Tag 27 – Tiefe Wasser sind still….

Ich will meinem einmonatigen Baclofen-Jubiläum eigentlich nicht vorgreifen, aber es kommt mir in jedem Fall schon wie ein Monat vor 😉

Nun aber zu den Wahrheiten: Heute hatte ich ein Erlebnis, das mir leider zeigte, wieviel ich mich eigentlich in diesem Monat bewegt habe. Bisher hatte ich mir in negativen Momenten immer hergeholt, dass ich ja eigentlich nichts auszustehen habe und einfach viel zu sehr auf alle möglichen Symptome achte – ganz wie es mein ’style‘ ist.

Heute hatte ich etwas auszustehen. Vielleicht nichts besonderes für andere, aber rege mich sehr schnell und stark auf, wenn Dinge in meinen Augen ungerecht und unfair sind. Früher bin ich in solchen Situation abgehauen oder habe mich sofort geprügelt. Das war nicht immer witzig. Geprügelt habe ich mich nun jahrelang nicht mehr und das abhauen gelingt nicht, wenn man in seinem eigenen Haus in eine solche Situation gerät. Details sind eigentlich nicht nötig, aber ich habe heute ein ‚abschliessendes‘ Gespräch mit einem Handwerker gehabt, um über Mängelbeseitigung zu sprechen. Als kleiner Hintergrund: Wir haben einen grossen Kamin (wirklich groß….) eingebaut bekommen, der leider nicht mal das Zimmer heizt in dem er steht. Der Inhaber der Firma kam mit 2 weiteren Personen aus dem Unternehmen (von denen übrigens keiner am Bau beteiligt war….) und erklärte mir minutenlang wie ‚ordnungsgemäß‘ das alles ausgeführt wurde.

Das ich hätte platzen können begann schon damit, das 3 Leute dämlich in meinem (kalten) Wohnzimmer standen, obwohl keiner von denen beim Bau des Kamins dabei war. Warum drei? Hat einer von den anderen am Bau gesagt: der ist groß und breit. Geh da bloss nicht alleine hin, wenn Du was verkackt hast! Dann faselt der minutenlang von den tollen Reglern am Kaminfenster und schön man alles einstellen kann und ich hatte das Gefühl der möchte mir das Teil direkt nochmal verkaufen. Als ich ihn dann (wirklich noch freundlich – wenn vielleicht auch etwas zickig) fragte, was der Vortrag der letzten Minuten denn mit meinem Problem zu tun hätte, drehte der sich allen ernstes zu seinen Kollegen um und fragte: „Welches Problem haben Sie denn?“

An diesem Punkt war ich auf Tausend! Mein Problem? Ich habe einen 13.000 Watt Kamin in einem 60qm Raum. Das sind über 200Watt/qm (alle zuhörenden Heizungsbauer wissen, dass 100W/qm ausreichen um die Bude warm zu machen) und der scheiss Raum ist auch nach 4 Stunden dauerheizen noch kalt (irgenwas bei 17°C). Mein Schornsteinfeger hatte mir bereits bei der vorhergegangenen Abnahme erklärt, warum das nicht warm wird und welchen Fehler die Ofenbauer gemacht haben. Übrigens nichts was nicht mehr zu korrigieren wäre.

Da stand ich also mit diesen 3 Schiessbudenfiguren und dachte mir platzt die Halsschlagader. Mein Fehler war sicherlich, dass ich diesen Gruppenauftritt schon als ‚Angriff‘ in meinen eigenen vier Wänden interpretiert hatte. Wenn aber der Pappa-Schlumpf der Truppe (ohne scheiss, der sah wirklich so aus!), drei Sekunden im Raum ist und vollmundig rumplappert wie geil das eigentlich ist und KEINE Sau überhaupt sowas sagt wie: „Oh, Herr Petrocelli, es tut uns Leid, dass Sie nicht zufrieden sind. Vielen Dank nochmal, das Sie uns so freundlich per Fax auf dieses Problem hingewiesen haben. Wir schauen uns das jetzt mal zusammen an und stellen mal fest, warum Ihr Zimmer den so garnicht auftauen will….“, tja, dann pisst mich das wirklich an. Und ich frage mich, ob er seine Gründe hat, warum er mit mir das nicht alleine klären kann? Aber es verdichtete sich der Eindruck, das es für ihn nichts zu klären gab.

Nachdem ich ihn auf die vom Schornsteinfeger erkannten Ursachen für die geringe Heizleistung ansprach, sagte er nur, das sie alles besonders toll und ordnungsgemäß ausgeführt hätten. Eigentlich war von den Herren noch eine ‚Probefeuerung‘ angedacht (Wie lange wollten die bei mir bleiben? Hatten die was zu Essen mit?), aber nach dieser Ansage habe ich Papaschlumpf mitgeteilt, dass – wenn das hier sein finale Meinung ist – er seine beiden Hilfsschlümpfe wieder mitnehmen kann und das Kaminfest hiermit beendet ist.

Nach aussen hin habe ich das wohl so kommuniziert, dass die 3 wohl im Grunde froh waren mit dem Leben davongekommen zu sein. Obwohl keiner von denen Verstand, was da gerade abgelaufen ist und warum ich nicht freudestrahlend mit Ihnen das ‚dieser Kamin ist toll‘-Lied gesungen habe. Meinen abschliessenden Kommentar über die dreidimensionale Fototapete, die da an meiner Wand steht hat auch keiner verstanden. Ich für meinen Teil war jedenfalls komplett im Arsch. Ich hatte das Gefühl, falls mein Herz nicht gleich einfach ‚Plopp‘ macht und stehenbleibt, würden sich sicher gleich Teile meiner Halsschlagader aufreissen und einige Liter Blut auf den schönen Putz des Kamins verteilen (dann wäre er wenigstens ein bisschen warm geworden). Alles an und in mir zitterte und ich habe mich einfach nach draussen verpisst, während die Ihren wichtigen Kamin-Untersuchungs-Koffer wieder einpackten. Bei uns ist momentan das ganze Haus Baustellte und deshalb war es ziemlich egal, ob ich die Herren hinausgeleitet hätte oder nicht. Momentan laufen so viele Handwerker da ein und aus, dass ich mich manchmal frage, ob die alle zu uns gehören….

Ich habe draussen noch einige Minuten gebraucht, bis ich wieder runter kam. Eigentlich erst, als ich mitbekommen habe, dass die Spacken vom Grundstück gefahren sind. Bis dahin entwickelte sich das Gezitter zu regelrechten Krämpfen, was mich unter Baclofen zusätzlich mehr als nervös machte. Baclofen <> Krämpfe – war da nicht was?

Das Ende von diesem endlosen Lied ist also (und ich hatte mir wirklich vorgenommen mich kurz zu fassen bzgl. des Urpsrungs meines Ärgers – wirklich, ich schwör!), dass ich nun weiß, dass ich mich nicht nur in relativ stressfreien oder ’normalen‘ Situationen nicht wirklich besser fühle unter Baclofen, sondern, dass ich in einer richtigen Stress- und Paniksituation keine Hilfe von Baclofen erfahre. Es sei denn, man nimmt an, ich wäre ohne Baclofen heute tot vor meinem verfickten Kamin aufgefunden worden.

Waum ich nicht alles hinschmeisse, Baclofen ab heute nurnoch doof finde und damit aufhöre?

Ich weiß es nicht. Weil ich irgendwo da drinne es einfach nicht wahr haben will? Mich bloss weigere einfach meinen letzten Strohhalm wegzuwerfen? Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung – wie denn auch? Aber ich denke, ich weigere mich wirklich hinzunehmen, dass ich von so vielen guten Erfolgen von Baclofen bei Angst gehört habe und ich derjenige sein soll, bei dem es ‚mal wieder‘ nicht wirkt. Aber es gibt so wenig ‚Statistik‘ zu Baclofen und Angst. Keiner kann mir wirklich sagen, ob es vor allem durch zeitliche Summierung irgendwann hilft oder nur oder in Kombination mit der richtigen, hohen Dosis? Die vor allem auch wieder keiner bezeichnen kann, da bei jedem Bericht von positiven Erfolgen hast jedesmal eine andere Dosis genannt wird.

Es wird ständig von der ‚persönlichen‘ Dosis gesprochen und – wenigstens manchmal – auch von nicht unerheblichen Zeiten bis es ‚richtig‘ gewirkt hat. Aber leider auch so oft von ‚…am dritten Tag war die Angst wie weggeblasen…‘ – leider, weil es mich natürlich befürchten lässt, dass es dann bei mir wohl nicht helfen soll.

Tja, wie auch immer. Die Nebenwirkungen sind mittlerweile – nach einigen Tagen 30mg/d – gering. Leichter Schwindel und das auch nicht ständig. Ich könnte mir tatsächlich vorstellen, dass dieser nach einigen Wochen ohne Dosisänderung verschwinden würde. Deshalb denke ich, dass ich evtl. am Wochenende mit 3x15mg beginne. Dazu muss ich leider sagen, dass ich hier und da schon manchmal Angst habe, ich könnte spontan und unverhofft mit dem Atmen aufhören, wenn ich weiter hoch gehe, aber naja, das ist realistisch gesehen wohl eher unwarscheinlich. (jaja, dieses fiieeese Restrisiko – das macht uns Hypochondern schon richtig zu schaffen 😉 ).

Wie auch immer. Ich bitte um Kommentare, falls mir überhaupt noch einer zuhört 😉 . Natürlich freue ich mich auch über alle Durchalteparolen, die Euch so einfallen. Ich glaube, ich könnte sie gebrauchen. Und, ok Herr Lehmann, Du darfst auch wieder was dichten. Ich werde es aushalten 🙂

In diesem Sinne. Gute Nacht!

Tag 22 – darf ich mal durch ihre Brille schauen?

Klingt philosophisch, ist es aber womöglich garnicht. Da komme ich aber gleich zu 😉

Heute St der 5. Tag mit 3x10mg Baclofen und der erste, seit dem ‚upgrade‘ der Dosis ohne wirkliche Nebenwirkungen. Sie sind nicht ganz weg (noch leichter Schwindel), aber z.B. die hier und da angenehme Tagesmüdigkeit ist seit heute Mittag vollkommen weg. Ich hatte vorhin sogar beim Film schauen für ein, zwei Minuten sogar das leichte Kribbeln und Zittern, mit dem bei mir gerne die Angst beginnt. Davon war die letzten Tage nicht mal im Anflug was zu merken.

Es reicht zwar nicht um länger präsent zu sein oder gar wirklich zu einer Angst zu werden, aber es war schon auffällig, das es überhaupt so auftauchte. Das bringt mich auf Folgendes: a) es ist also gut und gerne anzunehmen, dass die Nebenwirkungen nach dem Aufdosieren wirklich verschwinden – so war es bisher ja auch. Es scheint bei mir aber halt 5 Tage oder sowas zu dauern und nicht 2, wie man es bei anderen manchmal gelesen hat. Das wäre absolut akzeptabel. Zumal – und nun komme ich zum Titel – ich vor 3 oder 4 Tagen meine bisherige Brille terminiert habe und seither meine Ersatzbrille trage. Die Stärke der Brille ist ok, jedoch bildet jede Brille durch andere Glasformen und leichte Unterschiede im Augenabstand usw. etwas anders ab, was gerne für einige Tage zu leichtem Schwindel führen kann. Täräääh! Also bin ich wohl ungerecht gesen, was 😉
Und b) (jaja, oben war irgendwo ein a) ! ) frage ich mich als geübter Angsthase nun: verschwindet die positive Wirkung, die Entspannung mit den Nebenwirkungen?? Bin ich dann ‚voll auf’m Stoff‘ und habe trotzdem Angst? Wie geil wäre das denn: Petrocelli, Du hast den Hauptpreis gezogen! Hurra!

Naja, ok, ich denke das wird kaum so kommen, aber warum bin ich denn Angsthase, wenn ich mir nicht mal solche Überlegungen erlauben dürfte 😉

Aber mal im Ernst, versuchen wir doch mal ein wenig die positiven Dinge vom Baclofen in diesen 3 Wochen aufzulisten (Federico hat dasmnicht umsonst empfohlen!):

1. Die spontanen Ängste – die, die mit dem oben genannten Frieren so ätzend daherschleichen – sind immerhin 3 Wochen vollkommen weg gewesen. Das heute ignorieren wir mal….
2. Ich bin definitiv entspannter. So generell. Noch nicht, wie ich es mir wünsche, aber besser als sonst.
3. Ich kann mich besser konzentrieren. Ist sehr auffällig, da meine Probleme diesbezüglich über die Jahre immer schlimmer wurden. Hierzu muss ich aber auch sagen, dass ich das Cipralex – welches ich noch immer genommen hatte – vor ca. 2 Wochen ausgeschlichen habe und SSRIs haben mich seit Paroxetin reichlich ‚dumm‘ gemacht. Kann also ein Effekt durch das absetzen sein.
4. Wo wir gerade dabei sind: Das Absetzen von SSRIs geht sonst so leicht nicht von der Hand – kann man Baclofen evtl. auch zuschreiben.
5. Trotz Schwindel in den letzten Tagen, bin ich in Situationen wie Einkaufen usw. wesentlich ruhiger geblieben als früher. Noch im Sommer wäre ich beim Einkaufen mit solchem Schwindel ausgeflippt. Mit Baclofen finde ich es noch immer nicht toll, aber kann zu starke Panik ganz klar unterdrücken.
6. Der Schlaf ist wirklich besser. Es gab schlechtere Tage dazwischen, aber wenn ich es mit dem Status der letzten Jahre (Jahrzente bis Vierteljahrhundert – boah, wie scheiße klingt das eigentlich… ) vergleiche, dann ist es ein Traum! Im besten Sinne des Wortes.

Tja, alles in allem muss man also schon gestehen, dass Baclofen schon in den ersten 3 Wochen positive Wirkungen gezeigt hat. Bei allen Nebenwirkungen, die ich als professioneller Selbstbeobachter intensiv beäuge und wohl größer mache, als erlaubt, darf man das Positive einfach nicht vergessen.

Das Einzige, was bei mir nicht ganz so passt, im Vergleich mit den Berichten derer, mit denen ich in Kontakt stehe, oder von denen ich gelesen habe, ist das mit dem schnellen Verschwinden der Nebenwirkungen und vor allem mit dem schnellen positiven Wirkungseintritt.
Hierzu habe aber auch gleich eine Theorie parat (wer hätte das vermutet!): das mit den Nebenwirkungen ist leicht erklärt – ich bin halt auch ein Hypochonder. Das mit dem nicht ganz so schnellen Wirkungseintritt? Tja, da denke ich an mehrere Komponenten: Die lange Zeit von nunmehr 25 Jahren konditioniert einen nicht unerheblich. Ich glaube, eine Änderung, die nachhaltig wirkt und auch IM KOPF ankommt ist nicht innerhalb von Tagen zu schaffen. Es könnte ein Prozess sein, bis ich wieder lerne, dass das eine oder andere gar keine Angst mehr auslöst. Und ich muss gestehen, dass ich mir z.Zt. noch schlichtweg nicht trauen würde, etwas wirklich zu ‚riskieren‘. Und ich glaube, dass wird aber nötig sein. Doch ich glaube auch, ich darf mir hier ruhig etwas Zeit lassen. Hauptsache ich bin mit mir selbst nicht zu ungeduldig.

Die Tendenz ist die Richtige würde ich sagen. Und wenn das Meiste bei mir genauso ist, wie bei denen, die Erfolg mit Baclofen hatten, dann könnte bei mir ja auch das Erreichen einer bestimmten Dosis, den eigentlichen, positiven Fortschritt auslösen? Und da bin ich einfach noch nicht. Aber, wer weiss – wenn es noch ein, zwei Tage wieder gut läuft, dann steigere ich die Dosis weiter und wir werden dann feststellen, wie es mit den höheren Dosen funktioniert!

Eine Chance, die Angst macht?

Gestern, war nur bedingt gut. Heute ist es klar schlechter.
Schon am Morgen fühlte ich mir grundsätzlich unsicher. Wie wird der Tag? Wird er besser, oder womöglich schlechter? Alleine darüber nachzudenken, ist ein Fehler, aber ich kann es mir offensichtlich nicht aussuchen. Leicht gesagt? Würde ein Therapeut wieder sagen: ja er macht es sich leicht, er sieht es als nicht beeinflussbar und nimmt sich somit aus der Schuld!

Ja, nur das ich mich damit auch aus dem Leben befördere. Und nicht, dass ich mich ’nur‘ töte. Nein, das wäre zu einfach – ich quäle mich auch noch schön. Naja, wahrscheinlich stimmt, es und ich mache es mir nur leicht. Ganz ehrlich? Dann wüsste ich zu gerne, wie es ist, wenn ich es mir schwer mache!

Wieso der Titel? Naja, ich habe mich ja nun schon länger mit Baclofen beschäftigt und eine offensichtliche Fähigkeit (in diesem Fall die eigentliche Indikation von Baclofen) ist ja die Eigenschaft entkrampfend zu wirken. Da sehe ich mehr als eine Chance, denn – so fühlt es sich gerade in den letzten Tagen an – ist das Zittern ein wesentlicher Teil meiner Angstempfindung – und zwar als Auslöser, wie auch als Symptom. Genau das, finde ich im Moment extrem spannend. Denn das kann ich wiederholbar durch wohlige und gute Wärme stoppen und in etwas angenehmes umkehren – hilft manchmal sogar bei deutlich anders induzierten Ängsten. Da ist es mir nur so noch nicht aufgefallen, da ich mehr auf den Auslöser fixiert war.

Es macht mir tatsächlich eine deutliche Hoffnung, denn eine andere Hilfe für eine (so nenne ich es einfach mal) durch Zittern induzierte Angst wäre ja Baclofen weil das Zittern doch nichts anderes ist als viele kleine Verkrampfungen, oder?

Und da ich weiß, dass mir die Wärme auch bei Ängsten gut tut, die nichts mit Kälte zu tun haben, finde ich das ein starkes Indiz für eine mögliche Hilfe bei Angststörungen durch Baclofen!

Jetzt, wo es kälter wird, empfinde ich es deutlicher als Zittern, wenn ich in Angst gerate. Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, dass ich zu wärmeren Zeiten auch zittere, es nur nicht so deutlich wie z.Zt. merke.

Tja, also es wird wirklich spannend – sogar im positiven Sinne.