Tag 8 – Eine Woche Achterbahn

Heute war ein guter Tag. Ich wollte das nur erwähnt haben, weil er eigentlich nicht so anfing (hundsmiserabel geschlafen) und es sich ja vielleicht noch ändern könnte 😉

Die Nacht war extrem lästig – nachdem ich brav gegen 0:30h meinen Blog von Gestern ‚abgeliefert‘ hatte, glaubte ich eigentlich mir würden die Augen zufallen und ich wäre wieder weg. Leider weit gefehlt: ich fast 3 Stunden lang das gleiche ‚Spiel‘ gebracht: jedes Mal, wenn ich für ein paar Millisekunden eingeschlafen bin, schreckte ich sofort hoch, zu stark atmend und mit Bauchschmerzen. Das sedierende Gefühl von Baclofen, das ich wenigstens gestern noch etwas stärker als heute hatte, benebelte mich und es fühlte sich in diesem Zusammenhang beschissen an. Im Grunde provozierte es immer wieder Vorstufen einer Angstattacke, die jedoch ausblieb. Manchmal habe ich sie mir einfach herbeigewünscht, in der Hoffnung, dass es danach wieder ‚gut‘ sei.

Dieses Spiel habe ich also bis ungefähr 3h nachts gespielt und heute Morgen fühlte ich mich entsprechend angepinkelt. Eine gute Stunde nach der morgentlichen Baclofen ging der Tag aber in eine andere Richtung. Ich hatte heute zwar bis ca. 14-15h ein leichtes Gefühl benebelt zu sein, aber nie wirklich unangenehm. Hier unterschied sich der Tag schon von den vorherigen. Am Nachmittag hatte ich dann auch noch eine gute Gelegenheit mich über ein erstklassiges Arschloch zu ärgern, was mich für gemeinhin über Stunden beschäftigt und meistens dafür sorgt, das es mir richtig schlecht geht. Aber heute? Tja, also während des Gespräches mit dem liebreizenden Arschlochs, war ich die Ruhe selbst. Sogar innerlich. Und danach habe ich mich nicht wirklich lange darüber aufgeregt, wie es sonst sicher meine Art ist. Ich steigere mich gerne in solche Situationen hinein, in denen ich wieder zu lange zu freundlich gewesen bin und mir andere auf der Nase herumtanzen und meine Freundlichkeit ausnutzen. Ich bin leider nicht zum Arschloch geboren, aber manchmal würde ich gerne einen Kurs mitmachen, in dem man das lernt. Oder wo kommen die alle her?

Generell muss man also sagen, dass der heutige Tag also mehr Gutes als Schlechtes hatte. Und da komme ich wieder auf die Liste, die Federico mir empfohlen hatte. Ich bin tatsächlich jemand, der gerne den schlechten Dingen ein höheres Gewicht zuordnet als den Guten. Und beim Beginn mit Baclofen – das natürlich auch spürbare Nebenwirkungen hat – ist es für einen Phobiker leicht die gute Entwicklung zu übersehen, während ich mich in die Nebenwirkungen hineinsteigere. Aber sogar als Phobiker, der seinen Körper aufs feinste beobachtet, muss ich zugeben, dass die Nebenwirkungen von Baclofen zwar spürbar sind, aber nicht zum Abbruch des Versuchs führen sollten. Wenn die über die Woche sichtbare Tendenz fortschreitet – das nämlich die beruhigende Wirkung bleibt oder sogar besser wird und die Nebenwirkungen wie Schwindel, Benommenheit und leichte Magenprobleme zurückgehen – dann könnte der Versuch schon bald Erfolge verbuchen, die bisher kein Antidepressiva in dieser Form geschafft hat.

Eines darf man am Rande mal nicht vergessen: Paroxetin, jenes SSRI, das mir bisher bzgl. der Angst am Besten geholfen hatte (siehe Artikel über Paroxetin) brauchte fast 6 Wochen, bis es spürbar wirkte und die meisten Nebenwirkungen blieben Monate. Was ich zugeben muss, ist dass ich aber mit Schwitzen usw. besser klargekommen bin, als mit der Sedierung und dem leichten Schwinder vom Baclofen. Aber hier tickt jeder anders und was wirklich angenehmer ist: Nach einer Woche merke ich bereits, dass es weniger wird. Bei Paroxetin ging ausser den Magenproblemen keine Nebenwirkung vollständig weg. Auch nach Monaten nicht. Da hat Baclofen also noch etwas Spielraum 😉

Also, ich lasse mich jetzt mal überraschen, wie der Schlaf heute so wird. Ich werde es Morgen vermelden!

Tag 1 ;)

So, der erste Tag ist also ‚geschafft‘.

Im Grunde lief alles sehr unspektakulär und ’normal‘ – sprich keine starken Nebenwirkungen. Das einzige, was ich am Nachmittag deutlich gespürt hatte war eine Müdigkeit, die mich auch gleich zu einem zweistündigen Nickerchen bewegt hat 😉 Mach ich sonst eigentlich nicht, aber heute sollte es so sein. Und das obwohl es keine unangenehme Müdigkeit im Sinne von betäubt gewesen ist. Eine weitere ‚Besonderheit‘, die mir aufgefallen ist, sind Schmerzen (oder eher Zwicken, kleine Krämpfe?) in den Beinen – hauptsächlich um die Knie herum. Das klingt für mich aber so absurd als Nebenwirkung, dass ich das mal als Dummsinn und zu genaue Betrachtung meines Körpers eintüte 😉

Ansonsten – nix; kein Schwindel, keine Benommenheit, keine Magen/Darm Probleme, usw. Also eigentlich nichts von dem, was ich sonst von SSRIs oder triziklischen Antidepressiva kenne, wenn man beginnt. Tja, Baclofen gehört halt nicht zu diesen Arzneigruppen.

Das finde ich schon mal richtig gut, denn wie im – ich glaube vorletzten – Blogeintrag zu lesen war, habe ich sehr gerne Angst vor Medikamenten und deren Nebenwirkungen ;). Das ist natürlich kontraproduktiv, wenn man irgendwie etwas davon haben will.

Ich habe das Glück persönlichen Kontakt zu zwei Personen zu haben, die schon einige Monate Baclofen einnehmen. Einer seit gut einem Jahr und der andere 7-8 Monate. Beide sagten mir, dass ich am Anfang mit hoher Wahrscheinlichkeit sowieso nichts merken werde, also auch keine Nebenwirkungen. Die Müdigkeit vergeht wieder, wenn man Baclofen länger nimmt – so die einhellige Meinung. Soweit passt es erstmal.

Tja, und nun? Ich weiß es nicht. Im Moment bin ich müde und werde wohl gleich den Kasten hier ausmachen ;).

Was ich allerdings ‚witzig‘ finde und worauf ich wirklich sehr gespannt bin, da ich nach wie vor große Hoffnung in Baclofen habe: Die Depressionen, die auch ich öfter mal verspüre, selbst wenn die Angst immer mein größtes Problem ist, die sollen zuerst verschwinden. Und das sogar innerhalb überschaubarer Tage. Da bin ich wirklich gespannt, wie ich mit Müdigkeit eine Depression verdrängen kann. Vielleicht schlaf ich die platt? :>

Das alleine wäre ja eigentlich eine Sensation, denn viele Menschen leiden unter Depressionen und brauch lange Medikamente, bis sich wirklich was ‚tut‘. Und SSRIs, die gerne gegen Depressionen eingesetzt werden, fangen bei vielen an nach einigen Wochen/Monaten nicht mehr so gut zu wirken, wie am Anfang. Es hört nicht auf zu helfen, aber wer gerne eine noch stärkere Unterstützung durch das Medikament erhofft hatte, wird dann gerne durch eine Verringerung der Wirkung zusätzlich enttäuscht.
Hier bei Baclofen bin ich wirklich gespannt, in wie weit das auf mich wirkt. Ich vermute es ist, wenn es dann auch positiv auf die Angst wirkt, eh nicht mehr zu trennen, denn wenn die Angst weniger werden würde, wäre ich sofort weniger Depressiv.

Ich bin jedenfalls schon mal froh, den ersten Tag so ’stressfrei‘ hinter mich gebracht zu haben und bin guter Dinge für die nächsten. Ich bin gespannt!