Tag 13 – Eine kleine Dickmadam zog sich eine Hose an…

… die Hose krachte, Dickmadam lachte, zog sie wieder aus und du bist raus.

Das schöne an so einem Abzählreim ist, dass man auch Glück haben kann 😉

Da wir Angstgestörten aber wenig an unser Glück glauben, müssen wir halt auch mal nachhelfen. So habe ich heute die Dosierung auf 3×7,5mg erhöht, um möglichst nicht wieder Stress mit Nebenwirkungen bei der Hochdosierung zu bekommen. Und siehe da: es fühlt sich kaum anders an, nur ein wenig entspannter vielleicht. Und das an einem Tag, der irgendwie garnicht entspannend war.

Friedrich (siehe Kommentare) gab mir den guten Tipp einfach mal die negativen und positiven Sachen in dieser Zeit auf eine Liste zu setzen und nach einigen Tagen pro und kontra zu vergleichen. Ich muss gestehen, dass mir sowas extrem schwer fällt. Aber was ich definitiv als die bisher stärkste und eindeutigste, positive Wirkung von Baclofen benennen kann ist die unglaubliche Verbesserung der Schlafqualität. Wie man im Blog lesen konnte habe ich die letzten 25 Jahre nicht nur unter Ängsten und Depressionen gelitten, sondern auch sehr stark unter äusserst schlechtem Schlaf. Seit dem ich Baclofen nehme (eigentlich seit der ersten Nacht danach) schlafe ich wie in meiner Jugend das letzte mal. Ich bin Morgens wach und klar. Bisher war ich Morgens stundelang zerschlagen und völlig müde. Wenn ich nicht wirklich etwas wichtiges vor hatte, oder meine Frau mich nicht ‚aus dem Bett geworfen‘ hat, dann habe ich auch ohne Probleme noch einige Stunden drangehängt, so dass ich erst gegen Nachmittag irgendwann aus dem Bett gerollt bin. Dann fühlte ich mich zwar etwas besser, aber war trotzdem noch nicht fit.

Sollte Baclofen also nicht in meiner Zukunft als das Mittel in meine eigene Geschichte eingehen, dass mich von meiner Angst befreit hat, dann aber ganz sicher von meinen Schlafstörungen! Und da ich glaube, dass Schlafmangel stark etwas mit Angst und Depressionen zu tun hat, bin ich noch sehr guter Hoffnung 😉

Ich denke also, dass ich die 3 x 7,5mg Baclofen noch einige Tage nehmen werde und dann schluffig auf die 3 x 10mg klettere. Auf diese Weise glaube ich weiteren Nebenwirkungen von Baclofen weitestgehend zu entgehen. Der heutige Tag (die nur minimal – wenn überhaupt – verstärkten Nebenwirkungen) macht mir Mut, dass es so klappen könnte. Wir werden es sehen.

Ich werde nun lecker noch eine Folge Breaking Bad anschauen und dann gepflegt schlafen gehen. Morgen werden ich mal schauen, ob der Schlaf sich wieder verbessert, denn heute Nacht war ich seit langer Zeit mal wieder etwas unruhig. Ich kann nicht genau sagen, warum und weshalb, aber ich hatte genau das als Anlass genommen heute mit einer höheren Dosis weiter zu machen. Mal sehen, ob es die gewünschte Wirkung hat und die nächste Nacht wieder so wunderbar wie die vorherigen wird.

In diesem Sinne: Eene meene Mütze,zehn Pfund Grütze. Eene meene muh,müd bist du….

Morgen ist (irgend)ein großer Tag!

Ding-Dong! Der Nächste bitte!

Ok, ok, das ist etwas übertrieben. Bei meiner Ärztin geht es noch sehr persönlich zu. Wir schmeissen uns auch mal flapsige Sprüche an den Kopf oder philosophieren über Bücher aus den frühen Siebzigern, die die Achtundsechziger verpasst haben :p Es macht jedenfalls Spass, wenn man merkt, da ist jemand, der versucht nicht nur seine Krankenkassen-Massnahmen durchzuziehen, sondern auch nach dem Patienten und dessen befinden schaut. Das ist nicht leicht, in Zeiten in denen ein Patient gerne auch mal seinen Arzt verklagt. Nicht das ich das nicht gutheissen würde, jedoch bitte nicht wundern, wenn die Ärzte dann auch keinen Spielraum mehr haben.

Baclofen braucht den Spielraum und deshalb unterschreibe ich meiner Ärztin auch eine entsprechende Haftungsfreistellung. Mein Risiko – Sie begleitet es mit Ihrem Fachwissen soweit Sie kann (und das hat nicht nur mit Kompetenz zu tun!). Baclofen ist für Ängste nicht zugelassen, auch wenn es off-Label des öfteren verschrieben wird und es von einer Menge positiver Erfahrungen zu lesen gibt.

Aber was ist mit mir? Hilft es denn gerade mir? Sind alle Berichte über positive Wirkungen von der ‚Baclofen-Mafia‘ lanciert und diese ist auf Angstpatientenfang? Tja……. – wer weiß? Ich werde es herausfinden. Als wäre ich ein mutiger Mensch. Aber es war schon immer meine Meinung, das jemand wie ich, der schon bei einer fünfminütigen Fahrt vom Haus weg soviel Angst verspürt wie ein Fallschirmspringer, der ist der eigentliche Adrenalin-Junkie. Ein Gefahrensucher und womöglich mutiger als alle Anderen! Wer springt schon 3-5 mal am Tag aus dem Flugzeug?

Aber vielleicht lege ich das Gewand des Adrenalin-Power-Users bald ab und werde ein entspannter Mensch. Der ganz verrückte Sachen macht wie: Alleine Einkaufen, Freunde besuchen oder gar alleine mit dem Hund spazieren gehen?!?! Fallschirmspringen langweilt mich :p

Nein, im Ernst. Wenn alles gut gelaufen ist und sich meine Ärztin das Buch von Olivier Ameisen angelesen hat und womöglich ein bisschen im Internet über Baclofen recherchiert hat, dann erhalte ich vielleicht Morgen mein erstes Rezept für Baclofen. Dann werden wir sehen, was folgt. Vielleicht wird Baclofen für mich genauso in die Liste der durchschnittlichen Psychopharmaka eingereiht wie alle Anderen, die ich zuvor genommen habe. Oder vielleicht wird es eine solche Änderung in meinem Leben geben, wie bei z.B. Olivier Ameisen, für den Alkohol fast das Ende seines Lebens bedeutet hätte und der heute – dank Baclofen – ein ganz neues Leben führt. Und das seit Jahren! Ich bin kein Alkoholiker – fast hätte ich natürlich gesagt – jedoch liegt unter so manchem Alkoholismus eine Angstkrankheit. So z.B. auch bei besagtem Autor. Ich habe auch von anderen gelesen und teilweise persönlich mit ihnen Kontakt aufgenommen, die von genau dieser Wirkung bei Baclofen sprechen. Dies klingt ungemein erstaunlich. Fast unglaublich.

Aber was habe ich zu verlieren? Korrekt – ausser ein paar Tabletten einzuwerfen, die als ein verlässliches Medikament ohne gravierende Nebenwirkungen (in den angemessenen Dosen!) gelten – nicht viel Schlechtes. Da habe ich schon anderes Zeug genommen – und auch massive Nebenwirkungen erlebt, wie innere Blutungen und allgemeine Blutungsneigung (ohne Vorbelastung!), wie massiver Drehschwindel bis zum Erbrechen oder manische Episoden mit Gendächtnisverlust.

Auch wenn diese Medikamente eine Zulassung für Angststörungen hatten, haben sie bei mir nicht gewirkt sondern im Gegenteil mehr geschadet. Einige der Medikamente, die so auf mich gewirkt haben, gibt es nur wenige Jahre (teilweise habe ich direkt nach der Zulassung ‚zugegriffen‘). Keiner weiß, was da noch bei einigen Patienten auftaucht. Baclofen ist mit 30 Jahren in der Praxis wirklich nicht der Kandidat für die große Sorge vor dem Unbekanntem.

Ich denke, wenn es Morgen tatsächlich schon ’so weit‘ sein sollte, dann werde ich in regelmäßigen Abständen mein Blutbild untersuchen lassen und dann wird man verfolgen, was passiert. Im Kopf, wie im Blut.