Adieu Elontril – Hallo Ritalin…..

Tja, wenn das mal kein abgelutschter Titel ist 😉

Ok, wie für jeden zu sehen ist, schwächel ich ganz deutlich auch in meiner Schreiblust. Oder vielleicht besser in meinem Antrieb wenigstens hier am Ball zu bleiben. Ich mache das nicht nur, um anderen etwas zu schreiben, was sie nicht lesen wollen, sondern ja auch, um mir selbst etwas ‚mitzuteilen‘, mir einfach auch was von der Seele zu schreiben.

Die letzten Wochen und Tage waren halt besonders frustrierend. Mal wieder stelle ich fest, dass mir offensichtlich ’nicht zu helfen‘ ist. Am Ende muss ICH etwas ändern? An MIR? An dieser Stelle wird es für alle klar, nur für mich nicht. Jeder sagt mir: ‚Hey, reiss Dich doch mal zusammen! Da musst Du auch WIRKLICH anpacken wollen! Geh‘ doch mal nen Risiko ein!‘ – Naja,  gutgemeinte Schulterklopfer wie diese halt. Und ganz ehrlich? Ich glaube jeder von denen hat Recht. Es liegt ’nur‘ an mir.

Ich meine, es ist ja nicht so, als würde ich das nicht sehen. Und genau das macht mir ja diese Sorgen, die mich dann noch immer weiter runterziehen. Naja – und dann werde ich halt schreibfaul. Ich  bin einfach nur froh, wenn der scheiss Tag vorbei ist. Bitte ein bischen doofen Fernsehen und dann schlafen. Der nächste Scheisstag kommt schon in wenigen Stunden – will garnicht wissen, wovor ich dann wieder Angst haben werde.

Elontril hat hier leider nichts gebracht. Hmm, ne, das wäre gemein, für alle die Elontril versuchen wollen. Ich formuliere das anders: Elontril hatte zwei ‚Richtungen‘, die es bei mir deutlich verändert hatte:

1) Im Kopf gab es wirklich positive Veränderungen. Teilweise eine deutliche Ruhe und vor allem eine bessere Konzentrationsfähigkeit. Dabei darf man in keinem Fall vergessen, wie WENIG ich davon genommen habe. Ich glaube also wirklich, da ist eine sehr positive Wirkung in dem Zeug! Sicher einen Versuch wert, für alle die ADHS-Tendenzen haben.

2) Körperlich war es ein echter Kackvogel. Diese Wirkung auf den Pulsschlag hat mir unglaublich aufgewühlt. Ich weiss nicht, ob ich das nicht ausgehalten habe, weil ich so’n Angsthase bin, oder ob auch ’normale‘ auf diese Symptome reagiert hätten. Wer schon mal eine wunderbare Nebenhöhlenentzündung hatte und dann versucht hat, etwas vom Fussboden aufzuheben, der kennt das pochende Gefühl im Kopf unter den Augen und der Stirn. Das stelle man sich für Hals und Unterkiefer vor. Und man braucht sich nicht mal bücken….

Sicher ist es nicht gefährlich. Klar. Ist auch die Angst nicht. Trotzdem glaube ich jedes mal, ich muss sterben. Das macht es weniger witzig. Vor allem, wenn man trotz aller wiedersprüchlichen Gefühle eigentlich weiß, dass dies alles ein Trugschluss ist. Nur fühlt es sich körperlich so überzeugend an, dass alle Theorie völlig unecht daherkommt.

Um diese Symptome, die nun auch nach ca. 3 Wochen nicht abhauen wollten, mit dem Doc aus der Ambulanz zu besprechen, hatte ich mir für heute einen Termin geholt. Den brauchte ich umso dringender, da ich zu meiner persönlichen Belustigung vorgestern zusätzlich eine ausgewachsene Nesselsucht bekommen hatte. Nach der ersten Nacht, wunderte ich mich noch darüber, dass es im März schon wieder Mücken in unserem Schlafzimmer geben sollte, aber als es gestern Abend dann richtig losging und ich den Quaddeln zuschauen konnte, machte ich mich richtig fertig. Nicht, dass ich Angst vor Quaddeln hätte, aber ich bin ja Profi: Wenn sowas in so einer Geschwindigkeit daherkommt, kriege ich ja gleich wieder Sorgen, als nächsten schwillt mir der Hals zu. Naja. So gegen 1:00h nachts viel mir ein, dass wir noch irgendwo so ein Antihistaminika haben – Lorano. Und freundlicher Weise schlug das auch wirklich an. Gegen 3:00h konnte ich mich langsam entspannen und bin dann wohl auch eingepennt.

Bis jetzt – toitoitoi – sieht man nur die ‚Überreste‘ der Quaddeln, aber es ist nichts richtig nachgekommen. Das Zeug soll ja auch ~24h anhalten. Gleich nehme ich die nächste um das ganze mal für ein paar Tage zu beruhigen, dann sollte es wieder gehen. Seit meiner Kindheit hatte ich sowas über die Jahre immer wieder – vor allem, wenn ich psychisch oder z.B. mit einer Grippe sowieso schon voll im Arsch war. Den Letzten ficken die Hunde – oder sowas….

Gut, wo war ich? Achja, der Termin bei der Ambulanz. Da habe ich dem Doc also mein Leid geklagt (heute war es der andere von den beiden, die in meinem ersten Termin mit mir gesprochen hatten) und gemeinsam betrachteten wir die Liste der lustigem Medikamente, die ich über die Jahre so eingenommen habe. Ich hatte eine Liste aller Medikamente gemacht an die ich mich erinnern konnte und notiert wie die jeweils für mich gewirkt hatten. Klare Gewinner waren Trevilor und Cymbalta – deswegen war mein himlicher Tipp nun auch ‚Strattera‘ – ein Noradrenalinwiederaufnahmehemmer, der auch für ADHS mit Komorbidität Ängste gegeben wird. Unterliegt auch nicht dem BTM und wäre deshalb leicht zu verschreiben.

Jedoch hatte ich mich (ausnahmsweise) tatsächlich zurückgehalten, da ich auch noch ziemlich geknickt von der Nacht war und irgendwie keinen Bock auf garnichts hatte. Wollte mal wieder mit mir und all dem Scheiss abschliessen. Dann wuselte er sich durch die Unterlagen, die man während der ADHS-Testung gesammelt hatte und den Notizen, die bisher gemacht wurden und der Medikamentenliste. Dann sagte er plötzlich, er glaube im Grunde – ohne genauer die Ergebnisse der ADHS-Testung zu betrachten (hier habe ich am 1.4. einen Termin für die ausführliche Besprechung des Ergebnisses), dass wohl MPH (Methylphenidat, also Ritalin) bei allem was er so sieht wohl das beste Mittel sein könnte. Nach all den Therapien (stimmt, die hatten wir auch aufgelistet 😉 ), Medikamenten und der langen Zeit glaube er auf Grund des zusätzlichen ADHS-‚Eindrucks‘, den er von mir hat, dass es sehrwohl sein könnte, dass ich ein ADHSler bin und die Angststörung letztendlich das Ergebnis der Hyperaktivität ist. Dafür würde auch sprechen, dass ich schlicht therapieresistent erscheine.

Als ich dann auf ‚Strattera‘ kam – als Alternative – wurde er deutlicher und sagte, dass MPH schlicht das Mittel der ersten Wahl für ADHS ist und er es deswegen vorziehen würden. Man sollte sich dann die Zeit nehmen zu beobachten, wie es anschlägt und wie sich die Angst dann entwickelt. Er meinte, wenn es ein Erfolg ist – ich also auf MPH anspreche – dann auch eine ‚richtige‘ Angsttherapie möglich sei. Diese dann überhaupt erst anschlägt.

Im Grunde hat er mir bzgl. ADHS zwei Dinge gesagt: a) Sie haben ADHS – da verwette ich meinen Arsch drauf! b) Am nächsten Freitag haben wir ja einen Termin für das Ergebnis der ADHS-Testung. Dann sagen wir Ihnen, ob sie ADHS haben….

Ganz klar – den Mann finde ich cool 😉 Aber mal im Ernst, ja ich verstehe das – die wollen da die Regeln einhalten. Denn witzig war, ich habe zwischendrin ja ’natürlich‘ auch gefragt: „Wie ist denn das? Ihre Kollegin sagte, die Ergebnisse sind fertig. Habe ich denn jetzt ADHS?“ Die Antwort war ein: „Ähm, ja ne, also das kann ich nicht so einfach sagen, das ist schon etwas umfangreicher….Das machen wird dann ja nächste Woche.“

Ahja… Klar.

Jedenfalls gefällt mir der Mann ungemein. Er bringt ganz offensichtlich eine Menge Background für Heinis wie mir mit und ist dennoch offen für neue Ansätze. Wollte sich z.B. erkundigen, ob Strattera – mit dem er selbst nicht soviel Erfahrung gemacht hat – vielleicht bei Komorbiditäten wie Ängste vielleicht sogar ‚passender‘ ist, als MPH. Denn das hatte der überschlaue Petrocelli irgendwo gelesen und musste es natürlich mit einbringen 😉

Er lässt sich also von so einem Schlaupinsel wie mir nicht aus der Ruhe bringen. Das gibt mir wiederum das Gefühl, ich bin vielleicht wirklich an der richtigen Adresse.

Ihr habt keinen blassen Schimmer, wie ich mir den nächsten Freitag herbei sehne, um endlich den nächsten Schritt zu machen. Ich weiß, dass ich immer wieder nach ‚Strohhalmen‘ suche. Aber nach all den Jahren bin ich mir über zwei Dinge immer mehr im klaren: a) ich beweise jeden Tag, dass ich es ‚alleine‘ nicht schaffe, und b) das da einfach noch ‚irgendwas‘ mit mir ist, was  nicht ‚einfach‘ nur Angst ist.

Ich weiß, dass gerade der zweiten Teil wohl von den meisten Angsterkrankten beansprucht wird – aber um den Wahnsinn zu komplettieren: bei mir stimmt es :p

Wie sieht die Alternative aus? Ich würde aufgeben. Denn die oben zitierten und sicher gut gemeinten Ratschläge kann ich einfach nicht ohne eine Veränderung des innerlich Gefühlten nicht umsetzen. Jedenfalls fühlt es sich so an. Es steht im Gegensatz zu dem, was man an tausend Stellen lesen kann. Nur ich kann es nicht in mir entdecken. Dort entdecke ich etwas, von dem ich hoffe es bald benennen zu können. Ansonsten wird dieser Blog noch viele Jahre bestehen.

Ich wünsch‘ Euch nen schönen Abend. Spätestens am 1.4. gibt’s nen nächsten Eintrag – und sicher werde ich auch den einen oder anderen dämlichen Aprilscherz bringen 🙂

LG Petrocelli

Elontril – Tag 5-8

Faszinierend. Ganz offensichtlich hat Elontril mehr als nur ein Gesicht. Am Tag 5 wollte ich eigentlich schon wieder aufhören, da ich ganz offensichtlich selbst bei einer 1/4 Tablette ganz wunderbar in den Genuss der Wiederaufnahmehemmung von Noradrenalin komme und sich meine Kapillargefässe auf’s feinste erweitern.
Ich hatte schon gedacht, mit platzt die Halsschlagader und das Pochern im Unterkiefer hört nie auf.

Tag 6 habe ich dann erstmal ‚aufgegeben‘. Ich wollte nicht riskieren, dass es noch schlimmer wird. Und das, obwohl ich zwischenzeitig – wenn meine Halsschlagader mal nicht platzen wollte – sogar einen ganz komischen Anflug von Entspannung verspürt hatte. Aber die negativen Gefühle überwiegten.

Am gleichen Tag rief ich den Arzt aus der ADHS-Ambulanz an, um ihn vollzujammern. Und ich meine, wir reden hier über eine 1/4 Tablette! Er war geduldig, wie ich ihn bisher kennengelernt habe. Er glaubte noch immer, dass Elontril ein gute Chance sei und meine Nebenwirkungen nicht unüblich für die erste Zeit wäre. Diese sollte ich durchhalten, um an die eigentliche Wirkung zu gelangen.
Entweder sollte ich versuchen mit noch kleineren Stückchen der Tablette zu arbeiten, oder auch jeden zweiten Tag ‚aussetzen‘ mit der Einnahme. Da habe ich mich gleich wieder für richtig schlau gehalten, denn genau das habe ich ja sozusagen gemacht 😉

Tag 6 war also mein Aussetzer-Tag und durch das Gespräch war ich erstmal wieder bei der Stange. Auch gingen die Nebenwirkungen am 6. Tag weiter zurück. Immerhin war es in der Nacht vom 5. zum 6. Tag so lästig, das ich kaum schlafen konnte. Bin schon ein mächtiges Weichei!

Am 7. Tag habe ich also wieder ganz brav meine Tablette geschnippelt und rein damit. Der ganze Tag war wenig auffällig. Der kleine Aussetzer schien sich gelohnt zu haben. Ob es an der längeren Einnahme lag, oder wirklich daran, dass ich einen Tag ausgesetzt hatte, war mir eigentlich auch egal. Bis in den Abend hinein hätte ich kaum sagen können, ob ich was genommen hatte, oder nicht.

Tag 8 wäre ja eigentlich wieder ein Aussetzer-Tag, aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht wieder meine eigene Suppe kochen würde. Ich dachte, „ach, nimmm den Scheiss, kannst ja sonst Morgen wieder aufhören, wenn’s zwickt“.
Und so hab‘ ich’s auch gemacht – schwupp rein damitl
Was soll ich sagen – der Tag war gut, fast ein bischen konzentrierter als sonst. Die Nebenwirkungen mit der leichten körperlichen Unruhe und dem fühlen des Pulses im Hals, Kopf und den Armen waren zu spüren, aber irgendwie hat es mich nicht ganz aus der Bahn geworfen. So weit so gut.

Gegen späten Nachmittag wurde es dann deutlich anders, ich begann mich ‚aufgeräumter‘ zu fühlen. Ich kann es schlecht erklären, aber ein Gefühl, dass ich kenne, wenn ich auch physikalisch aufgeräumt habe und man dann denkt, ‚So, alles schön sauber, organisiert. Jetzt hast Du die Arbeit abgeschlossen, kannst Dich entspannen!‘.
Ich kann es schlecht beschreiben, aber da ich sonst auch an sehr produktiven Tagen Abends das Gefühl habe nichts geschafft zu haben und mich bis zum Einschlafen ‚unsortiert/unruhig‘ fühle, ist das was tolles.
Auch die Konzentration wuchs deutlich über jegliches negatives Gefühl hinaus. Ich will nicht zu laut Hurra rufen, aber wenn dieses Gesamtgefühl aus diesen zwarten Babyschuhen hinauswächst, könnte es zum ausgewachsenen Trevilorgefühl werden…..

Noch ist es natürlich vielzu früh zu solchen Äusserungen, aber es gab am Abend – auch beim Einkauf – wirklich Momente, in denen ich an die Trevilor-Zeit denken musste. Immer mit dem Blick auf die latent vorhandene Nebenwirkungen, aber immerhin.

Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich Morgen wieder eine 1/4 nehme oder aussetze, denn die letzten ein, zwei Stunden merke ich, wie die Entspannung weniger deutlich wird und der Puls im Unterkiefer und Hals dafür stärker. En wenig zicken will mein Körper also noch. Aber egal, ich bekomme den Eindruck, ich könnte mich mit dieser Methode weiter durchfummeln – dann dauert es halt langer, bis ich die Dosis steigere, um dann vielleicht auch erst das wirkliche Ausmaß der positiven Wirkung zu erhalten. Wenn ich so überlege, wie lange ich mit Baclofen gebraucht habe, um mich hochzudosieren, dann bin ich also in meinem ganz normalen Rhythmus für Angsthasen, die Ihren Körper zu genau beobachten.

So, dann werde ich aber mal versuchen die restliche Entspannung mehr zu bewerten als die Nebenwirkungen hier und mal in die Heia gehen.

LG Petrocelli

Elontril – Tag 1 bis 4

So.

Wer mir beim Twitter folgt, hat bereits gesehen, dass ich am Donnerstag tatsächlich die erste (viertel) Elontril genommen habe. „Oho“, werden jetzt alle schreien, „eine VIERTEL Tablette, wow – wie konnte er die auf einmal in dem Mund nehmen; ist doch viel zu viel…..“

Ja, lästert nur. Aber Angsthasen wie ich hören vor allem die inneren Flöhe husten. Da muss man halt kleine anfangen, um wenigstens anzufangen. Aber ich denke, die meisten, die das hier lesen wissen das ja 😉

Im großen ganzen kann ich sagen, dass ich schon eine Wirkung verspüre – noch nichts Umwerfendes, aber wenn dann zwei Dinge: a) eine angenehme Ruhe, die sich zeitweise einschleicht und als NW b) ein Gefühl, dass sich wie eine zu starke Herzleistung, vielleicht Bluthochdruck anfühlt. Das Herz gibt einen leichten Schmerz von sich und man hat das Gefühl die Halsschlagadern und anderen Blutgefässe im Kopf zu spüren. So in der Art.

Der nette Doc in der ADHS-Ambulanz sagte ja bereits, als Nebenwirkung könnte ich zu Beginn eine leichte Unruhe spüren – wobei er seine Hände nach vorne hielt und ein flattern demonstrierte. Als er es gemacht hatte, dachte ich irgendwie: ‚Ähm, ja. Wenn das da Angst darstellen sollte (so war mein erster Eindruck), dann würde ich doch lieber was anderes bekommen…..‘

Heute vermute ich also, dass er das damit meinte. Denn es fühlt sich schon etwas ‚ausfühlend‘ an. Da er aber meinte, es würde nur in den ersten Tagen so sein, gehe ich mal davon aus, dass ich es irgendwann hinter mir habe. Da ich aber einschleiche, tippe ich darauf, dass es etwas länger dauert als nur ne Woche. Tja, die Feiglinge kriegen immer einen etwas stärkeren Tritt in den Arsch.

Ich habe den 2., 3. und 4. Tag zwischendrinn immer wieder kleine Notizen gemacht. Die werde ich hier gleich mal reinschreiben. Der Erste Tag war fast ’normal‘, nur dass ich irgendwie etwas agiler und konzentrierter war. Heute würde ich behaupten, dass hatte garnix mit Elontril zu tun. Ich war halt aufgeregt und hatte gleichzeitig viel um die Ohren. Jedenfalls hatte ich am ersten Tag nicht dieses Gefühl bzgl. Herz/Halsschlagader.

2. Tag
8:30h 1/4 eingenommen
9:15h Unruhe leichte Angst – DAS MUSS EINBILDUNG sein; viel zu früh
10:10h bin viel ruhiger, evtl. auch ruhiger als sonst.
11:00h noch immer ruhig. Evtl. ein bisschen klarer im Kopf.
12:20h Trotz Disput mit einem Handwerker erstaunlich ruhig und gefasst. Konnte klar sagen was ich will, ohne dass mir die Halsschlagader geplatzt ist.
13:00h Jetzt etwas unruhiger, als hätte ich nen zu hohen Blutdruck.
13:30h wird wieder besser. Bin etwas rumgelaufen, ich denke, ich darf dann nicht rumsitzen!
14:30h ziemlich ruhig, minimales Kribbeln nachdem ich suchen muss. Die Mittags-Baclofen fehlt, nehm‘ ich gleich mal.
17:00h wurde wieder besser mit dem Kribbeln nach der Baclofen, jetzt wieder etwas zittern in den Händen. Gut auszuhalten, leg mich mal auf die Couch. Ich vermute, die meisten Symptome kommen nicht vom Elontril – ausser vielleicht die Entspannung beim Spiegelmaximum so gegen 10:00h. Der Rest ist ja wie sonst, wenn man es richtig vergleicht.

3. Tag
Direkt nach dem Wachwerden/Aufstehen war ich irgendwie ruhiger. 
8:30h 1/4 eingenommen
9:25h alles normal, gestern war definitiv Einbildung. Ich habe zwar jetzt auch die ‚übliche‘ Erwartungshaltung, aber schauen wir mal.
10.10h Ruhig, aber mit leichten Muskelschmerzen. Die kommen ja aber wohl vom Baclofen. Ansonsten beobachte ich mich wie doof.
10:40h Streit mit mein Frau gehabt, aber jetzt, nach 10 Minuten schon wieder entspannt. Also, wenn Elontril eine Wirkung hat, dann keine die mich stark erregt – das ist meine Erwartung und meine ’normale‘ Unruhe. 
16:50h ich bin im Verlauf des Nachmittags immer ruhiger geworden. Heute hatte ich mittags mein Baclofen pünktlich genommen. Mache mir etwas Gedanken wegen dem Treffen (bei Freunden) heute Abend, aber gleichzeitig weiß ich, dass ich das schaffen werde. Am Ende wird es mir wieder gefallen, etwas unternommen zu haben. 
01:00h So war es auch. Auf der Hinfahrt hatte ich mich noch verrückt gemacht, nach 15 Minuten dort wurde ich ruhiger und ab dann war es nur noch nett und entspannt. Jetzt hundemüde.

4. Tag
Total entspannt und körperlich ruhig aufgewacht.
9:35h gute Viertel Elontril eingenommen.
11:00h unter der Dusche etwas unruhig. Wieder ein Gefühl von Bluthochdruck am Herz und in der Halsschlagader. Im Kopf ruhiger als sonst.
12:00h-13:00h das körperliche Unruhegefühl bleibt. Im Kopf angenehm. 
16:00h Muss mich hinlegen nach Spaziergang mit unserem Hund. Wieder das ‚Blutdruckgefühl‘.
18:00h Elegant zwei Stunden gepennt. Einfach so flups….
21.00h Der Abend war ruhig, leichtes ‚Bluthochdruckgefühl‘. Aber ich achte auch darauf. Gegen acht ist mir aufgefallen, dass ich Hunger hatte, musste dann auch was Essen, bevor der Magen rumzickt. Dann war aber gleich wieder gut.

Tja, soweit mein ‚Update‘ zum Thema Elontril. Morgen werde ich den Doc nochmal anrufen, ob das mit dem ‚Bluthochdruckgefühl‘ (ganz tolles Wort – bringt jeden Facharzt bestimmt zur Weißglut :p ) was mit Elontril zu tun hat und wann es wohl verschwindet. Dann sollte mal aber wohl mal auf eine 1/2 Tablette upgraden – ist sonst ja vielleicht doch alles nur eingebilde – positiv, wie negativ. Davon abgesehen, ist auch die ‚positive‘ Wirkung, die ich mir so hersuche noch lange nicht das, was ich bräuchte um von einer Verbesserung der Angst zu sprechen. Aber es ist ja wirklich nur eine 1/4 Tablette und auch der Plasmaspiegel braucht mind. ne Woche um bei Elontril voll da zu sein. Also noch genug Spielraum für eine Verbesserung.

LG Petrocelli

Termine, Termine, Termine….

Tja, so eine Kinderkrankheit ist schon aufregend. Und wenn man festellen will, ob ein Erwachsener so eine tolle Kinderkrankheit hat, dann bedeutet das eine Menge Fragen und noch mehr Antworten.

Ich hatte mittlerweile auch den zweiten ADHS-Testtag (gestern), so dass nun eine Auswertung in der Ambulanz stattfinden wird, deren Ergebnis wohl bis zum Ende März zu erwarten ist. Dann soll es noch ein ‚Abschlussgespräch‘ geben in dem auch die Diagnose besprochen wird. Ob es hier dann auch eine folgende (medikamentöse) Therapie geben wird, weiß ich nicht. In jedem Fall ist die Diagnose ja die Voraussetzung für eine ADHS Therapie.

Wie auch immer, da ich jedenfalls besonders in letzter Zeit voll im Arsch bin (ich bin ja so froh, dass ich das in meinem eigenen Blog so sagen darf…), hatte ich mir für heute einen ‚Extra-Termin‘ geben lassen, um mit dem Psychiater aus der Ambulanz zu besprechen, ob ich nicht ‚irgendwas‘ nehmen könnte, um wieder vorwärts zu kommen.

Wir haben eine runde halbe Stunde (naja, eigentlich waren es wohl eher 45 Minuten – der Mann war echt geduldig!) gesprochen und das Thema ‚Elontril‘ kam wieder ins Gespräch. Er war (bis jetzt – mal sehen, wie das so Morgen früh ist) auch in der Lage mir weitestgehend die Sorgen zu nehmen, dass mich Elontril gleich umbringen wird. Er sagte, dass er wohl gute und im Vergleich zu Trevilor auch eher nebenwirkungsärmere Erfahrungen mit Elontril gemacht hat.

Das wollte ich ihm auch glauben, denn ich weiß es geht nicht wirklich viel mehr in diese Richtung. Meine Frau geht auch am Stock und es ist für keinen mehr witzig hier. Da muss wohl ein bisschen Risiko her.

Auf Grund meiner Sorgen um die Nebenwirkung sagte er sofort, ich solle dann einfach eine ‚Halbe‘ nehmen. Uiiih, das rief  sofort mein Erinnerungsvermögen (was in solchen Fällen erstaunlicher Weise perfekt funktioniert!) auf den Plan und ich betete den fettgedruckten Hinweis aus dem Beipackzettel vor, der lautete, dass in KEINEM FALL eine solche Tablette geteilt werden darf!

Er nahm es zur Kenntnis und sagte, dass er das schon vielen Patienten so gesagt hat und diese das auch so gemacht haben 😉 Jooooohooo. Mein Lieber! Das ist ja eigentlich ein gefundenes Fressen für den Petrocelli hier! Das KANN ich ja garnicht mitmachen!

Aber gut. Sind wir mal ehrlich, ich habe hier eine Chance und ich dödel hier schon eine ganze Weile damit rum. Wenn ich noch lange warte ist auch noch das Haltbarkeitsdatum abgelaufen 😉 Ich denke, ich werde das Morgen einfach machen. Ich suche mir ein scharfes Messer, viertel den Scheiss und rein damit.

Das ‚einzige‘ richtige Risiko ist das erhöhte Risiko zur Krampfneigung – und damit ist (ich habe gaaanz oft nachgefragt) nicht die Neigung zu Wadenkrämpfen oder meinem Angstgezitter gemeint, sondern schlicht Epilepsie. Und das ist ja ne richtige Krankheit – sowas habe ich nicht 😉

Also werde ich so eine Vierteltablette ja wohl überlegen und kann schon mal schauen, wie und ob sich das anfühlt. Ich glaube soviel Eier sollte ich schon in der Hose haben, wenn ich noch irgendwann mal aus diesem Schlamassel raus will. Das mit der Galenik und dem Teilen der Tablette hat mich aber schon verwirrt, so dass ich schon am Überlegen bin, ob ich nicht einfach die ganze Tablette reinhauen soll und fertig. Er sagte aber schon, dass es (wor allem) am Anfang zu einer gewissen Agitierung kommen kann und das war ja auch der Grund (um mir alle Sorgen zu nehmen) für die Ansage mit der Aufteilung der Tablette. Nun gut, da es schon andere gemacht haben….

Ohh – ich habe eine ‚Idee‘, warum die nicht geteilt werden darf: Wenn man die teilt oder zerbröselt (vielleicht um die leichter einzunehmen), um dann doch die ganze Menge zu nehmen, DANN ist das mit der Wirkstoffmenge/Zeit nicht mehr so dolle und es könnte zu einem zu starken Plasmaanstieg kommen?! JO, das nehme ich mir mal so als Spackentheorie hin, damit ich mir das traue. Ich bin schon doll 😉

Ok, papperlapiep. Wir werden sehen, ob ich morgen vollzug melden kann. Das wird nen spannendes Ding. Wahrscheinlich passiert garnichts und mit Glück rede ich mir auch nix schlimmes ein. Dann wird alles gut und ich kann mal in einigen Tagen schauen, ob sich dann eine echte Wirkung einstellt. Da wird es dann interessant, was es macht. Trevilor, die zweite? Ich meine bzgl. der damaligen positiven Wirkung, dass wäre das ja der Traum schlechthin. Ich werde sehen.

LG Petrocelli

ADHS und andere Kinderkrankheiten

Sooo – ich hatte ja schon ‚angedroht‘, dass ich nicht ohne weiteres locker lasse 😉

Heute war also mein erster (und wichtigster?) Termin zur ADHS-Diagnose bei Erwachsenen. Wieso das so explizit (nicht nur hier) genannt wird? Tja, es gibt tatsächlich Ärzte, die meinen das es sich um eine Kinderkrankheit handelt, die auswächst, verblasst oder mit dem ersten Sex explodiert und in die weiten des Alls katapultiert wird. Nun gut. Manchmal ist es sinnvoll sich eine Erklärung für etwas zu suchen, sei sie noch so abwägig. Und wer trotz Unwissen eine Erklärung braucht, der greift gerne zur Ignoranz bevor er sein Unwissen zugibt.

Wie auch immer. Also nur mal angenommen, das ADHS nicht einfach so ‚verschwindet‘, dann darf man evtl. mal nach Verbindungen schauen. Und wenn ich das tue (natürlich tue ich das), dann finde ich Depression und Angst als die häufigsten Komorbiditäten bei ADHS. Macht irgendwie auch Sinn, wenn man sich das mal so überlegt: Einer der ständig unter Strom steht, auf Tischen tanzt (ich hatte für gewöhnlich einen Regenschirm dabei, weil es interessanter aussah…) und Dinge machen muss, die anderen nur ein Kopfschütteln entlockt, der hat ein Problem damit, wenn es irgendwann nicht mehr ‚altersgerecht‘ entschuldigt werden kann. Ich für meinen Teil war immer der extrem hyperaktive Typ. Irgendwann schickte es sich aber nicht mehr so zu sein. COOOOL musste man sein (allein wegen den Mädels). Und dieses innere Gefühl, dass mich ständig antrieb, wollte aber nicht aufhören.

Meine ‚Theorie‘ wäre hierzu: irgendwo muss das hin. Und gibst Du keinen Raum, dann  holt es sich seinen Raum. Und so eine Angstattacke ist gross genug für einen Sack voll Energie. Ich meine die wirklich großen Säcke.

Nun gut. Kommen wir doch zu dem Termin, den ich heute hatte. Also die Herrschaften dort sind tatsächlich auf ADHS bei Erwachsenen spezialisiert. Sozusagen eine Ambulanz für Masern oder Mumps bei Erwachsenen ;). Ich war jedenfalls schon aufgedreht wie ein Hühnchen kurz vorm Eierlegen. Die letzten zwei Tage war ich nicht zu gebrauchen. Ich meine, da fährt nen Bekloppter in die Klapse und hat trotzdem noch Angst. An welchem Ort der Welt ist ein Angstler besser aufgehoben als in einer psychatrischen Klinik? Nun gut – meine Erklärung für sowas habe ich ja immer dabei: ich bin nicht ganz richtig im Kopf..

Während des Termins wurde im Grunde alles abgefrühstückt, was so zu meiner Historie gehört. Ich hatte sogar auf Wunsch Zeugnisse aus der ersten und zweiten Klasse mit. Mein liebstes ist der Kommentar meiner Lehrerin in der zweiten Klasse ‚Petrocelli kann sehr aufmerksam sein, wenn ihn etwas interessiert. Dann formuliert er auch sehr geflissentlich!‘ Tja – da stand aber nichts darüber, was ich so mache, wenn es mich NICHT interessiert….

Im Gespräch wurde noch nichts ‚bewertet‘, dafür müssen noch zwei weitere ‚Tests‘ gemacht werden – kilometerlanges Formulare ausfüllen heisst es. Aber da ich heute zwei Herren als Gegenüber hatte, konnten die nicht immer Ihren Eindruck verstecken. Es wurde auch direkt kommentiert – insbesondere wie es sein kann, das mein Arzt die Option ADHS als nicht existent ignoriert, obwohl er seit Jahren verfolgt wie ich therapieresistent durch seine Praxis marschiere und Medikamententestboy spiele. Das heisst sicher nicht, ‚Herr Petrocelli, die Lage ist klar, sie haben ADHS‘ – aber ich bin mindestens ein Wackelkandiat. Dieser erste Termin ist zum aussortieren. So war auch die Ankündigung – Termin 2,3 und 4 gibt es nur bei begründetem Verdacht.

Gab es Highlights? Naja, ich habe gequasselt was das Zeug hielt, ständig den Faden verloren und alte Fäden anderer Leute wieder aufgenommen. Ich war aufgeregt, fühlte mich aber nicht unwohl. Die beiden Herren waren ja auch ganz nett. Frustrierend fand ich aber, dass die Psychater langsam meine Altersgrenze unterschreiten. Ich muss mich sputen, sonst behandeln mich bald Kinder. Und wenn ich Herrn Doktor dann den Popo versohle, da er was nicht richtig gemacht hat, dann wird es befremdlich :p

Ok, nochmal Highlights: Irgendwann fragte mich einer der beiden, ob ich auch ‚andere‘ Krankheiten hätte. Ich fragte dann ‚was meinen Sie damit?‘ Er war wohl für einen Moment verwirrt und reagierte nicht sofort. Dann schob er nach: ‚Ja, sowas wie vielleicht Diabetis?‘. Das war einfach eine Steilvorlage und ich fragte: ‚Sie meinen, ob ich auch eine richtige Krankheit habe? Nein, damit kann ich nicht dienen.‘ Die beiden Herren konnten einfach nicht anders und prusteten sofort los. War auch echt gemein 😉 Der eine hielt sich für einige Zeit die Hand vor den Mund und der mit dem Stift und dem Zettel fing sich beachtlich schnell wieder ein und fügte hinzu: ‚Allein aus beruflichen Gründen würde ich sowas nie sagen!‘ Im ernst. Die beiden waren wirklich nett. Ist auch ne schwierige Situation.

Irgendwann kamen wir noch auf  Strukturen, Ordnung usw. Ich musste dann von meinem Lieblingsfoto von meinem Arbeitsplatz erzählen: „Finde die Katze“. Sie sitzt mitten auf meinem sehr großen Schreibtisch, aber es ist wirklich schwer sie zu finden. Die beiden baten mich dieses Foto unbedingt beim nächsten Mal mitzubringen – es würde in jedem Fall mit ärztlicher Verschwiegenheit behandelt werden…

Ist das noch ärztliche Verschwiegenheit, wenn so ein Foto in der Kantine eine Klinik aufgehängt wird? Ich meine so in der privaten Ecke, nur für Ärzte? 🙂 Ich werde es mitbringen – hätte ja auch nicht drüber reden brauchen.

Was ich aber noch sehr interessant gefunden habe, war das Thema Medikamente. Ich habe meine Pallette von Medikamente aufgezählt, weil man mich danach gefragt hatte (ich hätte es auch bestimmt ungefragt getan…). Und ich berichtete natürlich auch von den unterschiedlichen Wirkungen auf mich, da die beiden Herren extra gefragt hatten. Als ich am Ende von der Wirkung durch Trevilor auf mich erzählte (siehe http://www.angst-nein-danke.de/2011/01/04/herr-kern-besitzt-nen-pudel/ ) fragte mich der Herr mit dem Stift und Zettel allen ernstes: ‚ Haben sie auch schon Elontril‘ genommen?

Wow – ich habe gedacht jetzt kommt hier irgendwie die versteckte Kamera aus der Decke gefahren! Liest der Mann meinen Blog? Ich konnte nur nein sagen und ihm erzählen, dass ich es zwar zu Hause habe, aber mich noch nicht ‚getraut‘ hatte. Ich war verdattert und er fuhr irgendwie mit den Fragen fort. Ich bin ja nicht der Typ, dem die Worte fehlen, aber da schon.

Im Ernst – könnte es wirklich sein, dass ich mit meiner kleinen Spackentheorie garnicht so falsch liege? Ich meine, das ist kein Grund zu glauben, dass er es auch so sieht, aber ich fand es schon irritierend. Natürlich habe ich bereits den ganzen Tag darüber nachgedacht, aber was soll’s das tue ich ja sowieso. Antworten kommen erst viel später.

Wie ist also der kommende Ablauf? ich habe Ende Februar/Anfang März Termin 2+3. Und dann, 3-4 Wochen später ein abschliessendes Gespräch mit Diagnose. Also noch ca. 6 Wochen bis zur nächsten Erkenntnis. Ein Wimpernschlag in interstellarer Zeitrechnung. Und ne Menge Luft für viel hin und hergedenke für mich 😉 Da kann ich noch tonnenweise dumme Theorien entwickeln!

Ich habe schon oft gedacht: ‚Das ist es!‘. Und naja, ich sitze noch immer hier rum, statt mutig in der Welt rumzuspazieren. Aber wer weiß – vielleicht ist es ja mal ein Treffer. Und besser als krank und nur resigniert zu sein ist es allemal.

Wer mag, der kommt bald wieder und schaut was der Petrocelli dann so plappert. Bis dahin ->

LG Petrocelli

Links, rechts, Wechselschritt. Und wieder…

Tja, seit meinem letzten Post ist doch einiges an Zeit vergangen. Was ist inzwischen passiert?

Mittlerweile habe ich mich von Baclofen verabschiedet – jedenfalls als therapeutisches Mittel. Noch schleiche ich aus, bin bei den letzten 5mg am Tag.
Baclofen hat mich enfach zu sehr gedämpft. Ich konnte kaum noch meiner Arbeit nachgehen. Die anxiolytische Wirkung war sicherlich vorhanden, aber nicht wie ich mir das gewünscht hätte. Im Verhältnis zur Angstlösung war die Dämpfung für mich viel zu stark – auch nach Wochen noch. Die beschriebenen Magenprobleme sind im übrigen weitestgehend zurückgegangen.

Seit dem ich Baclofen runterfahre nehme ich Baldrian in höheren Dosen (~2gr/d). Ein Scherz? Nein, aber nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Nach 2 Wochen tritt langsam eine spürbare Beruhigung ein – das Baldrian ein Spiegelmedikament ist, wird zu oft vergessen 😉 Dennoch reicht es nicht wirklich aus, aber zu Hause ist es damit erträglich.

Wo geht es hin? Naja, ich weiss nicht, ob es nur typisch für Angsterkrankte ist, aber ich finde es ’normal‘, dass ich nicht hinnehme, das Baclofen leider nicht mein Mittel ist.

Im letzten Post hatte ich von meiner Theorie bzgl. Dopamin, Elontril, ADHS, etc. geschrieben. Ich bin noch immer der Meinung, dass dies eine Option ist. Im Gegensatz zum Versuch mit Baclofen will ich dieses mal aber keinen solchen Alleingang mehr machen. Ich habe gemerkt, dass es das einfach nicht einfacher macht. Ich will damit nicht dagen, dass es mit Arzt geklappt hätte – ganz sicher nicht. Aber ein Angsthase möchte gerne viele Fragen stellen und selbst wenn er die Antwort vielleicht nicht hören will, so braucht er doch jemanden, dem er die Frage stellen kann.

Die Diagnose von ADHS im Erwachsenenalter ist jedoch keine ‚einfache Sache‘. Im Gegenteil, es gibt noch immer genug Ärzte, die glauben ADHS verschwindet am Ende der Jugend wie von Geisterhand. Die Kombination von ADHS und einer Angststörung und/oder Depression ist jedoch eine plausible Annahme, denn Erwachsene ‚hüpfen‘ weniger unbedarft in der Gegend rum oder springen in einem Meeting auf, um die Bauerbeiter vor de mFenster zu beobachten. Die Psyche sucht sich hierdurch womöglich andere ‚Kanäle‘, diesem inneren Drängen nachzukommen (Kampf/Flucht Symptomatik der Angststörung) oder zerbricht an diesem Verbot (Depresson).

Um das Ganze in kontrollierte Bahnen zu bekommen, werde ich am 9. Februar in einer Fachklinik (die sich wundersamer Weise in unserer Nähe befindet) eine entsprechende Diagnose beginnen. Das Ganze geht über mehrere Termine und kann einige Wochen dauern.

Sicher könnte ich wenigstens mein Elontril auch so nehmen, jedoch gibt es bei einer positiven Diagnose nicht nur medikamentöse Lösungen, sondern auch ein psychotherapeutischer Ansatz wäre dann ein Anderer. Vielleicht dann ja im Gegensatz zu meinen bisherigen X erfolglosen Therapien dann eine Erfolgreiche?

In jedem Fall werde ich vorerst nicht aufgeben einen Weg zu finden. Für Jemanden, der seit einem viertel Jahrhundert danach sucht, ein leichter Spruch 😉

LG Petrocelli

Herr Kern besitzt ’nen Pudel

Nicht nur als Kommentare, sondern vor allem auch als eMails erreichen mich tatsächlich verschiedenste ‚Beileidsbekundungen‘ bzgl. mir und Baclofen. Zu aller erst: Vielen Dank. Auf der anderen Seite kann/darf/muss ich ja nun auch sagen, dass noch gar keiner gestorben ist 😉

Aber was soll ich sagen. Vielleicht mache ich ja auch was falsch und ich hätte bei einem begleitenden Arzt bereits die klare Ansage zur Steigerung bekommen. Vielleicht hätte er (bei möglicher Erfahrung) gesagt: „Jo, alles normal, Deine Blutwerte und Körperfunktionen sind allesamt im grünen Bereich – also dosier mal hoch. Ab XXmg/d wird das dann soundso…“ Aber den hatte ich ja nun irgendwie nicht. So ganz schräge Offlabel-Verordnungen sind nicht jedermanns Ding. Da habe ich halt Pech.

Um aber nun zum Pudel’s Kern zu kommen: Ich wäre nicht ich, wenn ich nicht schon bereits eine andere „Lösung“ aus dem Hut zaubern könnte. Naja, jedenfalls etwas, an das ich jetzt glauben möchte. Ich kann nicht sagen, ob genau das Teil meiner Krankheit ist, oder es einfach der ewige Drang ist, diese SCHEISSE endlich los zu werden mit dem gleichzeitigen Glauben, es könnte nur mit ‚chemischer‘ Unterstützung gelingen. Wie auch immer. Noch bevor ich auf Baclofen gestossen bin, hatte ich eine ‚Theorie‘ – ja, man will es kaum glauben, Herr Petrocelli hat eine Theorie….

Ich kann garnicht sagen, ob ich es in meinen vielen Plappereien einmal geschrieben hatte, aber es gab ein einziges Mal in den letzten 25 Jahren, in denen ALLES – und das meine ich auch so – wieder gut war: Ich hatte KEINE Angst mehr, ich war die Ruhe selbst. Es kreisten keine unendlichen Gedanken durch meinen Kopf, ich war hoch konzentriert und das ewige innere Kribbeln war schlicht WEG. Ich habe Abends manchmal für ne Dreiviertelstunde im Garten auf nem Stuhl gesessen und einfach in die Luft geguckt (da war nix!) und mich dabei ‚beobachtet‘ wie entspannt ich bin. Eine unglaubliche Phase von 3-4 Wochen. Ca. 6 Jahre her. In dieser Zeit habe ich sogar vollständig aufgehört an meinen Fingernägeln zu kauen – und das mache ich immerhin seit locker 35 Jahren…. Es ergab sich z.B., dass sich in dieser Phase ein alter Freund bei mir gemeldet hatte und fragte, ob er sich unseren Transporter ausleihen könnte, er wollte aus der Nähe von Hamburg ein Fahrrad für seine Mutter abholen. Ich fragte nur, wann er den haben wollte und nach der Antwort fragte ich einfach, ob er was dagegen hätte, wenn ich ihn abhole und wir zusammen nach Hamburg fahren (gute 120 km)….

Wenn man bedenkt, dass ich schon zu dieser Zeit das Haus seit Jahren nicht alleine verlassen konnte (und wenn NUR mit meiner Frau), dann dürfte man die Skepsis des besagten Freundes erahnen können. Noch mehr, denn jeder wusste auch mit meiner Frau war es fast unmöglich nur den Standrand zu verlassen. Eine Fahrt nach Hamburg war eine grössere Katastrophe.

Nun gut, natürlich freute er sich, denn letztendlich konnte eh keiner richtig nachvollziehen, was diese Krankheit bedeutet und eine Spontanheilung – ja warum nicht. Der Petrocelli war ja irgendwie nie richtig krank. Nichts faulte, alle Beine und Arme dran und ne Augenklappe hat er auch nicht.

Wer nur ungefähr die Lebenssituation kennt in der ich mich auch damals befand, wird das ganze genau wie ich als ein ‚Wunder‘ betrachten müssen. So habe ich es damals gesehen. Denn die Fahrt nach Hamburg hatte sogar Spass gemacht. Keine Angst, kein Stress. Nur eine nette Fahrt mit einem guten Freund.

So, ich weiß, alle denken nun: „Hör‘ auf zu labern, sag‘ wie das kommen konnte!!“. Ich mach ja schon: Ich hatte zu dieser Zeit gerade begonnen Trevilor zu nehmen. Ein damals relativ neuer Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer. Ich hatte gutes davon gehört und fragte meinen Arzt, ob ich das nicht mal probieren könnte, nachdem die ‚typischen‘ SSRIs allesamt nicht der finale Bringer waren. Da für Angststörungen zugelassen, war es kein Problem.

Ich habe mich und natürlich auch den Neurologen oft, sehr oft gefragt, warum ich in diesen ersten 3-4 Wochen eine solche wunderbare Wandlung erlebt hatte und warum es dann wieder innerhalb von wenigen Tagen auf einen ’normalen‘ Angstzustannd fiel. Es gab keine Antwort. Mein Arzt erklärte es mit Placebo, da wie auch die SSRIs, Trevilor eigentlich erst nach 2-4 Wochen wirken würde. Also eigentlich erst dann, als alles aufhörte. Toll.

Der Grund warum ich es übrigens absetzen musste, war eine kleine lästige Nebenwirkung: Ich wurde Bluter. Jupp, kein Tippfehler. Ich bekam auffällig oft blaue Flecken, was aber irgendwie nicht weiter auffiel (erst hinterher), aber bei einer Routine-OP bin den den Herrschaften in Weiß leider fast abgenippelt, da die mich nicht wieder ‚zu gekriegt‘ haben. Ich habe geleckt wie doof und meine Frau wurde noch während der OP mehr oder weniger angebrüllt, warum niemand gesagt hätte, dass ich Bluter bin. LOL – das alles hat im Nachhinein einen gewissen Witz und wer noch eine alte Packung von Trevilor hat, kann mal reinschauen: die Problematik mit der Gerinnungshemmung stand damals noch nicht drin – ich darf behaupten, ich bin einer der armen Schweine, die für den heutigen Text im Beipackzettel was beigetragen haben 🙂

Ok, das ist eine nette Geschichte, aber noch nicht des Pudels Kern – denn warum es den positiven Effekt gab, war ja irgendwie völlig unerklärlich. Placebo? Naja, für mich ein wenig zu heftig für Placebo. Ich meine ‚geglaubt‘ hatte ich an die vielen anderen Psychopharmaka davor auch. Und ein Placebo, dass einen dazu bringt, nach Jahrzenten so bumms mit dem Nägelkauen aufzuhören. Hut ab! Das nenne ich ein cooles Placebo.

Bis vor ca. 9 Monaten, hatte ich auch nie eine halbwegs annehmbare Idee, was damals passiert war. Ich hatte über die Jahre immer mal wieder gegoogled, ob irgendjemand die gleichen Erfahrung mit Trevilor gemacht hatte. Vielleicht hatte ich immer nach den falschen Begriffen gegoogled, aber solche Erlebnisse fand ich niemals. Aber wie gesagt, vor 9 Monaten fand ich etwas anderes: Einen Bericht über eine Studie, in der man herausfinden wollte, warum es denn für gewöhnlich 3-4 Wochen braucht, BIS die typischen SSRIs und SNRIs wie Cymbalta und Trevilor anschlagen. In dieser Zusammenfassung wurde berichtet, dass in den ersten Wochen die Wiederaufnahme des Serotonins im synaptischen Spalt genauso gehemmt wird, wie später, ABER: es gibt einen entscheidenden Unterschied. Das Serotonin wird in dieser ersten Zeit den Noradrenalin- und Dopamin-Kanälen ‚abgebaut‘. Das war wohl vorher nicht wirklich klar (warum es danach wohl nicht mehr passiert, entzog sich aber meinem Verständnis…). Der ‚Witz‘ an der Sache ist also, dass in der ersten Phase – sozusagen vom ersten Tag an – die Wiederaufnahmekanäle für Dopamin und Noradrenalin ‚benutzt‘ werden. Dadurch wird wiederum die Aufnahme von Dopamin und Noradrenalin in dieser Zeit leicht gehemmt. Nur leicht, aber immerhin. Und da kommt jetzt des Pudels Kern auf den Tisch: Das was hier passierte, könnte sich also sehrwohl auf eine Erhöhung des Dopamins beziehen.

Dann habe ich natürlich angefangen wie ein aufgescheuchtes Huhn zu schauen, was so ein Dopaminchen sonst so den ganzen Tag macht: Tja, und insbesondere bei zwei andern Krankheiten kommt Dopamin eine wesentliche Rolle zu: ADHS und Parkinson. Ritalin – ein Dopaminmodulator – entspannt die hyperaktiven Kids und gibt Ihnen die Möglichkeit sich endlich zu konzentrieren. Levodopa – die Vorstufe von Dopamin, die das Gehirn erreicht – sorgt bei Parkinsonerkrankten nicht nur, dass das Zittern, der Tremor, aufhört, sondern man findet auch etliche Berichte von Parkinsonkranken, die eine unglaubliche Entspannung verspüren, wenn Sie Ihre Dosis erhalten. Ich habe da Berichte gefunden, die fast exakt die Gefühle der Entspannung in dieser Zeit beschrieben. Das war für mich sehr beeindruckend.

Ein Medikament, dass für Depressionen verschrieben wird (Offlabel für ADHS) und die Dopamin- und Noradrenalin-Wiederaufnahme hemmt, habe ich bereits ‚im Schrank‘. Ich habe es von einem Arzt erhalten, den ich – das muss ich zu meiner Schande gestehen – ein wenig an der Nase herumgeführt habe. Ich hatte einfach behauptet, von meinem Neurologen, der momentan im Urlaub ist, das früher bereits erhalten zu haben. Naja, nicht rumreich, aber ich bin halt auch nur ne Wurst. Nun habe ich das also hier und ‚theoretisch‘ würde es ja genau passen. Tja, so ist das nun aber nicht. Nur weil ich so eine feine Theorie habe, heisst es ja noch lange nicht, dass ich wirklich daran glaube. Und vor allem nicht, dass ich alle Aspekte kennen würde. In dem Beipackzettel steht nämlich das es sehrwohl auch lustig Angst hervorrufen kann – klar, das steht bei JEDEM Antidepressiva drin, aber nun. Es macht mir doch Sorge. Mich mit einem Mittel wie Baclofen zu plätten, ist eine Sache. Mir aber ein Zeug einzuwerfen, was womöglich die Ängste induziert. Jo, das macht mir schon Angst.

Klar – kein noch so genialer Arzt könnte das genau vorhersehen. Aber irgendwie wäre es cool, wenn einfach einer sagt: „Kriegste Garantie – da passiert nix. Nimm einfach Alda!“ Tja, da ist aber keiner. Also muss ich mir das wohl selbst sagen. Klappt aber nicht wirklich.

Boah, das ist jetzt aber ein Megagequassel geworden. Ich lege mal auf und schreibe später nochmal was zum Thema. Vielleicht ist ja da draussen einer dabei, der Input zum Thema hat. Wie immer: her damit!

LG Petrocelli