Tag 17 – die 73 Fragezeichen…

Der siebzehnte Tag ist schon eine ganze Menge. Finde ich jetzt einfach mal so. Zumal sich nicht wirklich viel tut – von den kaum erträglichen Magenschmerzen, die einfach nicht mehr weggehen wollen, mal abgesehen…..

Das Motilium hilft auch nur bedingt, was mich noch genervter werden lässt, um nicht zu sagen, dass es mir Angst macht (na klar, ich habe eine Angststörung…). Vor vielen Jahren hatte ich auch ständig diese Symptome der Magenschmerzen, oder eigentlich viel besser liesse es sich mit einem gigantisch aufgeblähten Bauch beschreiben. Der Schmerz ist nicht das Schlimmste; viel mehr diese mächtig aufgeblähte Bauch, der so garnicht verschwinden will und mich gefühlt am Atmen hindert. Was ich eigentlich sagen wollte: vor vielen Jahren hatte ich auch immer diesen tierisch aufgeblähten Bauch und bevor die Diagnose Helicobactor Pylorie kam, wurde ich mit Pepdul und Propulsin behandelt.

Propulsin ist im Grunde sowas wie Motilium: ein Mittel zur Steigerung der Darmtätigkeit, damit das Futter aus dem Magenn verschwindet und nicht rumnervt. Propulsin hat leider den einen oder anderen dahingerafft, so dass es kurz nach der Jahrtausendwende irgendwann vom Markt genommen wurde.
Was aber damals am meisten half, war Pepdul. Ein Histamin-H2 Blocker, der die Produktion von Magensäure unterdrückt. Mittlerweile gibt es Pepdul, bzw. dessen Wirkstoff Famotidin auch rezeptfrei, nur in einer etwas geringeren Dosis (Aber ich kann ja mehr nehmen 😉 ).

Ich habe es sogar hier, muss aber sagen, dass es mir nicht wirklich passt, dass auch noch zu nehmen. Diese Chemicoctail-Fresserei macht mich als Angstfreak schon ein bisschen nervös. Wenn’s aber hilft? Das wäre gut, zumal ich bei dem tierisch aufgeblähten Bauch im stehen nicht mal meine Füsse sehen kann – und wer weiß, vielleicht sind die dreckig und ich sollte die mal waschen!?

Ach, und was ich am Rande ganz ‚vergessen‘ habe: ich habe heute den ersten Tag 3x10mg genommen und – bis auf den Bauch – das Ganze auch ganz ordentlich vertragen. Der Schwindel wird weniger und meldet sich noch ein bisschen. Wenn ich nicht gleich wieder höher dosiere, dann geht das auch bestimmt bald wieder vorbei. Hoffe ich 😉

Tja, aber wenn ich das so betrachte: 17 Tage, 30mg und die Wirkung irgendwie noch im Bananenstadium. Da bin ich etwas angefressen.

Hatte Goldfinger nicht in einem Kommentar geschrieben er nimmt Bac genau einen Monat und ihm geht es richtig gut. Da treibt es Mr Pippi in die Augen und ich denke dann gleich wieder, dass sich daraus ableiten ließe, dass Baclofen deswegen wohl bei mir nicht hilft. Tja, mir wurde schon oft, dass man das nicht so annehmen darf, jedoch bin ich da wohl etwas anders gepolt.

Nun gut, ich werde nicht gleich aufhören. Aber das mit dem Magen muss ich noch in den Griff kriegen. Sonst geht es nicht weiter.

Baclofen ist da, und nun?

Tja, ich wäre wohl keiner mit einer Angststörung, wenn diese Frage so leicht zu beantworten wäre 😉
In all den Jahren, in denen ich Psychopharmaka genommen habe, hatte ich es mir eigentlich zur Regel gemacht, nicht in irgendwelche Beipackzettel zu schauen. Jedenfalls nicht zu Beginn oder gar vorher!

Mein erster psychiatrischer Arzt, der mir z.B. Stangyl verschrieb, hatte ein wirkliches Talent die Sorgen um Nebenwirkungen auszutreiben. Er verteilte eine Ruhe, die man solange aufbrauchen konnte, bis man selbst merkte, dass man keine Angst vor dem Medikament zu haben brauchte. Und siehe da, ich empfand vor allem, was mir half und nicht was Negatives hinzugekommen ist. Das war sehr gut.

In den Jahren hat sich inzwischen einiges verändert: Der besagte Arzt hat leider seine Praxis aufgegeben und ich musste irgendwann anfangen selbst nach alternativen Medikamenten zu suchen, da die ‚Standards‘ nicht anschlugen und der nachfolgende Neurologe sich nicht wirklich für eine Medikation interessierte. Sein alleiniges Heilmittel sieht er darin, dass ich es ‚einfach mal mache‘. Tja, das ist sicher gut – aber dieser Abflusskanal ist bei mir leider verstopft….

Wenn ich heute ein neues Medikament ausprobiere, habe ich mich bereits länger damit befasst. Ich gehe wenig unvorbereitet darauf los und das hat nicht nur gute Seiten. Ich habe zusätzliche Angst vor, ja wovor eigentlich?

Ich versuche die Optionen mal aufzulisten, denn da ist mehr:

a) Was ist mit böööösen Nebenwirkungen? Kann ja sein, hab auch schon welche gehabt, die nicht witzig waren und nicht eingebildet (ja, man kann sich z.B. eine zu niedrige Blutgerinnung mit allen Folgen nicht einbilden…)

b) Was ist, wenn es ganz einfach nicht hilft? War es nicht meine letzte Chance? Ist dann alles vorbei?

c) Was ist WENN es hilft?! Was macht meine Psyche dann mit mir? Kann ich es überhaupt ertragen, wenn ich plötzlich wieder alles machen kann? Nach 25 Jahren Knast dreht so mancher Knacki wieder ein Ding und lässt sich mit Absicht erwischen….

Das sind für mich so die offensichtlichen Probleme, seit dem ich nicht mehr so ganz ‚blauäugig‘ an Medikamente heran gehe. Ich male mir also noch welche dazu – denn Probleme finde ich wohl toll.

Fangen wir mal mit Punkt c) an: Angst davor keine Angst mehr zu haben? Klingt absurd? Ja, das klingt es, aber da ist was Wahres dran. Diese Befürchtung beschleicht einen. Aber beim genauen hinsehen entpuppt es sich für mich schon als Befürchtung vor einer letztendlichen Enttäuschung – nach dem Motto: einige Wochen Schwebe ich im siebten Himmel, weil alles so toll ist und dann ‚BOOOM‘, hört die Wirkung wieder auf. Alles vorbei. Ich glaube diese Angst geht in so eine Richtung – weil es nach all diesen Jahren wirklich unglaublich wäre, wenn es wirklich hilft.
Meine Frau sagte heute zu genau diesem Punkt: „Wenn Du willst, können wir dann ja hier und da mal Angsterkrankung ’spielen‘. Dann bleiben wir zu Hause, machen alles nur zusammen usw.“
Und was habe ich geantwortet? „Ja super!“ 😉

So, dann. Zu Punkt b): Das ist doch wohl eine plausible Angst, oder? Nur bedingt, werden die Psychotherapeuten unter euch rufen! Ihr werdet noch viel mehr zu meinem Blog rufen, aber an diesem Punkt kommt Euch der so viel beschrieene ‚Gewinn der Angst‘ in den Sinn.
Tja, und ihr könnt euch auch wieder setzen – ich leugne ja garnicht. Irgendwann hat es den bestimmt gegeben. Man konnte vermeiden, das eine oder andere zu tun. Bestimmt. Aber reicht dieser Gewinn so lange? Über so viele Jahre mit Verlust? Ich glaube nicht. Irgendwann verselbstständigt sich so etwas (wenn man überhaupt an den Gewinn glaubt) oder für einige war es schon immer ein ‚Selbstläufer‘. Und in jedem Fall wäre es zum jetzigen Zeitpunkt ein Tiefschlag. Ein nicht enden wollendes Ende. Reines Schwarz. Das macht mir Sorgen und nach all den enttäuschten Hoffnungen, die ich über die Jahre hatte, sicher nicht grundlos.

Dann bleibt noch Punkt a): Ja und das ist der Grund, warum ich eigentlich am liebsten nicht diese Tabletten nehmen würde. Der direkteste Grund, den ich mir so herhalten kann: Man kann ja sooooo viele, schlimme Dinge als Nebenwirkungen kriegen. Teuflisch! Der Beipackzettel ist zwar nur halb so lang wie der von den ’normalen‘ Medikamenten, die ich über die Jahre und sehr lange eingenommen habe, aber da war es ja ‚offiziell‘! (Korrekt, diesen Satz bitte unter Sarkasmus speichern – ich bin nur angstgestört, nicht bekloppt!). Ich merke also immerhin, das diese Gedanken sinnfrei sind und wenig Grundlage haben, aber – und das ist halt ein wesentlicher Teil der Angststörung – ich sitze hier, seit dem der Postmann da war und mach mir diese verfickten Gedanken! Das nervt total! Warum muss ich immer glauben, das jeder Scheiss irgendwie gefährlich ist. Ich hoffe nur, die wenigsten von Euch da draußen wissen zu gut wovon ich rede….

Tja, also. Ich wollte also nur mal das Wichtigste der letzten X Tage mitteilen, denn das sind diese Gedanken für mich. Der Schritt in welche Zukunft? Ich weiß es nicht.
Ich werde etwas twittern oder hier schreiben, sobald ich weiß wie es weiter geht.

Und wieder ein Blog….

Vor zwei – nein, es sind schon drei – Tagen war ich bei meiner Ärztin. Mal wieder. Und mal wieder hatte ich etwas „Neues“ im Gepäck.

Ich bin einer der Angstpatienten, der es einfach nicht hinnehmen will, was mir gemeinhin ALLE zu meiner Krankheit sagen ( wobei die, die es wirklich als Krankheit sehen – und nicht einfach nur als Schwäche – eher zur Ausnahme gehören ): „Nimm die Angst, wie sie ist. Sie wird Dein ständiger Begleiter, blablabla“.

Und was es ’noch schlimmer‘ macht: Ich besitze auch noch die Frechheit zu denken, das alles durch ein chemisches Ungleichgewicht verursacht wird. Sämtliche Psychologen bekommen bei diesem Gedanken chronischen Reizhusten und winken ab – ich weiß.

Aber wie erwähnte ich Eingangs? Ich war bei meiner Ärztin! Und was ich immer mal wieder im Gepäck habe, ist ein ’neues Medikament‘. Es gibt Ärzte, die finden das mindestens so ermüdet wie juckender Fusspilz, aber meine Lieblingsärztin ( Oja, ich gehe zu mehreren – falls mal einer schlapp macht…. ) hört mir zu und ist sich sehr wohl über den Leidensdruck bei all meinem Sarkasmus bewusst. Deswegen kann ich sehr gut auch mal über ungewöhnliche Optionen mit ihr reden. Wie dieses mal.

Ungewöhnlich ist dieses Medikament deswegen, weil es nicht für Angststörungen oder wenigstens für Depressionen zugelassen ist: Baclofen.

Es ist ein gabanerg (GABAb) wirkendes Medikament, das zur Muskelrelaxion eingesetzt wirkt. Es wird seit einiger Zeit off-Label bei Alkoholsucht angewendet, nachdem ein ehemals alkoholsüchtiger Herzchirurg sich mit diesem Medikament selbst geheilt hat und ein Buch über diesen Weg geschrieben hat (Olivier Ameisen, „Das Ende meiner Sucht“).
Er stoss damit eine Welle an, die hoffentlich nicht mehr aufzuhalten ist.

Es gibt auch ein wunderbares Forum zu diesem Thema, das nicht nur für Alkoholkranke, sondern auch für Angsterkrankte von Interesse sein sollte: http://alkohol-und-baclofen-Forum.de.

Ich werde nun (hoffentlich) in den nächsten Tagen den eigenen Selbstversuch nach 25 Jahren Angststörung starten und möchte in diesem Blog allen die Möglichkeit geben das von mir erlebte zu verfolgen und – wenigstens, wenn es gut verläuft – auch zu versuchen.

Zugegeben – selbst wenn die oben erwähnte Ärztin nicht bereit sein sollte, diesen Weg mit mir zu gehen, ich würde solange an Türen klopfen, bis ich jemanden finde…