Das erste Mal….

…läuft nicht immer so, wie man es sich wünscht. Vor allem nicht, wenn es garnicht um Sex geht. Da gibt es auch Dinge, die wünscht man sich überhaupt nicht, die sind nämlich vollkommen out of Order, da ist es egal, wie es läuft. So auch die erste Panikattacke in meinem Leben:

Mittlerweile liegt diese rund 25 Jahren zurück und war der Beginn meines eigenen Gefängnisses. Gab es Anzeichen? Hmm, nein. Außer, dass vielleicht das krasse Gegenteil das Anzeichen war. Zu dieser Zeit – ich war jugendliche 17 Jahre alt – ging es nur um Party, Alkohol und Mädels. Wo immer gerade die Sau rausgelassen wurde: Ich war schon da und habe als Erster das Gatter geöffnet. Im Schnitt war ich 7 Tage die Woche besoffen (jaja, manchmal kam es mir vor wie 8 Tage….). Da es keinen Kumpel gab, der es in dieser Menge mitmachte, hatte ich meine beiden besten Freunde im Wechsel als Begleitung – oder manchmal wurde sich auch zu Hause besoffen und man brauchte garnicht aus dem Haus, weil sonst nirgendwo Party war.

Das ganze war ziemlich aufreibend, ganz nebenbei noch das Abitur gemacht und sich aber eigentlich nicht dafür interessiert, und ständig was um die Ohren. Im Grunde war man nur erschöpft und wäre froh gewesen mal zu ‚chillen‘, wie es heute so schön heißt. Das war für mich jedoch tabu.

Ich glaube mich zu erinnern, das es wohl ein Sonntag war – nach zwei Nächten Dauersaufen sind wir (ein Kumpel und ich) von einem Bistro aus dem ‚Szeneviertel‘ unserer Stadt nach Hause gefahren und mir wurde plötzlich ganz anders. Irgendwas, was ich nicht einordnen konnte. Schwindel, Schweissausbruch und Beklemmung. Mein Herz schlug mir bis zum Hals und ich dachte mir platzt gleich die Brust. Ich bat meinen Kumpel sofort anzuhalten und ich riss noch während der Fahrt die Autotür auf.

Als der Wagen zum stehen kam (und zwar an einer Stelle, wo ein Auto nicht stehen darf…), war nicht lange Zeit nachzudenken. Aussteigen oder Weiterfahren – das Hupkonzert hinter uns begann bereits.

Ich weiß nicht, ob das Aussteigen meine Geschichte besiegelte, oder ob es sonst einige Tage oder Wochen später angefangen hätte, aber das ist auch egal. Es hatte angefangen.

Was ich heute noch als das wohl schlimmste an der Entwicklung meiner Krankheitsgeschichte empfinde ist, das es einige Jahre und viele Ärzte brauchte, bis mir endlich mal ein Arzt nicht sowas sagte wie: ‚Sie sind gesund, alles ist gut‘ – nur weil er nichts gefunden hatte. Erst nach so langer Zeit sagte ein Arzt zu mir: ‚Das sind Panikattacken, Sie haben eine Angststörung.‘

Diese Information hatte mir wirklich gefehlt. Denn erst von diesem Moment an wusste ich, womit ich es zu tun hatte. Es fühlte sich fast gut an zu wissen, man sei nicht vollkommen bescheuert, sondern es gibt wenigstens einen Namen für die eigene Klapse. Mehr gab es aber auch nicht.

Die erste Therapie (Verhaltenstherapie), war wohl auf Grund von zwei wesentlichen Faktoren von (wenigstens kurzzeitigem) Erfolg gekrönt: Ich litt erst wenige Jahre darunter und alleine das Verstehen und Erkennen der eigenen Symptome als Teil einer bekannten Krankheit und nicht einer noch unentdeckten, ominösen Spezialkrankheit, das waren die Faktoren die es später nie wieder so gab. Ich lebte ca. 1-2 Jahre halbwegs Symptomfrei bzw. konnte diese ausreichend ausgleichen. Dann reichte es leider nicht mehr. Es nahm seinen Lauf.