeinte Schulterklopfer wie diese halt. Und ganz ehrlich? Ich glaube jeder von denen hat Recht. Es liegt ’nur‘ an mir.

Ich meine, es ist ja nicht so, als würde ich das nicht sehen. Und genau das macht mir ja diese Sorgen, die mich dann noch immer weiter runterziehen. Naja – und dann werde ich halt schreibfaul. Ich  bin einfach nur froh, wenn der scheiss Tag vorbei ist. Bitte ein bischen doofen Fernsehen und dann schlafen. Der nächste Scheisstag kommt schon in wenigen Stunden – will garnicht wissen, wovor ich dann wieder Angst haben werde.

Elontril hat hier leider nichts gebracht. Hmm, ne, das wäre gemein, für alle die Elontril versuchen wollen. Ich formuliere das anders: Elontril hatte zwei ‚Richtungen‘, die es bei mir deutlich verändert hatte:

1) Im Kopf gab es wirklich positive Veränderungen. Teilweise eine deutliche Ruhe und vor allem eine bessere Konzentrationsfähigkeit. Dabei darf man in keinem Fall vergessen, wie WENIG ich davon genommen habe. Ich glaube also wirklich, da ist eine sehr positive Wirkung in dem Zeug! Sicher einen Versuch wert, für alle die ADHS-Tendenzen haben.

2) Körperlich war es ein echter Kackvogel. Diese Wirkung auf den Pulsschlag hat mir unglaublich aufgewühlt. Ich weiss nicht, ob ich das nicht ausgehalten habe, weil ich so’n Angsthase bin, oder ob auch ’normale‘ auf diese Symptome reagiert hätten. Wer schon mal eine wunderbare Nebenhöhlenentzündung hatte und dann versucht hat, etwas vom Fussboden aufzuheben, der kennt das pochende Gefühl im Kopf unter den Augen und der Stirn. Das stelle man sich für Hals und Unterkiefer vor. Und man braucht sich nicht mal bücken….

Sicher ist es nicht gefährlich. Klar. Ist auch die Angst nicht. Trotzdem glaube ich jedes mal, ich muss sterben. Das macht es weniger witzig. Vor allem, wenn man trotz aller wiedersprüchlichen Gefühle eigentlich weiß, dass dies alles ein Trugschluss ist. Nur fühlt es sich körperlich so überzeugend an, dass alle Theorie völlig unecht daherkommt.

Um diese Symptome, die nun auch nach ca. 3 Wochen nicht abhauen wollten, mit dem Doc aus der Ambulanz zu besprechen, hatte ich mir für heute einen Termin geholt. Den brauchte ich umso dringender, da ich zu meiner persönlichen Belustigung vorgestern zusätzlich eine ausgewachsene Nesselsucht bekommen hatte. Nach der ersten Nacht, wunderte ich mich noch darüber, dass es im März schon wieder Mücken in unserem Schlafzimmer geben sollte, aber als es gestern Abend dann richtig losging und ich den Quaddeln zuschauen konnte, machte ich mich richtig fertig. Nicht, dass ich Angst vor Quaddeln hätte, aber ich bin ja Profi: Wenn sowas in so einer Geschwindigkeit daherkommt, kriege ich ja gleich wieder Sorgen, als nächsten schwillt mir der Hals zu. Naja. So gegen 1:00h nachts viel mir ein, dass wir noch irgendwo so ein Antihistaminika haben – Lorano. Und freundlicher Weise schlug das auch wirklich an. Gegen 3:00h konnte ich mich langsam entspannen und bin dann wohl auch eingepennt.

Bis jetzt – toitoitoi – sieht man nur die ‚Überreste‘ der Quaddeln, aber es ist nichts richtig nachgekommen. Das Zeug soll ja auch ~24h anhalten. Gleich nehme ich die nächste um das ganze mal für ein paar Tage zu beruhigen, dann sollte es wieder gehen. Seit meiner Kindheit hatte ich sowas über die Jahre immer wieder – vor allem, wenn ich psychisch oder z.B. mit einer Grippe sowieso schon voll im Arsch war. Den Letzten ficken die Hunde – oder sowas….

Gut, wo war ich? Achja, der Termin bei der Ambulanz. Da habe ich dem Doc also mein Leid geklagt (heute war es der andere von den beiden, die in meinem ersten Termin mit mir gesprochen hatten) und gemeinsam betrachteten wir die Liste der lustigem Medikamente, die ich über die Jahre so eingenommen habe. Ich hatte eine Liste aller Medikamente gemacht an die ich mich erinnern konnte und notiert wie die jeweils für mich gewirkt hatten. Klare Gewinner waren Trevilor und Cymbalta – deswegen war mein himlicher Tipp nun auch ‚Strattera‘ – ein Noradrenalinwiederaufnahmehemmer, der auch für ADHS mit Komorbidität Ängste gegeben wird. Unterliegt auch nicht dem BTM und wäre deshalb leicht zu verschreiben.

Jedoch hatte ich mich (ausnahmsweise) tatsächlich zurückgehalten, da ich auch noch ziemlich geknickt von der Nacht war und irgendwie keinen Bock auf garnichts hatte. Wollte mal wieder mit mir und all dem Scheiss abschliessen. Dann wuselte er sich durch die Unterlagen, die man während der ADHS-Testung gesammelt hatte und den Notizen, die bisher gemacht wurden und der Medikamentenliste. Dann sagte er plötzlich, er glaube im Grunde – ohne genauer die Ergebnisse der ADHS-Testung zu betrachten (hier habe ich am 1.4. einen Termin für die ausführliche Besprechung des Ergebnisses), dass wohl MPH (Methylphenidat, also Ritalin) bei allem was er so sieht wohl das beste Mittel sein könnte. Nach all den Therapien (stimmt, die hatten wir auch aufgelistet 😉 ), Medikamenten und der langen Zeit glaube er auf Grund des zusätzlichen ADHS-‚Eindrucks‘, den er von mir hat, dass es sehrwohl sein könnte, dass ich ein ADHSler bin und die Angststörung letztendlich das Ergebnis der Hyperaktivität ist. Dafür würde auch sprechen, dass ich schlicht therapieresistent erscheine.

Als ich dann auf ‚Strattera‘ kam – als Alternative – wurde er deutlicher und sagte, dass MPH schlicht das Mittel der ersten Wahl für ADHS ist und er es deswegen vorziehen würden. Man sollte sich dann die Zeit nehmen zu beobachten, wie es anschlägt und wie sich die Angst dann entwickelt. Er meinte, wenn es ein Erfolg ist – ich also auf MPH anspreche – dann auch eine ‚richtige‘ Angsttherapie möglich sei. Diese dann überhaupt erst anschlägt.

Im Grunde hat er mir bzgl. ADHS zwei Dinge gesagt: a) Sie haben ADHS – da verwette ich meinen Arsch drauf! b) Am nächsten Freitag haben wir ja einen Termin für das Ergebnis der ADHS-Testung. Dann sagen wir Ihnen, ob sie ADHS haben….

Ganz klar – den Mann finde ich cool 😉 Aber mal im Ernst, ja ich verstehe das – die wollen da die Regeln einhalten. Denn witzig war, ich habe zwischendrin ja ’natürlich‘ auch gefragt: „Wie ist denn das? Ihre Kollegin sagte, die Ergebnisse sind fertig. Habe ich denn jetzt ADHS?“ Die Antwort war ein: „Ähm, ja ne, also das kann ich nicht so einfach sagen, das ist schon etwas umfangreicher….Das machen wird dann ja nächste Woche.“

Ahja… Klar.

Jedenfalls gefällt mir der Mann ungemein. Er bringt ganz offensichtlich eine Menge Background für Heinis wie mir mit und ist dennoch offen für neue Ansätze. Wollte sich z.B. erkundigen, ob Strattera – mit dem er selbst nicht soviel Erfahrung gemacht hat – vielleicht bei Komorbiditäten wie Ängste vielleicht sogar ‚passender‘ ist, als MPH. Denn das hatte der überschlaue Petrocelli irgendwo gelesen und musste es natürlich mit einbringen 😉

Er lässt sich also von so einem Schlaupinsel wie mir nicht aus der Ruhe bringen. Das gibt mir wiederum das Gefühl, ich bin vielleicht wirklich an der richtigen Adresse.

Ihr habt keinen blassen Schimmer, wie ich mir den nächsten Freitag herbei sehne, um endlich den nächsten Schritt zu machen. Ich weiß, dass ich immer wieder nach ‚Strohhalmen‘ suche. Aber nach all den Jahren bin ich mir über zwei Dinge immer mehr im klaren: a) ich beweise jeden Tag, dass ich es ‚alleine‘ nicht schaffe, und b) das da einfach noch ‚irgendwas‘ mit mir ist, was  nicht ‚einfach‘ nur Angst ist.

Ich weiß, dass gerade der zweiten Teil wohl von den meisten Angsterkrankten beansprucht wird – aber um den Wahnsinn zu komplettieren: bei mir stimmt es :p

Wie sieht die Alternative aus? Ich würde aufgeben. Denn die oben zitierten und sicher gut gemeinten Ratschläge kann ich einfach nicht ohne eine Veränderung des innerlich Gefühlten nicht umsetzen. Jedenfalls fühlt es sich so an. Es steht im Gegensatz zu dem, was man an tausend Stellen lesen kann. Nur ich kann es nicht in mir entdecken. Dort entdecke ich etwas, von dem ich hoffe es bald benennen zu können. Ansonsten wird dieser Blog noch viele Jahre bestehen.

Ich wünsch‘ Euch nen schönen Abend. Spätestens am 1.4. gibt’s nen nächsten Eintrag – und sicher werde ich auch den einen oder anderen dämlichen Aprilscherz bringen 🙂

LG Petrocelli

Elontril – Tag 5-8

Faszinierend. Ganz offensichtlich hat Elontril mehr als nur ein Gesicht. Am Tag 5 wollte ich eigentlich schon wieder aufhören, da ich ganz offensichtlich selbst bei einer 1/4 Tablette ganz wunderbar in den Genuss der Wiederaufnahmehemmung von Noradrenalin komme und sich meine Kapillargefässe auf’s feinste erweitern.
Ich hatte schon gedacht, mit platzt die Halsschlagader und das Pochern im Unterkiefer hört nie auf.

Tag 6 habe ich dann erstmal ‚aufgegeben‘. Ich wollte nicht riskieren, dass es noch schlimmer wird. Und das, obwohl ich zwischenzeitig – wenn meine Halsschlagader mal nicht platzen wollte – sogar einen ganz komischen Anflug von Entspannung verspürt hatte. Aber die negativen Gefühle überwiegten.

Am gleichen Tag rief ich den Arzt aus der ADHS-Ambulanz an, um ihn vollzujammern. Und ich meine, wir reden hier über eine 1/4 Tablette! Er war geduldig, wie ich ihn bisher kennengelernt habe. Er glaubte noch immer, dass Elontril ein gute Chance sei und meine Nebenwirkungen nicht unüblich für die erste Zeit wäre. Diese sollte ich durchhalten, um an die eigentliche Wirkung zu gelangen.
Entweder sollte ich versuchen mit noch kleineren Stückchen der Tablette zu arbeiten, oder auch jeden zweiten Tag ‚aussetzen‘ mit der Einnahme. Da habe ich mich gleich wieder für richtig schlau gehalten, denn genau das habe ich ja sozusagen gemacht 😉

Tag 6 war also mein Aussetzer-Tag und durch das Gespräch war ich erstmal wieder bei der Stange. Auch gingen die Nebenwirkungen am 6. Tag weiter zurück. Immerhin war es in der Nacht vom 5. zum 6. Tag so lästig, das ich kaum schlafen konnte. Bin schon ein mächtiges Weichei!

Am 7. Tag habe ich also wieder ganz brav meine Tablette geschnippelt und rein damit. Der ganze Tag war wenig auffällig. Der kleine Aussetzer schien sich gelohnt zu haben. Ob es an der längeren Einnahme lag, oder wirklich daran, dass ich einen Tag ausgesetzt hatte, war mir eigentlich auch egal. Bis in den Abend hinein hätte ich kaum sagen können, ob ich was genommen hatte, oder nicht.

Tag 8 wäre ja eigentlich wieder ein Aussetzer-Tag, aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht wieder meine eigene Suppe kochen würde. Ich dachte, „ach, nimmm den Scheiss, kannst ja sonst Morgen wieder aufhören, wenn’s zwickt“.
Und so hab‘ ich’s auch gemacht – schwupp rein damitl
Was soll ich sagen – der Tag war gut, fast ein bischen konzentrierter als sonst. Die Nebenwirkungen mit der leichten körperlichen Unruhe und dem fühlen des Pulses im Hals, Kopf und den Armen waren zu spüren, aber irgendwie hat es mich nicht ganz aus der Bahn geworfen. So weit so gut.

Gegen späten Nachmittag wurde es dann deutlich anders, ich begann mich ‚aufgeräumter‘ zu fühlen. Ich kann es schlecht erklären, aber ein Gefühl, dass ich kenne, wenn ich auch physikalisch aufgeräumt habe und man dann denkt, ‚So, alles schön sauber, organisiert. Jetzt hast Du die Arbeit abgeschlossen, kannst Dich entspannen!‘.
Ich kann es schlecht beschreiben, aber da ich sonst auch an sehr produktiven Tagen Abends das Gefühl habe nichts geschafft zu haben und mich bis zum Einschlafen ‚unsortiert/unruhig‘ fühle, ist das was tolles.
Auch die Konzentration wuchs deutlich über jegliches negatives Gefühl hinaus. Ich will nicht zu laut Hurra rufen, aber wenn dieses Gesamtgefühl aus diesen zwarten Babyschuhen hinauswächst, könnte es zum ausgewachsenen Trevilorgefühl werden…..

Noch ist es natürlich vielzu früh zu solchen Äusserungen, aber es gab am Abend – auch beim Einkauf – wirklich Momente, in denen ich an die Trevilor-Zeit denken musste. Immer mit dem Blick auf die latent vorhandene Nebenwirkungen, aber immerhin.

Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich Morgen wieder eine 1/4 nehme oder aussetze, denn die letzten ein, zwei Stunden merke ich, wie die Entspannung weniger deutlich wird und der Puls im Unterkiefer und Hals dafür stärker. En wenig zicken will mein Körper also noch. Aber egal, ich bekomme den Eindruck, ich könnte mich mit dieser Methode weiter durchfummeln – dann dauert es halt langer, bis ich die Dosis steigere, um dann vielleicht auch erst das wirkliche Ausmaß der positiven Wirkung zu erhalten. Wenn ich so überlege, wie lange ich mit Baclofen gebraucht habe, um mich hochzudosieren, dann bin ich also in meinem ganz normalen Rhythmus für Angsthasen, die Ihren Körper zu genau beobachten.

So, dann werde ich aber mal versuchen die restliche Entspannung mehr zu bewerten als die Nebenwirkungen hier und mal in die Heia gehen.

LG Petrocelli

Elontril – Tag 1 bis 4

So.

Wer mir beim Twitter folgt, hat bereits gesehen, dass ich am Donnerstag tatsächlich die erste (viertel) Elontril genommen habe. „Oho“, werden jetzt alle schreien, „eine VIERTEL Tablette, wow – wie konnte er die auf einmal in dem Mund nehmen; ist doch viel zu viel…..“

Ja, lästert nur. Aber Angsthasen wie ich hören vor allem die inneren Flöhe husten. Da muss man halt kleine anfangen, um wenigstens anzufangen. Aber ich denke, die meisten, die das hier lesen wissen das ja 😉

Im großen ganzen kann ich sagen, dass ich schon eine Wirkung verspüre – noch nichts Umwerfendes, aber wenn dann zwei Dinge: a) eine angenehme Ruhe, die sich zeitweise einschleicht und als NW b) ein Gefühl, dass sich wie eine zu starke Herzleistung, vielleicht Bluthochdruck anfühlt. Das Herz gibt einen leichten Schmerz von sich und man hat das Gefühl die Halsschlagadern und anderen Blutgefässe im Kopf zu spüren. So in der Art.

Der nette Doc in der ADHS-Ambulanz sagte ja bereits, als Nebenwirkung könnte ich zu Beginn eine leichte Unruhe spüren – wobei er seine Hände nach vorne hielt und ein flattern demonstrierte. Als er es gemacht hatte, dachte ich irgendwie: ‚Ähm, ja. Wenn das da Angst darstellen sollte (so war mein erster Eindruck), dann würde ich doch lieber was anderes bekommen…..‘

Heute vermute ich also, dass er das damit meinte. Denn es fühlt sich schon etwas ‚ausfühlend‘ an. Da er aber meinte, es würde nur in den ersten Tagen so sein, gehe ich mal davon aus, dass ich es irgendwann hinter mir habe. Da ich aber einschleiche, tippe ich darauf, dass es etwas länger dauert als nur ne Woche. Tja, die Feiglinge kriegen immer einen etwas stärkeren Tritt in den Arsch.

Ich habe den 2., 3. und 4. Tag zwischendrinn immer wieder kleine Notizen gemacht. Die werde ich hier gleich mal reinschreiben. Der Erste Tag war fast ’normal‘, nur dass ich irgendwie etwas agiler und konzentrierter war. Heute würde ich behaupten, dass hatte garnix mit Elontril zu tun. Ich war halt aufgeregt und hatte gleichzeitig viel um die Ohren. Jedenfalls hatte ich am ersten Tag nicht dieses Gefühl bzgl. Herz/Halsschlagader.

2. Tag
8:30h 1/4 eingenommen
9:15h Unruhe leichte Angst – DAS MUSS EINBILDUNG sein; viel zu früh
10:10h bin viel ruhiger, evtl. auch ruhiger als sonst.
11:00h noch immer ruhig. Evtl. ein bisschen klarer im Kopf.
12:20h Trotz Disput mit einem Handwerker erstaunlich ruhig und gefasst. Konnte klar sagen was ich will, ohne dass mir die Halsschlagader geplatzt ist.
13:00h Jetzt etwas unruhiger, als hätte ich nen zu hohen Blutdruck.
13:30h wird wieder besser. Bin etwas rumgelaufen, ich denke, ich darf dann nicht rumsitzen!
14:30h ziemlich ruhig, minimales Kribbeln nachdem ich suchen muss. Die Mittags-Baclofen fehlt, nehm‘ ich gleich mal.
17:00h wurde wieder besser mit dem Kribbeln nach der Baclofen, jetzt wieder etwas zittern in den Händen. Gut auszuhalten, leg mich mal auf die Couch. Ich vermute, die meisten Symptome kommen nicht vom Elontril – ausser vielleicht die Entspannung beim Spiegelmaximum so gegen 10:00h. Der Rest ist ja wie sonst, wenn man es richtig vergleicht.

3. Tag
Direkt nach dem Wachwerden/Aufstehen war ich irgendwie ruhiger. 
8:30h 1/4 eingenommen
9:25h alles normal, gestern war definitiv Einbildung. Ich habe zwar jetzt auch die ‚übliche‘ Erwartungshaltung, aber schauen wir mal.
10.10h Ruhig, aber mit leichten Muskelschmerzen. Die kommen ja aber wohl vom Baclofen. Ansonsten beobachte ich mich wie doof.
10:40h Streit mit mein Frau gehabt, aber jetzt, nach 10 Minuten schon wieder entspannt. Also, wenn Elontril eine Wirkung hat, dann keine die mich stark erregt – das ist meine Erwartung und meine ’normale‘ Unruhe. 
16:50h ich bin im Verlauf des Nachmittags immer ruhiger geworden. Heute hatte ich mittags mein Baclofen pünktlich genommen. Mache mir etwas Gedanken wegen dem Treffen (bei Freunden) heute Abend, aber gleichzeitig weiß ich, dass ich das schaffen werde. Am Ende wird es mir wieder gefallen, etwas unternommen zu haben. 
01:00h So war es auch. Auf der Hinfahrt hatte ich mich noch verrückt gemacht, nach 15 Minuten dort wurde ich ruhiger und ab dann war es nur noch nett und entspannt. Jetzt hundemüde.

4. Tag
Total entspannt und körperlich ruhig aufgewacht.
9:35h gute Viertel Elontril eingenommen.
11:00h unter der Dusche etwas unruhig. Wieder ein Gefühl von Bluthochdruck am Herz und in der Halsschlagader. Im Kopf ruhiger als sonst.
12:00h-13:00h das körperliche Unruhegefühl bleibt. Im Kopf angenehm. 
16:00h Muss mich hinlegen nach Spaziergang mit unserem Hund. Wieder das ‚Blutdruckgefühl‘.
18:00h Elegant zwei Stunden gepennt. Einfach so flups….
21.00h Der Abend war ruhig, leichtes ‚Bluthochdruckgefühl‘. Aber ich achte auch darauf. Gegen acht ist mir aufgefallen, dass ich Hunger hatte, musste dann auch was Essen, bevor der Magen rumzickt. Dann war aber gleich wieder gut.

Tja, soweit mein ‚Update‘ zum Thema Elontril. Morgen werde ich den Doc nochmal anrufen, ob das mit dem ‚Bluthochdruckgefühl‘ (ganz tolles Wort – bringt jeden Facharzt bestimmt zur Weißglut :p ) was mit Elontril zu tun hat und wann es wohl verschwindet. Dann sollte mal aber wohl mal auf eine 1/2 Tablette upgraden – ist sonst ja vielleicht doch alles nur eingebilde – positiv, wie negativ. Davon abgesehen, ist auch die ‚positive‘ Wirkung, die ich mir so hersuche noch lange nicht das, was ich bräuchte um von einer Verbesserung der Angst zu sprechen. Aber es ist ja wirklich nur eine 1/4 Tablette und auch der Plasmaspiegel braucht mind. ne Woche um bei Elontril voll da zu sein. Also noch genug Spielraum für eine Verbesserung.

LG Petrocelli

Termine, Termine, Termine….

Tja, so eine Kinderkrankheit ist schon aufregend. Und wenn man festellen will, ob ein Erwachsener so eine tolle Kinderkrankheit hat, dann bedeutet das eine Menge Fragen und noch mehr Antworten.

Ich hatte mittlerweile auch den zweiten ADHS-Testtag (gestern), so dass nun eine Auswertung in der Ambulanz stattfinden wird, deren Ergebnis wohl bis zum Ende März zu erwarten ist. Dann soll es noch ein ‚Abschlussgespräch‘ geben in dem auch die Diagnose besprochen wird. Ob es hier dann auch eine folgende (medikamentöse) Therapie geben wird, weiß ich nicht. In jedem Fall ist die Diagnose ja die Voraussetzung für eine ADHS Therapie.

Wie auch immer, da ich jedenfalls besonders in letzter Zeit voll im Arsch bin (ich bin ja so froh, dass ich das in meinem eigenen Blog so sagen darf…), hatte ich mir für heute einen ‚Extra-Termin‘ geben lassen, um mit dem Psychiater aus der Ambulanz zu besprechen, ob ich nicht ‚irgendwas‘ nehmen könnte, um wieder vorwärts zu kommen.

Wir haben eine runde halbe Stunde (naja, eigentlich waren es wohl eher 45 Minuten – der Mann war echt geduldig!) gesprochen und das Thema ‚Elontril‘ kam wieder ins Gespräch. Er war (bis jetzt – mal sehen, wie das so Morgen früh ist) auch in der Lage mir weitestgehend die Sorgen zu nehmen, dass mich Elontril gleich umbringen wird. Er sagte, dass er wohl gute und im Vergleich zu Trevilor auch eher nebenwirkungsärmere Erfahrungen mit Elontril gemacht hat.

Das wollte ich ihm auch glauben, denn ich weiß es geht nicht wirklich viel mehr in diese Richtung. Meine Frau geht auch am Stock und es ist für keinen mehr witzig hier. Da muss wohl ein bisschen Risiko her.

Auf Grund meiner Sorgen um die Nebenwirkung sagte er sofort, ich solle dann einfach eine ‚Halbe‘ nehmen. Uiiih, das rief  sofort mein Erinnerungsvermögen (was in solchen Fällen erstaunlicher Weise perfekt funktioniert!) auf den Plan und ich betete den fettgedruckten Hinweis aus dem Beipackzettel vor, der lautete, dass in KEINEM FALL eine solche Tablette geteilt werden darf!

Er nahm es zur Kenntnis und sagte, dass er das schon vielen Patienten so gesagt hat und diese das auch so gemacht haben 😉 Jooooohooo. Mein Lieber! Das ist ja eigentlich ein gefundenes Fressen für den Petrocelli hier! Das KANN ich ja garnicht mitmachen!

Aber gut. Sind wir mal ehrlich, ich habe hier eine Chance und ich dödel hier schon eine ganze Weile damit rum. Wenn ich noch lange warte ist auch noch das Haltbarkeitsdatum abgelaufen 😉 Ich denke, ich werde das Morgen einfach machen. Ich suche mir ein scharfes Messer, viertel den Scheiss und rein damit.

Das ‚einzige‘ richtige Risiko ist das erhöhte Risiko zur Krampfneigung – und damit ist (ich habe gaaanz oft nachgefragt) nicht die Neigung zu Wadenkrämpfen oder meinem Angstgezitter gemeint, sondern schlicht Epilepsie. Und das ist ja ne richtige Krankheit – sowas habe ich nicht 😉

Also werde ich so eine Vierteltablette ja wohl überlegen und kann schon mal schauen, wie und ob sich das anfühlt. Ich glaube soviel Eier sollte ich schon in der Hose haben, wenn ich noch irgendwann mal aus diesem Schlamassel raus will. Das mit der Galenik und dem Teilen der Tablette hat mich aber schon verwirrt, so dass ich schon am Überlegen bin, ob ich nicht einfach die ganze Tablette reinhauen soll und fertig. Er sagte aber schon, dass es (wor allem) am Anfang zu einer gewissen Agitierung kommen kann und das war ja auch der Grund (um mir alle Sorgen zu nehmen) für die Ansage mit der Aufteilung der Tablette. Nun gut, da es schon andere gemacht haben….

Ohh – ich habe eine ‚Idee‘, warum die nicht geteilt werden darf: Wenn man die teilt oder zerbröselt (vielleicht um die leichter einzunehmen), um dann doch die ganze Menge zu nehmen, DANN ist das mit der Wirkstoffmenge/Zeit nicht mehr so dolle und es könnte zu einem zu starken Plasmaanstieg kommen?! JO, das nehme ich mir mal so als Spackentheorie hin, damit ich mir das traue. Ich bin schon doll 😉

Ok, papperlapiep. Wir werden sehen, ob ich morgen vollzug melden kann. Das wird nen spannendes Ding. Wahrscheinlich passiert garnichts und mit Glück rede ich mir auch nix schlimmes ein. Dann wird alles gut und ich kann mal in einigen Tagen schauen, ob sich dann eine echte Wirkung einstellt. Da wird es dann interessant, was es macht. Trevilor, die zweite? Ich meine bzgl. der damaligen positiven Wirkung, dass wäre das ja der Traum schlechthin. Ich werde sehen.

LG Petrocelli

ADHS Testung – Teil 2

So, nur ein kurzes Update: Morgen gibt es den zweiten Termin in der Klinik. Der Erste, in dem ich wohl tonnenweise Zettel mit Multiple-Choice-Fragen beantworten muss. Keine wirkliche Ahnung, welche Fragen das sein werden, aber Morgen gegen 11:00h geht es los.

Ich werde mal sehen, wieviele Fragen ich mir so merken kann 😉

LG Petrocelli

ADHS und andere Kinderkrankheiten

Sooo – ich hatte ja schon ‚angedroht‘, dass ich nicht ohne weiteres locker lasse 😉

Heute war also mein erster (und wichtigster?) Termin zur ADHS-Diagnose bei Erwachsenen. Wieso das so explizit (nicht nur hier) genannt wird? Tja, es gibt tatsächlich Ärzte, die meinen das es sich um eine Kinderkrankheit handelt, die auswächst, verblasst oder mit dem ersten Sex explodiert und in die weiten des Alls katapultiert wird. Nun gut. Manchmal ist es sinnvoll sich eine Erklärung für etwas zu suchen, sei sie noch so abwägig. Und wer trotz Unwissen eine Erklärung braucht, der greift gerne zur Ignoranz bevor er sein Unwissen zugibt.

Wie auch immer. Also nur mal angenommen, das ADHS nicht einfach so ‚verschwindet‘, dann darf man evtl. mal nach Verbindungen schauen. Und wenn ich das tue (natürlich tue ich das), dann finde ich Depression und Angst als die häufigsten Komorbiditäten bei ADHS. Macht irgendwie auch Sinn, wenn man sich das mal so überlegt: Einer der ständig unter Strom steht, auf Tischen tanzt (ich hatte für gewöhnlich einen Regenschirm dabei, weil es interessanter aussah…) und Dinge machen muss, die anderen nur ein Kopfschütteln entlockt, der hat ein Problem damit, wenn es irgendwann nicht mehr ‚altersgerecht‘ entschuldigt werden kann. Ich für meinen Teil war immer der extrem hyperaktive Typ. Irgendwann schickte es sich aber nicht mehr so zu sein. COOOOL musste man sein (allein wegen den Mädels). Und dieses innere Gefühl, dass mich ständig antrieb, wollte aber nicht aufhören.

Meine ‚Theorie‘ wäre hierzu: irgendwo muss das hin. Und gibst Du keinen Raum, dann  holt es sich seinen Raum. Und so eine Angstattacke ist gross genug für einen Sack voll Energie. Ich meine die wirklich großen Säcke.

Nun gut. Kommen wir doch zu dem Termin, den ich heute hatte. Also die Herrschaften dort sind tatsächlich auf ADHS bei Erwachsenen spezialisiert. Sozusagen eine Ambulanz für Masern oder Mumps bei Erwachsenen ;). Ich war jedenfalls schon aufgedreht wie ein Hühnchen kurz vorm Eierlegen. Die letzten zwei Tage war ich nicht zu gebrauchen. Ich meine, da fährt nen Bekloppter in die Klapse und hat trotzdem noch Angst. An welchem Ort der Welt ist ein Angstler besser aufgehoben als in einer psychatrischen Klinik? Nun gut – meine Erklärung für sowas habe ich ja immer dabei: ich bin nicht ganz richtig im Kopf..

Während des Termins wurde im Grunde alles abgefrühstückt, was so zu meiner Historie gehört. Ich hatte sogar auf Wunsch Zeugnisse aus der ersten und zweiten Klasse mit. Mein liebstes ist der Kommentar meiner Lehrerin in der zweiten Klasse ‚Petrocelli kann sehr aufmerksam sein, wenn ihn etwas interessiert. Dann formuliert er auch sehr geflissentlich!‘ Tja – da stand aber nichts darüber, was ich so mache, wenn es mich NICHT interessiert….

Im Gespräch wurde noch nichts ‚bewertet‘, dafür müssen noch zwei weitere ‚Tests‘ gemacht werden – kilometerlanges Formulare ausfüllen heisst es. Aber da ich heute zwei Herren als Gegenüber hatte, konnten die nicht immer Ihren Eindruck verstecken. Es wurde auch direkt kommentiert – insbesondere wie es sein kann, das mein Arzt die Option ADHS als nicht existent ignoriert, obwohl er seit Jahren verfolgt wie ich therapieresistent durch seine Praxis marschiere und Medikamententestboy spiele. Das heisst sicher nicht, ‚Herr Petrocelli, die Lage ist klar, sie haben ADHS‘ – aber ich bin mindestens ein Wackelkandiat. Dieser erste Termin ist zum aussortieren. So war auch die Ankündigung – Termin 2,3 und 4 gibt es nur bei begründetem Verdacht.

Gab es Highlights? Naja, ich habe gequasselt was das Zeug hielt, ständig den Faden verloren und alte Fäden anderer Leute wieder aufgenommen. Ich war aufgeregt, fühlte mich aber nicht unwohl. Die beiden Herren waren ja auch ganz nett. Frustrierend fand ich aber, dass die Psychater langsam meine Altersgrenze unterschreiten. Ich muss mich sputen, sonst behandeln mich bald Kinder. Und wenn ich Herrn Doktor dann den Popo versohle, da er was nicht richtig gemacht hat, dann wird es befremdlich :p

Ok, nochmal Highlights: Irgendwann fragte mich einer der beiden, ob ich auch ‚andere‘ Krankheiten hätte. Ich fragte dann ‚was meinen Sie damit?‘ Er war wohl für einen Moment verwirrt und reagierte nicht sofort. Dann schob er nach: ‚Ja, sowas wie vielleicht Diabetis?‘. Das war einfach eine Steilvorlage und ich fragte: ‚Sie meinen, ob ich auch eine richtige Krankheit habe? Nein, damit kann ich nicht dienen.‘ Die beiden Herren konnten einfach nicht anders und prusteten sofort los. War auch echt gemein 😉 Der eine hielt sich für einige Zeit die Hand vor den Mund und der mit dem Stift und dem Zettel fing sich beachtlich schnell wieder ein und fügte hinzu: ‚Allein aus beruflichen Gründen würde ich sowas nie sagen!‘ Im ernst. Die beiden waren wirklich nett. Ist auch ne schwierige Situation.

Irgendwann kamen wir noch auf  Strukturen, Ordnung usw. Ich musste dann von meinem Lieblingsfoto von meinem Arbeitsplatz erzählen: „Finde die Katze“. Sie sitzt mitten auf meinem sehr großen Schreibtisch, aber es ist wirklich schwer sie zu finden. Die beiden baten mich dieses Foto unbedingt beim nächsten Mal mitzubringen – es würde in jedem Fall mit ärztlicher Verschwiegenheit behandelt werden…

Ist das noch ärztliche Verschwiegenheit, wenn so ein Foto in der Kantine eine Klinik aufgehängt wird? Ich meine so in der privaten Ecke, nur für Ärzte? 🙂 Ich werde es mitbringen – hätte ja auch nicht drüber reden brauchen.

Was ich aber noch sehr interessant gefunden habe, war das Thema Medikamente. Ich habe meine Pallette von Medikamente aufgezählt, weil man mich danach gefragt hatte (ich hätte es auch bestimmt ungefragt getan…). Und ich berichtete natürlich auch von den unterschiedlichen Wirkungen auf mich, da die beiden Herren extra gefragt hatten. Als ich am Ende von der Wirkung durch Trevilor auf mich erzählte (siehe http://www.angst-nein-danke.de/2011/01/04/herr-kern-besitzt-nen-pudel/ ) fragte mich der Herr mit dem Stift und Zettel allen ernstes: ‚ Haben sie auch schon Elontril‘ genommen?

Wow – ich habe gedacht jetzt kommt hier irgendwie die versteckte Kamera aus der Decke gefahren! Liest der Mann meinen Blog? Ich konnte nur nein sagen und ihm erzählen, dass ich es zwar zu Hause habe, aber mich noch nicht ‚getraut‘ hatte. Ich war verdattert und er fuhr irgendwie mit den Fragen fort. Ich bin ja nicht der Typ, dem die Worte fehlen, aber da schon.

Im Ernst – könnte es wirklich sein, dass ich mit meiner kleinen Spackentheorie garnicht so falsch liege? Ich meine, das ist kein Grund zu glauben, dass er es auch so sieht, aber ich fand es schon irritierend. Natürlich habe ich bereits den ganzen Tag darüber nachgedacht, aber was soll’s das tue ich ja sowieso. Antworten kommen erst viel später.

Wie ist also der kommende Ablauf? ich habe Ende Februar/Anfang März Termin 2+3. Und dann, 3-4 Wochen später ein abschliessendes Gespräch mit Diagnose. Also noch ca. 6 Wochen bis zur nächsten Erkenntnis. Ein Wimpernschlag in interstellarer Zeitrechnung. Und ne Menge Luft für viel hin und hergedenke für mich 😉 Da kann ich noch tonnenweise dumme Theorien entwickeln!

Ich habe schon oft gedacht: ‚Das ist es!‘. Und naja, ich sitze noch immer hier rum, statt mutig in der Welt rumzuspazieren. Aber wer weiß – vielleicht ist es ja mal ein Treffer. Und besser als krank und nur resigniert zu sein ist es allemal.

Wer mag, der kommt bald wieder und schaut was der Petrocelli dann so plappert. Bis dahin ->

LG Petrocelli