Links, Rechts, Wechselschritt! – Guanfacin Tag 1

Verfolgt man diesen Blog, so ist mindestens der Verdacht zu erheben, ich hätte Spass daran möglichst ‚lustige‘ Medikamente zu testen. Vielleicht hätte ich eine große Karriere in der Pharmaindustrie als ‚Testkaninchen‘ haben können, aber dort würde ich wohl nur die Medikamente erhalten, die in den finanziellen Plan derer passt. Und im übrigen macht Geld keinen Sinn, wenn man nicht aus dem Haus kommt, um es auszugeben…

Mein medizinischer ‚Leitwolf‘ Prof. Dr. mult. Florian Holsboer, propagiert seit vielen Jahren (ich verfolge seine Veröffentlichungen seit Ende der 90er), dass klinisch ähnliche Depressionen und Angststörungen sehr wohl unterschiedliche Ursachen haben können und deshalb nur sehr unsinnig mit immer den gleichen Medikamenten therapiert werden.

Übrigens gilt er als der ‚Entdecker‘ des CRF-1/Rezeptors, das wiederum an der Steuerung unserer gesamten ‚Stressachse‘ (ACTH, Serotonin, Adrenalin, Noradrenalin, Cortisol, Dopamin, DHEA, etc.) schwer beteiligt ist. Im Moment gibt es jedoch noch keine zugelassenen Medikamente, die auf den CRF-1 Rezeptor zielen. Es sind aber einige Medikamente in der Entwicklung, wobei es noch keines durch das Phase-III Stadium geschafft hat, um in unsere ‚Nähe‘ zu kommen.

Ich für meinen Teil glaube jedenfalls noch immer (und gerade durch die Erfahrungen mit bestimmten Medikamenten), dass meine Angststörung Teil meines lebenslangen ADHS ist und ich mittlerweile schlicht ausgebrannt und kaputt bin, so dass es evtl. nicht mehr das ‚klassische‘ ADHS aus den Lehrbüchern ist. Aber die besseren Lehrbücher wissen bereits, dass es das ‚klassische‘ ADHS nicht gibt – hier kommt übrigens wieder Prof. Holsboer ins Spiel, der liebend gerne mehr mit Bio- und Genmarkern arbeiten würde, als mit den klinischen Bildern. So könnte man – würden Pharma und Ärzteschaft mitspielen – sicher schneller herausfinden, welchem Patienten welches Medikament ‚passt‘. Vorausgesetzt, es werden weitere Medikamente mit unterschiedlichen Ansätzen bereitgestellt…

Auch in den letzten 3 Jahren, in denen der Blog ‚ruhte‘ habe ich verschiedene Medikamente probiert, von denen ich sicher noch retrospektiv berichten werden. Am besten wirkten die Medikamente, die eher auf ADHS denn auf Ängste/Depressionen zielen. Als Erwachsener, der zu dem noch dick und unsportlich geworden ist (es war mal anders – ich schwöööre!), muss man aber leider manchmal hinnehmen, dass steigender Blutdruck, Puls etc. nicht bzgl. der Angstgefühle zuträglich ist, sondern ganz ‚echt‘ ein gesundheitliches Risiko darstellt.

Ein Medikament, dass hier ‚anders‘ ist, ist der Wirkstoff Guanfacin. Ursprünglich mal als Blutdrucksenker entwickelt (wie sein ‚Vorgänger‘ Clonidin) ist er in den USA schon seit einigen Jahren für ADHS zugelassen und soll dort auch häufig off-label für Angststörungen eingesetzt werden. DAS klinkt doch, als würde direkt mein Name drauf stehen! Aber naja, dass nicht alles, wo mein ‚Name‘ drauf stand, mir auch was gebracht hat, weiß ich mittlerweile ja auch 😉

Seit Anfang 2016 ist es auch in Europa als Retardformulierung unter dem Namen ‚Intuniv‘ für ADHS bei Kindern und Jugendlichen zugelassen.

Als Angstpatient, der natürlich auch ‚Schwindel‘ und gefühlte ‚Ohnmachtsanfälle‘ in seinem Repertoire hat, klingen Nebenwirkungen wie Hypotonie und/oder orthostatische Hypotonie deutlich ‚gefährlicher‘ als Bluthochdruck. Und bei einem Medikament, dass mal genau den Zweck hatte den Blutdruck zu senken, ist es nicht unwahrscheinlich, dass es das dann auch tun wird.

Deshalb liegt das Zeugs auch schon einige Tage hier rum, und ich überlege mir, wie ich es ‚am Besten‘ nehmen kann, ohne das es mich zwickt. Gestern Abend habe ich mich dann ‚endlich‘ getraut und die erste 1mg Tablette eingeworfen.

Freundlicher Weise konnte ich gut schlafen – Müdigkeit ist ja auch eine ‚Nebenwirkung‘ davon. In der Nacht bin ich einmal aufgestanden und ich fühlte mich tatsächlich etwas ‚matschiger‘ als sonst und ich merkte es ist gut, nicht gleich aufzuspringen, sondern etwas länger am Bettrand zu sitzen, bevor ich aufstand (meine Fresse, so opa-mäßig fühle ich mich ja sonst noch garnicht…).

Der Tag war im Grunde fast ’normal‘. Jedoch war eine gewisse Matschigkeit/Müdigkeit nicht von der Hand zu weisen – wenigstens in der ersten Tageshälfte. So ab 17-18h verschwand dieses (eigentlich wirklich leichte) Gefühl dann komplett.

Die tatsächliche ‚Wirkung‘ auf das ADHS und evtl. auf meine Ängste, die durch die ständige Unruhe angefacht werden, ist erst nach ein bis zwei Wochen zu erwarten. Ich wäre ja schon froh, wenn es nicht schlimmer wird 🙂

Einen angenehmen Punkt habe ich aber heute bereits erlebt. Und ich behaupte nicht, dass es von dem Guanfacin kommt, ich ‚bemerke‘ es hier aber einfach mal für die Akten. Ich habe am späten Nachmittag etwas in der Werkstatt angefangen und nach gut 2 Stunden auch erst aufgehört, als es fertig war. Währenddessen hatte ich weder die üblich kreisenden Gedanken, noch habe ich mich ständig selbst unterbrochen und andere Dinge ‚auf dem Schirm‘ gehabt. Ich war jetzt nicht irgendwie hyperfokussiert oder so, aber ich habe einfach die selbst gestellte Aufgabe relativ konzentriert durchgeführt und beendet.

Ich war nicht besonders entspannt oder sonstwas, aber es war ‚irgendwie anders‘. Ganz unauffällig, aber anders. Ich verbuche das erstmal unter Zufall und lasse es so stehen.

In den nächsten Tagen werde ich es nicht erneut nehmen, da ich die Nebenwirkung mit der Müdigkeit/Matschigkeit nicht gebrauchen kann, wenn es noch Termine ausser Haus gibt, die mir immer alles abfordern. Aber ich denke am WE werde ich es wieder nehmen und dann wohl über kurz oder lang einmal ‚richtig‘ nehmen und evtl. wöchentlich auftitrieren, wenn ich es weiter vertrage.

Die Nebenwirkungen bzgl. Müdigkeit und niedrigerem Blutdruck sollen bei längerer Einnahme vollkommen verschwinden. Das werde ich mal rausfinden 😉

 

 

Ich lebe noch – oder wie nennt man das?

Jaja, wer hätte gedacht, dass dieser Blog zwar seit ca. 6 Jahren lebt, aber echte ‚Löcher‘ von so einigen Monaten immer wieder vorkommen?

Ich selbst jedenfalls nicht nicht 😉 Ursprünglich hatte ich natürlich gehofft, dass der Versuch mit Baclofen mich nach all den Jahren endlich von meiner Angststörung befreit.

Mittlerweile lebe ich seit über 30 Jahren (Hui! Als Jugendlicher war ich so ’normal‘, dass ich lange nicht mal geglaubt hatte 30 Jahre ALT zu werden…) mit meiner Angststörung und habe an Therapien und Tabletten so ziemlich alles durchgemacht, was es wohl so gibt. Aber immer Fehlanzeige.

Halt nein – da war ja was!! Ich glaube das Erlebnis mit Venlaflaxin ist noch immer das, was mir nach all diesen Jahren die Hoffnung gibt, ich könnte diese Angststörung vielleicht doch eines Tages noch verlieren.

Ich habe in der Zeit seit meinem letzten Post hier wieder einige alte und neue Medikamente probiert – immerhin ist das wieder gute 3 Jahre her. Ich habe sogar irgendwelche russischen Tabletten aus dem Internet bestellt und auch genommen. Alleine das ist für eine Person mit einer Angststörung meist schon unverständlich. Wir Angsthasen haben üblicher Weise ja bereits Angst vor ‚richtigen‘ Medikamenten 😉

Aber das ist auch symptomatisch für den Wunsch, diese Scheisse endlich los zu werden. Dafür greife ich nach jedem Strohhalm – und wenn man meinen Blog liest, auch nach wirklich ‚fragwürdigen‘ Strohhalmen. Schon komisch – da ist man nicht in der Lage, alleine um den Pudding zu gehen, aber so ein Zeug aus dem Internet futtert man…

Wie auch immer, ich werde versuchen hier in nächster Zeit mal wieder etwas mehr zu schreiben. Vielleicht auch retrospektive über die letzten 3 Jahre. Eventuell ist auch für den einen oder anderen etwas dabei, was ihm oder ihr hilft.

Dann auf ein Neues 😉

Ein Leben mit Moclobemid?

Moclobemid 0-112,5mg/d. Tag 8-19.

Die letzten 12 Tage zeichneten sich im Grunde durch ein ständiges auf und ab aus. Es gab gute und richtig schlechte Tage dabei. Auffallend gut waren immer die Tage nach einem Tag ‚aussetzen‘. Besonders schlecht lief es, wenn ich mehrere Tage hintereinander 75mg/d genommen habe – was ja sowieso deutlich unter der eigentlichen Mindestdosis liegt.

Ich konnte mir also Einiges dabei denken: Entweder war es nach mehreren Tagen Einnahme ‚zuviel‘, oder – und das glaube ich z.Zt. am ehesten – der Körper war mehr auf Entzug als sonstwas. Denn warum geht es mir sonst auffällig besser, wenn ich nach einem Tag aussetzen dann wieder Moclobemid nehme?

Heute (Tag 19) war wieder ein Tag, an dem ich eigentlich aussetzen wollte, da der letzte Tag schon wieder eher doof als irgendwas war. Auf der anderen Seite fühlt sich das ganze nach fast 3 Wochen jedoch kaum noch agitierend an, so dass ich dachte es sei ein guter Versuch mal mehr zu nehmen. Angsthase, der ich bewiesener Maßen bin, wollte ich aber noch keine 150mg nehmen, sondern habe mir etwas ‚abgezwackt‘, so dass ich 3/4 schätzen würde, also ca. 112,5mg.

Nun gut. Jedenfalls war schon zu merken, dass es mehr als sonst war, denn heute fühlte ich mich deutlich besser als die Tage davor. Kaum agitiert, schon fast eher etwas in Watte gepackt, ein wenig entspannter, ruhiger. Natürlich ist Moclobemid kein sedierendes Mittel, aber es fühlt sich jedenfalls entspannter an, also sonst. Ich bin ja schon mal begeistert, dass ich nicht abgegangen bin wie ein Zäpfchen. Das ist ja immer meine Befürchtung und der Grund, warum ich überhaupt mit dieser Kindergarten Dosen rumhantiere.

Wir auch immer, es ist zwar noch keine Angstfreiheit in Sicht, aber ich bin ja noch nicht mal auf einem Viertel der Zieldosis. Da ist also noch Raum zur Besserung. Jedenfalls habe ich jetzt wirklich die Hoffnung, es kann weiter gesteigert werden und das sich dann auch etwas deutlich positiveres ergibt als unter den bisherigen Medikationen. Und vielleicht kommt ja sogar noch die gewünschte Entspannung, nach der ich seit so langer Zeit suche.

Achja, und die Magenprobleme kriege ich scheinbar mit Omeprazol 40mg/d besser in den Griff als mit Pantoprazol 40mg/d. Vielleicht gewöhnt sich mein Magen ja einfach auch langsam an das Moclobemid. Wer weiß.

Ich werde jedenfalls weiter berichten.

Jeder fängt mal klein an….

Moclobemid 0-75mg/d. Tag 5-7.

Tag 5 war wieder eine Nullrunde. Ich habe keine Ahnung, ob mir bei der ’normalen‘ Einstiegsdosis von 2x150mg/d schlicht der Kopf explodiert wäre, oder ob es mir sogar schon besser gegangen wäre – ich kann’s nicht sagen. Mein Weg sieht jedenfalls etwas vorsichtiger aus, wie es scheint.

Ich hatte auch mit meiner Ärztin am 5. Tag gesprochen und gefragt ob es bei dieser gefühlt unangenehmen Reaktion überhaupt eine Chance darauf gibt, das Moclobemid bei mir irgendwann später doch passen sollte (zumal Messwerte und Genetik deutlich darauf hinweisen). Sie hatte ein nettes Beispiel, in dem Sie mich mit jemandem Verglich, der ein Bein hat, das deutlich kürzer ist als das andere. Dieser Mensch wird vermutlich über Jahre eine Fehlstellung entwickeln und wohl auch Rückenschmerzen haben. Wenn man diesem Patienten nach über 40 Jahren dann sofort die gesamten Höhendifferenz ausgleicht, wird dieser wahrscheinlich mehr Schmerzen haben als in den Jahren davor. Deshalb muss man eine solche Einlage über längere Zeit ‚erhöhen‘. Das fand ich ein Beispiel, dass Hoffnung machte.

Tag 6 und 7 waren jedenfalls sehr angenehm und fast angstfrei (Wir sprechen nicht von einem Gefühl, dass mich die Welt erobern lassen will – aber ich war immerhin zu Hause so was wie angstfrei). Wenn überhaupt, ist es jeweils der Morgen nach dem Aufstehen, der sich unangenehmer anfühlt als der Rest des Tages, so dass ich am 7. Tag bereits überlegt hatte Abends noch einmal 75mg Moclobemid zu nehmen. Zumal zweimal täglich ja die übliche ‚Aufteilung‘ laut Beipackzettel ist.

Nun gut, vielleicht am 8. Tag – ich finde es schon mal gut, dass ich mir vorstellen kann keine Nullrunden mehr einzulegen und es wirklich angenehme Momente gibt. Vor allem Nachmittags und Abends.

Beim Gedanken daran, jetzt Einkaufen zu fahren (natürlich sowieso nicht alleine….) geht mir sofort die Düse. Ich habe also noch einen längeren Weg vor mir, wie es scheint. Man darf aber nicht ganz vergessen, dass ich jetzt seit einigen Monaten ohne ‚richtigen‘ Stoff bin (ich meine SSRIs oder SNRIs, die bisher als einzige einen wenigsten erträglichen Zustand schaffen könnten, in denen ich halbwegs funktionierte) und in dieser Zeit die Angst so schlimm war, wie schon viele Jahre nicht mehr. Deshalb ist meine Ausgangsbasis auch ziemlich schwach und alle Ängste, die ich jetzt so in diesen Tagen mit Moclobemid erlebt habe, wären vielleicht auch anders aufgetaucht. Gefühlt würde ich es aber der Umstellung durch Moclobemid zuordnen, aber da selbst ich vom Placeboeffekt weiß, ist es schwer einzuordnen. 😉

Bis demnächst, Petrocelli

Gib‘ mir mehr, gib‘ mir mehr…..

Ich habe immer daran geglaubt und glaube auch jetzt noch daran – vielleicht besonders jetzt. Ich glaube, dass ich nicht ‚einfach‘ nur bekloppt bin, sondern irgendwo da drin in meinem Körper etwas schief ist, das – wenigstens in großen Teilen – auch korrigiert werden kann.
Bisher war ich wohl vergebens auf der Suche nach dem, was mir helfen kann, aber ich glaubte seit meinem ‚Erlebnis‘ mit Trevilor, daß ich es finden kann, denn ich hatte es ja ‚erlebt‘.
Ich bin seit einem Artikel über den verspäteten Wirkungseintritt von SSRIs und SNRIs auf eine Erklärung gestoßen, warum Trevilor mir so sehr geholfen hat, obwohl der Wirkungseintritt doch erst nach ca. 4 Wochen kommen sollte.
Seit dem suche ich nach Krankheiten/Störungen im Dopaminhaushalt und deren Therapien. Spannender Weise wurde mir ja sogar ADHS diagnostiziert – die klassische Störung im Dopaminhaushalt, das unruhige ‚zappelige‘ Menschen hervorruft. Jedoch brachte mir die Therapie nicht den erhofften Erfolg. Ritalin und Elontril brachten keinerlei Beruhigung.
Schon länger zuvor bin ich auf das sog. Restless Legs Syndrom gestoßen. Aber als ich die ersten Berichte/Beschreibungen darüber gelesen hatte, bin ich schnell davon abgekommen, es würde zu meiner Krankheit passen. Fast alles stimmte – nur waren die ‚Bewegungen‘ nicht nur in meinen Beinen und vor allem wusste ich immer, das ICH diese Bewegungen mache. Und das ich nachts nicht unbewusst zappelte. Da glaubte ich noch, das gehört zum RLS dazu.
Vor kurzem habe ich erneut mehr über das RLS gelesen. Ich habe mir sogar (mal wieder) eine Doktorarbeit speziell über die Korrelation zwischen RLS und Depressionen/Angststörungen durchgelesen. Hier habe ich u.a. auch gelesen, dass die nächtlichen, unwillkürlichen Beinbewegungen NICHT zwangsläufig zum RLS gehören. Und das die Bewegungen des RLS nicht unwillkürlich sind, sondern vom Kranken als ‚Strategie‘ eingesetzt werden, um die Missempfindungen in den Extremitäten zu unterdrücken. Das ständige Wippen, Hibbeln oder Zappeln mit den Beinen und (bei mir auch) Armen ist also typisch RLS.
Es gibt eine Methode das RLS über einen schlichten Test zu diagnostizieren. Ex juvantibus, wie es lateinisch so schön heißt. Man schmeißt sich das typische RLS Medikament (Levodopa) rein und wenn es RLS ist, dann verspürt man meist schon nach der ersten Einnahme eine Besserung der Symptome. So die Theorie.

Vor drei Tagen am 11.11.11 habe ich diesen Test begonnen. Es war für mich der ruhigste Abend seit Jahren. Eigentlich der ruhigste seit ich denken kann – mal von der besagten Trevilorzeit abgesehen. Es war noch lange nicht so perfekt wie damals, aber so deutlich besser als sonst, dass ich es kaum glauben wollte. Und ich weiß, das die Dosis, die ich für den Test bekommen habe, weit unter der therapeutischen Dosis war. Da ist also noch Spielraum.

Ich hoffe und glaube, dass ich womöglich die Quelle meiner Unruhe und damit auch Ängste gefunden habe. Wer über Jahre nicht richtig Schläfen kann und nie richtig zur Ruhe kommt, der darf meiner bescheidenen Meinung nach auch schneller in Stress geraten als andere. Die Doktorarbeit, die ich zu dem Thema gelesen habe zeigte auch genau diesen Zusammenhang auf. Wer unter RLS leidet, ist statistisch signifikant stärker gefährdet an einer Angststörungen zu erkranken als andere Menschen. Das klingt so nett harmlos, wenn man nicht selbst zu so einem statistischen Fall geworden ist.

Wie auch immer – ich bin gespannt, was meine Ärztin morgen zu meinen Empfindungen in den drei Tagen Levodopa-Test sagt. Und vor allem, was dann kommt. Wie sich eine höhere Dosis anfühlt usw. Ich bin jedenfalls sehr gespannt.

LG Petrocelli

Insidon – Tag 10

Also, seid 2 Tagen bin ich auf 0-0-100mg, aber es macht mir im Moment noch den Kopf zu matschig. Nicht wirklich schlimm, aber nervig. Ich glaube Tagsüber möchte ich das Zeug nicht auch noch nehmen 😉 Naja, so schlimm ist es auch nicht.

Was mir aber immer deutlicher auffällt, ist die negative Wirkung auf meine Kondition. Vor ca. 4 Monaten habe ich mit regelmäßigem Ausdauertraining begonnen und seit dem ich Insidon nehme, fallen mir mein sonst üblichen Trainingseinheiten echt schwer. Passt zu diesem matschigen Gefühl 🙂
Achja, und der Magen ist offensichtlich auch etwas genervt – aber das ist noch alles im erträglichen Bereich. Ich befürchte, beim Beginn mit Trevilor ist das aber vorbei 🙂 Ich kann mich noch gut erinnern, wie hundeelend ich mich fühlte (bzgl. Magengrumeln und Übelkeit) als ich vor einigen Jahren das erste mal Trevilor genommen hatte. Aber auch damals war das nach wenigen Tagen vorbei. Und noch während es mit kotzelend war, ging es kopfmäßig aber schon klar nach oben. War damals also nicht ein gravierendes Problem.

Ich bin also weiter gespannt. Auf der positiven Seite kann ich aber auch schon beim Insidon sagen, dass es mich auch innerlich entspannter macht. Ich merke es einfach an Situationen, die mich sonst unruhig werden lassen. Die halte ich schon jetzt etwas besser aus.

Gerade in solchen Momenten kommt mir irgendetwas von den Gefühlen aus der damaligen Trevilor-Zeit sehr bekannt vor. Vielleicht kann man das nicht einem Medikament zuordnen, aber irgendwie schürt es schon meine Hoffnung, dass der besondere Erfolg von Trevilor bei mir durch die damalige Kombination von Insidon(resten) im Serum und Trevilor kam und deshalb durch das Verschwinden des Insidon im Serum auch diese unglaubliche Zeit beendet wurde. Ok, ich wiederhole mich 🙂

Jedenfalls ist das etwas Positives im Moment. Mir z.Zt. egal, ob eingebildet oder nicht.

LG Petrocelli

Back to the roots, oder was soll das hier eigentlich…….

„Ach“, werden einige sagen, „der lebt noch?“ – Ja, so gerade 😉
Wie auch immer, ich dachte mir, es wäre Zeit für ein Update:

Methylphenidat ist bestimmt eine tolle Sache, aber bei mir brachte es nichts ausser Bauchschmerzen. Ich habe noch viel dazu gehört und gelesen und es scheint, als wäre ich auch nicht mal ein Sonderling, dass mph bei mir nicht wirkt. (Also immerhin bin ich deswegen kein Sonderling 😉 ). Alternativen wie Amphetaminsaft und/oder Strattera habe ich nicht probiert. Ob ich das schade finden soll? Ich weiß es nicht.

Was man aber in jedem Fall sagen kann ist, dass meine Ängste einfach mein größeres Problem sind. Die ADHS typischen Probleme kenne ich zwar zu genüge, aber darunter leide ich nur zweitrangig. Sicher ist beides miteiander verstrickt, aber nur eines macht mich richtig kaputt.

Warum also ‚Back to the roots‘?

Wer aufmerksam meinem Geplappere gefolgt ist, der hat auch ein besonder wichtiges und auffälliges Erlebnis vor einigen Jahren zu lesen bekommen. Ich habe für einen kurzen Zeitraum von ca. 4 Wochen vollkommen symptomfrei gelebt. Eigentlich ständig damit beschäftigt zu beobachten, dass es partout nichts mehr zu beobachten gab. Völlige Entspannung usw. Hier eine kurze Beschreibung aus Herr Kern besitzt ‘nen Pudel :

…., aber es gab ein einziges Mal in den letzten 25 Jahren, in denen ALLES – und das meine ich auch so – wieder gut war: Ich hatte KEINE Angst mehr, ich war die Ruhe selbst. Es kreisten keine unendlichen Gedanken durch meinen Kopf, ich war hoch konzentriert und das ewige innere Kribbeln war schlicht WEG. Ich habe Abends manchmal für ne Dreiviertelstunde im Garten auf nem Stuhl gesessen und einfach in die Luft geguckt (da war nix!) und mich dabei ‘beobachtet’ wie entspannt ich bin. Eine unglaubliche Phase von 3-4 Wochen. Ca. 6 Jahre her. In dieser Zeit habe ich sogar vollständig aufgehört an meinen Fingernägeln zu kauen – und das mache ich immerhin seit locker 35 Jahren…. Es ergab sich z.B., dass sich in dieser Phase ein alter Freund bei mir gemeldet hatte und fragte, ob er sich unseren Transporter ausleihen könnte, er wollte aus der Nähe von Hamburg ein Fahrrad für seine Mutter abholen. Ich fragte nur, wann er den haben wollte und nach der Antwort fragte ich einfach, ob er was dagegen hätte, wenn ich ihn abhole und wir zusammen nach Hamburg fahren (gute 120 km)….

Wenn man bedenkt, dass ich schon zu dieser Zeit das Haus seit Jahren nicht alleine verlassen konnte (und wenn NUR mit meiner Frau), dann dürfte man die Skepsis des besagten Freundes erahnen können. Noch mehr, denn jeder wusste auch mit meiner Frau war es fast unmöglich nur den Stadtrand zu verlassen. Eine Fahrt nach Hamburg war eine grössere Katastrophe.

Nun gut, natürlich freute er sich, denn letztendlich konnte eh keiner richtig nachvollziehen, was diese Krankheit bedeutet und eine Spontanheilung – ja warum nicht. Der Petrocelli war ja irgendwie nie richtig krank. Nichts faulte, alle Beine und Arme dran und ne Augenklappe hat er auch nicht.

Wer nur ungefähr die Lebenssituation kennt in der ich mich auch damals befand, wird das ganze genau wie ich als ein ‘Wunder’ betrachten müssen. So habe ich es damals gesehen. Denn die Fahrt nach Hamburg hatte sogar Spass gemacht. Keine Angst, kein Stress. Nur eine nette Fahrt mit einem guten Freund.

Tja, meine Theorien dazu brachten mich ja auch auf ADHS usw. Da Methylphenidat aber nun offensichtlich nicht mein Problem löste, aber das ‚Erlebnis‘ von damals für mich nach wie vor ‚echt‘ ist, suchte ich nach weitere Gründen, warum Trevilor für kurze Zeit wirkte und dann nicht mehr. Wundersamer Weise ja auch viel ‚zu schnell‘, denn der Hersteller selbst spricht von gut 2 Wochen, bis man überhaupt was Positives merken soll. Also alles sehr paradox.

Ich habe mich vor kurzem aber gefragt, ob es vielleicht mit dem Medikament zu tun hatte, das ich direkt davor genommen habe. Und das die Kombination der ‚Trick‘ war. Schließlich bleiben einige Medikamente noch wesentlich länger über das Serum dem Körper zu Verfügung als es vielleicht eine Halbwertszeit von einigen Stunden vermuten lässt. Ich fragte also bei meinem damaligen Neurologen nach und erfuhr, dass es ‚Insidon‘ war (Opipramol). Es war damals so, dass ich Übergangslos von Insidon auf Trevilor umgestiegen bin, was einer gewissen ‚gleichzeitigen Medikation‘ entsprechen dürfte. Also habe ich mich zu meinem Neurologen aufgemacht und ihn danach gefragt.

Seine Notizen bestätigten die Erinnerung, dass ich beides direkt hintereinnander genommen habe. Auch bestätigte er, dass Insidon noch länger als nur einige Tage dem Körper zur Verfügung stand. Obwohl er damals nur von einem ‚Honeymoon-Effekt‘ beim Trevilor ausgegangen ist, als es wieder schlechter wurde (er notierte bei meinem Besuch während der ‚guten‘ Phase mit Trevilor eine deutliche Verbesserung meiner Erscheinung und Stimmung), gefiel ihm diese ‚Idee‘ so gut, dass er es für eine mögliche Erklärung hält, auch wenn Sie ihm damals nicht eingefallen ist. Es wäre ungewöhnlich, sich eine so deutliche Verbesserung ‚einzubilden‘, deshalb vermutete er damals schon, das es vom Trevilor kam, aber es wunderte ihn auch, dass es so schnell kam und bereits weg war, wenn es bei den meisten Patienten eigentlich mit der positiven Phase erst losgeht.

Wie auch immer. Trotz der damaligen Blutungen als Nebenwirkung, haben wir beschlossen diese medikamentöse Konstellation nochmals herzustellen. Wenn die Kombination wirklich der Schlüssel ist, könnte man evtl. Trevilor bei Nebenwirkungen mit dem einzigen anderen in Deutschland verfügbaren SNRI, Cymbalta, austauschen – das habe ich immer problemlos vertragen. Ich möchte es aber unbedingt zuerst mit Trevilor probieren, um kein ‚Hintertürchen‘ für Ausreden offen zu lassen, wenn es nicht klappt. Bevor ich mich totblute, muss die positive Wirkung längst schon da sein – dann könnte man immer noch stoppen und Cymbalta probieren. Das Risiko scheint also doch begrenzt.

Ich habe Ende April wieder mit Cipralex angefangen, was auch etwas geholfen hat. Wenigstens habe ich die letzte Zeit nicht ständig rumgeheult 😉 Das Cipralex schleiche ich nun jedenfalls aus und habe schon vor 4 Tagen mit Insidon angefangen. Ganz sachte 50mg Abends, um einzusteigen. Hier hat mir der Neurologe gesagt, ich muss das Aufdosieren selbst – je nach befinden – entscheiden. Nach dem Ausschleichen (so in ca. 1o Tagen) soll ich 3 Tage ausser Insidon nichts nehmen und dann mit Trevilor anfangen….

Tja, vielleicht denkt es sich schon der eine oder andere. Die meiste Angst habe ich davor, dass nichts (ausser Nebenwirkungen wie Schwindel und Übelkeit, die ich damals auch zu Beginn reichlich hatte) passiert und ich mir womöglich doch endlich eingestehen muss, dass es mit Medikamenten als Angstler einfach nichts zu holen gibt. Das es damals irgendetwas anderes war, dass ich heute völlig vergessen habe und nichts mit den Medikamenten zu tun hatte. Genauso, wie die wenigen positiven Meldungen unter Baclofen vielleicht garnichts mit Baclofen zu tun haben, sondern mit anderen Lebensumständen, die mit Baclofen nur begleitet wurden. Oder mit welchen Medikamenten auch immer. Ja, ich glaube davor habe ich am meisten Angst. Dann bliebe nurnoch ich selbst als Grund und ich bin leider noch immer davon überzeugt, dass ich es alleine einfach nie schaffen werde. Zu viele Chancen habe ich vermasselt und zu beständig gekniffen aus Angst vor der Angst. Was sollte schon aus mir heraus dafür sorgen, dass ich plötzlich so anders werde? Ich meine, das ist keine ‚Episode‘, die vielleicht erst wenige Monate andauert….

 

Insidon, Tag 4, 0-0-50 mg, Cipralex 10-0-0 mg (statt 20mg):

Eigentlich alles fast wie immer. Vielleicht ein wenig schläfriger, vor allem Morgens. Und hier und da etwas mehr Schwindel als sonst. Kann aber gut und gerne am Wetter oder einfachen Alienstrahlen liegen und nix mit dem Medikamenten zu tun haben 😉 Noch kaue ich auch brav die Fingernägel und alle 2 Sekunden hüpfen die Gedanken hin und her wie eh und je.

So, wir lesen uns.

LG Petrocelli

Wieder Tage zählen?

Nun ja. Auch wenn es mich sogar schon selbst ermüdet, will ich doch versuchen möglichst genau zu beschreiben, was bei mir z.Zt. ‚läuft‘ – falls ich das alles auf’n Faden kriege.

Also, die Angst ist definitiv nicht weg. Warum ich das so betone? Naja, ganz offensichtlich muss ich doch erkennen, dass ich es selbst wohl ganz tief drinnen so gehofft hatte. Irgendwie ist es doch auch zu verlockend, wenn es möglich wäre, oder? Einfach mit allem Scheiss abschliessen.
Aber nix da.
Bleibe wir erstmal beim negativen: ich spüre vor allem Morgens, dass nichts mehr von dem Zeug ‚drin‘ ist. Dann kreisen wieder zig negative Gedanken in meinem Kopf. Auch während der Zeit mit positiver Wirkung spüre ich hier und da die Anflüge der Angst, aber es hört wesentlich schneller auf. Ich würde sagen, ich kreise nicht so intensiv um die negativen Dinge. Das könnte man sehrwohl als positiv bezeichnen.

Ich glaube, dass ist auch ein Punkt, der mir bei aller Frustration doch ein bischen Hoffnung macht. Vielleicht stellt sich eine positive Wirkung auf die Angst ja dadurch ein, dass die vielen negativen Gedanken, die ich sonst den ganzen Tag habe, einfach nicht mehr einen solchen ‚Raum‘ erhalten. Ich mich einfach nicht mehr da hinein steigere. Denn ich glaube, das ist ein wesentlicher Nährboden der Angst bei mir: wenn ich nur lange genug die negativen Möglichkeiten einer Situation durchkaue, dann wird es schon in die Hose gehen. Oder noch besser: ich mache es mir so madig, dass ich die Situation am Ende komplett vermeide.

Ich denke auf diese Weise konnte die Angst ja auch dieses riesige Gewicht in meinem Leben erhalten – ich wurde als Kind schon seit jeher darauf trainiert meinen Körper zu beobachten, ob da ‚irgendwas‘ nicht in Ordnung ist. Naja, und ich denke genau das mache ich halt seit Jahren: ich schaue so lange auf die negativen Sachen, bis diese so gross sind, dass es mir Angst macht.

An diesem Punkt könnte MPH womöglich helfen. Ich bin konzentrierter und was schon deutlicher als eine bessere Konzentration ist, ist das ‚Fehlen‘ der vielen, ständig springenden Gedanken, die allesamt negativ sind. Betrachtet man also das mögliche Ursache/Wirkung System bei mir, so könnte das verringern der Ursache die Förderung der Angst verhindern. Also nicht durch eine ‚angstlösende‘ Wirkung wie bei einem Benzodiazepam, sondern durch das Fehlen des Provozierens der Angst.

Momentan ist es schon ein Wechselbad der Gefühle, aber womöglich ist die Chance garnicht so klein. Fehlt die ‚Ursache‘ so könnte man ja hoffen, dass die Wirkung auch irgendwann ausbleibt. Sicher nicht so schnell wie mit einem Benzo, aber vielleicht ja nachhaltig? Immer vorausgesetzt, die Theorie greift, dass dieses Rumgedenke auch eine Art Ursache ist – aber das würde auch die Frage beantworten, warum ich nie aus zig Verhaltenstherapie ‚gelernt‘ habe. Durch das ADHS wurde das Positive, was ich aus den Übungen und positiven Erlebnissen hätte lernen sollen, halt ‚kaputt gedacht‘.

Nun ja, es bleibt abzuwarten. Momentan hoffe ich erstmal die nächste Zeit durchzuhalten, denn die Angst ist schlicht nicht weg. Um zu erfahren, ob es mit MPH besser wird, wird es noch etwas Zeit brauchen. Ich würde z.Zt. sehr gerne sowas wie Cymbalta oder auch ein SSRI nehmen, da ich diese doch wenigstens als ’stützend‘ empfunden habe, wenn ich diese früher genommen hatte. Insbesondere fühle ich mich zusätzlich depressiv und dagegen half das Zeug gut. Das Problem ist natürlich, dass der Doc aus der Ambulanz es gerne hätte, dass in nächster Zeit nur MPH wirkt und man die Dosis entsprechend gut einstellen kann. Tja, das Argument kann ich so richtig nicht entkräften.

So, das wäre also der aktuelle Stand für heute. 😉

LG Petrocelli

Methylphenidat. Zu gut um wahr zu sein?

Ich wollte nur ein kleines update vom ersten Tag unter mph geben. Und der Titel hier deutet es schon an. In jedem Fall war nichts von irgendwelchen negativen Nebenwirkungen zu spüren. Im Gegenteil. Nach der zweiten Dosis am Mittag und noch deutlicher nach der letzten Dosis am Nachmittag spürte ich eine lange nicht mehr erlebte ‚Sortierung‘ im Kopf. Das ist ganz schwer zu beschreiben und war auch nicht so ausgeprägt, dass ich ‚hui‘ rufen müsste. Aber sie war (und ist zum Teil noch) so deutlich da, dass ich schon beeindruckt bin. Ein wenig so, als würde man angenehm eingenordet werden. Das ständige springen zwischen unterschiedlichsten Gedanken, das dauernde Gefühl man kann das, was man gerade macht, eigentlich nicht machen, weil noch so viele andere Dinge zu tun sind – all das ging deutlich in den Hintergrund. Nicht weg, aber weniger spürbar als sonst. Wenn man bedenkt, dass ich aber auch nur eine echte Minidosis vom Methylphenidat nehme, dann wäre eine stärkere Wirkung wohl kaum zu erklären.

Als mir der Doc sagte, ich würde als erstes wohl merken, dass ich mich besser konzentrieren könnte, war meine Vorstellung eine andere. Konzentration verbinde ich immer mit Stress, Anstregung. Nicht, dass ich das nicht könnte, aber ich bin dann auf 150% Leistung. Und hinterher fühle ich mich dann auch so. Kann kaum runterkommen. Was ich aber heute erlebte, war eine deutliche Reduktion sämtlicher Störfaktoren. Angenehm und beeindruckend. Natürlich noch nicht so, wie ich es mir im idealfall wünsche, bzw. wie ich mich an seltene Zeiten aus meiner Jugend bzw. unter Trevilor erinnern kann. Aber in jedem Fall habe ich heute Gefühle und Eindrücke gehabt, wie schon ewig (wenn überhaupt) nicht mehr.

Was kommt nun? Im Moment spüre ich schon, dass etwas mehr Gedanken ‚dazwischen‘ kommen, als heute Nachmittag. Aber der Stoff ist ja auch körperlich auf dem Rückzug. Im bin jedenfalls sehr gespannt, wie es sich entwickelt und was passiert, wenn ich dann höher dosiere. Habe natürlich große Sorge davor, dass es sich noch dreht und in eine negative Richtung marschiert. Aber gut, dass werde ich wohl erstmal nicht abschalten können.

Und ich freue mich tatsächlich auf den heutigen Schlaf, da ich sehr gespannt bin wie ich unter mph schlafe – ich habe solches und solches gehört. Nachdem ich aber wohl von mpg eher beruhigt als agitiert werde, bin ich guter Dinge. Und ich bin schon positiv gespannt auf Morgen. Hoffentlich bleibt das 😉

 

LG Petrocelli

Nu isses amtlich: ADHS. Und die erste Medikinet ist auch schon drin….

Tja, womit fange ich an? Das ich vor 15 Minuten die erste Medikinet/Ritalin/MPH genommen habe? Jo, da ich es schon geschrieben habe, ist es ein guter Anfang 🙂 Jedenfalls in kleinster Dosis, da alte Herren bei Kinderkrankheiten ja ‚aufpassen‘ müssen :p

Aber im Ernst – da ich ja vor allem unter den Ängsten leide, soll ich das langsam angehen. Sonst kriege ich zuviel Gelegenheiten mir wieder was an Nebenwirkungen einzubilden. Ich schaue jetzt mal und ziehe die Dosis in den nächsten Wochen höher, wenn ich merke, wie/ob es funktioniert.

Jetzt aber zum gestrigen Tag. Da es der 1.4. war, habe ich es mir absichtlich gespart es als möglichen Aprilscherz auflaufen zu lassen. Wenn ich überlege, dass es am letzten Termin hieß ‚das können wir heute nicht mehr machen, dass muss umfangreich besprochen werden‘, so musste ich gestern doch innerlich mehr als grinsen, als ich merkte, dass  mir eigentlich nix erklärt wird. Mein Hausarzt kriegt einen ‚Arztbrief‘ und ich kriege Ritalin 😉

Naja, ganz so knapp war es auch nicht, aber er resümierte halt, es sei eine klare, starke Angststörung (hui, gut beobachtet Herr Doktor!) und dann halt eine eindeutig diagnostizierte ADHS. Wobei er meinte, dass die Angststörung so massiv sei, dass sie evtl. nicht davon weggeht wenn man das ADHS behandelt. Aber auf Grund der vielen Therapien und Medikamente, die ich in meinem Leben so durchgezogen habe, schätzt er die Chance sehr hoch ein, dass nach erfolgreicher Behandlung des ADHS, auch eine erfolgreiche Behandlung der Angst stattfinden könnte.

Also schauen wir mal, ob sich das ADHS ‚erfolgreich‘ behandeln lässt 😉 Es gibt ja mehrere Ansätze, dem Dopaminmangel entgegen zu wirken. Der Klassiker ist aber Methylphenidat (Ritalin, Medikinet usw.), weshalb er auch sagte: ‚Wenn wir das ADHS behandeln, dann gleich mit dem Mittel der Wahl‘, sprich Methylphenidat. Wir fangen also von gaaanz unten an und tasten uns hoch. Nicht nur weil ich als Angstfuzzi meine speziellen Ecken und Kanten habe, sondern auch weil die Dosen, die für gewöhnlich bei Kindern gegeben werden, bei Erwachsenen meist viel zu hoch sind. Das hat wohl damit zu tun, dass die Menge der Dopamintransporter  in den entscheidenden Gehirnregionen im Laufe der Zeit abnehmen. Das erklärt im Übrigen auch, warum viele ADHSler im Erwachsenenalter entweder keine oder nur wenige Probleme haben. Bei vielen reguliert es sich chemisch und dann ‚lernen‘ wir als Erwachsene auch uns besser zusammen zu nehmen 😉

Ich und mein Medikinet werden uns jedenfalls ein bischen auf die Terasse setzen und dem Treiben da zuschauen. Mal sehen, wie sich das anfühlt.

Stay tuned und LG

Petrocelli