Elontril – Tag 5-8

Faszinierend. Ganz offensichtlich hat Elontril mehr als nur ein Gesicht. Am Tag 5 wollte ich eigentlich schon wieder aufhören, da ich ganz offensichtlich selbst bei einer 1/4 Tablette ganz wunderbar in den Genuss der Wiederaufnahmehemmung von Noradrenalin komme und sich meine Kapillargefässe auf’s feinste erweitern.
Ich hatte schon gedacht, mit platzt die Halsschlagader und das Pochern im Unterkiefer hört nie auf.

Tag 6 habe ich dann erstmal ‚aufgegeben‘. Ich wollte nicht riskieren, dass es noch schlimmer wird. Und das, obwohl ich zwischenzeitig – wenn meine Halsschlagader mal nicht platzen wollte – sogar einen ganz komischen Anflug von Entspannung verspürt hatte. Aber die negativen Gefühle überwiegten.

Am gleichen Tag rief ich den Arzt aus der ADHS-Ambulanz an, um ihn vollzujammern. Und ich meine, wir reden hier über eine 1/4 Tablette! Er war geduldig, wie ich ihn bisher kennengelernt habe. Er glaubte noch immer, dass Elontril ein gute Chance sei und meine Nebenwirkungen nicht unüblich für die erste Zeit wäre. Diese sollte ich durchhalten, um an die eigentliche Wirkung zu gelangen.
Entweder sollte ich versuchen mit noch kleineren Stückchen der Tablette zu arbeiten, oder auch jeden zweiten Tag ‚aussetzen‘ mit der Einnahme. Da habe ich mich gleich wieder für richtig schlau gehalten, denn genau das habe ich ja sozusagen gemacht 😉

Tag 6 war also mein Aussetzer-Tag und durch das Gespräch war ich erstmal wieder bei der Stange. Auch gingen die Nebenwirkungen am 6. Tag weiter zurück. Immerhin war es in der Nacht vom 5. zum 6. Tag so lästig, das ich kaum schlafen konnte. Bin schon ein mächtiges Weichei!

Am 7. Tag habe ich also wieder ganz brav meine Tablette geschnippelt und rein damit. Der ganze Tag war wenig auffällig. Der kleine Aussetzer schien sich gelohnt zu haben. Ob es an der längeren Einnahme lag, oder wirklich daran, dass ich einen Tag ausgesetzt hatte, war mir eigentlich auch egal. Bis in den Abend hinein hätte ich kaum sagen können, ob ich was genommen hatte, oder nicht.

Tag 8 wäre ja eigentlich wieder ein Aussetzer-Tag, aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht wieder meine eigene Suppe kochen würde. Ich dachte, „ach, nimmm den Scheiss, kannst ja sonst Morgen wieder aufhören, wenn’s zwickt“.
Und so hab‘ ich’s auch gemacht – schwupp rein damitl
Was soll ich sagen – der Tag war gut, fast ein bischen konzentrierter als sonst. Die Nebenwirkungen mit der leichten körperlichen Unruhe und dem fühlen des Pulses im Hals, Kopf und den Armen waren zu spüren, aber irgendwie hat es mich nicht ganz aus der Bahn geworfen. So weit so gut.

Gegen späten Nachmittag wurde es dann deutlich anders, ich begann mich ‚aufgeräumter‘ zu fühlen. Ich kann es schlecht erklären, aber ein Gefühl, dass ich kenne, wenn ich auch physikalisch aufgeräumt habe und man dann denkt, ‚So, alles schön sauber, organisiert. Jetzt hast Du die Arbeit abgeschlossen, kannst Dich entspannen!‘.
Ich kann es schlecht beschreiben, aber da ich sonst auch an sehr produktiven Tagen Abends das Gefühl habe nichts geschafft zu haben und mich bis zum Einschlafen ‚unsortiert/unruhig‘ fühle, ist das was tolles.
Auch die Konzentration wuchs deutlich über jegliches negatives Gefühl hinaus. Ich will nicht zu laut Hurra rufen, aber wenn dieses Gesamtgefühl aus diesen zwarten Babyschuhen hinauswächst, könnte es zum ausgewachsenen Trevilorgefühl werden…..

Noch ist es natürlich vielzu früh zu solchen Äusserungen, aber es gab am Abend – auch beim Einkauf – wirklich Momente, in denen ich an die Trevilor-Zeit denken musste. Immer mit dem Blick auf die latent vorhandene Nebenwirkungen, aber immerhin.

Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich Morgen wieder eine 1/4 nehme oder aussetze, denn die letzten ein, zwei Stunden merke ich, wie die Entspannung weniger deutlich wird und der Puls im Unterkiefer und Hals dafür stärker. En wenig zicken will mein Körper also noch. Aber egal, ich bekomme den Eindruck, ich könnte mich mit dieser Methode weiter durchfummeln – dann dauert es halt langer, bis ich die Dosis steigere, um dann vielleicht auch erst das wirkliche Ausmaß der positiven Wirkung zu erhalten. Wenn ich so überlege, wie lange ich mit Baclofen gebraucht habe, um mich hochzudosieren, dann bin ich also in meinem ganz normalen Rhythmus für Angsthasen, die Ihren Körper zu genau beobachten.

So, dann werde ich aber mal versuchen die restliche Entspannung mehr zu bewerten als die Nebenwirkungen hier und mal in die Heia gehen.

LG Petrocelli