Tag 23 – gib mir mehr, gib mir mehr!

Da sage nochmal einer ich wäre einfach zufrieden zu stellen (nicht das sich das jemals einer trauen würde, der mich kennt!), aber wenn man selbst nicht mehr weiß, was man so will, dann wird es anstrengend!

Das schöne als Irrer ist, man hat eine gewisse Narrenfreiheit und diese sollte man auch ausnutzen. Wozu sonst all der Ärger? Worüber rede ich also? Über die offensichtliche ‚Kurve‘, die ich mit Baclofen fahre. Ich versuche das mal zu beschreiben:

Zum Beginn einer Dosiserhöhung: Müdigkeit, leichte Benommenheit, Drehschwindel  usw. – dafür eine gewisse Dankbarkeit, da die Benommenheit in keinem Fall als unabgenehm zu bezeichnen wäre. Jetzt bloss nicht Autofahren, die eigene Karre wäre gefährdet und Gummibäume werden ja wohl nur gerüchteweise aufgestellt.

Tag 2-4 nach einer Dosiserhöhung: Müdigkeit usw. nehmen ab, verschwinden aber nicht. Es wird aber klar, dass die Müdigkeit/Benommenheit keine vorrangig angstlösende Wirkung hat (jedenfalls noch nicht).

Tag 5 nach einer Dosiserhöhung: Fast schlagartig verschwindet die Tagesmüdigkeit und Benommenheit. Nur ganz leicht – und witziger Weise nur in Phasen über den Tag verteilt – tauchen diese Nebenwirkungen manchmal stark abgeschwächt auf. Selbst ein Profiselbstbeobachter wie ich, muss genau hinschauen.

Diese Kurve, die sich bisher bei allen (vier) Dosiserhöhungen wiederholt hat, scheint nicht wirklich weit von dem entfernt zu sein, was man bei vielen anderen bzgl. Baclofen lesen kann. Ich als ‚Schau Dir in den Körper, Kleiner‘-Spezialist brauche offensichtlich deshalb 5 und nicht 2 Tage, weil ich halt wesentlich stärker auch nach negativen Effekten suche. Dass muss selbst ich mir mittlerweile bei all der Skepsis eingestehen, die da so innewohnt in mir.

Faszinierend finde ich aber, dass ich heute, am 6. Tag mit 30mg Baclofen, wie schon bei den Stufen vorher schon einige Momente hatte, in denen ich mir so gedacht habe, dass es sich womöglich ‚besser‘ anfühlen würde, wenn ich spontan mal noch eine Tablette einwerfe, um die Dosis zu steigern. Sprich: mein Köpfchen meint, es könnte weitergehen, obwohl ich auf der anderen Seite ja ständig darauf bedacht bin, bloss nicht das Risiko für Nebenwirkungen zu erhöhen. Paradox? Selbstverständlich! Fühlt sich aber so an. Und noch ein Effekt, der mir auch schon öfter aufgefallen ist, den ich aber nicht wirklich verifizieren kann, da hier warscheinlich das meiste mit feinster Einbildung dahergeht: Gerade dann, wenn der Spiegel von Baclofen abfällt (also wenige Stunden nach Einnahme) glaubte ich hier und da schon, dass die Nebenwirkungen höher sind, als einige Minuten nach der Einnahme, wenn der Wirkstoff mit maximaler Stärke durch die Adern saust. Wenn ich dann z.B. Mittags die zweite Tablette nehme, dann werden die Nebenwirkungen nach einer knappen Stunde – ich sage mal – angenehmer.

Ich will garnicht behaupten, dass diese Beobachtung direkt aus meinem kranken Köpfchen entspring und jeglicher Grundlage entbehrt, aber der Gedanke kam mir jetzt schon so oft, dass es schon auffällig ist.

Also an alle Lehmänner und Goldfinger da draussen: kommt Euch sowas irgendwie bekannt vor, oder galoppieren die kleinen Klappsepferdchen mit mir davon? Ich glaube jedenfalls, ich sollte die 3x15mg in Angriff nehmen in den nächsten Tagen. Auch hier bin ich an Meinungen und Erfahrungen interessiert. Passiert irgendwas auffälliges bei der ‚richtigen‘ Dosis, das ich nicht übersehen kann oder marschiere ich dumm dran vorbei und latsche ich direkt in komatöse Dosen, die mich nurnoch sabbernd in der Ecke liegen lassen?

Jaja, ich bin berühmt für meine sinnigen Fragen 😉

Tag 18 – redlich ernährt sich das Eichhörnchen

Ich wollte eigentlich Abends keine Einträge mehr schreiben, da ich ganz klar sagen kann, dass ich Abends – nicht zuletzt durch die stärkeren Magenprobleme am Abend – irgendwie schlechter drauf bin als tagsüber. Es könnte also ohne weiteres sein, dass ich vielleicht eine klitzekleines bisschen zu unfair gegenüber Baclofen bin, wenn ich Abends nurnoch angefressen im Bett liege und gerne schlafen möchte, der Magen mich aber nicht lässt.

Tja, nun ist es aber schon wieder Abend geworden 😉 Ich versuche mich also mal an den Tag zu erinnern. Heute war ich zum letzten Mal (wenigstens für diesen einen Zahn) beim Zahnarzt und von den anfänglichen Angstgefühlen bei der Hinfahrt mal abgesehen, war ich schon sehr gechilled beim Zahnarzt. Das lief sogar darauf hinaus, dass ich dem Mann fast eingeschlafen wäre auf dem Behandlungsstuhl. Ich war nicht betäubt oder sowas, sondern einfach so entspannt und auch im Bauch problemfrei, dass ich wohl ein wenig Schlaf von gestern nachholen wollte. Und wo kann man das besser als auf diesen wunderbar geformten Zahnarztstühlen? Das mit dem Bohrer wird gemeinhin stark überbewertet 🙂

Es gibt Leute mit denen ich in meinem Beruf zu tun habe, die gehen mir wesentlich mehr auf die Nerven. Da wurde mir doch heute vorgehalten, ich wäre einem Mitbewerber gegenüber ‚ausfallend‘ geworden! Oho! Aber ganz ehrlich: ich habe nicht einmal ‚Arschloch‘ oder sowas bösartiges zu dem gesagt. Vielleicht hätte ich nicht sagen sollen, dass ich ihm das ganze nochmal wie bei der Sendung mit der Maus erkläre… Aber ‚ausfallend‘ – na, ich bitte doch – das ist ne Kindersendung. Was ist daran ausfallend? Nur weil es Erwachsene gibt, die davon auch mal eine Lektion brauchen? Der Zahnarztstuhl ist also im Grunde garnicht schlimm, wenn man nur die richtigen Vergleiche heranzieht.

Und bei all den Magenproblemen, die ich so mit mir herumtrage, kann man aber ganz klar sagen, dass es sehrwohl auch positive Wirkungen geben muss. Sonst würde ich kaum solche Erlebnisse beim Zahnarzt haben? Zugegeben ist der Zahnarzt ein langjährig bekannter, fast befreundeter Mann, aber weh tut er mir schon – in solchen Momenten ist es egal, wie nett er sonst ist.

Die Nebenwirkungen sind nun, am 2. Tag mit 3x10mg fast wieder so wie noch vor einigen Tagen, als ich schon länger auf 3x5mg war. Und ich bin mir (mal vom Magen abgesehen) ziemlich sicher, dass die restlichen Nebenwirkungen, wie der leichte Schwindel etc., auch tatsächlich ganz auf Null gehen können. Nur ein wenig Zeit ist wohl nötig.

Und wenn ich mir dann so überlege, dass die Nebenwirkungen verschwinden können, die Magenproblematik evtl. auch mit anderen Mitteln zu behandeln sind, dann gefällt mir das schon wieder ziemlich gut, für ’18‘ Tage. Und ich glaube ja wirklich, dass ein nicht unwesentlicher Teil der psychischen Wirkung über den guten Schlaf zu erreichen ist. Und der ist ja leicht eingeschränkt, durch den Magen. Wenn also der Magen wieder auf seine Spur zurück kommt, dann habe ich gute Hoffnungen.

Ich weiß noch nicht, wie dann vielleicht spätere Fortschritte aussehen könnten, aber egal. Ich werde es feststellen, weil die Nebenwirkungen bisher nicht so schlimm sind, dass ich bald aufhören möchte. Wie schon gesagt eher im Gegenteil.

Ok, ich werde murrig und möchte es nicht ‚am Blog auslassen‘. Ich werde einfach mal schauen, in wie weit mit Famotidin das ganze hier verbessert werden kann. Die Nacht wird es zeigen.

Tag 15 – warten um zu gehen?

Die gestrige Nacht war wieder sehr gut. Endlich, um erhlich zu sein. Mir wurde von Federico zwar gesagt, Baclofen würde dem Magen nicht zusetzen, aber – Federico ahnt es schon längst – ich bin mir da leider nicht sicher. Im alkohol-und-baclofen-forum.de finde ich auch verschiedene Bericht von Baclofen-Usern, die mit Ihrer Gastritis mehr zu tun haben, wenn sie Bac nehmen. Ob Baclofen das verursacht will ich ja garnicht meinen, aber ich denke es verstärkt die Magenprobleme bei denen, die eh damit zu tun haben. Der zeitliche Zusammenhang ist schon deutlich.

Das Ganze ist aber auch nicht kriegsentscheidend, denn ich werde einfach mit Motilium und Famotidin gegensteuern, dann wird das schon wieder. Seit gestern nehme ich ja wieder Motilium und die Nacht hat ja schon gezeigt, dass es besser wird.

Aber nun zu meinem Titel: heute kann ich sagen, dass ich kaum noch Nebenwirkungen merke. Also denke ich, dass ich vielleicht Morgen auf 3x10mg gehe. Die Nebenwirkungen schwinden, aber die Angst vor der Angst ist noch fast unvermindert da. Und natürlich frage ich mich, ob es irgendwann ‚klick‘ macht, und ich dann spüre, das die Angst nicht kommen würde, wenn ich etwas mache, was ich schon lange vermeide? Oder MUSS ich erst losrennen, irgendwas machen, wovor ich bisher immer Angst hatte, Amir ich merke, da die Angst garnicht mehr ausbricht?
Was passiert aber, wenn ich etwas ausprobiere und dann bricht die Angst aus. Verstecke ich mich dann total und würde ich es dann nicht mehr mitbekommen, wenn es dann doch ginge? Ich bin vor zwei Tagen – als aber auch die Magenprobleme sehr stark waren, unter denen ich mich immer noch kleiner mache – in ein kleines Einkaufszentrum und wollte etwas Bargeld aus einem Automaten holen. Meine Frau wartete im Auto. Und für mich war es eine Tortour: Der scheiß Automat war besetzt und der Typ sah aus, also würde er bei einem Telespiel den Highscore knacken wollen und nicht wie jemand, der einfach nur Geld abheben will. Und es schien mir, es dauerte ewig, bis der Highscore geknackt war….
Während ich selbst auf mein Geld wartete (ich glaube ja manchmal, die drucken das Geld da drin….), drehte sich alles wie in ‚alten Zeiten‘ und meine Blicke suchten den Ausgang, noch bevor ich wenigstens meine dämliche Karte aus dem Automaten raus hatte.

Tja, also dafür, dass das Tag 13 mit Baclofen war, ziemlich kacke. Und das frustriert mich nicht nur, sondern bringt halt immer wieder zu der Frage, welche Reihenfolge ist die richtige? Und wenn es nur über denn Weg des ausprobierens geht – wann geht es los? Ich habe nämlich keinen Bock mehr auf diese Geldautomatenerlebnisse. Klar, hab‘ ich ja überlebt, aber nur weil ich weiß, ich überlebe das immer, macht es das Ganze nicht ein bisschen besser. Den Zahnarzt überlebt man im allgemeinen auch immer – und? Wer will sich das jeden Tag immer wieder reintun? Also nicht vergessen: ohne was davon zu lernen! (jeden Tag zum Zahnarzt dürfte die meisten nach einiger Zeit auch nicht mehr tangieren, soviel Zähne hat keiner 😉 )
Denn da liegt ja wieder das Angsthasenproblem: zu wissen, dass es einen nicht umbringt, macht die Quälerei nicht wirklich besser, denn in den Momenten der Angst, weiß man davon schlicht nichts. In diesen Momenten fühlt man sich mit dem schlichten Tod bedroht.

Also, die Tipps mit ‚Hey, dann musst Du los, es ausprobieren!‘ sind ganz toll, aber wenn ich das zwei, drei mal mache und jedes mal auf die Fresse bekomme, dann versuche ich es das vierte mal nicht mehr. Dannn gehe ich davon aus, Baclofen ist halt nichts für mich und aus die Maus. Genau deswegen, sitze ich also hier und warte ab, was passiert. Ich kenne Gefühle (z.B. von der raten Zeit Trevilor oder und ausreichender Dosis Alprazolam), die sind da, ohne das ich was ‚teste‘ und ich weiß, wenn ich jetzt losgehen würde, passiert nichts. Alles wäre gut. Und genau auf das Gefühl warte ich eigentlich, habe aber mittlerweile ein wenig Angst, das Gefühl kommt nicht. Vieleicht ist das auch ein unrealistischer Punkt, auf so ein Gefühl zu warten, ohne ‚was tun zu wollen‘. Ich weiß es nicht.

Bei vielen Erfahrungsberichten, von Leuten, die Baclofen gegen Ihre Ängste genommen haben, klang es für mich oft so, dass es tatsächlich irgendwann einfach Klick gemacht hat, und sie hatten keine Angst mehr. Und bei vielen nicht erst nach Wochen, sondern schon nach wenigen Tagen. Das klang für mich immer unrealistisch, aber dafür haben es zu viele geschrieben. Naja, und ich befürchte halt, da falle ich mal wieder aus dem Schema.

Nun gut, ich werde mal ein wenig schlafen und dann warten wir mal ab. Ich dosiere ja auch viel langsamer hoch, als die meisten, die ich oben gemeint habe. Also vielleicht ist das ja schon der Grund, warum es bei mir noch nicht losgegangen ist 😉

Tag 13 – Eine kleine Dickmadam zog sich eine Hose an…

… die Hose krachte, Dickmadam lachte, zog sie wieder aus und du bist raus.

Das schöne an so einem Abzählreim ist, dass man auch Glück haben kann 😉

Da wir Angstgestörten aber wenig an unser Glück glauben, müssen wir halt auch mal nachhelfen. So habe ich heute die Dosierung auf 3×7,5mg erhöht, um möglichst nicht wieder Stress mit Nebenwirkungen bei der Hochdosierung zu bekommen. Und siehe da: es fühlt sich kaum anders an, nur ein wenig entspannter vielleicht. Und das an einem Tag, der irgendwie garnicht entspannend war.

Friedrich (siehe Kommentare) gab mir den guten Tipp einfach mal die negativen und positiven Sachen in dieser Zeit auf eine Liste zu setzen und nach einigen Tagen pro und kontra zu vergleichen. Ich muss gestehen, dass mir sowas extrem schwer fällt. Aber was ich definitiv als die bisher stärkste und eindeutigste, positive Wirkung von Baclofen benennen kann ist die unglaubliche Verbesserung der Schlafqualität. Wie man im Blog lesen konnte habe ich die letzten 25 Jahre nicht nur unter Ängsten und Depressionen gelitten, sondern auch sehr stark unter äusserst schlechtem Schlaf. Seit dem ich Baclofen nehme (eigentlich seit der ersten Nacht danach) schlafe ich wie in meiner Jugend das letzte mal. Ich bin Morgens wach und klar. Bisher war ich Morgens stundelang zerschlagen und völlig müde. Wenn ich nicht wirklich etwas wichtiges vor hatte, oder meine Frau mich nicht ‚aus dem Bett geworfen‘ hat, dann habe ich auch ohne Probleme noch einige Stunden drangehängt, so dass ich erst gegen Nachmittag irgendwann aus dem Bett gerollt bin. Dann fühlte ich mich zwar etwas besser, aber war trotzdem noch nicht fit.

Sollte Baclofen also nicht in meiner Zukunft als das Mittel in meine eigene Geschichte eingehen, dass mich von meiner Angst befreit hat, dann aber ganz sicher von meinen Schlafstörungen! Und da ich glaube, dass Schlafmangel stark etwas mit Angst und Depressionen zu tun hat, bin ich noch sehr guter Hoffnung 😉

Ich denke also, dass ich die 3 x 7,5mg Baclofen noch einige Tage nehmen werde und dann schluffig auf die 3 x 10mg klettere. Auf diese Weise glaube ich weiteren Nebenwirkungen von Baclofen weitestgehend zu entgehen. Der heutige Tag (die nur minimal – wenn überhaupt – verstärkten Nebenwirkungen) macht mir Mut, dass es so klappen könnte. Wir werden es sehen.

Ich werde nun lecker noch eine Folge Breaking Bad anschauen und dann gepflegt schlafen gehen. Morgen werden ich mal schauen, ob der Schlaf sich wieder verbessert, denn heute Nacht war ich seit langer Zeit mal wieder etwas unruhig. Ich kann nicht genau sagen, warum und weshalb, aber ich hatte genau das als Anlass genommen heute mit einer höheren Dosis weiter zu machen. Mal sehen, ob es die gewünschte Wirkung hat und die nächste Nacht wieder so wunderbar wie die vorherigen wird.

In diesem Sinne: Eene meene Mütze,zehn Pfund Grütze. Eene meene muh,müd bist du….

Tag 11 – mach mal einer das Licht aus…..

Der heutige Tag war ganz ähnlich dem gestrigen Tag. Einziger, gut spürbarer Unterschied: Noch weniger Nebenwirkungen. Es geht also tatsächlich deutlich zurück, was die angenehmen Seiten verstärkt.

Die vorerst (weiß ja nicht, was noch so kommt ;)) angenehmste Seite vom Baclofen ist die deutlich bessere Schlafqualität, die ich verspüre. Und zwar fast seit der ersten Nacht. Das bringt mich zu einer Theorie, die ich schon seit Jahren habe und durch die Berichte, die ich über Baclofen gehört habe und nun auch schon selbst erlebe, deutlich gestärkt wird.

Meine These: Schlafprobleme können Angststörungen ermöglichen.

Klingt salopp und lächerlich zugleich, oder? Andere sagen vielleicht: ja, klar weiß doch jeder! Ok, Telefonnummer her…

Nein im Ernst; ich will aus meinem eigenen Krankheitsverlauf etwas dazu schreiben: Mit ca. 17, also genau zu Beginn meiner Angststörungen (und leider nein, ich kann tatsächlich nicht mehr exakt sagen, ob vor oder hinter der ersten Angstattacke) hatte ich für mehrere Monate ganz massive Schlafstörungen. Diese äussersten sich nicht darin, dass ich schlecht einschlafen konnte, oder dass ich hier und da mal aufgewacht bin, nein: Ich konnte garnicht schlafen. Über einen sehr langen Zeitraum. Sicher wäre ich schon tod, wenn nicht hier und da Sekunden und Minuten des Schlafs dazwischen gewesen währen, aber es kann nich viel gewesen sein. Meine Symptome gingen bis zu Halluzinationen – visuelle wie akustische – absinken meiner Körpertemperatur ständigem Hunger (ich habe VIER mal am Tag warm gegessen, weil ich mindestens genauso oft auf dem Topf war und ich alles ‚verlor‘, was ich oben reingesteckt hatte). Trotz des vielen Essens habe ich einige Kilos abgenommen in der Zeit, sprich mein Stoffwechsel war auf hochtouren. Ich habe ausgesehen wie der laufende Sensenmann und fühlte mich auch so. Nachts im Bett habe ich dann gelegen und stundenlang die Decke angeschaut, die Augenlider zugeniffen, mich hin und hergewälzt, die Uhr beim ändern Ihrer Zahl beobachtet usw. Dann bin ich wieder aufgesprungen, hab Radio angemacht (einige werden es nicht glauben: damals hörten die Fernsehstationen irgendwann auf und machten bis Morgens eine Sendepause 😉 ) und aus dem Fenster geschaut (da war nie was zu sehen) bis ich mal wieder versucht habe mich ins Bett zu legen. Dann ging wieder alles von vorne los.

Ich habe es irgendwann mit einer Hypnose-Kassette (Kassette? Kennt wieder keiner mehr? Scheisse, ich hab doch nicht Schellack-Platte gesagt. Schaut bei Wikipedia, da steht bestimmt was…) versucht und tatsächlich: Die ersten Nächte habe ich die so oft gehört, bis ich mitreden konnte, aber in der dritten oder vierten Nacht knackte ich nach einigen Durchgängen weg. Ich schlief plötzlich für mehr als nur Minuten oder Sekunden.

Ich habe mich jedoch seither nie wieder (und glaubt mir, 25 Jahre sind eine verdammt lange Zeit) erholt gefühlt, wenn ich Morgens aufgewacht bin. Ich bin nie wieder mit einer gewissen Müdigkeit ins Bett gegangen und konnte nie wieder ‚einfach‘ einschlafen, wie ich es als Kind oder junger Jugendlicher konnte.

Natürlich habe ich über die Jahre auch immer wieder was zum Schlafen bekommen, vom niedlichen Baldrian bis Zolpidem, alles was dabei. NICHTS brachte den Schlaf wieder, denn ich als Kind noch kannte und den z.B. meine Frau auch heute noch jeden Tag hat. Und den fast alle haben, die ich danach gefragt habe. Jeder auf seine Weise, aber so eine Geschichte, wie ich damals erlebt hatte, kannte keiner.

Ich würde mich aber nicht wundern, wenn der damalige Schlafmangel und die danach nie wieder erlangte Schlafqualität sehrwohl etwas mit meiner Angststörung zu tun hat. Und an dieser Stelle würde mir auch der mögliche Zusammenhang zwischen weniger Angst und Baclofen wieder auffallen: Nicht nur ich fühle mich nach so vielen Jahren wieder zum ersten Mal frisch und erholt, wenn ich nun morgens Aufwache. Man finde diese Veränderung des Schlafes bei ganz vielen, die über Baclofen berichten. Auch von einer Dankbarkeit über eine abendliche Müdigkeit liest man in diesem Zusammenhang. All dies könnte es bestätigen.

Was noch für mich dafür spricht, dass Baclofen über den Schlaf auf die innere Ruhe und das lösen der Angst wirkt, ist dass Baclofen nicht nur die wenigen Stunden auf den Körper wirkt, die es im Blut ist (Halbwertzeit ca. 2 Stunden), sondern ganz augenscheinlich auch noch viel länger. Hat jemand Kenntnis über die Metaboliten von Baclofen? Für welchen Wirkmechanismus die bekannt sind und wie lange deren Halbwertzeit ist? Ich würde mich nicht wundern, wenn hier der eigentliche Wirkmechanismus liegt und deshalb auch a) die relativ kurze Halbwerzeit von Baclofen irrelevant ist und b) ein Muskelrelaxant solche weitreichende Wirkungen hat.

Was mich wirklich interessiert – und deshalb BITTE ICH UM KOMMENTARE HIER – wie sieht es bei anderen ‚Angsthasen‘ aus. Habt Ihr eine ähnliche Problematik bzgl. Schlaf? Und was ist mit denen, die Baclofen nehmen: hatte Ihr früher Schlafprobleme und sind die unter Baclofen verschwunden, während die Angst auch verschwandt?

Also, ich bin mal wieder so weit, dass ich – obwohl üüüüüüberhaupt noch nicht meine Zeit – tierisch schläfrig werde (und auf eine total angenehme Weise!), so dass ich nun mal aufhören werde, um fein zu schlummern.

Schreibt mir Eure Erfahrungen bzgl. Schlaf und Angst in einem Zusammenhang. Passierte da was in den gleichen Phasen? Folgte das eine dem anderen?

Ich bin gespannt! Und ich mach das Licht jetzt selbst aus 😉