Insidon / Trevilor – Tag 23 / 3

So, nun bin ich mittlerweile auf 0-0-100 Isidon und 37,5-0-0 Trevilor.

Die Nebenwirkungen sind im Grunde nicht vorhanden – evtl. Ein wenig mehr Müdigkeit als am Ende mit kaum Cipralex und 100mg Insidon.
Die ‚innere Unruhe‘ die damals vollständig und überraschend verschwand, ist noch da. Evtl. Etwas weniger als sonst, aber in keinem Fall so, wie ich es gerne hätte und mich daran erinnern kann.

Nun gut, am dritten Tag war es vielleicht auch damals nicht der Hammer – nach meiner Erinnerung und den Notizen vom Doc, war am Anfang vor allemm Schwindel und Übelkeit das Thema. Wann genau die Entspannung kam, hatte keiner von uns beiden genauer notiert. Deswegen ja auch der Blog hier – der ist vor allem für mich 😉

Ein weiterer Unterschied zu damals ist ja auch das vorherige Cipralex. Ich denke nicht, dass Trevilor deswegen nicht so wirken könnte wie damals, aber das ich weniger Schwindel und Übelkeit versprüre könnte schon daran liegen, dass mein Körper die Wirkung von einem Serotoninwiederaufnahmehemmer noch gut kennt, so das beim Trevilor nun ’nur noch‘ die Wiederaufnahmehemmung des Noradrenalin hinzukommt.

Jedenfalls hoffe ich wohl, das es solche Gründe hat, sonst müsste ich ja jetzt schon an der möglichen Reproduktion der damaligen guten Wirkung zweifeln, wenn die Schlechte auch nicht mehr kommt…..

Wie auch immer, ich wollte nur das hier als Udate für die ersten Tagen hinterlassen, damit ich die Entwicklung später selbst genauer betrachten kann.

LG Petrocelli

Insidon, Tag 7 bis 8? Verdammt, ich hab‘ mich verzählt ;)

Man, da ist man schon Irre und dann verzählt man sich noch 😉

Am Dienstag meinte ich, es wäre Tag 5, dann kann es heute am Freitag kaum Tag 7 sein. Also ich meine, wenigstens nicht in diesem Universum :p.

Ich hatte Freitag Abend mit Insidon angefangen, demnach wäre Dienstag, der Tag 5 und heute Tag 8. So weit, so gut. Aber die Dosisrduktion vom Cipralex (und wohl auch die erste Möglichkeit zur Wirkung des Insidons) habe ich ja erst am Samstag gemacht. Demnach hätten wir heute erst Tag 7 und Dienstag wäre nicht Tag 5 sondern 4 gewesen.

Ok, wer sich bis hierher getraut hat wird sich sagen, der arme Petrocelli hat jetzt sämtlichen Grips verloren 😉 Neee, ich wollte nur plappern und amüsierte mich selbst über diese ‚Problematik‘, die irgendwie garkeine ist. Und, ja – ich habe schon lange sämtlichen Grips verloren 😀

Was gibt es also über Tag 7,5 zu sagen? Oder besser gerade über die letzten Tage?

Das Insidon wirkt ganz deutlich auf meinen Schlaf und vor allem meine Träume. Der Hammer, ich träume, als gäbe es am nachsten Tag Geld dafür. Und das ist wirklich angenehm – keine Albträume. Verwirrend, aber nicht unangenehm.
Tagsüber bin ich dann ein wenig müder, aber das (wie auch die Träume) kenne ich noch aus der damaligen Zeit. Von daher, funktioniert die ‚Vorbereitung‘ des Versuchs planmäßig 🙂 Auf Insidon reagiere ich also schonmal sehr ähnlich wie damals. In einigen Tagen, Wochen wird die Müdikeit verschwinden und das mit den Träumen weniger. So war es jedenfalls damals.

Eigentlich sagt das ja noch garnichts, aber wenn ich mir meine Ängste schon alle einrede, darf ich mir ja auch mal was Positives einreden… Für mich heisst es nämlich, dass ich auf Trevilor vielleicht wieder genauso reagiere?! Und wenn es auf Grund der Kombination nicht verschwindet, sondern bleibt, dann wäre es traumhaft. Vielleicht bleibt es ja auch nicht und ich muss es immer mal wieder absetzen und neu anfangen, weil wenigstens die ersten 4 Wochen gut sind? 🙂 Ja, spekulieren ist schon fein.

Achja und auch tagsüber merke ich schon etwas – trotz halber Cipralex Dosis bin ich der Meinung, die ‚guten‘ Gefühle, die Entspannung ist stärker als die leichten Ansätze des Entzuges. Also alles im Rahmen. Fast eher besser also nur Cipralex. Aber auch hier – egal ob Tag 7 oder 8 – kann ich nur sagen, es wird noch deutlicher werden (müssen). Auch Insidon braucht enige Wochen, bis es seine volle Wirkung hat. Aber bisher fühlt es sich besser an als vorher. Und es ist ’nur‘ Insidon. Noch bin ich also guter Dinge. Vielleicht fange ich Morgen bei gleicher Cipralex Dosis mit 50-0-50mg Insidon an. Könnte nur helfen, wenn ich mit Cipralex noch weiter runter gehe. Aber da lasse ich mir noch einige Tage Zeit.

So, das war’s erstmal für heute.

LG Petrocelli

Tag 23 – gib mir mehr, gib mir mehr!

Da sage nochmal einer ich wäre einfach zufrieden zu stellen (nicht das sich das jemals einer trauen würde, der mich kennt!), aber wenn man selbst nicht mehr weiß, was man so will, dann wird es anstrengend!

Das schöne als Irrer ist, man hat eine gewisse Narrenfreiheit und diese sollte man auch ausnutzen. Wozu sonst all der Ärger? Worüber rede ich also? Über die offensichtliche ‚Kurve‘, die ich mit Baclofen fahre. Ich versuche das mal zu beschreiben:

Zum Beginn einer Dosiserhöhung: Müdigkeit, leichte Benommenheit, Drehschwindel  usw. – dafür eine gewisse Dankbarkeit, da die Benommenheit in keinem Fall als unabgenehm zu bezeichnen wäre. Jetzt bloss nicht Autofahren, die eigene Karre wäre gefährdet und Gummibäume werden ja wohl nur gerüchteweise aufgestellt.

Tag 2-4 nach einer Dosiserhöhung: Müdigkeit usw. nehmen ab, verschwinden aber nicht. Es wird aber klar, dass die Müdigkeit/Benommenheit keine vorrangig angstlösende Wirkung hat (jedenfalls noch nicht).

Tag 5 nach einer Dosiserhöhung: Fast schlagartig verschwindet die Tagesmüdigkeit und Benommenheit. Nur ganz leicht – und witziger Weise nur in Phasen über den Tag verteilt – tauchen diese Nebenwirkungen manchmal stark abgeschwächt auf. Selbst ein Profiselbstbeobachter wie ich, muss genau hinschauen.

Diese Kurve, die sich bisher bei allen (vier) Dosiserhöhungen wiederholt hat, scheint nicht wirklich weit von dem entfernt zu sein, was man bei vielen anderen bzgl. Baclofen lesen kann. Ich als ‚Schau Dir in den Körper, Kleiner‘-Spezialist brauche offensichtlich deshalb 5 und nicht 2 Tage, weil ich halt wesentlich stärker auch nach negativen Effekten suche. Dass muss selbst ich mir mittlerweile bei all der Skepsis eingestehen, die da so innewohnt in mir.

Faszinierend finde ich aber, dass ich heute, am 6. Tag mit 30mg Baclofen, wie schon bei den Stufen vorher schon einige Momente hatte, in denen ich mir so gedacht habe, dass es sich womöglich ‚besser‘ anfühlen würde, wenn ich spontan mal noch eine Tablette einwerfe, um die Dosis zu steigern. Sprich: mein Köpfchen meint, es könnte weitergehen, obwohl ich auf der anderen Seite ja ständig darauf bedacht bin, bloss nicht das Risiko für Nebenwirkungen zu erhöhen. Paradox? Selbstverständlich! Fühlt sich aber so an. Und noch ein Effekt, der mir auch schon öfter aufgefallen ist, den ich aber nicht wirklich verifizieren kann, da hier warscheinlich das meiste mit feinster Einbildung dahergeht: Gerade dann, wenn der Spiegel von Baclofen abfällt (also wenige Stunden nach Einnahme) glaubte ich hier und da schon, dass die Nebenwirkungen höher sind, als einige Minuten nach der Einnahme, wenn der Wirkstoff mit maximaler Stärke durch die Adern saust. Wenn ich dann z.B. Mittags die zweite Tablette nehme, dann werden die Nebenwirkungen nach einer knappen Stunde – ich sage mal – angenehmer.

Ich will garnicht behaupten, dass diese Beobachtung direkt aus meinem kranken Köpfchen entspring und jeglicher Grundlage entbehrt, aber der Gedanke kam mir jetzt schon so oft, dass es schon auffällig ist.

Also an alle Lehmänner und Goldfinger da draussen: kommt Euch sowas irgendwie bekannt vor, oder galoppieren die kleinen Klappsepferdchen mit mir davon? Ich glaube jedenfalls, ich sollte die 3x15mg in Angriff nehmen in den nächsten Tagen. Auch hier bin ich an Meinungen und Erfahrungen interessiert. Passiert irgendwas auffälliges bei der ‚richtigen‘ Dosis, das ich nicht übersehen kann oder marschiere ich dumm dran vorbei und latsche ich direkt in komatöse Dosen, die mich nurnoch sabbernd in der Ecke liegen lassen?

Jaja, ich bin berühmt für meine sinnigen Fragen 😉

Tag 11 – mach mal einer das Licht aus…..

Der heutige Tag war ganz ähnlich dem gestrigen Tag. Einziger, gut spürbarer Unterschied: Noch weniger Nebenwirkungen. Es geht also tatsächlich deutlich zurück, was die angenehmen Seiten verstärkt.

Die vorerst (weiß ja nicht, was noch so kommt ;)) angenehmste Seite vom Baclofen ist die deutlich bessere Schlafqualität, die ich verspüre. Und zwar fast seit der ersten Nacht. Das bringt mich zu einer Theorie, die ich schon seit Jahren habe und durch die Berichte, die ich über Baclofen gehört habe und nun auch schon selbst erlebe, deutlich gestärkt wird.

Meine These: Schlafprobleme können Angststörungen ermöglichen.

Klingt salopp und lächerlich zugleich, oder? Andere sagen vielleicht: ja, klar weiß doch jeder! Ok, Telefonnummer her…

Nein im Ernst; ich will aus meinem eigenen Krankheitsverlauf etwas dazu schreiben: Mit ca. 17, also genau zu Beginn meiner Angststörungen (und leider nein, ich kann tatsächlich nicht mehr exakt sagen, ob vor oder hinter der ersten Angstattacke) hatte ich für mehrere Monate ganz massive Schlafstörungen. Diese äussersten sich nicht darin, dass ich schlecht einschlafen konnte, oder dass ich hier und da mal aufgewacht bin, nein: Ich konnte garnicht schlafen. Über einen sehr langen Zeitraum. Sicher wäre ich schon tod, wenn nicht hier und da Sekunden und Minuten des Schlafs dazwischen gewesen währen, aber es kann nich viel gewesen sein. Meine Symptome gingen bis zu Halluzinationen – visuelle wie akustische – absinken meiner Körpertemperatur ständigem Hunger (ich habe VIER mal am Tag warm gegessen, weil ich mindestens genauso oft auf dem Topf war und ich alles ‚verlor‘, was ich oben reingesteckt hatte). Trotz des vielen Essens habe ich einige Kilos abgenommen in der Zeit, sprich mein Stoffwechsel war auf hochtouren. Ich habe ausgesehen wie der laufende Sensenmann und fühlte mich auch so. Nachts im Bett habe ich dann gelegen und stundenlang die Decke angeschaut, die Augenlider zugeniffen, mich hin und hergewälzt, die Uhr beim ändern Ihrer Zahl beobachtet usw. Dann bin ich wieder aufgesprungen, hab Radio angemacht (einige werden es nicht glauben: damals hörten die Fernsehstationen irgendwann auf und machten bis Morgens eine Sendepause 😉 ) und aus dem Fenster geschaut (da war nie was zu sehen) bis ich mal wieder versucht habe mich ins Bett zu legen. Dann ging wieder alles von vorne los.

Ich habe es irgendwann mit einer Hypnose-Kassette (Kassette? Kennt wieder keiner mehr? Scheisse, ich hab doch nicht Schellack-Platte gesagt. Schaut bei Wikipedia, da steht bestimmt was…) versucht und tatsächlich: Die ersten Nächte habe ich die so oft gehört, bis ich mitreden konnte, aber in der dritten oder vierten Nacht knackte ich nach einigen Durchgängen weg. Ich schlief plötzlich für mehr als nur Minuten oder Sekunden.

Ich habe mich jedoch seither nie wieder (und glaubt mir, 25 Jahre sind eine verdammt lange Zeit) erholt gefühlt, wenn ich Morgens aufgewacht bin. Ich bin nie wieder mit einer gewissen Müdigkeit ins Bett gegangen und konnte nie wieder ‚einfach‘ einschlafen, wie ich es als Kind oder junger Jugendlicher konnte.

Natürlich habe ich über die Jahre auch immer wieder was zum Schlafen bekommen, vom niedlichen Baldrian bis Zolpidem, alles was dabei. NICHTS brachte den Schlaf wieder, denn ich als Kind noch kannte und den z.B. meine Frau auch heute noch jeden Tag hat. Und den fast alle haben, die ich danach gefragt habe. Jeder auf seine Weise, aber so eine Geschichte, wie ich damals erlebt hatte, kannte keiner.

Ich würde mich aber nicht wundern, wenn der damalige Schlafmangel und die danach nie wieder erlangte Schlafqualität sehrwohl etwas mit meiner Angststörung zu tun hat. Und an dieser Stelle würde mir auch der mögliche Zusammenhang zwischen weniger Angst und Baclofen wieder auffallen: Nicht nur ich fühle mich nach so vielen Jahren wieder zum ersten Mal frisch und erholt, wenn ich nun morgens Aufwache. Man finde diese Veränderung des Schlafes bei ganz vielen, die über Baclofen berichten. Auch von einer Dankbarkeit über eine abendliche Müdigkeit liest man in diesem Zusammenhang. All dies könnte es bestätigen.

Was noch für mich dafür spricht, dass Baclofen über den Schlaf auf die innere Ruhe und das lösen der Angst wirkt, ist dass Baclofen nicht nur die wenigen Stunden auf den Körper wirkt, die es im Blut ist (Halbwertzeit ca. 2 Stunden), sondern ganz augenscheinlich auch noch viel länger. Hat jemand Kenntnis über die Metaboliten von Baclofen? Für welchen Wirkmechanismus die bekannt sind und wie lange deren Halbwertzeit ist? Ich würde mich nicht wundern, wenn hier der eigentliche Wirkmechanismus liegt und deshalb auch a) die relativ kurze Halbwerzeit von Baclofen irrelevant ist und b) ein Muskelrelaxant solche weitreichende Wirkungen hat.

Was mich wirklich interessiert – und deshalb BITTE ICH UM KOMMENTARE HIER – wie sieht es bei anderen ‚Angsthasen‘ aus. Habt Ihr eine ähnliche Problematik bzgl. Schlaf? Und was ist mit denen, die Baclofen nehmen: hatte Ihr früher Schlafprobleme und sind die unter Baclofen verschwunden, während die Angst auch verschwandt?

Also, ich bin mal wieder so weit, dass ich – obwohl üüüüüüberhaupt noch nicht meine Zeit – tierisch schläfrig werde (und auf eine total angenehme Weise!), so dass ich nun mal aufhören werde, um fein zu schlummern.

Schreibt mir Eure Erfahrungen bzgl. Schlaf und Angst in einem Zusammenhang. Passierte da was in den gleichen Phasen? Folgte das eine dem anderen?

Ich bin gespannt! Und ich mach das Licht jetzt selbst aus 😉

Tag 10 – alles wird gut….

Vor zwei oder drei Tagen war ich noch wesentlich unsicherer, welchen Weg das Ganze hier nehmen wird. Heute, denke ich nur das Ausmass ist noch nicht ganz sicher. Sprich: Gestern und insbesondere heute ging es mir garnicht schlecht. Das Gefühl benebelt zu sein ist ganz klar weniger geworden. Eine leichte Steigerung der Stimmung ist festzustellen, was nicht unbedingt auf das Verschwinden von Angst zurückzuführen wäre, denn die ist nicht wirklich verschwunden. Reduziert in den guten Phasen des Tages, aber nicht verschwunden. Aber immerhin reduziert. Die Stimmungsaufhellung ist aber definitiv da. Das bei einem GABAb-ergen Medikament verwundert mich schon, aber ich glaube es ist nicht gut die Botenstoffe in unserem Gehirn einzeln zu betrachten. Sicherlich ist es nicht falsch z.B. bei Depressionen anzunehmen, dass ein Serotoninmangel herrscht, jedoch ist dies vielleicht nur der auffälligste Wert aber nicht zwingend der Wert, der unser GEFÜHL am stärksten beinflusst. Da könnte es z.B. GABAb sein, oder GABAb wirkt wiederum auf einen anderen Botenstoff in unseren Regelkreisen, der dann dieses Gefühl von erhöhter Stimmung erzeugt.

Wie auch immer, es fühlt sich jedenfalls stabiler und besser an in den letzten Tagen. Die Nebenwirkungen wie Schwindel, Benommenheit und Müdigkeit sind fast nicht mehr da und zwischenzeitlich hätte ich hier und da tatsächlich gerne etwas mehr von der Müdigkeit, die ich ja teilweise als sogar angenehm empfunden habe. Aber gut, Entspannung ohne Müdigkeit wäre mir das Allerliebste.

Jedenfalls bin ich mittlerweile der Meinung, dass ich bei einer Steigerung der Dosis wahrscheinlich wieder etwas mehr von den Nebenwirkungen bekomme, diese aber dann wohl wieder verschwinden und womöglich mehr von der Entspannung und besseren Stimmung bleibt. Die Angst würde sich dann wohl noch weiter reduzieren. So wäre es, wenn ich es mit den Erfahrungen von anderen vergleiche. Und das würde mir gefallen 😉

In welches Maß sich diese Entspannung und Angstreduktion steigern lässt, ist jedoch genau dass, was mir momentan noch nicht klar ist. Ich habe schon immer das Problem gehabt, das wenn ich ein Medikament zur Angstreduktion nehme und dann trotzdem noch Angst bekam (auch wenn vielleicht verringert), ich dann Schiss davor bekam, was ich denn wohl machen sollte, wenn die Angst nun wirklich kommen würde. Denn meist finden die Medikamente es nicht witzig, wenn ich noch ein Benzo oben drauf kippe, was mir als Last-Resort bleibt, falls alle Stricke reissen. Also denke ich dann: Neee, Du kannst jetzt nicht noch etwas hinzunehmen! Und das macht mir dann noch mehr Angst vor der Symptomatik, so dass mir am Ende das Gefühl bleibt: Pfui, doofes Medikament – ich nehm es nicht mehr.

Auf diese Weise habe ich schon manches Medikament mindestens so schnell abgesetzt, wie ich es angefangen habe, Aber das wäre im Falle Baclofen wohl besonders schade, denn wenn ich die Tage so in der Summe betrachte, so hat sich einiges getan was mir gut gefallen hat. Es ist noch alles ziemlich neu und die Nebenwirkungen sind in den ersten Tagen besonders unangenehm gewesen, weil ich immer so pedantisch drauf geachtet habe. Hätte ich mich besser ablenken können, wäre es mir sicher noch leichter gefallen.

Ich glaube ich werde wohl Morgen abend mit der Dosis etwas höher gehen. Das letzte Mal klappte das ja nicht so gut, aber ich glaube jetzt könnte es gehen und Abends mehr zu nehmen hilft beim Schlaf und evtl. in den ersten Stunden am Morgen.

Apropos – die ersten Stunden am Morgen sind gestern und heute die unangenehmste Phase des Tages gewesen. Ich kann das nur vermuten, weil Morgens der Spiegel von Baclofen mit einer sehr kurzen Halbwertzeit am geringsten sein muss. Und wenn ich mehr nehme, ist Morgens vielleicht noch etwas mehr im Blut und alles würde etwas netter sein.

Aber wie auch immer – ich denke die Tendenz ist die richtige. Wir müssen nur etwas warten, um zu sehen wie weit es noch gehen kann. Ich halte mich da an Federicos Devise: Geduld, Geduld, Geduld.

In diesem Sinne!

Tag 8 – Eine Woche Achterbahn

Heute war ein guter Tag. Ich wollte das nur erwähnt haben, weil er eigentlich nicht so anfing (hundsmiserabel geschlafen) und es sich ja vielleicht noch ändern könnte 😉

Die Nacht war extrem lästig – nachdem ich brav gegen 0:30h meinen Blog von Gestern ‚abgeliefert‘ hatte, glaubte ich eigentlich mir würden die Augen zufallen und ich wäre wieder weg. Leider weit gefehlt: ich fast 3 Stunden lang das gleiche ‚Spiel‘ gebracht: jedes Mal, wenn ich für ein paar Millisekunden eingeschlafen bin, schreckte ich sofort hoch, zu stark atmend und mit Bauchschmerzen. Das sedierende Gefühl von Baclofen, das ich wenigstens gestern noch etwas stärker als heute hatte, benebelte mich und es fühlte sich in diesem Zusammenhang beschissen an. Im Grunde provozierte es immer wieder Vorstufen einer Angstattacke, die jedoch ausblieb. Manchmal habe ich sie mir einfach herbeigewünscht, in der Hoffnung, dass es danach wieder ‚gut‘ sei.

Dieses Spiel habe ich also bis ungefähr 3h nachts gespielt und heute Morgen fühlte ich mich entsprechend angepinkelt. Eine gute Stunde nach der morgentlichen Baclofen ging der Tag aber in eine andere Richtung. Ich hatte heute zwar bis ca. 14-15h ein leichtes Gefühl benebelt zu sein, aber nie wirklich unangenehm. Hier unterschied sich der Tag schon von den vorherigen. Am Nachmittag hatte ich dann auch noch eine gute Gelegenheit mich über ein erstklassiges Arschloch zu ärgern, was mich für gemeinhin über Stunden beschäftigt und meistens dafür sorgt, das es mir richtig schlecht geht. Aber heute? Tja, also während des Gespräches mit dem liebreizenden Arschlochs, war ich die Ruhe selbst. Sogar innerlich. Und danach habe ich mich nicht wirklich lange darüber aufgeregt, wie es sonst sicher meine Art ist. Ich steigere mich gerne in solche Situationen hinein, in denen ich wieder zu lange zu freundlich gewesen bin und mir andere auf der Nase herumtanzen und meine Freundlichkeit ausnutzen. Ich bin leider nicht zum Arschloch geboren, aber manchmal würde ich gerne einen Kurs mitmachen, in dem man das lernt. Oder wo kommen die alle her?

Generell muss man also sagen, dass der heutige Tag also mehr Gutes als Schlechtes hatte. Und da komme ich wieder auf die Liste, die Federico mir empfohlen hatte. Ich bin tatsächlich jemand, der gerne den schlechten Dingen ein höheres Gewicht zuordnet als den Guten. Und beim Beginn mit Baclofen – das natürlich auch spürbare Nebenwirkungen hat – ist es für einen Phobiker leicht die gute Entwicklung zu übersehen, während ich mich in die Nebenwirkungen hineinsteigere. Aber sogar als Phobiker, der seinen Körper aufs feinste beobachtet, muss ich zugeben, dass die Nebenwirkungen von Baclofen zwar spürbar sind, aber nicht zum Abbruch des Versuchs führen sollten. Wenn die über die Woche sichtbare Tendenz fortschreitet – das nämlich die beruhigende Wirkung bleibt oder sogar besser wird und die Nebenwirkungen wie Schwindel, Benommenheit und leichte Magenprobleme zurückgehen – dann könnte der Versuch schon bald Erfolge verbuchen, die bisher kein Antidepressiva in dieser Form geschafft hat.

Eines darf man am Rande mal nicht vergessen: Paroxetin, jenes SSRI, das mir bisher bzgl. der Angst am Besten geholfen hatte (siehe Artikel über Paroxetin) brauchte fast 6 Wochen, bis es spürbar wirkte und die meisten Nebenwirkungen blieben Monate. Was ich zugeben muss, ist dass ich aber mit Schwitzen usw. besser klargekommen bin, als mit der Sedierung und dem leichten Schwinder vom Baclofen. Aber hier tickt jeder anders und was wirklich angenehmer ist: Nach einer Woche merke ich bereits, dass es weniger wird. Bei Paroxetin ging ausser den Magenproblemen keine Nebenwirkung vollständig weg. Auch nach Monaten nicht. Da hat Baclofen also noch etwas Spielraum 😉

Also, ich lasse mich jetzt mal überraschen, wie der Schlaf heute so wird. Ich werde es Morgen vermelden!

Tag 6 – oder wieviel Tage hat die Woche?

So ein Erfahrungsbericht ist schon doll. Zumal, wenn man irgendwie noch keine Erfahrung gemacht hat. Rede ich wirre? Ok, das ist tatsächlich eine der nervigeren Nebenwirkungen, die ich tatsächlich Baclofen zuschreiben muss. Ich stehe manchmal regelrecht neben mir und staune, wie alles an mir vorbei zieht. Bin dann irgendwie mein eigener Zuschauer. Oder auch ein Gefühl, als wäre man vom eigenen Körper leicht entkoppelt. Dann erschrickt man für eine Sekunde und gibt einen Steurbefehl an den Körper, um festzustellen, dass man noch Herr im Hause ist. Einfach die Arme mal ausstrecken, oder irgendwas anfassen.

Dieses Gefühl empfinde ich garnicht mal immer als negativ. Ich weiß, es gibt Angstgestörte, die haben sowas als Teil ihrer Krankheit – nennt sich dann dissoziative Störung. Ist sicher nicht das Gleiche, aber es fühlt sich schon so an, wie es manchmal von Patienten beschrieben wird. NUR mit einem entscheidenden Unterschied: es fühlt sich befremdlich an, jedoch bin ich gleichzeitig entspannt, was es wiederum nicht zu unangenehm macht. Manchmal finde ich es sogar angenehm.

Ich denke, dass man an solchen Momenten schon merkt, in welche Richtung Baclofen wirken könnte, wenn es mal ‚mehr‘ wird. Momentan macht es mir aber mindestens soviel Angst, wie es auch angenehm ist.

Was mich momentan besonders nervt, ist dass ich teilweise das Gefühl habe, dass ich nicht gut, tief durchatmen kann. Das hatte ich vor Jahren schonmal, kann also nicht viel mit Baclofen zu tun haben, nervt aber trotzdem total. Das hängt für mich ganz klar mit der momentanten Stresssituation zu tun. Da könnte Baclofen gerne etwas gegen tun. Vielleicht in einiger Zeit, wenn ich höher dosiere. Wobei – vielleicht werden die Nebenwirkungen auch nerviger, wie gestern, dann wird es schwierig.

So mir fallen die Augenn zu. Nachti!

Tag 3,5 – Eine Frage der Geduld

Hmm, es ist der vierte Tag, und bis auf den frühen Morgen an dem ich noch überlegte, wer ich denn eigentlich bin, wohin ich will und warum ich gerade hier langgekommen bin, fühle ich mich ganz wohl. Es scheint, als geht es mir nach der Mittagsdosis sogar noch besser, als am späten Nachmittag…. Warum ich darüber so philosophiere? Naja, die ersten 3 Tage waren ja nicht nur gut und nach der Nummer mit meiner dämlichen Ärztin (man bekommt schon den Eindruck, ich meckere nur auf der rum, oder? :p ) überprüfe ich mein Befinden wahrscheinlich stärker als es gut wäre. Aber deswegen freue ich ich eigentlich so über das Gefühl in den letzten Stunden.

Natürlich fühlt es sich noch nicht stabil an, aber ich hatte ja schon befürchtet ich würde mich vielleicht nich an die Nebenwirkungen gewöhnen, bzw. die würden nicht verschwinden und ich müsste ewig auf einer Dosis rumeiern, die nix hilft, mir aber die Nebenwirkungen verpasst. Ich könnte mir nun vorstellen, die NW verschwinden sehr wohl schon bald.

Was ich nur überlege ist, ob die vielleicht eher aufhören, wenn ich schneller hochdosiere. Klingt paradox, aber soweit ich mich entsinne, beschrieb Olivier Ameisen in seinem Buch auch einen Effekt, dass er nach einem bestimmten Schwellenwert die wirklich deutlichste Wirkung verspürte, die er vorher nicht hatte aber auch nach dem späteren runterdosieren nicht mehr verlor. Daher so meine Überlegungen. Ansonsten, wenn ich mir das Medikament pharmakologisch als GABAb-Agonisten anschaue, müsste mehr Wirkstoff auch (wenigstens zu Beginn) mehr Nebenwirkungen zeigen. Und mit denen fühle ich mich aber nich so wohl. Die müssen ganz bestimmt noch verschwinden, wenn ich da irgendwann einen Erfolg verbuchen möchte.

Gut, das erstmal als kleines Feedback am Tag.

Tag 3 – wie war mein Name?

Also in manchen Minuten des heutigen Tages wollte ich mir diese Frage schon stellen 😉
Baclofen kann einen schon platt machen – nicht auf diese betäubende Art wie ein Benzodiazepin, aber für wenige Minuten bin ich so müde, dass ich mich an Ort und Stelle schlafen legen möchte. Weitere Minuten später bin ich dann zwar noch immer entspannt, aber wieder wach und fit im Kopf. Das ist dann sehr angenehm.

Es gilt also abzuwarten und die doofen Momente auszuhalten. In der Summe würde ich folgende Besonderheiten in Stichpunkten notieren:

– Morgens wacher als sonst
– Öfter mal stark ermüdet, fast Schwäche, aber nicht zu unangenehm
– Generell entspannt
– die Phasen in denen ich entspannt und nicht müde bin, sind noch der kleinere Teil

Ein Mitkrieger von http://alkohol-und-baclofen-forum.de gab mir den Tipp nicht sofort höher zu dosieren, um weitere Nebenwirkungen nicht zu provozieren. Es besteht wohl die gute Chance, das ich schon in einigen Tagen weniger Nebenwirkungen habe. Dann kann ich wieder über ein aufdosieren nachdenken. Der Dosierungsempfehlung aus dem Beipackzettel folge ich also vorerst NICHT.

Es gibt zwischendurch tatsächlich Momente, in denen ich mich schon fast richtig wohl fühle. Aber wir wollen mal nicht übertreiben – z.Zt. überwiegen noch die Nebenwirkungen, welche aber selbst für mich als Angsthasen wirklich zu ertragen sind.

In jedem Fall habe ich keine Verstärkung der Angst oder gar Selbstmordgedanken. Meine Ex-Ärztin ist, wie ich schon vermuten musste, ganz offensichtlich so dummdreist, dass sie mich einfach stumpf belogen hat, nur um mich bzgl. Baclofen ‚los‘ zu werden.

Es ist einfach armselig, dass Personen, die früher mal den Eid des Hippokrates abgelegt haben sich aus Faulheit, Ignoranz oder Feigheit mit Lügen aus der Affäre ziehen und einen Patienten verrecken lassen, weil sie meinen eine Angststörung sei nichts schlimmes. Denn so kommt es an, wenn man so behandelt wird. Wie hieß es im Eid? „Ich werde ärztliche Verordnungen treffen zum Nutzen der Kranken nach meiner Fähigkeit und meinem Urteil…“
Vielleicht ist es ja ganz gut, das Ärzte den nicht mehr ablegen.

Ich werde weiterhin auf die Suche nach einem Arzt mit Eiern in der Hose gehen; kann ja kaum sein, dass die alle nur den Sportlehrer machen, oder? Irgendeiner wird schon dabei sein, der bereit ist sich erst zu informieren, um dann angemessen neue Wege zu gehen. Der Gesetzgeber ermöglicht die Vergabe von Medikamenten außerhalb der ursprünglichen Zulassung ausdrücklich. Mann/Frau muss nur mitdenken wollen.

In diesem Sinne – alles wird gut!

Stangyl (Trimipramin)

http://de.wikipedia.org/wiki/Trimipramin

Stangyl war das erste Psychopharmaka, dass ich in meinem Leben eingenommen habe. Das ist ungefähr acht bis neun Jahre her. Nicht, dass ich es nicht vorher nicht schon ‚angeboten‘ bekommen hätte, aber da ich auch einer von denen bin, die sogar vor Tabletten und deren ‚unbekannten‘ Wirkungen Angst haben, wurde halt vorher nichts daraus 😉

Zu dieser Zeit – bevor ich es nahm – war ich vollständig fahrig, immer in Unruhe. Es gab nie ‚Pause‘. Deshalb auch der Ansatz des Neurologen, erstmal ‚heruntergefahren‘ zu werden, bevor man mit einer SSRI Behandlung anfängt. Ich hatte zu dieser Zeit keine Ahnung von Psychopharmaka und mich mit der Entscheidung überhaupt etwas zu nehmen eigentlich schon dem ’sicheren Tod‘ hingegeben. Alles schien richtig zu sein, was der Arzt vorschlug und wenn nicht, war es mir tatsächlich egal. Ich sprang also ins kalte Wasser und schaute was passiert.

Im Grunde machte es genau das, was es sollte: es fuhr mich runter. Und mein Gewicht rauf (>25 Kilo Zunahme, die ich übrigens bis heute nicht mehr verloren habe….). Tatsächlich habe ich fast den ganzen Tag geschlafen, oder im Bett gedöst und mir dabei zugeschaut wie ich mir zuschaue. Meine Dosis war 75mg in 3 Teilen gleichmäßig verteilt. Viele erhalten es nur (oder den größten Teil) zur Nacht, da es halt so müde macht. Trimipramin hat eine Halbwertszeit von ca. 23 Stunden, so dass sich die Wirkung einer Nachtdosis auch lange in den Tag verteilt. Vielleicht wäre ich weniger müde gewesen, wenn man da etwas geändert hätte – aber dass ist mir heute mindestens so egal wie damals 😉

Die Angst? Tja, wer schläft und schnarcht während ihm der Sabber aus dem Mund läuft – also der hat auch wenig Angst. Aber auch von allem anderen wenig…. Wie übrigens auch von den Nebenwirkungen: hier hatte ich wirklich nur die Schläfrigkeit und extreme Gewichtszunahme. Darf man dann wirklich von ’nur‘ sprechen? Ich weiß es nicht. In der damaligen Zeit war ich tatsächlich ziemlich dankbar über die Wirkung. Ich konnte sogar hier und da am Computer arbeiten. Wenn ich mal nicht geschlafen haben, versteht sich.

Ich habe Stangyl ca. 2-3 Monate genommen. Hätte ich es länger genommen, wäre ich womöglich ins das Guinness-Buch der Rekorde gekommen – aber nur wegen meinem Gewichtszuwachs.

Der Wirkstoff Trimipramin wird hauptsächlich für solche Zwecke eingesetzt (nein, ich meine nicht das ‚Dick werden‘), da er – im Gegensatz zu anderen tryziklischen Arzneien – wenig Antidepressiv wirkt. Auch ich hatte keinerlei antidepressive Wirkung verspürt. Die anxiolitische Wirkung rührt meiner bescheidenen Meinung vor allem von der starken Sedierung her. Aber ich wünsche mir natürlich eine Angstfreiheit ohne ständig stoned zu sein 😉

Das Absetzen von Stangyl war ohne große Nebenwirkungen oder Entzugserscheinungen von statten gegangen. Ich habe aber auch ganz ‚ordentlich‘ ausgeschlichen, während ich direkt danach mit Paroxetin angefangen habe. Mehr dazu in einem entsprechenden Post.