Links, rechts, Wechselschritt. Und wieder…

Tja, seit meinem letzten Post ist doch einiges an Zeit vergangen. Was ist inzwischen passiert?

Mittlerweile habe ich mich von Baclofen verabschiedet – jedenfalls als therapeutisches Mittel. Noch schleiche ich aus, bin bei den letzten 5mg am Tag.
Baclofen hat mich enfach zu sehr gedämpft. Ich konnte kaum noch meiner Arbeit nachgehen. Die anxiolytische Wirkung war sicherlich vorhanden, aber nicht wie ich mir das gewünscht hätte. Im Verhältnis zur Angstlösung war die Dämpfung für mich viel zu stark – auch nach Wochen noch. Die beschriebenen Magenprobleme sind im übrigen weitestgehend zurückgegangen.

Seit dem ich Baclofen runterfahre nehme ich Baldrian in höheren Dosen (~2gr/d). Ein Scherz? Nein, aber nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Nach 2 Wochen tritt langsam eine spürbare Beruhigung ein – das Baldrian ein Spiegelmedikament ist, wird zu oft vergessen ;) Dennoch reicht es nicht wirklich aus, aber zu Hause ist es damit erträglich.

Wo geht es hin? Naja, ich weiss nicht, ob es nur typisch für Angsterkrankte ist, aber ich finde es ‘normal’, dass ich nicht hinnehme, das Baclofen leider nicht mein Mittel ist.

Im letzten Post hatte ich von meiner Theorie bzgl. Dopamin, Elontril, ADHS, etc. geschrieben. Ich bin noch immer der Meinung, dass dies eine Option ist. Im Gegensatz zum Versuch mit Baclofen will ich dieses mal aber keinen solchen Alleingang mehr machen. Ich habe gemerkt, dass es das einfach nicht einfacher macht. Ich will damit nicht dagen, dass es mit Arzt geklappt hätte – ganz sicher nicht. Aber ein Angsthase möchte gerne viele Fragen stellen und selbst wenn er die Antwort vielleicht nicht hören will, so braucht er doch jemanden, dem er die Frage stellen kann.

Die Diagnose von ADHS im Erwachsenenalter ist jedoch keine ‘einfache Sache’. Im Gegenteil, es gibt noch immer genug Ärzte, die glauben ADHS verschwindet am Ende der Jugend wie von Geisterhand. Die Kombination von ADHS und einer Angststörung und/oder Depression ist jedoch eine plausible Annahme, denn Erwachsene ‘hüpfen’ weniger unbedarft in der Gegend rum oder springen in einem Meeting auf, um die Bauerbeiter vor de mFenster zu beobachten. Die Psyche sucht sich hierdurch womöglich andere ‘Kanäle’, diesem inneren Drängen nachzukommen (Kampf/Flucht Symptomatik der Angststörung) oder zerbricht an diesem Verbot (Depresson).

Um das Ganze in kontrollierte Bahnen zu bekommen, werde ich am 9. Februar in einer Fachklinik (die sich wundersamer Weise in unserer Nähe befindet) eine entsprechende Diagnose beginnen. Das Ganze geht über mehrere Termine und kann einige Wochen dauern.

Sicher könnte ich wenigstens mein Elontril auch so nehmen, jedoch gibt es bei einer positiven Diagnose nicht nur medikamentöse Lösungen, sondern auch ein psychotherapeutischer Ansatz wäre dann ein Anderer. Vielleicht dann ja im Gegensatz zu meinen bisherigen X erfolglosen Therapien dann eine Erfolgreiche?

In jedem Fall werde ich vorerst nicht aufgeben einen Weg zu finden. Für Jemanden, der seit einem viertel Jahrhundert danach sucht, ein leichter Spruch ;)

LG Petrocelli

Tag 47 – ich bin nicht weg, nur gerade nicht da…

Ich muss gestehen, das Schreiben fehlt mir ein bisschen, aber z.Zt. ist bei uns durch den Umbau nur noch Chaos und Abends bin ich meistens einfach nur platt und will schlafen. Ans Schreiben ist dann nicht zu denken.
Es hat sich auch nichts gravierendes getan. Ich hatte versucht auf 3×12,5mg hoch zu gehen, jedoch kamen sofort die Nebenwirkungen wieder auf und ich bin schlicht nicht in der Stimmung, diese zum bestehenden Chaos hinzuzufügen. Also bleibe ich erstmal noch bei einem Kompromiss mit 12,5-10-10.
Es gab Vor ca. einer Woche ein ‘Erlebnis’, das sehr wohl beachtenswert ist, auch wenngleich es keine Revolution ist. Wir waren mit der Firma zum Weihnachtsessen. Für gewöhnlich bin ich bei solchen Events schon einige Tage vorher unruhig und mache mir unnötig Stress. Diesmal auch. Und normalerweise läuft so ein Essen so ab, dass ich erst zum Ende – also kurz vorm Nachtisch – entspannter werde. Im Grunde dann, wenn es schon vorbei ist. Ich denke, das kennen die Meisten aus meiner Zunft ;)
So hier lag nun aber der Unterschied. Ich war nur wenige Minuten da, schon merkte ich, dass die Befürchtungen und Anspannungen, die mir sonst bekannt sind und auch erwartet werden, sich irgend wie nicht richtig entwickelten. Eher flach und unterschwellig. Das wiederum sorgte sehrwohl für weitere Entspannung. Ehrlich gesagt fühlte ich mir ziemlich gut und der Abend gefiel mir wirklich. Ich bin mir sicher, das dieser Effekt wirklich Baclofen zuzuschreiben ist.

Das Problem ist, dass ich mir heute schon richtig Mühe geben muss, um mich genau daran zu erinnern. Meine negativen ‘Vorstellungen’ und Erwartungen zu einer solchen Aktivität in der Offentlichkeit sind so stark, dass sie tatsächlich das positive, erlebte fast überlagern. Ich denke an diesen Abend und kann mich kaum an ein positives Gefühl erinnern. Es fühlt sich alles wie üblich er beängstigend und negativ an, obwohl ich ‘weiß’, dass es ein guter Abend war.

Ich glaube hier genau liegt die Schwierigkeit für mich. Meine negativen Erwartungen und Erinnerungen überlagern sehr schnell und leicht die positiven Dinge, selbst wenn sie da sind. An dieser Stelle glaube ich tatsächlich, das wohl eher die Zeit mit Baclofen etwas ausrichten wird, als eine massivere Erhöhung der Dosis.

Wir werden sehen. Es sieht hier zwar nicht nach einer Besserung des Stresses bzgl. des Umbaus aus, jedoch versuche ich hier und da nochmal Updates loszuwerden.

Tag 25 – zwischen wollen und können

Heute versuche ich mal weniger über meine täglichen Für und Wieder zu sprechen (irgendwo hörte ich, ich würde mit der Angst ‘kokettieren’ – Hallo Invorio;)), sondern etwas über den status quo meiner gesamten Situation zu berichten. Einfach nur, um vielleicht ein besseres Bild über meine Ausgangsbasis in diesem ‘Versuch’ zu liefern.

Nach den ersten Jahren veränderte sich die Angst vor bestimmten Situation, zu einer Angst – ich denke mittlerweile seit gut 15 Jahren – die mich dazu bringt, das ich seither nicht mehr alleine oder mit weniger vertrauten Personen das Haus verlasse noch alleine zu Hause sein kann (sei ca. 10 Jahren). Die Abhängigkeit, das Minderwertigkeitsgefühl und der ständige Lebensüberdruss, welche so ein krankhaftes Vermeidungsverhalten mit sich bringt, ist nur für wenige arme Schweine nachvollziehbar und jeder, der ‘meint’ er wüsste, wie das ist, ohne selbst so zu Leben, möge darüber nochmals nachdenken.

Ich habe in vielen Therapien darüber nachgedacht, habe Tipps erhalten usw., denn es ist nicht so, dass mir die ‘normalen’ therapeutischen Ansätze unbekannt wären. Aber wenn dies einem immer wieder als etwas erscheint, dass nur Fremde betrifft und nur bei einem selbst nicht funktioniert und zeitgleich genau solche ‘Erklärungen’ als Muster bekannt sind, dann fühlt sich das frustrierend an. Man erkennt ein falsches Muster und ist aber nicht in der Lage, daran etwas zu drehen, da die körperlichen Symptome so massiv sind, dass sie einem mächtiger als man selbst vorkommt. So echt, dass nur die Theorie falsch sein kann. Ich sage dann immer gerne: wie soll ich mächtiger als ich selbst sein??

Ich darf also behaupten, ja, ich kokettiere mit der Angst. Manchmal frötzel und singe ich sogar mit ihr. Denn würde ich das nicht tun, dann könnte ich mich nur noch aufhängen oder vollends am letzten bisschen Verstand zweifeln, dass mir vielleicht geblieben ist. Selbstverständlich, lieber Invorio, erwähne ich das hier nicht umsonst zwölf mal. Es beschäftigt mich, da ich natürlich immer wieder versuche zu hinterfragen, was denn in meinem Oberstübchen so garnicht stimmt. Und was ich womöglich dagegen tun kann und auch will!

Ich traue mich nicht, ist sicher korrekt. Aber warum? Was habe ich wirklich zu verlieren? Worauf warte ich denn? Wieso riskiere ich nicht einfach, das Risiko des Todes einzugehen? Ich könnte doch einfach losgehen und einfach mal Brötchen beim Bäcker holen. Sind von hier 8km. Mehr nicht.

So ,ich habe es nicht nur geschrieben, ich kann es auch lesen. Das einzige was fehlt ist ‘nur’ die Umsetzung. Die Bereitschaft einfach zu sterben, wobei ich aus reichlichster Literatur natürlich auch weiß (solange ich nicht wirklich losgehe), das die eine unrealistische Angst ist und ich es nach aller Wahrscheinlichkeit überleben würde.
Ok gut. Habt Ihr eine Idee, was ich sagen will? Ich will sagen, ich verstehe mich selbst nicht. Ich sehe, wie meine Hand in Flammen aufgeht, aber ich fühle es nicht. Ich weiss, dass diese Ängste ungefährlich sind, nur fühlen sie sich tödlich an, sobald ich nur in die Nähe meiner Grundstücksgrenze gehe, oder gar meine Frau das Haus verlassen will ohne mich mitzunehmen.

Ich kann also mein Wissen ganz schlicht nicht mit meinen körperlichen Gefühlen koppeln. Und wenn die Symptome beginnen, geht mein Gehirn zum Sandkasten und lässt mich alleine. Dann weiß ich von aller Theorie gar nichts mehr. Nur Minuten später kann ich das schon alles nicht mehr glauben. Weitere Sekunden später befürchte ich aber, dass es gleich genauso weitergeht.

An dieser Stelle treten Sarkasmus und Baclofen in Konkurrenz. Der Sarkasmus um wenigstens irgendeine Form zu haben, damit umzugehen, wenn ich es schon nicht erfolgreich bekämpfen kann. Baclofen hingegen ist meine Hoffnung auf die entscheidende Unterdrückung dieser frei galoppierenden Angst auf ‘chemischer’ Ebene. Und wenn es dann mal ein wenig schief geht und ich hier etwas negativer daher plappere, dann versteht ihr jetzt vielleicht ein wenig mehr warum das so ist. Damit würdet ihr wirklich weiter sein als ich.

Tag 23 – gib mir mehr, gib mir mehr!

Da sage nochmal einer ich wäre einfach zufrieden zu stellen (nicht das sich das jemals einer trauen würde, der mich kennt!), aber wenn man selbst nicht mehr weiß, was man so will, dann wird es anstrengend!

Das schöne als Irrer ist, man hat eine gewisse Narrenfreiheit und diese sollte man auch ausnutzen. Wozu sonst all der Ärger? Worüber rede ich also? Über die offensichtliche ‘Kurve’, die ich mit Baclofen fahre. Ich versuche das mal zu beschreiben:

Zum Beginn einer Dosiserhöhung: Müdigkeit, leichte Benommenheit, Drehschwindel  usw. – dafür eine gewisse Dankbarkeit, da die Benommenheit in keinem Fall als unabgenehm zu bezeichnen wäre. Jetzt bloss nicht Autofahren, die eigene Karre wäre gefährdet und Gummibäume werden ja wohl nur gerüchteweise aufgestellt.

Tag 2-4 nach einer Dosiserhöhung: Müdigkeit usw. nehmen ab, verschwinden aber nicht. Es wird aber klar, dass die Müdigkeit/Benommenheit keine vorrangig angstlösende Wirkung hat (jedenfalls noch nicht).

Tag 5 nach einer Dosiserhöhung: Fast schlagartig verschwindet die Tagesmüdigkeit und Benommenheit. Nur ganz leicht – und witziger Weise nur in Phasen über den Tag verteilt – tauchen diese Nebenwirkungen manchmal stark abgeschwächt auf. Selbst ein Profiselbstbeobachter wie ich, muss genau hinschauen.

Diese Kurve, die sich bisher bei allen (vier) Dosiserhöhungen wiederholt hat, scheint nicht wirklich weit von dem entfernt zu sein, was man bei vielen anderen bzgl. Baclofen lesen kann. Ich als ‘Schau Dir in den Körper, Kleiner’-Spezialist brauche offensichtlich deshalb 5 und nicht 2 Tage, weil ich halt wesentlich stärker auch nach negativen Effekten suche. Dass muss selbst ich mir mittlerweile bei all der Skepsis eingestehen, die da so innewohnt in mir.

Faszinierend finde ich aber, dass ich heute, am 6. Tag mit 30mg Baclofen, wie schon bei den Stufen vorher schon einige Momente hatte, in denen ich mir so gedacht habe, dass es sich womöglich ‘besser’ anfühlen würde, wenn ich spontan mal noch eine Tablette einwerfe, um die Dosis zu steigern. Sprich: mein Köpfchen meint, es könnte weitergehen, obwohl ich auf der anderen Seite ja ständig darauf bedacht bin, bloss nicht das Risiko für Nebenwirkungen zu erhöhen. Paradox? Selbstverständlich! Fühlt sich aber so an. Und noch ein Effekt, der mir auch schon öfter aufgefallen ist, den ich aber nicht wirklich verifizieren kann, da hier warscheinlich das meiste mit feinster Einbildung dahergeht: Gerade dann, wenn der Spiegel von Baclofen abfällt (also wenige Stunden nach Einnahme) glaubte ich hier und da schon, dass die Nebenwirkungen höher sind, als einige Minuten nach der Einnahme, wenn der Wirkstoff mit maximaler Stärke durch die Adern saust. Wenn ich dann z.B. Mittags die zweite Tablette nehme, dann werden die Nebenwirkungen nach einer knappen Stunde – ich sage mal – angenehmer.

Ich will garnicht behaupten, dass diese Beobachtung direkt aus meinem kranken Köpfchen entspring und jeglicher Grundlage entbehrt, aber der Gedanke kam mir jetzt schon so oft, dass es schon auffällig ist.

Also an alle Lehmänner und Goldfinger da draussen: kommt Euch sowas irgendwie bekannt vor, oder galoppieren die kleinen Klappsepferdchen mit mir davon? Ich glaube jedenfalls, ich sollte die 3x15mg in Angriff nehmen in den nächsten Tagen. Auch hier bin ich an Meinungen und Erfahrungen interessiert. Passiert irgendwas auffälliges bei der ‘richtigen’ Dosis, das ich nicht übersehen kann oder marschiere ich dumm dran vorbei und latsche ich direkt in komatöse Dosen, die mich nurnoch sabbernd in der Ecke liegen lassen?

Jaja, ich bin berühmt für meine sinnigen Fragen ;)

Tag 22 – darf ich mal durch ihre Brille schauen?

Klingt philosophisch, ist es aber womöglich garnicht. Da komme ich aber gleich zu ;)

Heute St der 5. Tag mit 3x10mg Baclofen und der erste, seit dem ‘upgrade’ der Dosis ohne wirkliche Nebenwirkungen. Sie sind nicht ganz weg (noch leichter Schwindel), aber z.B. die hier und da angenehme Tagesmüdigkeit ist seit heute Mittag vollkommen weg. Ich hatte vorhin sogar beim Film schauen für ein, zwei Minuten sogar das leichte Kribbeln und Zittern, mit dem bei mir gerne die Angst beginnt. Davon war die letzten Tage nicht mal im Anflug was zu merken.

Es reicht zwar nicht um länger präsent zu sein oder gar wirklich zu einer Angst zu werden, aber es war schon auffällig, das es überhaupt so auftauchte. Das bringt mich auf Folgendes: a) es ist also gut und gerne anzunehmen, dass die Nebenwirkungen nach dem Aufdosieren wirklich verschwinden – so war es bisher ja auch. Es scheint bei mir aber halt 5 Tage oder sowas zu dauern und nicht 2, wie man es bei anderen manchmal gelesen hat. Das wäre absolut akzeptabel. Zumal – und nun komme ich zum Titel – ich vor 3 oder 4 Tagen meine bisherige Brille terminiert habe und seither meine Ersatzbrille trage. Die Stärke der Brille ist ok, jedoch bildet jede Brille durch andere Glasformen und leichte Unterschiede im Augenabstand usw. etwas anders ab, was gerne für einige Tage zu leichtem Schwindel führen kann. Täräääh! Also bin ich wohl ungerecht gesen, was ;)
Und b) (jaja, oben war irgendwo ein a) ! ) frage ich mich als geübter Angsthase nun: verschwindet die positive Wirkung, die Entspannung mit den Nebenwirkungen?? Bin ich dann ‘voll auf’m Stoff’ und habe trotzdem Angst? Wie geil wäre das denn: Petrocelli, Du hast den Hauptpreis gezogen! Hurra!

Naja, ok, ich denke das wird kaum so kommen, aber warum bin ich denn Angsthase, wenn ich mir nicht mal solche Überlegungen erlauben dürfte ;)

Aber mal im Ernst, versuchen wir doch mal ein wenig die positiven Dinge vom Baclofen in diesen 3 Wochen aufzulisten (Federico hat dasmnicht umsonst empfohlen!):

1. Die spontanen Ängste – die, die mit dem oben genannten Frieren so ätzend daherschleichen – sind immerhin 3 Wochen vollkommen weg gewesen. Das heute ignorieren wir mal….
2. Ich bin definitiv entspannter. So generell. Noch nicht, wie ich es mir wünsche, aber besser als sonst.
3. Ich kann mich besser konzentrieren. Ist sehr auffällig, da meine Probleme diesbezüglich über die Jahre immer schlimmer wurden. Hierzu muss ich aber auch sagen, dass ich das Cipralex – welches ich noch immer genommen hatte – vor ca. 2 Wochen ausgeschlichen habe und SSRIs haben mich seit Paroxetin reichlich ‘dumm’ gemacht. Kann also ein Effekt durch das absetzen sein.
4. Wo wir gerade dabei sind: Das Absetzen von SSRIs geht sonst so leicht nicht von der Hand – kann man Baclofen evtl. auch zuschreiben.
5. Trotz Schwindel in den letzten Tagen, bin ich in Situationen wie Einkaufen usw. wesentlich ruhiger geblieben als früher. Noch im Sommer wäre ich beim Einkaufen mit solchem Schwindel ausgeflippt. Mit Baclofen finde ich es noch immer nicht toll, aber kann zu starke Panik ganz klar unterdrücken.
6. Der Schlaf ist wirklich besser. Es gab schlechtere Tage dazwischen, aber wenn ich es mit dem Status der letzten Jahre (Jahrzente bis Vierteljahrhundert – boah, wie scheiße klingt das eigentlich… ) vergleiche, dann ist es ein Traum! Im besten Sinne des Wortes.

Tja, alles in allem muss man also schon gestehen, dass Baclofen schon in den ersten 3 Wochen positive Wirkungen gezeigt hat. Bei allen Nebenwirkungen, die ich als professioneller Selbstbeobachter intensiv beäuge und wohl größer mache, als erlaubt, darf man das Positive einfach nicht vergessen.

Das Einzige, was bei mir nicht ganz so passt, im Vergleich mit den Berichten derer, mit denen ich in Kontakt stehe, oder von denen ich gelesen habe, ist das mit dem schnellen Verschwinden der Nebenwirkungen und vor allem mit dem schnellen positiven Wirkungseintritt.
Hierzu habe aber auch gleich eine Theorie parat (wer hätte das vermutet!): das mit den Nebenwirkungen ist leicht erklärt – ich bin halt auch ein Hypochonder. Das mit dem nicht ganz so schnellen Wirkungseintritt? Tja, da denke ich an mehrere Komponenten: Die lange Zeit von nunmehr 25 Jahren konditioniert einen nicht unerheblich. Ich glaube, eine Änderung, die nachhaltig wirkt und auch IM KOPF ankommt ist nicht innerhalb von Tagen zu schaffen. Es könnte ein Prozess sein, bis ich wieder lerne, dass das eine oder andere gar keine Angst mehr auslöst. Und ich muss gestehen, dass ich mir z.Zt. noch schlichtweg nicht trauen würde, etwas wirklich zu ‘riskieren’. Und ich glaube, dass wird aber nötig sein. Doch ich glaube auch, ich darf mir hier ruhig etwas Zeit lassen. Hauptsache ich bin mit mir selbst nicht zu ungeduldig.

Die Tendenz ist die Richtige würde ich sagen. Und wenn das Meiste bei mir genauso ist, wie bei denen, die Erfolg mit Baclofen hatten, dann könnte bei mir ja auch das Erreichen einer bestimmten Dosis, den eigentlichen, positiven Fortschritt auslösen? Und da bin ich einfach noch nicht. Aber, wer weiss – wenn es noch ein, zwei Tage wieder gut läuft, dann steigere ich die Dosis weiter und wir werden dann feststellen, wie es mit den höheren Dosen funktioniert!

Tag 20 – the art of Angst…

Das Schöne an so einer Angststörung ist ja, dass man gemeinhin ‘weiß’, dass es sich um eingebildete Gefühle handelt und sie einem nichts anhaben kann. Es sei denn, man bekommt gerade so einen Angstschub. Und da liegt ja die Krux, dann fliegt einem das eben noch genutzte Gehirn direkt aus dem Hintern in die planetare Umlaufbahn und alles was man eben noch gewusst hat, ist urplötzlich verschwunden – auch das mit der Erkenntnis über die Gefährlichkeit eines Angstanfalls. Schon steht man als Erwachsener da und scheißt sich wegen etwas ins Hemd, was technisch nicht zum Erschrecken von normal entwickelten Drittklässlern reicht.

Ich bin ein großes Kerlchen und für gewöhnlich reicht auch meine laute Stimme, dass man einen gewissen Respekt vor mir zeigt. Wenn man dann noch meine langjährige Zeit in der Jugend als aktiven Kampfsportler hinzuzählt, kann man schon mal das Kopfschütteln bekommen, wie so einer sich soweit selbst eintinten kann, dass er fluchtartig ein Geschäft verlassen will, weil ‘es sich gerade so anfühlt’.

Das ist übrigens einer der wesentlichen Punkte in meiner Angststörung, mit der ich mich in all meinen Therapien immer ‘im Kreis’ gedreht habe: Gerade, wenn ich mal wieder gemeint habe, es geht bergauf und ich denke, dass ich mich eigentlich ganz wohl fühle, passiert wieder so ein besonders lächerlicher ‘Anfall’ und ich sitze danach kopfschüttelnd irgendwo rum und frage mich, wie es immer wieder dazu kommen kann, das ich offensichtlich der Einzige bin, der sich nicht ganz einfach entspannen kann und vielleicht sogar mal etwas interessiert oder erfreut an dem ist, was ihn gerade umgibt. So ein Geschäft kann auch interessant sein; da gibt es viele lustige Dinge für die man sich interessieren könnte. Hätte man nicht gerade ein Gefühl am Arsch, das einem mit dem Ende der Welt bedroht.

Aber es fühlt sich gleichzeitig lächerlich und doch so verdammt echt an. Wie etwas, was ganz klar NICHT eingebildet sein kann. Es fühlt sich genauso echt an, wie ein 2,5 kg Hammer, der einem aus der Hand auf die beiden kleinsten Zehen des rechten Fusses fällt. Da wurde auch jeder sagen: Wow schade um die beiden Zehen, die passten so gut zu dir. Aber bei der Angst schaut dich jeder an und sagt: Mensch ich verstehe das nicht. Man merkt dir das überhaupt nicht an (ganz klar mein Lieblingssatz…).

Und ja, ich glaube sogar, dass man mir das nicht mal ansieht, wenn man mich nicht genau kennt.

Heute, nach fast 3 Wochen, habe ich noch immer erhebliche Schwindelgefühle, die ich zu Hause zwar gut ignorieren kann, aber als wir heute Katzenfutter eingekauft hatten, gab es wieder eine Situation in einem wirklich gut bekannten Tierfuttergeschäft, bei der ich plötzlich das Buch, was mich eben noch sehr interessiert hatte, ins Regal schmeißen musste und schnell in Richtung Ausgang eierte, während sich alles um mich herum drehte. Da ich wenigstens manchmal noch daran denke in so einer Situation den Ablauf zu unterbrechen, weil es das beste ist, was man da machen kann, bin ich wenigstens nicht voll aus der Tür gestürmt ( oder vielleicht zur Krönung noch schön dämlich vor die gläserne Automatiktür gelaufen ;) )

Aber es ist schon frustrierend, wenn man diesen Schwindel stärker merkt als es einem lieb ist und er noch eine solche beängstigende Wirkung auf einen hat. Ich frage mich wirklich, ob und wann es denn aufhört.

Bei all der Skepsis bin ich nicht immer unzufrieden mit der Wirkung von baclofen. Aber mit fortschreitender Zeit macht es mir schon Sorgen, wann wird es denn deutlich besser werden? Nicht immer nur so kleine Mikroerfolge hier und da. Bin ich zu ungeduldig? Ich weiß es bald nicht mehr. Bei den ‘Anderen’, die erzählen wie gut Baclofen hilft, klingt das nie so, dass sie nach 3 Wochen noch so rumgeeiert haben wie ich :(.

Tag 18 – redlich ernährt sich das Eichhörnchen

Ich wollte eigentlich Abends keine Einträge mehr schreiben, da ich ganz klar sagen kann, dass ich Abends – nicht zuletzt durch die stärkeren Magenprobleme am Abend – irgendwie schlechter drauf bin als tagsüber. Es könnte also ohne weiteres sein, dass ich vielleicht eine klitzekleines bisschen zu unfair gegenüber Baclofen bin, wenn ich Abends nurnoch angefressen im Bett liege und gerne schlafen möchte, der Magen mich aber nicht lässt.

Tja, nun ist es aber schon wieder Abend geworden ;) Ich versuche mich also mal an den Tag zu erinnern. Heute war ich zum letzten Mal (wenigstens für diesen einen Zahn) beim Zahnarzt und von den anfänglichen Angstgefühlen bei der Hinfahrt mal abgesehen, war ich schon sehr gechilled beim Zahnarzt. Das lief sogar darauf hinaus, dass ich dem Mann fast eingeschlafen wäre auf dem Behandlungsstuhl. Ich war nicht betäubt oder sowas, sondern einfach so entspannt und auch im Bauch problemfrei, dass ich wohl ein wenig Schlaf von gestern nachholen wollte. Und wo kann man das besser als auf diesen wunderbar geformten Zahnarztstühlen? Das mit dem Bohrer wird gemeinhin stark überbewertet :)

Es gibt Leute mit denen ich in meinem Beruf zu tun habe, die gehen mir wesentlich mehr auf die Nerven. Da wurde mir doch heute vorgehalten, ich wäre einem Mitbewerber gegenüber ‘ausfallend’ geworden! Oho! Aber ganz ehrlich: ich habe nicht einmal ‘Arschloch’ oder sowas bösartiges zu dem gesagt. Vielleicht hätte ich nicht sagen sollen, dass ich ihm das ganze nochmal wie bei der Sendung mit der Maus erkläre… Aber ‘ausfallend’ – na, ich bitte doch – das ist ne Kindersendung. Was ist daran ausfallend? Nur weil es Erwachsene gibt, die davon auch mal eine Lektion brauchen? Der Zahnarztstuhl ist also im Grunde garnicht schlimm, wenn man nur die richtigen Vergleiche heranzieht.

Und bei all den Magenproblemen, die ich so mit mir herumtrage, kann man aber ganz klar sagen, dass es sehrwohl auch positive Wirkungen geben muss. Sonst würde ich kaum solche Erlebnisse beim Zahnarzt haben? Zugegeben ist der Zahnarzt ein langjährig bekannter, fast befreundeter Mann, aber weh tut er mir schon – in solchen Momenten ist es egal, wie nett er sonst ist.

Die Nebenwirkungen sind nun, am 2. Tag mit 3x10mg fast wieder so wie noch vor einigen Tagen, als ich schon länger auf 3x5mg war. Und ich bin mir (mal vom Magen abgesehen) ziemlich sicher, dass die restlichen Nebenwirkungen, wie der leichte Schwindel etc., auch tatsächlich ganz auf Null gehen können. Nur ein wenig Zeit ist wohl nötig.

Und wenn ich mir dann so überlege, dass die Nebenwirkungen verschwinden können, die Magenproblematik evtl. auch mit anderen Mitteln zu behandeln sind, dann gefällt mir das schon wieder ziemlich gut, für ’18′ Tage. Und ich glaube ja wirklich, dass ein nicht unwesentlicher Teil der psychischen Wirkung über den guten Schlaf zu erreichen ist. Und der ist ja leicht eingeschränkt, durch den Magen. Wenn also der Magen wieder auf seine Spur zurück kommt, dann habe ich gute Hoffnungen.

Ich weiß noch nicht, wie dann vielleicht spätere Fortschritte aussehen könnten, aber egal. Ich werde es feststellen, weil die Nebenwirkungen bisher nicht so schlimm sind, dass ich bald aufhören möchte. Wie schon gesagt eher im Gegenteil.

Ok, ich werde murrig und möchte es nicht ‘am Blog auslassen’. Ich werde einfach mal schauen, in wie weit mit Famotidin das ganze hier verbessert werden kann. Die Nacht wird es zeigen.

Tag 17 – die 73 Fragezeichen…

Der siebzehnte Tag ist schon eine ganze Menge. Finde ich jetzt einfach mal so. Zumal sich nicht wirklich viel tut – von den kaum erträglichen Magenschmerzen, die einfach nicht mehr weggehen wollen, mal abgesehen…..

Das Motilium hilft auch nur bedingt, was mich noch genervter werden lässt, um nicht zu sagen, dass es mir Angst macht (na klar, ich habe eine Angststörung…). Vor vielen Jahren hatte ich auch ständig diese Symptome der Magenschmerzen, oder eigentlich viel besser liesse es sich mit einem gigantisch aufgeblähten Bauch beschreiben. Der Schmerz ist nicht das Schlimmste; viel mehr diese mächtig aufgeblähte Bauch, der so garnicht verschwinden will und mich gefühlt am Atmen hindert. Was ich eigentlich sagen wollte: vor vielen Jahren hatte ich auch immer diesen tierisch aufgeblähten Bauch und bevor die Diagnose Helicobactor Pylorie kam, wurde ich mit Pepdul und Propulsin behandelt.

Propulsin ist im Grunde sowas wie Motilium: ein Mittel zur Steigerung der Darmtätigkeit, damit das Futter aus dem Magenn verschwindet und nicht rumnervt. Propulsin hat leider den einen oder anderen dahingerafft, so dass es kurz nach der Jahrtausendwende irgendwann vom Markt genommen wurde.
Was aber damals am meisten half, war Pepdul. Ein Histamin-H2 Blocker, der die Produktion von Magensäure unterdrückt. Mittlerweile gibt es Pepdul, bzw. dessen Wirkstoff Famotidin auch rezeptfrei, nur in einer etwas geringeren Dosis (Aber ich kann ja mehr nehmen ;) ).

Ich habe es sogar hier, muss aber sagen, dass es mir nicht wirklich passt, dass auch noch zu nehmen. Diese Chemicoctail-Fresserei macht mich als Angstfreak schon ein bisschen nervös. Wenn’s aber hilft? Das wäre gut, zumal ich bei dem tierisch aufgeblähten Bauch im stehen nicht mal meine Füsse sehen kann – und wer weiß, vielleicht sind die dreckig und ich sollte die mal waschen!?

Ach, und was ich am Rande ganz ‘vergessen’ habe: ich habe heute den ersten Tag 3x10mg genommen und – bis auf den Bauch – das Ganze auch ganz ordentlich vertragen. Der Schwindel wird weniger und meldet sich noch ein bisschen. Wenn ich nicht gleich wieder höher dosiere, dann geht das auch bestimmt bald wieder vorbei. Hoffe ich ;)

Tja, aber wenn ich das so betrachte: 17 Tage, 30mg und die Wirkung irgendwie noch im Bananenstadium. Da bin ich etwas angefressen.

Hatte Goldfinger nicht in einem Kommentar geschrieben er nimmt Bac genau einen Monat und ihm geht es richtig gut. Da treibt es Mr Pippi in die Augen und ich denke dann gleich wieder, dass sich daraus ableiten ließe, dass Baclofen deswegen wohl bei mir nicht hilft. Tja, mir wurde schon oft, dass man das nicht so annehmen darf, jedoch bin ich da wohl etwas anders gepolt.

Nun gut, ich werde nicht gleich aufhören. Aber das mit dem Magen muss ich noch in den Griff kriegen. Sonst geht es nicht weiter.

Tag 15 – warten um zu gehen?

Die gestrige Nacht war wieder sehr gut. Endlich, um erhlich zu sein. Mir wurde von Federico zwar gesagt, Baclofen würde dem Magen nicht zusetzen, aber – Federico ahnt es schon längst - ich bin mir da leider nicht sicher. Im alkohol-und-baclofen-forum.de finde ich auch verschiedene Bericht von Baclofen-Usern, die mit Ihrer Gastritis mehr zu tun haben, wenn sie Bac nehmen. Ob Baclofen das verursacht will ich ja garnicht meinen, aber ich denke es verstärkt die Magenprobleme bei denen, die eh damit zu tun haben. Der zeitliche Zusammenhang ist schon deutlich.

Das Ganze ist aber auch nicht kriegsentscheidend, denn ich werde einfach mit Motilium und Famotidin gegensteuern, dann wird das schon wieder. Seit gestern nehme ich ja wieder Motilium und die Nacht hat ja schon gezeigt, dass es besser wird.

Aber nun zu meinem Titel: heute kann ich sagen, dass ich kaum noch Nebenwirkungen merke. Also denke ich, dass ich vielleicht Morgen auf 3x10mg gehe. Die Nebenwirkungen schwinden, aber die Angst vor der Angst ist noch fast unvermindert da. Und natürlich frage ich mich, ob es irgendwann ‘klick’ macht, und ich dann spüre, das die Angst nicht kommen würde, wenn ich etwas mache, was ich schon lange vermeide? Oder MUSS ich erst losrennen, irgendwas machen, wovor ich bisher immer Angst hatte, Amir ich merke, da die Angst garnicht mehr ausbricht?
Was passiert aber, wenn ich etwas ausprobiere und dann bricht die Angst aus. Verstecke ich mich dann total und würde ich es dann nicht mehr mitbekommen, wenn es dann doch ginge? Ich bin vor zwei Tagen – als aber auch die Magenprobleme sehr stark waren, unter denen ich mich immer noch kleiner mache – in ein kleines Einkaufszentrum und wollte etwas Bargeld aus einem Automaten holen. Meine Frau wartete im Auto. Und für mich war es eine Tortour: Der scheiß Automat war besetzt und der Typ sah aus, also würde er bei einem Telespiel den Highscore knacken wollen und nicht wie jemand, der einfach nur Geld abheben will. Und es schien mir, es dauerte ewig, bis der Highscore geknackt war….
Während ich selbst auf mein Geld wartete (ich glaube ja manchmal, die drucken das Geld da drin….), drehte sich alles wie in ‘alten Zeiten’ und meine Blicke suchten den Ausgang, noch bevor ich wenigstens meine dämliche Karte aus dem Automaten raus hatte.

Tja, also dafür, dass das Tag 13 mit Baclofen war, ziemlich kacke. Und das frustriert mich nicht nur, sondern bringt halt immer wieder zu der Frage, welche Reihenfolge ist die richtige? Und wenn es nur über denn Weg des ausprobierens geht – wann geht es los? Ich habe nämlich keinen Bock mehr auf diese Geldautomatenerlebnisse. Klar, hab’ ich ja überlebt, aber nur weil ich weiß, ich überlebe das immer, macht es das Ganze nicht ein bisschen besser. Den Zahnarzt überlebt man im allgemeinen auch immer – und? Wer will sich das jeden Tag immer wieder reintun? Also nicht vergessen: ohne was davon zu lernen! (jeden Tag zum Zahnarzt dürfte die meisten nach einiger Zeit auch nicht mehr tangieren, soviel Zähne hat keiner ;) )
Denn da liegt ja wieder das Angsthasenproblem: zu wissen, dass es einen nicht umbringt, macht die Quälerei nicht wirklich besser, denn in den Momenten der Angst, weiß man davon schlicht nichts. In diesen Momenten fühlt man sich mit dem schlichten Tod bedroht.

Also, die Tipps mit ‘Hey, dann musst Du los, es ausprobieren!’ sind ganz toll, aber wenn ich das zwei, drei mal mache und jedes mal auf die Fresse bekomme, dann versuche ich es das vierte mal nicht mehr. Dannn gehe ich davon aus, Baclofen ist halt nichts für mich und aus die Maus. Genau deswegen, sitze ich also hier und warte ab, was passiert. Ich kenne Gefühle (z.B. von der raten Zeit Trevilor oder und ausreichender Dosis Alprazolam), die sind da, ohne das ich was ‘teste’ und ich weiß, wenn ich jetzt losgehen würde, passiert nichts. Alles wäre gut. Und genau auf das Gefühl warte ich eigentlich, habe aber mittlerweile ein wenig Angst, das Gefühl kommt nicht. Vieleicht ist das auch ein unrealistischer Punkt, auf so ein Gefühl zu warten, ohne ‘was tun zu wollen’. Ich weiß es nicht.

Bei vielen Erfahrungsberichten, von Leuten, die Baclofen gegen Ihre Ängste genommen haben, klang es für mich oft so, dass es tatsächlich irgendwann einfach Klick gemacht hat, und sie hatten keine Angst mehr. Und bei vielen nicht erst nach Wochen, sondern schon nach wenigen Tagen. Das klang für mich immer unrealistisch, aber dafür haben es zu viele geschrieben. Naja, und ich befürchte halt, da falle ich mal wieder aus dem Schema.

Nun gut, ich werde mal ein wenig schlafen und dann warten wir mal ab. Ich dosiere ja auch viel langsamer hoch, als die meisten, die ich oben gemeint habe. Also vielleicht ist das ja schon der Grund, warum es bei mir noch nicht losgegangen ist ;)

Tag 12 – ACHTUNG Hüttenkäse könnte gefährlich sein!

Hab’ ich Eure Aufmerksamkeit?! Na dann könntet Ihr zu den Phobikern gehören. Und die hören nicht nur die Flöhe husten, sondern lassen sich vor allem sehr gerne die negativen Sachen im Leben einreden. Da macht es nicht unbedingt einen Unterschied, ob die Angst gerechtfertigt ist. Im Gegenteil, selbst ganz offensichtliche Dinge, wie ‘Hüttenkäse sei sehr gefährlich’ sind zwar für jeden von uns absurd, jedoch bleibt für einen Angstpatienten (wenn die Angst etwas weitläufiger ist, als z.B. Nur vor Spinnen o.ä.) immer die gewisse Sorge, es könnte doch was dran sein. Und beim nächsten Hüttenkäse beginnt man damit, dass man Hüttenkäse ‘eigentlich nie wirklich mochte’…..

Warum ich davon anfange? Ich habe heute mit einem jungen Mann (huhu Steffen!) gechattet, der wie ich unter einer Angststörung leidet und gestern Abend mit Baclofen begonnen hat. Er hat sich die ganze Nacht um die Ohren geschlagen und heute am Nachmittag sprach er davon, dass ‘Baclofen jetzt reinhaut’. Das kann ich gut verstehen. Immerhin sucht er sicher genau wie ich nach irgendwelchen Wirkungen und Reaktionen. Ich glaube, dass wir Angstpatienten irgendwie gut dressiert sind uns das Leben schwerer zu machen, als es sein sollte. Wer also von Euch da draußen wegen Ängsten vor hat Baclofen zu nehmen, dem sei gesagt: natürlich ‘merken’ wir was, wenn wir nur gut genug hineinspüren. Aber es tut uns nichts und wir sollten nicht eine gute Option damit kaputt machen, dass wir nur lange genug nach einem Haken suchen.

So, und wie war der Tag? Ich glaube es ist bald an der Zeit für eine kleine Erhöhung der Dosis, denn die Nebenwirkungen sind wirklich nur noch marginal. Und das, obwohl ich ganz genau in mich hinein horche ;)

Wie gesagt, noch bin ich ohne weiteres in der Lage mir alles madig zu denken, aber ich hoffe das wird bald weniger. Ich glaube, das ich als trainierter Phobiker halt etwas länger brauche, bis sich richtig was tut. Es ist aber wohl kaum ein Wunder, dass es mir nicht schnell genug geht.