Paroxetin

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Paroxetin war das zweite Medikament, dass ich gegen meine Ängste bekommen habe. Mittlerweile einige Jahre her, aber die wichtigsten Dinge weiß ich wohl noch (wobei tatsächlich ein nicht unerheblicher Gedächtnisverlust teil der Nebenwirkungen für mich war).

Nachdem ich mit Stangyl (Trimipramin) ‚herunter‘ gefahren wurde, begann ich Paroxetin einzuschleichen. Zu dieser Zeit machte ich bereits seit Monaten eine Expositionstherapie, die aber wiederum seit Wochen stagnierte. Nach ca. 3-4 Wochen merkte ich tatsächlich einen Zuwachs an positiver Motivation und einen Rückgang der Gedanken um mögliche Ängste, die durch das ausgelöst werden könnten, was ich da gerade tue. Ursprünglich waren meine Ängste wohl unter einer Agoraphobie einzuorden, was sie mittlerweile definitiv nicht mehr sind. Am Fortschritt der besagten Expositionstherapie konnte man die Wirkung von Paroxetin am besten sehen. Und hier tat sich wirklich einiges. Vieles was jahrelang unmöglich erschien, war nun möglich. Ich war nicht entspannter, aber ich war auf eine positive Weise aktiver. Aber auch diese Entwicklung hatte klare Grenzen. Ich wäre nie mit dem Auto in eine andere Stadt gefahren oder ähnliches, es war aber für jemanden, der vorher nur Zuhause war und auch dort nie alleine sein konnte, ein echter Fortschritt mal in einen anderen Stadtteil zu fahren, um einen Freund zu besuchen oder morgens einfach Brötchen zu holen.

Es stellte sich aber nie ein Gefühl echter Angstfreiheit oder Entspannung ein – manchmal im Gegentail. Es war besser als ohne Tabletten, aber nichts, was man Heilung oder Ähnliches nennen wollte.

Die offensichtlichen Nebenwirkungen, wie starkes Schwitzen, Potenzstörungen und leichter Durfall, gingen im Laufe der Zeit zurück, aber verschwanden nie. Der ständige Gedächtnisverlust (der sicher auch half die Angst zu vergessen) war für mich selbst schon sehr anstrengend, aber für mein Umfeld fast noch mehr. Bedeutend schlimmer war aber, dass ich in dieser Zeit zu einem echten Egoisten geworden bin, was vor allem manische Züge annahm. Ich vermute eine gewisse Vorbelastung, das dies bei mir verstärkt auftrat (ist eine der Gegenanzeigen, wenn manische Episoden bekannt sind). Obwohl solche ‚manischen Episoden‘ bei mir vorher nicht bekannt waren und übrigens unter anderen SSRIs, die ich später auch genommen habe, nicht aufgetreten sind.

Einen Anstieg von Ängsten, wie einige Patienten berichten, hatte ich garnicht. Aber die Theorie, dass ein angetriebener Geist vor lauter Ativität nur ‚gut drauf‘ ist, könnte vielleicht bei Depressionen gut funktionieren, aber bei Ängsten…. Tja, für mich ist die Vorstellung, wie ich mich irgendwann fühlen möchte eine andere. Dennoch: Paroxetin war eines der ‚besseren‘ Medikamente bzgl. der Wirkung, also in meinen Augen immer einen Versuch wert. Die Nebenwirkungen wären jedoch für mich heute nicht mehr akzeptabel, aber da reagiert jeder anders – das muss man einfach ausprobieren, so platt es klingt.