Nu isses amtlich: ADHS. Und die erste Medikinet ist auch schon drin….

Tja, womit fange ich an? Das ich vor 15 Minuten die erste Medikinet/Ritalin/MPH genommen habe? Jo, da ich es schon geschrieben habe, ist es ein guter Anfang 🙂 Jedenfalls in kleinster Dosis, da alte Herren bei Kinderkrankheiten ja ‚aufpassen‘ müssen :p

Aber im Ernst – da ich ja vor allem unter den Ängsten leide, soll ich das langsam angehen. Sonst kriege ich zuviel Gelegenheiten mir wieder was an Nebenwirkungen einzubilden. Ich schaue jetzt mal und ziehe die Dosis in den nächsten Wochen höher, wenn ich merke, wie/ob es funktioniert.

Jetzt aber zum gestrigen Tag. Da es der 1.4. war, habe ich es mir absichtlich gespart es als möglichen Aprilscherz auflaufen zu lassen. Wenn ich überlege, dass es am letzten Termin hieß ‚das können wir heute nicht mehr machen, dass muss umfangreich besprochen werden‘, so musste ich gestern doch innerlich mehr als grinsen, als ich merkte, dass  mir eigentlich nix erklärt wird. Mein Hausarzt kriegt einen ‚Arztbrief‘ und ich kriege Ritalin 😉

Naja, ganz so knapp war es auch nicht, aber er resümierte halt, es sei eine klare, starke Angststörung (hui, gut beobachtet Herr Doktor!) und dann halt eine eindeutig diagnostizierte ADHS. Wobei er meinte, dass die Angststörung so massiv sei, dass sie evtl. nicht davon weggeht wenn man das ADHS behandelt. Aber auf Grund der vielen Therapien und Medikamente, die ich in meinem Leben so durchgezogen habe, schätzt er die Chance sehr hoch ein, dass nach erfolgreicher Behandlung des ADHS, auch eine erfolgreiche Behandlung der Angst stattfinden könnte.

Also schauen wir mal, ob sich das ADHS ‚erfolgreich‘ behandeln lässt 😉 Es gibt ja mehrere Ansätze, dem Dopaminmangel entgegen zu wirken. Der Klassiker ist aber Methylphenidat (Ritalin, Medikinet usw.), weshalb er auch sagte: ‚Wenn wir das ADHS behandeln, dann gleich mit dem Mittel der Wahl‘, sprich Methylphenidat. Wir fangen also von gaaanz unten an und tasten uns hoch. Nicht nur weil ich als Angstfuzzi meine speziellen Ecken und Kanten habe, sondern auch weil die Dosen, die für gewöhnlich bei Kindern gegeben werden, bei Erwachsenen meist viel zu hoch sind. Das hat wohl damit zu tun, dass die Menge der Dopamintransporter  in den entscheidenden Gehirnregionen im Laufe der Zeit abnehmen. Das erklärt im Übrigen auch, warum viele ADHSler im Erwachsenenalter entweder keine oder nur wenige Probleme haben. Bei vielen reguliert es sich chemisch und dann ‚lernen‘ wir als Erwachsene auch uns besser zusammen zu nehmen 😉

Ich und mein Medikinet werden uns jedenfalls ein bischen auf die Terasse setzen und dem Treiben da zuschauen. Mal sehen, wie sich das anfühlt.

Stay tuned und LG

Petrocelli

Adieu Elontril – Hallo Ritalin…..

Tja, wenn das mal kein abgelutschter Titel ist 😉

Ok, wie für jeden zu sehen ist, schwächel ich ganz deutlich auch in meiner Schreiblust. Oder vielleicht besser in meinem Antrieb wenigstens hier am Ball zu bleiben. Ich mache das nicht nur, um anderen etwas zu schreiben, was sie nicht lesen wollen, sondern ja auch, um mir selbst etwas ‚mitzuteilen‘, mir einfach auch was von der Seele zu schreiben.

Die letzten Wochen und Tage waren halt besonders frustrierend. Mal wieder stelle ich fest, dass mir offensichtlich ’nicht zu helfen‘ ist. Am Ende muss ICH etwas ändern? An MIR? An dieser Stelle wird es für alle klar, nur für mich nicht. Jeder sagt mir: ‚Hey, reiss Dich doch mal zusammen! Da musst Du auch WIRKLICH anpacken wollen! Geh‘ doch mal nen Risiko ein!‘ – Naja,  gutgemeinte Schulterklopfer wie diese halt. Und ganz ehrlich? Ich glaube jeder von denen hat Recht. Es liegt ’nur‘ an mir.

Ich meine, es ist ja nicht so, als würde ich das nicht sehen. Und genau das macht mir ja diese Sorgen, die mich dann noch immer weiter runterziehen. Naja – und dann werde ich halt schreibfaul. Ich  bin einfach nur froh, wenn der scheiss Tag vorbei ist. Bitte ein bischen doofen Fernsehen und dann schlafen. Der nächste Scheisstag kommt schon in wenigen Stunden – will garnicht wissen, wovor ich dann wieder Angst haben werde.

Elontril hat hier leider nichts gebracht. Hmm, ne, das wäre gemein, für alle die Elontril versuchen wollen. Ich formuliere das anders: Elontril hatte zwei ‚Richtungen‘, die es bei mir deutlich verändert hatte:

1) Im Kopf gab es wirklich positive Veränderungen. Teilweise eine deutliche Ruhe und vor allem eine bessere Konzentrationsfähigkeit. Dabei darf man in keinem Fall vergessen, wie WENIG ich davon genommen habe. Ich glaube also wirklich, da ist eine sehr positive Wirkung in dem Zeug! Sicher einen Versuch wert, für alle die ADHS-Tendenzen haben.

2) Körperlich war es ein echter Kackvogel. Diese Wirkung auf den Pulsschlag hat mir unglaublich aufgewühlt. Ich weiss nicht, ob ich das nicht ausgehalten habe, weil ich so’n Angsthase bin, oder ob auch ’normale‘ auf diese Symptome reagiert hätten. Wer schon mal eine wunderbare Nebenhöhlenentzündung hatte und dann versucht hat, etwas vom Fussboden aufzuheben, der kennt das pochende Gefühl im Kopf unter den Augen und der Stirn. Das stelle man sich für Hals und Unterkiefer vor. Und man braucht sich nicht mal bücken….

Sicher ist es nicht gefährlich. Klar. Ist auch die Angst nicht. Trotzdem glaube ich jedes mal, ich muss sterben. Das macht es weniger witzig. Vor allem, wenn man trotz aller wiedersprüchlichen Gefühle eigentlich weiß, dass dies alles ein Trugschluss ist. Nur fühlt es sich körperlich so überzeugend an, dass alle Theorie völlig unecht daherkommt.

Um diese Symptome, die nun auch nach ca. 3 Wochen nicht abhauen wollten, mit dem Doc aus der Ambulanz zu besprechen, hatte ich mir für heute einen Termin geholt. Den brauchte ich umso dringender, da ich zu meiner persönlichen Belustigung vorgestern zusätzlich eine ausgewachsene Nesselsucht bekommen hatte. Nach der ersten Nacht, wunderte ich mich noch darüber, dass es im März schon wieder Mücken in unserem Schlafzimmer geben sollte, aber als es gestern Abend dann richtig losging und ich den Quaddeln zuschauen konnte, machte ich mich richtig fertig. Nicht, dass ich Angst vor Quaddeln hätte, aber ich bin ja Profi: Wenn sowas in so einer Geschwindigkeit daherkommt, kriege ich ja gleich wieder Sorgen, als nächsten schwillt mir der Hals zu. Naja. So gegen 1:00h nachts viel mir ein, dass wir noch irgendwo so ein Antihistaminika haben – Lorano. Und freundlicher Weise schlug das auch wirklich an. Gegen 3:00h konnte ich mich langsam entspannen und bin dann wohl auch eingepennt.

Bis jetzt – toitoitoi – sieht man nur die ‚Überreste‘ der Quaddeln, aber es ist nichts richtig nachgekommen. Das Zeug soll ja auch ~24h anhalten. Gleich nehme ich die nächste um das ganze mal für ein paar Tage zu beruhigen, dann sollte es wieder gehen. Seit meiner Kindheit hatte ich sowas über die Jahre immer wieder – vor allem, wenn ich psychisch oder z.B. mit einer Grippe sowieso schon voll im Arsch war. Den Letzten ficken die Hunde – oder sowas….

Gut, wo war ich? Achja, der Termin bei der Ambulanz. Da habe ich dem Doc also mein Leid geklagt (heute war es der andere von den beiden, die in meinem ersten Termin mit mir gesprochen hatten) und gemeinsam betrachteten wir die Liste der lustigem Medikamente, die ich über die Jahre so eingenommen habe. Ich hatte eine Liste aller Medikamente gemacht an die ich mich erinnern konnte und notiert wie die jeweils für mich gewirkt hatten. Klare Gewinner waren Trevilor und Cymbalta – deswegen war mein himlicher Tipp nun auch ‚Strattera‘ – ein Noradrenalinwiederaufnahmehemmer, der auch für ADHS mit Komorbidität Ängste gegeben wird. Unterliegt auch nicht dem BTM und wäre deshalb leicht zu verschreiben.

Jedoch hatte ich mich (ausnahmsweise) tatsächlich zurückgehalten, da ich auch noch ziemlich geknickt von der Nacht war und irgendwie keinen Bock auf garnichts hatte. Wollte mal wieder mit mir und all dem Scheiss abschliessen. Dann wuselte er sich durch die Unterlagen, die man während der ADHS-Testung gesammelt hatte und den Notizen, die bisher gemacht wurden und der Medikamentenliste. Dann sagte er plötzlich, er glaube im Grunde – ohne genauer die Ergebnisse der ADHS-Testung zu betrachten (hier habe ich am 1.4. einen Termin für die ausführliche Besprechung des Ergebnisses), dass wohl MPH (Methylphenidat, also Ritalin) bei allem was er so sieht wohl das beste Mittel sein könnte. Nach all den Therapien (stimmt, die hatten wir auch aufgelistet 😉 ), Medikamenten und der langen Zeit glaube er auf Grund des zusätzlichen ADHS-‚Eindrucks‘, den er von mir hat, dass es sehrwohl sein könnte, dass ich ein ADHSler bin und die Angststörung letztendlich das Ergebnis der Hyperaktivität ist. Dafür würde auch sprechen, dass ich schlicht therapieresistent erscheine.

Als ich dann auf ‚Strattera‘ kam – als Alternative – wurde er deutlicher und sagte, dass MPH schlicht das Mittel der ersten Wahl für ADHS ist und er es deswegen vorziehen würden. Man sollte sich dann die Zeit nehmen zu beobachten, wie es anschlägt und wie sich die Angst dann entwickelt. Er meinte, wenn es ein Erfolg ist – ich also auf MPH anspreche – dann auch eine ‚richtige‘ Angsttherapie möglich sei. Diese dann überhaupt erst anschlägt.

Im Grunde hat er mir bzgl. ADHS zwei Dinge gesagt: a) Sie haben ADHS – da verwette ich meinen Arsch drauf! b) Am nächsten Freitag haben wir ja einen Termin für das Ergebnis der ADHS-Testung. Dann sagen wir Ihnen, ob sie ADHS haben….

Ganz klar – den Mann finde ich cool 😉 Aber mal im Ernst, ja ich verstehe das – die wollen da die Regeln einhalten. Denn witzig war, ich habe zwischendrin ja ’natürlich‘ auch gefragt: „Wie ist denn das? Ihre Kollegin sagte, die Ergebnisse sind fertig. Habe ich denn jetzt ADHS?“ Die Antwort war ein: „Ähm, ja ne, also das kann ich nicht so einfach sagen, das ist schon etwas umfangreicher….Das machen wird dann ja nächste Woche.“

Ahja… Klar.

Jedenfalls gefällt mir der Mann ungemein. Er bringt ganz offensichtlich eine Menge Background für Heinis wie mir mit und ist dennoch offen für neue Ansätze. Wollte sich z.B. erkundigen, ob Strattera – mit dem er selbst nicht soviel Erfahrung gemacht hat – vielleicht bei Komorbiditäten wie Ängste vielleicht sogar ‚passender‘ ist, als MPH. Denn das hatte der überschlaue Petrocelli irgendwo gelesen und musste es natürlich mit einbringen 😉

Er lässt sich also von so einem Schlaupinsel wie mir nicht aus der Ruhe bringen. Das gibt mir wiederum das Gefühl, ich bin vielleicht wirklich an der richtigen Adresse.

Ihr habt keinen blassen Schimmer, wie ich mir den nächsten Freitag herbei sehne, um endlich den nächsten Schritt zu machen. Ich weiß, dass ich immer wieder nach ‚Strohhalmen‘ suche. Aber nach all den Jahren bin ich mir über zwei Dinge immer mehr im klaren: a) ich beweise jeden Tag, dass ich es ‚alleine‘ nicht schaffe, und b) das da einfach noch ‚irgendwas‘ mit mir ist, was  nicht ‚einfach‘ nur Angst ist.

Ich weiß, dass gerade der zweiten Teil wohl von den meisten Angsterkrankten beansprucht wird – aber um den Wahnsinn zu komplettieren: bei mir stimmt es :p

Wie sieht die Alternative aus? Ich würde aufgeben. Denn die oben zitierten und sicher gut gemeinten Ratschläge kann ich einfach nicht ohne eine Veränderung des innerlich Gefühlten nicht umsetzen. Jedenfalls fühlt es sich so an. Es steht im Gegensatz zu dem, was man an tausend Stellen lesen kann. Nur ich kann es nicht in mir entdecken. Dort entdecke ich etwas, von dem ich hoffe es bald benennen zu können. Ansonsten wird dieser Blog noch viele Jahre bestehen.

Ich wünsch‘ Euch nen schönen Abend. Spätestens am 1.4. gibt’s nen nächsten Eintrag – und sicher werde ich auch den einen oder anderen dämlichen Aprilscherz bringen 🙂

LG Petrocelli