Morgen ist (irgend)ein großer Tag!

Ding-Dong! Der Nächste bitte!

Ok, ok, das ist etwas übertrieben. Bei meiner Ärztin geht es noch sehr persönlich zu. Wir schmeissen uns auch mal flapsige Sprüche an den Kopf oder philosophieren über Bücher aus den frühen Siebzigern, die die Achtundsechziger verpasst haben :p Es macht jedenfalls Spass, wenn man merkt, da ist jemand, der versucht nicht nur seine Krankenkassen-Massnahmen durchzuziehen, sondern auch nach dem Patienten und dessen befinden schaut. Das ist nicht leicht, in Zeiten in denen ein Patient gerne auch mal seinen Arzt verklagt. Nicht das ich das nicht gutheissen würde, jedoch bitte nicht wundern, wenn die Ärzte dann auch keinen Spielraum mehr haben.

Baclofen braucht den Spielraum und deshalb unterschreibe ich meiner Ärztin auch eine entsprechende Haftungsfreistellung. Mein Risiko – Sie begleitet es mit Ihrem Fachwissen soweit Sie kann (und das hat nicht nur mit Kompetenz zu tun!). Baclofen ist für Ängste nicht zugelassen, auch wenn es off-Label des öfteren verschrieben wird und es von einer Menge positiver Erfahrungen zu lesen gibt.

Aber was ist mit mir? Hilft es denn gerade mir? Sind alle Berichte über positive Wirkungen von der ‚Baclofen-Mafia‘ lanciert und diese ist auf Angstpatientenfang? Tja……. – wer weiß? Ich werde es herausfinden. Als wäre ich ein mutiger Mensch. Aber es war schon immer meine Meinung, das jemand wie ich, der schon bei einer fünfminütigen Fahrt vom Haus weg soviel Angst verspürt wie ein Fallschirmspringer, der ist der eigentliche Adrenalin-Junkie. Ein Gefahrensucher und womöglich mutiger als alle Anderen! Wer springt schon 3-5 mal am Tag aus dem Flugzeug?

Aber vielleicht lege ich das Gewand des Adrenalin-Power-Users bald ab und werde ein entspannter Mensch. Der ganz verrückte Sachen macht wie: Alleine Einkaufen, Freunde besuchen oder gar alleine mit dem Hund spazieren gehen?!?! Fallschirmspringen langweilt mich :p

Nein, im Ernst. Wenn alles gut gelaufen ist und sich meine Ärztin das Buch von Olivier Ameisen angelesen hat und womöglich ein bisschen im Internet über Baclofen recherchiert hat, dann erhalte ich vielleicht Morgen mein erstes Rezept für Baclofen. Dann werden wir sehen, was folgt. Vielleicht wird Baclofen für mich genauso in die Liste der durchschnittlichen Psychopharmaka eingereiht wie alle Anderen, die ich zuvor genommen habe. Oder vielleicht wird es eine solche Änderung in meinem Leben geben, wie bei z.B. Olivier Ameisen, für den Alkohol fast das Ende seines Lebens bedeutet hätte und der heute – dank Baclofen – ein ganz neues Leben führt. Und das seit Jahren! Ich bin kein Alkoholiker – fast hätte ich natürlich gesagt – jedoch liegt unter so manchem Alkoholismus eine Angstkrankheit. So z.B. auch bei besagtem Autor. Ich habe auch von anderen gelesen und teilweise persönlich mit ihnen Kontakt aufgenommen, die von genau dieser Wirkung bei Baclofen sprechen. Dies klingt ungemein erstaunlich. Fast unglaublich.

Aber was habe ich zu verlieren? Korrekt – ausser ein paar Tabletten einzuwerfen, die als ein verlässliches Medikament ohne gravierende Nebenwirkungen (in den angemessenen Dosen!) gelten – nicht viel Schlechtes. Da habe ich schon anderes Zeug genommen – und auch massive Nebenwirkungen erlebt, wie innere Blutungen und allgemeine Blutungsneigung (ohne Vorbelastung!), wie massiver Drehschwindel bis zum Erbrechen oder manische Episoden mit Gendächtnisverlust.

Auch wenn diese Medikamente eine Zulassung für Angststörungen hatten, haben sie bei mir nicht gewirkt sondern im Gegenteil mehr geschadet. Einige der Medikamente, die so auf mich gewirkt haben, gibt es nur wenige Jahre (teilweise habe ich direkt nach der Zulassung ‚zugegriffen‘). Keiner weiß, was da noch bei einigen Patienten auftaucht. Baclofen ist mit 30 Jahren in der Praxis wirklich nicht der Kandidat für die große Sorge vor dem Unbekanntem.

Ich denke, wenn es Morgen tatsächlich schon ’so weit‘ sein sollte, dann werde ich in regelmäßigen Abständen mein Blutbild untersuchen lassen und dann wird man verfolgen, was passiert. Im Kopf, wie im Blut.